Erziehungsstile - positiv, aversiv, wie erzieht ihr und wieso?

  • Es ist immer wieder schön, die Standardbehauptung, man kann gar nicht straffrei trainieren, weil es im Alltag automatisch zu Situationen kommt, die der Hund als Strafe empfindet. Und alles sei Training. Training ≠ Alltag. Man kann sehr wohl straffrei trainieren, wenn man das will.

  • Ähm - nein, hier eigentlich gerade nicht, dachte ich? Über den ganzen Threadverlauf bemühen sich doch Leute aus verschiedensten Richtungen, auszudifferenzieren, was sie unter aversiver Absicherung und Strafe bzw. Nutzung der 4 Quadranten verstehen - und wann es sinnvoll sein könnte, was einzusetzen.

    Wo ist das Problem?

    Ihr könnt doch alle pos Strafen anwenden wie ihr wollt, keiner spricht euch das ab.

    Aber es ging hier darum wer wie trainiert und da muss es auch okay sein zu sagen das man versucht R+ zu arbeiten. Egal ob das die breite Masse hier sinnvoll findet oder nicht :ka:


    Es läuft immer aufs Selbe raus, ihr wollt mir sagen das man nicht straffrei arbeiten kann, obwohl ich das nie behauptet habe, dass man das kann oder bei R+ macht.

    Das "Problem " ist eher das häufig gesagt wird das es gleichwertig ist zu Training /Erziehung wo eben nicht straffrei gearbeitet wird man müsse nur geduldiger, kreativer etc sein.

    Und das ist idR nicht so.

    Wenn es dann Beispiele gibt sind diese auch wieder mit X Einschränkungen und Management verbunden die zeigen - nein , ohne angepasste Strafe werden viele Hunde in hohen Reizlagen/ selbstbelohnenden Verhalten halt nicht zuverlässig.


    BadlyConfused vielen Dank für deine Antwort!!

  • Es ist immer wieder schön, die Standardbehauptung, man kann gar nicht straffrei trainieren, weil es im Alltag automatisch zu Situationen kommt, die der Hund als Strafe empfindet. Und alles sei Training. Training ≠ Alltag. Man kann sehr wohl straffrei trainieren, wenn man das will.

    Sicher, dann ist es ja aber gelogen zu behaupten man arbeite nur belohnungsbasiert wenn es in einem Thread um Alltag geht.

  • Weil Naruto Ex-Angsthund ist und er schnell in alte Muster fällt. Heißt das bleibt eben nicht bei situativen und temporären Meideverhalten sondern er steigert sich da tagelang rein. Das ist es mir dann nicht wert dass er hier dauerhechelnd und zitternd rumliegt.

    Und gerade bei Letzterem kann uns - mittlerweile - ein Abbruch dabei helfen, dass sie sich nicht in eine Angstspirale hineinsteigert. Das war zu Anfang nicht so, aber aktuell klappt es ziemlich gut. Lilly hatte seit Jahren keine Panikattacke mehr. Und autoberuhigendes Verhalten, das aber im Endeffekt die Adrenalinproduktion hochfährt, anstatt sie runterzuregulieren, kommt mittlerweile auch so gut wie gar nicht mehr vor, weil wir es unterbrechen können, bevor es eine Spirale wird.

    Da bin ich voll bei dir. Naruto steigert sich wenn er gestresst ist ins Bellen rein bzw würde sich reinsteigern und da ist es auch besser ihm ein Abbruchsignal zu geben und dann Alternativverhalten. Wichtig ist bei ihm das Alternativverhalten in solchen Situationen und wenn es nur ein "geh auf dein platz" ist. Das reine Abfragen von Alternativverhalten bringt übrigens selten was, dann macht er das zwar aber bellt dabei weiter. Und nur das Abbruchsignal führt dazu, dass er kurz aufhört und innehält und dann weiter macht. Deswegen die Kombi aus beidem. Außer ein Lob gibts da aber keine weitere Belohnung, damit er sich da nicht mit der Erwartungshaltung von "oh jetzt gibts ein Leckerlie" stresst.

  • Es ist immer wieder schön, die Standardbehauptung, man kann gar nicht straffrei trainieren, weil es im Alltag automatisch zu Situationen kommt, die der Hund als Strafe empfindet. Und alles sei Training. Training ≠ Alltag. Man kann sehr wohl straffrei trainieren, wenn man das will.

    Dazu muss man eben Alltag und Training trennen. Für mich persönlich ist das künstlich und ich mache das nur, wenn es Probleme gibt. Eben weil ich gerne so wenig Strafe wie möglich.

    Als jemand der Hunde ohne Job, Sport und Hobby hat gibt es nunmal kein Training.

    Das höchste der Gefühle ist Turnen und ganz ehrlich, selbst da gibt es ein, nicht rumhampeln, sondern konzentrieren, bitte. Und ja auch unterbrechen bis die Murmeln sortiert sind ist Strafe. Beim nicht verfressenen Hund kann ich da Kekse auf den Boden werfen als Pause, beim Verfressenen macht es das Schlimmer. Ich gebe mir aber gerne die Schuld, das unter Anderem schlechtes Timing beim shapen zu derlei Problemen führt. Leider müssen meine Hunde da als Versuchs- und Trainingsobjekte durch. Weil auch ich muss üben :ka: die Alternative wäre nur es einfach zu lassen. Aber erstens Mal halte ich so ein bisschen Ausgleichssport für gesund und zweitens habe ich das Gefühl meine Hunde haben trotz meiner Inkompetenz Spaß dran.

