Erziehungsstile - positiv, aversiv, wie erzieht ihr und wieso?

  • Weil es in einem anderen Beitrag heiß diskutiert wurde und ich das Thema eigentlich sehr spannend finde...

    Mir als Ersthundebesitzer fehlt zugegebener Maßen noch ein wenig das Verständnis für die Begrifflichkeiten.

    Wenn ich den Rückruf (als Beispiel) rein positiv aufbaue, heißt das dann ich belohne ausschließlich die selbstständige Umorientierung zu mir? Und sobald ich in irgendeiner Weise eingreife, durch die Schleppleine, Anstupsen, Gegenstände werfen etc., dann ist das negative Bestrafung? Für mich haftet dem Begriff negative Bestrafung immer so etwas körperlich züchtigendes an. Ich würde mich sehr freuen, wenn das hier nochmal diskutiert und erläutert werden würde.

    Wie erzieht ihr und warum? Was versprecht ihr Euch von Eurer Art den Hund zu erziehen, im Gegensatz zu den anderen Möglichkeiten.

    Natürlich ist das alles auch ganz individuell und auch teilweise rasseabhängig. Was für den einen Hund funktioniert, muss für den anderen noch lange nicht gehen. Also wäre schön, wenn alle kurz die Rasse ihres Hundes mit angeben, denke das ist für Neulinge hilfreich.

  • Ganz wichtig - Begriffe klären, bevor hier 3000 Seiten aneinander vorbeigeredet wird:

    Die Vokabeln:

    Positiv - etwas kommt hinzu

    Negativ - etwas kommt weg

    Strafe - was man macht, damit ein Verhalten seltener vorkommt

    Verstärkung/Belohnung - was man macht, damit etwas häufiger vorkommt


    Beispiele:
    Positive Verstärkung: Ich GEBE ein Leckerchen

    Negative Verstärkung; Ich NEHME Druck WEG

    Positive Strafe: Ich GEBE einen Schlag

    Negative Strafe: Ich NEHME etwas Angenehmes WEG

  • Ich nutze alle vier Seiten des Lernquadrats im Altag weil das für mich (im Alltag ) das Maximum an Verlässlichkeit in vergleichsweise kurzer Zeit bringt.

    Ich belohne sehr genau alles was mir auch nur ansatzweise gefällt und verbiete was ich ansatzweise nicht will.

    Wer ein Kommando/ eine Regel nicht befolgt wird je nach Thema gewarnt oder direkt abgestraft .

    Es gibt Dinge die sind schlichtweg für mich nicht zu diskutieren und da hampel ich nicht rum , da interessiert mich auch ohne ellenlangen Aufbau nicht "warum" - will ich nicht, ist gefährlich, fertig.

  • Und sobald ich in irgendeiner Weise eingreife, durch die Schleppleine, Anstupsen, Gegenstände werfen etc., dann ist das negative Bestrafung?

    So wie ich das verstanden habe, wäre das eine positive Bestrafung, denn es wird etwas hinzugefügt. Positiv und negativ sind in dem Kontext mathematisch zu verstehen. Positiv fügt etwas hinzu, negativ nimmt etwas weg.
    Wobei ich jetzt bei der Schleppleine auch überlegen würde, ob es doch zu der negativen Strafe gehört, weil ich den Freilauf wegnehme :denker: Gar nicht so einfach.

    Daher: Guter Thread :)

  • Ich erziehe frei nach Bauch.

    Ich bin ein Mensch. Ich habe auch mal schlechte Laune, ich bin auch mal genervt, und ja, das dürfen meine Hunde auch wissen. Ich versuche in der Regel Fehler zu vermeiden, sondern eher das zu belohnen, was meine Hunde gut machen und so gute Entscheidungen zu fördern. Lieber sichere ich einmal zu viel ab als einen Fehler wieder rückgängig machen zu müssen. Es gibt hier eigentlich wenige, dafür sehr fixe Regeln, die dann auch konsequent eingehalten werden müssen. Manchmal manage ich Situationen auch lieber, als sie zu trainieren.

    Ansonsten ist Selbstreflexion das große Stichwort und ich gebe mir Mühe, es immer ein bisschen besser als sonst zu machen. Besser im Sinne von geduldiger und positiver und einfach besser.

    Begrifflichkeiten wie positive Strafe oder negative Strafe und ähnliches sind für mich in der Theorie nett zu wissen, aber in meinem Alltag ist kein Raum dafür. Damit verkopfe ich viel zu sehr und das hat dann wiederum negativen Einfluss auf alles andere.

  • Da ich nicht viel Erfahrung mit Lerntheorien habe, erziehe ich den ersten Hund hier ohne konkreten Plan.
    Und finde mich direkt in dieser Beschreibung wieder:

    Ich belohne sehr genau alles was mir auch nur ansatzweise gefällt und verbiete was ich ansatzweise nicht will.

    Es gibt Dinge die sind schlichtweg für mich nicht zu diskutieren und da hampel ich nicht rum , da interessiert mich auch ohne ellenlangen Aufbau nicht "warum" - will ich nicht, ist gefährlich, fertig.

