Bissiger Hund, wie soll es nur weitergehen?

  • Hallo :)


    Ich bin bei meiner Suche im Internet auf dieses Forum gestoßen und möchte gerne Ratschläge hören, oder vielleicht Erfahrungen von Gleichgesinnten, realistische Einschätzungen oder einfach ein paar aufbauende Worte.


    Ich habe ein Australian Shepherd Mädel namens Kira, sie ist 4 Jahre alt und ein Albtraum. Ich weiß, das klingt hart, aber mittlerweile kann ich es nicht mehr anders beschreiben. Ich habe Kira vor 1 Jahr von Privat übernommen. Als sie bei mir einzog schien alles gut zu sein, sie war zurückhaltend, aber schien interessiert und freundlich zu sein.


    Das ganze ging etwa 6 Monate ziemlich gut. Sie war desinteressiert an Menschen und anderen Hunden, sie hat toll gehört, konnte viele Tricks und hat Spaß gemacht.


    Dann änderte sich plötzlich alles. Kira ist mittlerweile zum Monster mutiert. Sie hasst Menschen, andere Hunde und generell alles was sich bewegt. Ich habe keine Kontrolle mehr über sie. Sie hat mich bereits zweimal gebissen und leider auch schon einen anderen Menschen. Sie trägt mittlerweile immer Maulkorb, auch zuhause, weil sie komplett unberechenbar ist.


    Sie will außerdem Fahrrädern und Autos hinterherjagen, an Freilauf ist nicht mehr zu denken, nichtmal mit Schleppleine traue ich mich raus.


    Ich war bereits bei 2 verschiedenen Trainern und habe sie kastrieren lassen. Keiner kann uns helfen. Immer wieder wird mir nur gesagt, dass ich die Bindung stärken muss und Kira sich an mir orientieren soll. Aber wie soll das gehen? Ich habe Angst vor meinem eigenen Hund, wie soll da eine Bindung entstehen?


    Ich lebe mittlerweile zurückgezogen, weil an Besuch kaum noch zu denken ist. Sie hat zwar eine Box, aber sobald Besuch da ist randaliert sie darin, auch stundenlang. Ich habe das Gefühl, dass ihr einziges Ziel ist alles um sich herum zu töten.


    Alleine lassen kann ich sie auch nicht, mitnehmen irgendwohin geht sowieso nicht. Wir gehen nur noch zu Zeiten raus, wo so gut wie keine Menschen unterwegs sind bzw. fahren irgendwo ins nirgendwo.


    Sie wurde komplett vom Tierarzt durchgecheckt inkl. Röntgen und Kopf CT. Sie ist körperlich völlig gesund.


    Gibt es hier Menschen mit schwierigen Hunden, die mir Mut machen können? Kann sowas jemals wieder besser werden? Habt ihr Tipps wie man das Vertrauen zum eigenen Hund wieder aufbauen kann nach mehreren Bissen?


    Wann ist es ok aufzugeben? Und was macht man mit so einem Hund?


    Gibt es Hoffnung auf ein normales Leben?


    Ich hoffe ich habe nicht zu wirr geschrieben, aber mir brennt soviel auf der Seele, dass es mir schwer fällt die richtigen Worte zu finden.

  • Hallo kira,


    erstmal: großer Mist, dass sich das so verfahren hat. Das tut mir ehrlich leid, Du klingst tief frustriert und bist es vermutlich auch. :( :


    ich denke, die Frage wirst Du Dir selbst schon unzählig oft gestellt haben, aber ich stell sie trotzdem mal: Wenn Du in Einzelschritte zerlegen und rekonstruieren solltest, wie ihr beide auf diese Rutschbahn gelangt seid - was würdest Du dann aufschreiben? So kleinschrittig, wie Dir das möglich ist. Was folgte auf was? Was waren die einschneidensten Erlebnisse?


    Klar ist das, was immer es nun in seinen Entwicklungsschritten war, durch retrospektives Draufrumhirnen nicht so ohne weiteres umzukehren, aber ich fände für mich wichtig, erstmal gründlich rauszufummeln, was da in sechs Monaten eigentlich passiert ist, ehe ich irgendeine Veränderung (mit Hilfe eines Trainers?) angehe. Anders funktioniert's nicht, meine ich.