  • Eben war ich mit meiner Junghündin draußen, ich habe Fleisch reingeholt welches im Stall liegt und das sie drinnen fressen darf nachdem wir lösen waren. Also ich in den Stall, zwei Stücke fleisch genommen. Sie steht dann natürlich dabei und ja nu, am liebsten würde sie mir die aus der Hand stibitzen, klar. Ja, das darf sie halt schlicht nicht, ich sage dann „Nein“ und sie lässt es. Versucht sie es doch korrigiere ich das. Ich meine, das ist doch Zusammenleben. Mir wäre es wirklich zu anstrengend mir da nun 1000 Gedanken drum drum zu machen wie ich sowas ohne Abbruch mit Belohnung lösen könnte. Zu mal es dem Hund doch null ausmacht da eine Grenze gesetzt zu bekommen. Die sagt da „Ok“ und das wars, sie lässt es dann halt.

    Was macht ihr denn da wenn ihr ohne Strafe arbeitet?? Oder habt ihr einfach Hunde die sowas nicht versuchen?

    Finde das ein gutes Beispiel. Wie würden denn andere hier vorgehen? Mal ganz konkret (irgendwie scheitert es immer am Konkretisieren hier, hab ich das Gefühl).

    Bei diesem Beispiel hier:

    Ich nehme mal ein ganz konkretes Beispiel. Tag 1 Momo Einzug. Fütterungszeit. Momo fraß ihre eigene Portion und stürzte sich dann zu Lillys Portion, um die zu klauen. Habe ich unterbunden, war natürlich erstmal nur akute Verhinderung.

    Tag 2 wussten wir ja schon Bescheid. Jetzt gabs zwei Möglichkeiten: 1. Wir gehen den Konflikt nicht ein, sondern füttern die Hunde räumlich getrennt. 2. Wir bereiten uns darauf vor, dass Momo versucht zu klauen, unterbrechen das und rechnen damit, dass wir den Abbruch auch durchsetzen müssen.

    Beinhaltet doch das hier:

    Was ist denn mit Möglichkeit 3:

    Den Hund davon abhalten hinzulaufen und ihn für richtiges Verhalten wie zb warten zu belohnen?

    Möglichkeit 2 komplett und fügt dann eben noch das Belohnen hinzu, welches aber bei Phonhaus ja durchaus auch im Anschluss noch gekommen sein könnte, es wurde vllt nur nicht erwähnt, weil es darum ging, dass eben die 2. Möglichkeit ein Abbruch wäre. Hund von etwas abhalten kommt doch einem Abbruch gleich, oder irre ich da?

  • Dann frag doch “Wie baut man einem postiven Abbruch auf”? :ka:

    Eigentlich ging es explizit um den Abbruch und warum nachfragen da so problematisch ist, ich verstehe es nicht. Letztendlich kann unsereins ja auch vielleicht was draus lernen.

    Naja erstmal ist ja alles was ich dem Hund sage, was dazu führt das er sein Verhalten ändert/unterbricht ein Abbruch. Das heisst jedes Signal kann ein Abbruch sein… und jedes Signal kann ich positiv aufbauen.

    Rückruf, sitz, platz… was auch immer.

    Oder zb ein “Nein”

    Der Hund lernt in einer reizarmen Situation erstmal was zu erwarten hat… heisst er ist entspannt, ich sag “nein” -> Belohnung. Am Ende erstmal eine klassische Konditionierung. Damit der Hund lernt wenn “nein” kommt passiert was Gutes.

    Das nimmst du das halt in den Alltag, logisch erstmal in leichte Situation. Hund schnüffelt meintewegen, du sagst “nein” und belohnst es wenn der Hund das Verhalten zeigt was du sehej willst - auch wenn er nur kurz innehält.

    Und je nach Hund kannst du dann eben auch irgendwann noch ne Alternative anhängen, wenn er schnell Frust kriegt zb.

  • Es ist immer wieder schön, die Standardbehauptung, man kann gar nicht straffrei trainieren, weil es im Alltag automatisch zu Situationen kommt, die der Hund als Strafe empfindet. Und alles sei Training. Training ≠ Alltag. Man kann sehr wohl straffrei trainieren, wenn man das will.

    Sicher, dann ist es ja aber gelogen zu behaupten man arbeite nur belohnungsbasiert wenn es in einem Thread um Alltag geht.

    Nein tun sie nicht. Im Alltag, ob man jetzt straft oder nicht, kann es zu Situationen kommen, die für den Hund als unangenehm empfunden werden aber nicht als Strafe beabsichtigt sind. Wenn mein Hund an der leine springt und ich ihn zurückziehe ist das unangenehm aber nicht als Strafe beabsichtigt.

  • Das verwirrt mich. Bei der Erklärung lernt der Hund doch etwas völlig anderes. Er verknüpft das Wort "nein" mit einer Belohnung. In Erwartung dieser wird er zwar wahrscheinlich sein grad aktuelles Tun abbrechen, aber nicht, weil er versteht, das "nein" heissen soll: Lass das, was du gerade tust, sondern dass "nein" bedeutet, ich werde jetzt (für was auch immer) belohnt. Da sehe ich die Gefahr der falschen Verknüpfung dann doch recht groß. Und irgendwie liest sich das für mich auch für den Hund schwammiger und unfairer.

  • Der Hund lernt in einer reizarmen Situation erstmal was zu erwarten hat… heisst er ist entspannt, ich sag “nein” -> Belohnung. Am Ende erstmal eine klassische Konditionierung. Damit der Hund lernt wenn “nein” kommt passiert was Gutes.

    Das ist bei mir der Name des Hundes.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!