Der "gefährliche" Hund Teil 3

  • Aber die werden doch schon seit einiger Zeit gar nicht mehr wirklich auf "Hüteleistung" selektiert?!

    Jein. Es gibt die Hüteleistungszucht beim DSH durchaus noch, aber sie ist ein kleiner Bereich. Vermutlich werden die aber von Menschen geführt, die um das Potential wissen und sie daher nicht das Gros der Beißvorfälle von Schäferhunden ausmachen.

    Hier ein Video eines DSH in einer Konfliktsituation mit den Schafen. Man sieht keinen Einsatz der Mimik (der gegenüber den Schafen ja auch sinnlos wäre), aber ein körperliches Schrägstellen, das vermutlich nicht aus dem Jagen, sondern sozialen Kontrollieren kommt. Das ist das, was ich meine, dass es sich bei diesen Hunden mischt. Als der Schnitt erfolgt bin ich mir recht sicher, dass der Hund danach durch Beißen gemaßregelt hat (das wurde vermutlich herausgeschnitten, weil man auf so was immer blöde Kommentare bekommt, auch, wenn das im Sinne der Arbeit an diesem Punkt absolut korrekt ist), was dann wieder ins Jagen geht.

    https://www.facebook.com/share/v/171JVbBeqS/

    Anatomisch dürften die auch gewiss alle Muskeln haben, wie andere Hunde auch. Das kann man nicht in ein paar Jahren Zucht wegselektieren. Und die sind ja wirklich noch sehr "wölfisch" ...

    Ja, die Muskulatur wird bestimmt da sein. Nur wird sie anscheinend nicht genutzt.

    Insgesamt würde ich denken (also keine wissenschaftliche Grundlage), dass das eher eine Kombination aus Reaktivität, Territorialverhalten und gekippten Beutefangverhalten ist. Und das Ganze kombiniert mit schlechter Führung/Management führt dann eben schnell zur Eskalation.

    Wenn dann manche dieser Eigenschaften in Sport/Einsatz auch noch besonders wünschenswert/brauchbar sind, gibts halt auch in der Zucht kein wirkliches Gegengewicht.

    Ja, durch die Zucht auf den Sport ist sicher die Bereitschaft mit den Zähnen an die Beute zu gehen forciert worden. Bei Schafen will man da eine deutlich längere Zündschnur. Und dadurch kippt es eben.

    Nur, dass es manche nicht in den falschen Hals bekommen (werden viele trotzdem, weil sie es wollen - ist mir aber egal): Ich habe nichts gegen Sportzucht, wenn die Menschen, die diese Hunde führen, um das Potential wissen und das geregelt bekommen. Das Problem sind aber die, die das eben nicht checken und nicht können ...

  • Ja gut, wenn du natürlich den ganzen Amtsveterinären etc. pp. die Kompetenz absprichst und niemand außerhalb des Rassezuchtverbands die Hunde korrekt zuordnen kann, dann kann man sich jegliche Statistiken auch sparen … und nur noch nach Hund, Katze, Bär sortieren (falls die Mehrheit immerhin das unterscheiden kann).

    Denkst du, dass sich so ein Amtsvet jeden Hund anschaut nach einem Vorfall? Ich denke nicht dass das passiert, vieles wird eher so hingenommen wie es halt angegeben wird und fertig.

  • Ich denke schon, dass die Vorfälle mit gebissenen (und sogar schwer verletzten) Personen ordentliche Ermittlungen und Strafverfahren nach sich gezogen haben.

    Das denke ich auch, aber ich denke das bei Vorfällen mit Hunden die Sache anders aussieht und die Statistiken bestehen ja nicht nur aus solchen Vorfällen. Wenn du Hamburg anschaust stehen da sogar die drin wo ein Hund durch anspringen auffällig wurde, das ist ja auch in vielen BL ein Vorfall. Und ich denke nicht dass da irgendwer irgendwas prüfen wird. So viel personal haben Vetämter in der Regel dann auch nicht.


    Mein fehler, war nicht Hamburg... Aber manche BL schlüsseln ja auf und führen auch anspringen und sowas als Vorfall.

  • Edit: sorry, ich war bei der Hamburger Statistik.

    In Hamburg sind ja auch Altdeutscher Schäferhund und DSH zwei Rassen. Und die ganzen Belgischen Schäferhunde könnte man auch wie in Berlin zusammenfassen.

    In Hamburg gibt es auch Beißvorfälle mit „tschuvatsch“. 😇 So wahnsinnig nützlich scheint mir die Statistik nicht.

    Zumal ja ohnehin nicht klar ist, wie diese ‚Rassen‘ festgestellt wurden.

  • Ist auch sehr schön, wenn bei der Zucht jetzt darauf geachtet wird, dass es in eine andere Richtung geht, aber bis man da nennenswerte Erfolge sehen kann, wird es viele Generationen dauern.

    Das gehört aber nun mal zur Zucht dazu. Gesellschaftliche Erwartungen und Anforderungen ändern sich, aber man muss den Rassen auch die Chance geben nachziehen zu können und sich anzupassen. Sonst hat man irgendwann ja auch gar kein Miteinander mehr, was unter Hundehaltern eh schon zu wünschen übrig lässt und die Bereitschaft über Fehler zu sprechen wird noch geringer.