  • Hallo und herzlich Willkommen hier


    Ich kann deinen Frust und deine Sorgen gut verstehen. Ich habe hier auch ein menschenunverträgliches Exemplar sitzen. Nova begleitet mich nun seit über einem Jahr. Unbedacht und unüberlegt angeschafft, naive Vorstellungen und alles schön ausgemalt. Und plötzlich kommt der Schock.


    Ich wurde auch bereits zweimal schwer gebissen, trage heute noch die Narben und trotzdem kann ich ehrlich sagen, dass ich meine Hündin liebe und wir eine gute Bindung haben, Vertrauen ist mittlerweile auch wieder vermehrt da, aber sie trägt in unsicheren Situationen zuhause immer noch MK (draußen sowieso IMMER). Aber das geht nicht von heute auf morgen und ohne Trainer, der Ahnung mit solchen Kalibern hat geht das schonmal gar nicht. Es klingt so als wärst du auf nicht so fähige Trainer gestoßen, die dich nicht so unterstützen konnten wie du es brauchst.


    Man kann mit so einem Hund leben, aber was dir klar sein muss ist, dass es nie ganz "normal" sein wird. Du wirst ein Hundeleben lang Einschränkungen haben, du wirst immer managen müssen, du musst immer aufmerksam sein, viele Dinge werden niemals möglich sein, wie z.B. entspannte Besuche im Kaffeehaus oder Restaurant, kopflos durch die Gegend schlendern,...


    Ich persönlich habe Bindung zu Nova aufgebaut über Training. Mir macht mein Hund irrsinnige Freude und Spaß, weil sie einfach unglaublich klug und gelehrig ist. Banale Tricks aufbauen, Suchspielchen, gemeinsam lernen und arbeiten, sowas verbindet meiner Meinung nach, wenn Kuscheln und Streichen ausfallen.


    Orientierung am Besitzer klingt auch immer so einfach, aber auch das muss erarbeitet werden. Am Besten mit einem Trainer.


    Ich kann gerne Fragen beantworten und dir meine Erfahrungen zu bestimmten Themen mitteilen, aber ich denke, dass es fahrlässig wäre hier etwas zu raten, ohne die Situation zu sehen.


    Vielleicht magst du verraten woher du kommst, dann kann dir bestimmt jemand einen guten Trainer empfehlen :)


    Und es ist keine Schande sich einzugestehen, dass man nicht mehr kann. Ich war auch kurz davor, habe aber durch einen Trainerwechsel wieder entdeckt wie sehr ich an meiner Schreckschraube hänge und wieviel Spaß sie mir macht.


    Sieh es nicht als "aufgeben", falls du sie abgibst, sondern als Chance, sowohl für sie als auch für dich. Natürlich würde ich in deinem Fall dazu raten professionelle Hilfe bei der Weitervermittlung zu suchen, vielleicht bei Aussies in Not o.ä., damit sie die bestmöglichen Chancen für einen Neustart bekommt.


    Fühl dich gedrückt :streichel:

  • Sowas kann besser werden - mit dem richtigen Trainer.

    Aus welcher Region kommst du denn? Vielleicht kann dir jemand einen guten, positiv arbeitenden Trainer empfehlen, viele 0815-Trainer sind mit dieser Problematik leider heillos überfordert.


    Mein Rüde ist deiner Hündin nicht unähnlich. Besuch lässt er ebenfalls nicht rein, da beißt er sogar - deshalb lebe ich inzwischen auch recht zurückgezogen.

    Fahrradfahrer will er ebenfalls angreifen. Wir haben das Glück, dass im Wald sehr sehr selten Radfahrer unterwegs sind, sodass er da zum Glück frei laufen kann.


    Wann ist es ok aufzugeben?

    Wenn du merkst, das ist dir eine Nummer zu groß, du schaffst das nicht und willst das nicht mehr - dann ist es völlig in Ordnung, "aufzugeben". Dein Hund sollte dein Leben nicht in diesem Ausmaß bestimmen.

    Wenn für dich eine Abgabe in Betracht kommt, sei aber beim Schreiben des Vermittlungstextes ehrlich und lass keine unschönen Details aus.


    Und was macht man mit so einem Hund?

