Erziehungsstile - positiv, aversiv, wie erzieht ihr und wieso?

  • Siehe auch Beitrag von katzenpfote : Im Threadtitel müsste es statt „negativ“ „aversiv“ heißen, ggf. könnte ein Mod Dir das noch ändern :smile:

    Ich hab da keine Doktrin, sondern schaue, was mit dem jeweiligem Hund am Besten funktioniert. Abgesehen vom Abbruch, der wird beim Aufbau mit positiver Strafe abgesichert. Also erst kommt das neutrale generalisierte Abbruchssignal „Nein“ (bedeutet so viel wie „was auch immer Du gerade tust bzw. überlegst: Lass es“. Die Hunde kennen es). Wenn der Hund dann nicht lässt, was er Strafe heißt in diesem Fall bei Momo z. B. ein scharfes „Madame!“ - reicht völlig. Bei Lilly ein angedeutetes körpersprachliches Drohen.

    Es ist auch unterschiedlich, wie ich es etabliert habe. Momo hatte den Abbruch schon von der Züchterin mitbekommen, ich hab nur ein anderes Wort etabliert und trainiert, dass das „Nein“ auch bei Dingen zu befolgen, die sie sonst darf. Es gibt hier wenig, was jederzeit und überall verboten ist, aber ich erwarte, dass sie ein Verbot befolgen.

    Bei Lilly (Ex-Straßenhund mit Lernbehinderung und Ängsten) hat es länger gedauert, bis sie überhaupt in der Verfassung war, was zu lernen. Dann habe ich den Abbruch darüber trainiert, dass ich mich körperlich sachte quasi zwischen sie und das, was sie nicht machen soll, gedrängt habe, ohne gezielt zu drohen. Und sachte gelobt habe bei Switch auf erwünschtes Verhalten (Lerckerliegabe beim Üben war erst ein paar Monate nach Einzug möglich).

    Nein und der Rückruf sind hier die Dinge, die funktionieren müssen. Wobei es mir beim Rückruf wurscht ist, ob ich ein- oder zweimal rufen muss. Alles Weitere ist Kür und wird über Lob und Leckerlie trainiert.

  • So wie ich das verstanden habe, wäre das eine positive Bestrafung, denn es wird etwas hinzugefügt. Positiv und negativ sind in dem Kontext mathematisch zu verstehen. Positiv fügt etwas hinzu, negativ nimmt etwas weg.
    Wobei ich jetzt bei der Schleppleine auch überlegen würde, ob es doch zu der negativen Strafe gehört, weil ich den Freilauf wegnehme :denker: Gar nicht so einfach.

    Positive Bestrafung und Negative Verstärkung sind nahe beieinander. Wenn ich solange an der Schleppleine nerve bis der Hund zu mir kommt, dann ist das negative Verstärkung.

    Wenn ich einen Schreckreiz neben den Hund werfe wenn der zum Beispiel mäuselt dann ist das positive Bestrafung.

    Nehmen wir doch mal das Beispiel Hund startet durch wenn er Menschen sieht:


    Durchstarten wird abgebrochen mittels positiver Bestrafung (Erfolgreich wenn Hund sich hemmt und Meideverhalten zeigt), danach zuppel ich solange an der Schleppleine bis der Hund zu mir kommt - negative Verstärkung. Wenn er bei mir ist Belohne ich ihn mit Futter - positive Verstärkung. Das Ziel ist ein Hund der direkt anbietet bei Menschensichtung zu mir zu kommen und dann belohnt wird, am Ende bleibt also die positive Verstärkung, der Weg dahin beinhaltet je nach Hund aber andere Lernbereiche.

    Was nun Strafe und Belohnung sind ist individuell. Genauso ob man gewisse Bereiche braucht. Bei sehr einfachen Hunden die sehr viel anbieten reicht ganz oft reine Belohnung und abwarten, bei anderen Typen muss man nachhelfen damit sie wissen was gewünscht ist.


    Freilauf entziehen geht ja immer damit einher dass der Hund erstmal bei mir sein muss und wenn er weiß was kommt und ein Frechdachs ist, dann baut man sich damit mehr Probleme ein als das man eine Lösung findet. Etwas angenehmes zu entziehen baut in der Regel auch Frust auf. Wir nutzen das im Sport viel. Negative Bestrafung ist die Arbeit über Frust.