    Vorfälle werden so oder so nicht auf null gehen und die Zahl der DSH wird in den nächsten Jahren sowieso massiv sinken, weil sie nicht mehr die mit günstigste Rasse sind und das Budget für den Rassehund (Quelle egal) den Markt regeln wird. Den klassischen, günstigen Mischling gibt es nicht mehr, der wurde erfolgreich abgeschafft und nun ist die Alternative der Hund aus dem Tierschutz wenn man einfach nur einen günstigen Landschlag haben möchte.

  • Statistiken leben von Informationen und sie können nunmal nur mit den Daten befüllt werden, die vorliegen.

    Melde ich z.B. in Berlin einen Hund an, taucht neben weiteren Angaben zum Hund das Feld Rasse auf, in Klammer: bei Mischlingen bekannte Rasse.
    Habe ich einen Labrador Retriever Mischling erworben, gebe ich das so an.
    Ebenso bei einem DSH Mischling, Boxer Mischling und und und.

    So stelle ich mir das auch bei einem Anhörungsbogen durch das VET Amt/OA vor. Es endet ja nicht jeder Beissvorfall mit Inaugenscheinnahme der beteiligten Hunde.

  • Ja, die Muskulatur wird bestimmt da sein. Nur wird sie anscheinend nicht genutzt.

    Ich weiß nicht in welcher Form du Kontakt zu DSH hast - und vor allem wie du zu denen stehst, meine Erfahrungen sind andere.

    Bisher hatte ich nicht das Gefühl sie würden ihre Mimik nicht/kaum nutzen. In sozialen Interaktionen. Dein Beispiel mit den Schafen ist in diesem Kontext etwas seltsam, denn ich hatte in Vergangenenheit weder bei Border Collies noch bei DSH den Eindruck sie würden die Schafe als "Sozialpartner" sehen.

    Was ich aber beobachtet habe ist, dass Runa (DSH) innerhalb des letzten Monats MEHR Gesichtsausdrücke und anderweitige Körpersprache zeigt. Mir ist schon aufgefallen, dass sie ein relativ "starres" Gesicht hat, das hat mich stark verwundert, da ich das von dieser Rasse nicht wirklich kannte. Ich stelle die Theorie auf, dass Runa in den 6 Monaten Zwinger mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen all zu hohen Bedarf an "Körpersprache" hatte, um klarzukommen. Neben ihr gab es nur zwei weitere DSHs dort, von denen einer leicht verstrahlt wirkte (Der starrte uns nur an. Regungslos, ziemlich emotionslos, völlig uneinschätzbar). Den anderen Hund habe ich leider nicht gesehen.

    Runa war zu Anfang recht unsozial, sie kannte eben nur Zwinger und Hundeplatz, bisschen Training Zuhause und Kraulen. Auf menschliche Körpersprache hat sie auch nicht reagiert, nicht "normal" zumindest. Ich hatte kurze Zeit mal eine DSH aus einer Dienst-Hundezucht bei mir, die war genauso alt wie Runa damals und hat ebenfalls auf soziale "Hinweise" kaum reagiert, die Hündin war aber auch komplett "übertrainiert", die konnte zu Anfang nichteinmal ohne Leine laufen. Nicht, weil sie jagte oder so. Wenn man die Leine abgemacht hat kam sie im 10-20 Sekunden-Takt zurück, war nie weiter als 2 Meter von mir entfernt. Die Hündin hatte mit 7 Monaten wirklich NICHTS(!!) im Kopf - die war ausschließlich damit beschäftigt eine Reiz-Reaktions-Maschine zu sein. Runa ist genauso "langsam" im Kopf was Sozialverhalten angeht, sie ist bisher sehr eingeschränkt in ihren Möglichkeiten. Im Vergleich zu all den anderen Schäferhunden, die ich kannte und mit denen ich zusammen gelebt habe. Ich glaube wirklich nicht, dass das von der Rasse kommt.

    Ich denke es ist für viele Menschen einfach normal beim DSH alles über den "Gehorsam" laufen zu lassen, weil es bei denen auch relativ gut funktioniert. Da liegt der Fokus insbesondere in den ersten Lebensmonaten nicht unbedingt auf Sozialverhalten und, weil DSH dazu neigen "Maschinenhaft" zu werden, geht das Training eben einfach von der Hand. Bis der DSH einen Punkt erreicht an dem er sich auf persönlicher Ebene angesprochen fühlt - dann kommen die züchterisch gewollte "Nervenstärke", "Schnelligkeit" und die fehlenden (Lebens)Erfahrungen zusammen. Und komm dann mal an einen solchen Hund ran, als "Normalhundehalter" - die meisten Leute schaffen es nichteinmal ihrem Hund ein unmissvertändliches "Nein" zu vermitteln.

  • Bei uns geht auch der Trend los, dass das Geld für den Rassehund fehlt. Der Boom ist vorbei, sehr sehr viele schwenken um auf „Günstig muss es sein“, und greifen da dann gerne sehr unbedarft zu irgendwas aus dem Tierschutz. Hauptsache kostet nicht so viel wie was vom Züchter oder ein Mix vom Vermehrer

    Darf ich fragen wo der Trend losgeht? Im Ort/Stadt, im Verein? Und haben die Leute dass genau so begründet?

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