Der "gefährliche" Hund Teil 2

  • Unser damaliger Kleinpudel hat meinen Vater, als er beim Gassigehen umgeknickt ist ( mehrfacher Bänderriss ) und vor Schmerz ohnmächtig wurde, dermaßen am Rad gedreht wenn eine Fremde Person helfen wollte, dass man ihn nicht wiedererkannte. Der ist auf jeden, der sich meinem Vater annährte, losgegangen und hat geschnappt... man konnte froh sein, dass es "nur" ein tollwütiger Kleinpudel war. Erst als ich an der Unfallstelle eintraf ( vom Nachbarn gerufen und noch vor der Feuerwehr ) war schlagartig ruhe.

    Sein Wesen war aber eigentlich komplett anders... er "wollte" von jedem gemocht werden und lies sich auch von Fremden stundenlang durchkraulen und hätte nie einer Fliege was zu leide getan. Selbst mit Einbrechern hätte er spielen wollen.

    Aber bei der Situation hat es irgendwie in seinem Kopf Click gemacht und hat in den absoluten Verteidigungsmodus umgeschaltet.

    Wenn mir also ein HH erzählt, wie sich sein Hund bei so einer Situation verhalten würde, ohne dass er vorher schon Erfahrung gesammelt hat, ist er ein Schnacker.

  • Wenn mir also ein HH erzählt, wie sich sein Hund bei so einer Situation verhalten würde, ohne dass er vorher schon Erfahrung gesammelt hat, ist er ein Schnacker.

    Eben, sowas ist schlicht eine völlige Ausnahmesituation - für jeden x-beliebigen Hund.

    Man kann ja nichtmal vorhersagen, wie sich Menschen dann verhalten.

  • Als ich, im Garten zum Glück, mich blöd verletzt habe ist Toni sofort hoch ins Schlafzimmer gegangen...

    Man hat ja immer die Phantasie dass der eigene Hund einen heroisch verteidigt. 😅

    Aus dieser traurigen Geschichte nehme ich mich, dass ich jemandem mit großem Hund nicht selber helfe. Allerdings würde ich es schon machen wenn der Hund klein ist.

  • Puhhh.. ich finde das total schwierig :verzweifelt:

    Ich würde für Jumi never ever meine Hand in's Feuer legen. Es gab in der Vergangenheit Situationen, in denen sie sich nach einem Sturz sofort vor mich gestellt hat, genauso wenn unerwartet Menschen aus Gebüschen hervortraten.

    Wie krass sie tatsächlich reagieren und wie weit sie gehen würde, wenn ich bewusstlos wäre - keine Ahnung. Ich mag es auch eigentlich nicht ausprobieren ;)

    Ich für meinen Teil würde auch niemals erwarten, dass jemand sich selbst in Gefahr begibt. Da ich das Risiko aber doch für recht gering halte, gehe ich es ein und sichere den Hund nicht 24/7 mit Maulkorb, denn es könnte ja genauso gut zuhause passieren :fear:

    Ich habe aber tatsächlich mal überlegt was man tun kann, eben auch um andere zu schützen aber irgendwie fällt mir da leider auch nichts sinnvolles ein.

  • Bei meinen Hunden würde mich bei Kontrollverlust meinerseits Verteidigungsbereitschaft nicht wundern!

    Beim Teckel kann ich diese erfahrungsgemäß mit JA! hat er durchstartend, beantworten.
    Gesundheitl. Vorfall bei meinem Mann, sprich seinem Hero, da kennt der Hund keine Gnade.

    Der Zwerg ist sonst Menschenfreund hoch 10!


    Mit meinen Großen gab es zwei brenzlige Situation (einmal fußläufig, einmal Auffahrunfall sie saßen in ihren Boxen) allerdings zum Glück ohne Bewusstseinsverlust, beide verfielen nicht in ihren sonst neutralen Modus bei Menschennähe, da ich aber die Situation im Griff hatte und die Stricke ebenso, ging alles -mit Abstand- gut aus.

    Ich als Hundeführer strahle einen Ausnahmemodus aus, ob ich will oder nicht ist in hilflosen Momenten kurzzeitig alles anders, das bekommen die Hunde hautnah mit!

  • mein Rüde würde sicher beißen und ausrasten, da bin ich mir sogar 100% sicher. Aber der wiegt nur 2 Kilo, da würde wohl niemand kommen und den "mit Todesfolge beseitigen". Da reicht es zum glück einfach ne Jacke drüber zu werfen und schon kann man das tobende mini biest wegnehmen.

    Bei meiner Hündin bin ich nicht sicher. Die würde aber auch zu 10000000'% Prozent laut Radau machen wenn einer näher kommt. Aber auch die kann man genauso vom Ort des Geschehens entfernen wie den Rüden.
    Da ist es wirklich gut das die so klein sind.

  • Ich geh mal nochmal näher auf die damalige Situation ein :

    Ich bin mit Lilo zu meiner Mutter gegangen und hab gesehen dass vorm Haus Krankenwagen und Notarzt standen.

    Und genau in diesem Moment (!) ist Lilo vollkommen durchgedreht.