  • „Nettes Training“ bedeutet ja meistens dass nur über positive Verstärkung und negative Bestrafung gearbeitet wird. Also Belohnen (Freude) und Frustrieren/Enttäuschen, ohne aversive Einwirkungen (Erleichterung, Schmerz, Verunsicherung, Unangenehmen, Unwohlsein, Angst) . Und für viele Hunde passt das nicht, vor allem dann nicht wenn diese Hunde darauf gezogen sind sich leicht frustrieren zu lassen. Dann ist das im Alltag eine sehr sehr Nervenaufreibende und stressige Geschichte.

  • Ich benutze ganz bewusst alle Lernbereiche. Ich habe mich mal ne Weile sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt und das hat mir nachhaltig die Augen geöffnet.

    Mal ein aktuelles Beispiel: Gerade beim Frühstück, ich habe ein Brötchen mit Käse in der Hand. Loki springt an mir hoch und möchte das Brötchen klauen.
    Ich verbiete ihm das und lehne mich dazu in seine Richtung = hinzufügen von etwas unangenehmen = positive Strafe.

    So „simpel“ und so einfach.

    Positive Strafe ist nicht verprügeln oder misshandeln, es kann je nach Hund auch eine solche „Kleinigkeit“ sein.

    Und ja, wurde von mir in dem Kontext bewusst gesetzt.

  • Mal ein aktuelles Beispiel: Gerade beim Frühstück, ich habe ein Brötchen mit Käse in der Hand. Loki springt an mir hoch und möchte das Brötchen klauen.
    Ich verbiete ihm das und lehne mich dazu in seine Richtung = hinzufügen von etwas unangenehmen = positive Strafe.

    Ich halte die Hunde dann gerne oben wenn sie mich anspringen. So dass sie kurz nicht mehr runterkommen (am Halsband). Das empfinden viele Hunde als extrem unangenehm und hemmen sich dadurch gut. Positive Strafe, ohne Emotionen. Kurz unangenehm aber weit weg von körperlicher Züchtigung.

  • Was auffällig ist, ist dass die nette Arbeit über Freude und Frust sehr viel Emotion beinhaltet und wenig Zurückhaltung und Ausgeglichenheit. Mit einer solchen Arbeit kann man Hunde sehr schnell nervlich ankratzen die generell sehr gerne emotional sind. Bei sachlichen Hunden mit sehr hoher Reizschwelle ist das nicht so dramatisch. Deshalb ist es so individuell. Manche Typen brauchen halt „chill mal und fahr dich runter“ und nicht „ich enthalte dir etwas vor“ damit sie ausgeglichen werden.

  • Mal ein aktuelles Beispiel: Gerade beim Frühstück, ich habe ein Brötchen mit Käse in der Hand. Loki springt an mir hoch und möchte das Brötchen klauen.
    Ich verbiete ihm das und lehne mich dazu in seine Richtung = hinzufügen von etwas unangenehmen = positive Strafe.

    Ich halte die Hunde dann gerne oben wenn sie mich anspringen. So dass sie kurz nicht mehr runterkommen (am Halsband). Das empfinden viele Hunde als extrem unangenehm und hemmen sich dadurch gut. Positive Strafe, ohne Emotionen. Kurz unangenehm aber weit weg von körperlicher Züchtigung.


    Ja sowas wäre hier der nächste Schritt. Loki ist ein junger, frecher Border Collie, der das gerade auch zum ersten Mal so dreist versucht hat.

  • Positive Strafe, ohne Emotionen.

    Warum "ohne Emotionen", das klingt (vielleicht missverstehe ich) als sei dir das wichtig?

    Ich finde mein Unmut durchaus eine wichtige Info. Da bremse ich mich bestimmt nicht aus, wenn ich strafe.

    Ja, ich schreie den Hund dabei nicht an oder so, ich halte ihn sachlich fest, so als würde die Einwirkung gar nicht von mir kommen. Manche Hunde oder Situationen brauchen aber die Info dass die Einwirkung von ihrem Menschen kommt. Da muss man immer schauen wie führerweich ein Hund ist.

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