    Ich bin aber ehrlich gesagt aber auch kein Fan von Extremen, also alles über Leckerchen regeln oder niemals Leckerchen geben und nur mit Strafe arbeiten. Das könnte ich als Person nie so durchziehen.

    Der Border Collie macht es mir da aber auch leicht. Sie fragt nicht nach dem warum.

  • Ich interagiere mit Hunden intuitiv. Mit den Jahren ist Wissen dazu gekommen - das sichert mich in meinem Gefühl auch ab.

    Ich nutze vor allem positive Verstärkung. Scheue aber vor positiver Strafe nicht zurück und die dosiere ich je nach Hund, werde dabei auch körperlich. Und natürlich nehme ich den Druck raus, wenn das erwünschte Verhalten eintritt (bzw., wenn das unerwünschte Verhalten stoppt). Etwas Positives wegnehmen - eher selten. Das ist für mich sehr "um die Ecke gedacht".

    Je länger ich einen Hund habe, desto "leiser/sanfter" werden die Korrekturen und auch negative Strafe tritt dann mehr ein.

    Mir ist vor allem wichtig "fair" zu bleiben. Also vom Hund (insbesondere wenn ich strafe) vor allem Dinge zu verlangen, die er leisten kann. Wobei das für mich auch nicht absolut ist. Der Welpe, der die Steckdose anleckt, würde sofort sehr heftig abgebrochen, so dass er sich richtig erschrickt. Auch wenn er noch nicht "weiß" dass er das lassen soll. Das lernt er dann halt in dem Moment von mir.

  • Das ist so eine Sache mit dem positiv/negativ ...

    Wenn ich z. B. Druck wegnehme, also negativ verstärke, dann muss ich vorher positiv gestraft haben, indem ich Druck aufgebaut habe.

    Dazu kommt: Was ist denn für den Hund eine Strafe - und was ist für ihn eine Belohnung?

    Eine positive Strafe ist bei mir z. B. nie ein Schlag, sondern eine verbale Zurechtweisung.

    Dabei baue ich auf Stimmungsübertragung; Ein "Schatzilein, dass darfst du doch nicht, dududu..." in diesem gesäuselten Tonfall möglichst noch, gibt es bei mir nicht.

    Eine knackige Ansage, dass ich etwas kacke finde, bringe ich auch emotional so rüber, dass meine Hunde mitbekommen, wie sauer ich bin.

    Dabei hinterfrage ich mich aber oft selber, denn: Muss ich das öfter machen, mache ich etwas falsch.

    Ich wünsche mir im Umgang einen netten Ton, und ein nettes Miteinander, und gehe da mit gutem Beispiel bei meinen Hunden voran.

    Ich baue sehr viel auf Lernen, und nutze dafür zu Beginn einfachen Behaviorismus - Konditionierung, die ich grundsätzlich positiv aufbaue.

    Aversive Konditionierung lehne ich ab, weil ich die Beziehung und den Umgang mit meinen Hunden nicht auf der Furchtschiene aufbauen will.

  • Ich arbeite so gut wie nicht im Alltag über Kommandos. Meine Hunde hören auf Spaziergängen im Durchschnitt ungefähr keins. Ich setze sehr auf automatische Umorientierung und langsames Aufbauen im Umgang mit Umweltreizen auf Spaziergängen.

    Zuhause nutze ich weder Boxen noch Ausläufe, auch nicht für Welpen

    Schleppleinen nutze ich bei den meisten Hunden auch nicht.

    Nun habe ich Hütehunde, die empfinde ich für mich sehr einfach. Sie bekommen von Welpe an ein Feedback. Positiv wie negativ. Ich versuche schnell dazu zu kommen, dass ich abwarte und sie selbst kluge Entscheidungen treffen oder ich hilfsweise ein Zeigen-und-Benennen einbaue. Bei unerwünschtem Verhalten unterbreche im Ansatz (!!!). Jede Form von Abwenden wird hochwertig belohnt. Das mache ich von Welpe an. Ja, Welpen sind sehr leicht zu beeindrucken und man mag das fies finden, ich werde aber nicht körperlich, stelle nur "Gesprächsbereitschaft" wieder her (eines der sehr wenigen Dinge, die ich positiv von Anne Krüger mitgenommen habe).

    Ich habe aber auch einfach passende Hunde dafür. Die dürfen sich sehr frei entfalten, laufen fast nur frei, nur bestimmte Dinge trainiere ich sehr akribisch ab Welpe auf (und die laufen auf Spaziergängen größtenteils auf automatische Umorientierung hinaus und ja, da werde ich so deutlich wie ich muss, wenn der Hund keine "Gesprächsbereitschaft" zeigt, mich also ignoriert.)

  • Ich nutze immer alle Lernbereiche und mir ist wichtig schnell und effizient zum Ziel zu kommen. Ein schneller Weg ist für mich nichts negatives, sondern etwas positives weil der Hund wesentlich früher entsprechende Freiheiten hat und die Gewöhnung einem dann auch enorm in die Karten spielt.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!