    Wir waren noch nichtmal im Haus, sondern noch auf der anderen Straßenseite.

    Sie wusste genau was los war, ich wusste in diesem Moment genau dass es "uns" betrifft.

    Sie hat gezogen wie eine Irre, hatte ein Stressgesicht vom allerfeinsten, ist sprichwörtlich "die Wände hochgegangen". Sie wollte nurnoch rein, rein rein, alles Andere war egal. Hauptsache schnell rein.

    Wir gingen rein, und wurden raus geschickt, haben gewartet, der Hund immernoch permanent gestresst.

    Betroffene Person wurde wiederbelebt und ins Krankenhaus manövriert.

    Wir gingen wieder rein, Lilo klebte an der Eingangstür. Sie ging da nicht weg.

    Wir sind dann ( natürlich ohne Hund) ins Krankenhaus, um zu erfahren dass er es nicht geschafft hat...

    Wir kamen zurück, ich hab mir Lilo geschnappt, und wisst ihr was sie getan hat?

    Wie eine Irre Richtung Krankenhaus gezogen. Sie hat ihn gesucht, sie wollte hin. Alles Andere war ihr in dem Moment komplett egal.

    Ich weiß, dass sie genau wusste was los war.

    Ich geh sogar soweit dass sie wusste dass er es nicht packt.

    Und ich gehe soweit zu sagen dass es absolut unmöglich ist vorauszusagen wie sich ein Hund in einer solchen Situation verhält.

    Und das war nichtmal ihre Hauptbezugsperson!

    Ich trau ihr zu dass sie bei mir kleben würde wie eine Klette.

    Ich trau ihr zu dass sie absolute Panik bekäme.

    Ich trau ihr zu dass sie mich verteidigen würde.

    Aber eine Prognose stellen würde ich nicht. Ich weiß nur, dass Potential da ist, und sie bereits anders tickt wenn ich bspw mal Kopfschmerzen hab.


    Ich weiß dass Hunde bei solchen Dingen verdammt sensibel sind.

    Ich weiß dass sie einen Autounfall bemerken, wenn dieser eine Ortschaft weiter passiert.

    Ich weiß auch dass sie bspw ein Bewusstsein für Krebs haben und ein Krebskranker Halter das Verhalten eines Hundes derart ändern kann, dass man an seinem Verhalten den Gesundheitsstatus des Menschen ablesen kann.

    Woher? Erfahrung.

    Sowas lernt man nicht theoretisch, sowas erlebt man.

    Und ich hoffe dass es niemand erleben muss.

  • Sie hat eine beschissene Erfahrung gemacht und stempelt seitdem in jedem Thread wo das Thema hoch kommt "solche Hunde" (und damit meint sie sämtliche Listenhunde und ähnliche Optik) äußerst unangenehm als tickende Zeitbomben ab. Nervt tierisch und stimmt so pauschalisiert einfach überhaupt nicht.

    Ah, ok, das hilft bei der Einordnung der Aussagen. Danke dir.

    Ein pauschales „gehören alle getötet“ macht natürlich nicht sympathisch, aber dann weiß ich, wie ich vorgehen muss, danke :bindafür:

    Ich denke nicht, dass das böse gemeint war, sondern mangelt es leider an Alternativen:

    Wenn der Hund zu gefährlich ist, dass Laien dann auf Kosten ihres Umfelds daran rumprobieren, und befähigte, willige mit passenden Immobilien ausgestattete Menschen selten (oder schon überbelegt sind), dann bleibt nur Einschläfern oder jahrelange Zwingerhaft eines hochsozialen Lebewesens.

  • Gefährliche Hunde…

    Habe selbst einen Hund geführt, der mit der falschen Person durchaus gefährlich gewesen wäre und der war in Relation zu genannten Beispielen in diesem Strang echt noch harmlos.

    Aber auch er war entsprechend gesichert und seine Führung brauchte absolute Aufmerksamkeit.

    Mit dem Laufen mit Mme ist das nicht zu vergleichen und erst als sie bei mir war, wurde mir das Ausmaß der Kontrolle und gezielter (Über-)Präsenz bewusst, was jahrelang Alltag war.

    Hunde, die eine Gefahr für Leib und Leben darstellen, kann man hierzulande nicht mehr retten.

  • Ich finde es gibt einen signifikanten Unterschied zwischen "mein Hund würde Fremde nicht an mich ranlassen, wenn ich bewusstlos wäre" und "mein Hund tötet den Hund einer Ersthelferin".

    Bin ich die Einzige, die das so sieht?

    Mich "verteidigen" würde Nastro versuchen - würde aber sehr wahrscheinlich weichen, wenn jemand dominant genug auftritt. Der Pudel? Hätte mich sehr wahrscheinlich verteidigt und wäre schwer zu beeindrucken gewesen.

    Beiden wäre auch zuzutrauen gewesen, Stress mit dem Hund der Ersthelferin anzufangen - aber zwischen Wegdrohen, Attackieren oder auch Löcher machen und töten, gibt es ja noch mal einen deutlichen Unterschied.

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