    Erstmal: einen guten Trainer ins Boot holen. Ich hab am Dienstag selbst einen Termin bei einem neuen Trainer mit meinem Rüden, darauf freu ich mich schon sehr - weil ich bei der Trainerin die Hoffnung habe, dass ich Dinos Macken dann endlich in den Griff bekommen und - ganz wichtig! - die Ursache dafür verstehen kann.


    Gibt es Hoffnung auf ein normales Leben?

    Bedingt. Das kommt auf den Hund an und da würde ich auch die Einschätzung eines guten Trainers abwarten.

    Es kann sein, dass du bis ans Lebensende des Hundes managen und aufpassen musst. Es kann aber auch ganz anders kommen, wer kann das schon sagen?

  • Ich kann Dir nur empfehlen, Dich an Gabi Soenius zu wenden, die für mich mit zu den kompetentesten Aussie-Leuten gehört, die ich kenne. Du findest sie über Facebook, ich glaube, auch unter ihrem früheren Züchternamen Black Birch, denn sie hat auch mal gezüchtet. Sie fungiert(e) immer mal wieder als Pflegestelle für Not-Aussies.


    Bei dieser Problematik finde ich Handlungsanweisungen über ein Forum viel zu riskant. Du kannst sie zunächst unverbindlich telefonisch oder per E-Mail kontaktieren.


    Caterina

    • Neu

    Manchmal hilft einfach das richtige Futter - aber wie findet Ihr es?

    Ich hatte schon viele Hunde und die Erfahrungen haben mich gelehrt, dass jeder andere Ansprüche an die Ernährung hat. Mal legen sich Verdauungsstörungen durch eine Futterumstellung, ebenso können Fellprobleme abklingen. Schlanke Windhunde leiden nicht selten unter nervösen Störungen, wenn der Proteingehalt zu hoch ist; sie benötigen eher Kohlehydrate zur sofortigen Energiefreisetzung. Andere Rassen wie sportliche Huskys brauchen stattdessen hochwertige Proteine, während Kohlehydrate nur ansetzen würden.


    Das Alter spielt ebenso wie die Konstitution eine Rolle für den individuellen Bedarf und einige Krankheiten erfordern eine spezielle Nährstoffzusammensetzung.


    Aber ehrlich, welcher Hunde- oder Katzenhalter blickt bei den vielen Herstellern, Marken und Inhalten wirklich durch? Ich nicht - zum Leidwesen meiner Hunde. Daher habe ich es mit einem unverbindlichen Futtercheck versucht der übrigens nicht nur für Hunde ist, sein Katzenfutter kann man dort auch finden.


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    Liebe Grüße Tobi hugging-dog-face


  • - Kannst du die Situationen beschreiben in denen sie dich gebissen hat? (so genau wie möglich, was ging dem vorraus?)

    - Wie äußert sich der Hass gegen Menschen, Hunde und alles was sich bewegt? Wie reagiert sie, wie reagierst du?
    - Welchen Maulkorb trägt sie?

    Und nochmal zum Verständnis:
    Die Probleme bestehen seit ca. 6 Monaten? (vorher war sie unauffällig? Und beim Vorbesitzer, wie war sie da?)
    In den 6 Monaten wurde sie kastriert, hat 3 mal gebissen und 2 Trainerwechsel gehabt?
    Habe ich das so richtig verstanden?

    Darf ich fragen:
    Hast du Unterstützung? (Freunde, Familie). Lebst du alleine? Ist Kira dein erster Hund?

  • Kastrieren lassen ist bei Aggression aus meiner Sicht eher kontraproduktiv, da sich das hormonelle Gleichgewicht bei Hündinnen dann in Richtung Testosteron schiebt... Aber nun ist es schon geschehen. Wann genau hast du sie kastrieren lassen? Ging das Verhalten in der Läufigkeit los? Ich habe irgendwie die Vermutung dass da hormonell etwas nicht stimmt, kann den Finger nicht drauf legen aber ist so ein Gefühl. Magst du mal was dazu sagen?


    Edit: warum ich das frage - meine Hündin Freki (nun auf dem Weg in ihre Traumwelt) war am Anfang auch “schwierig”. Und komplett anders als der Tierschutz sie mir beschrieben hatte... Sie wurde kurz vor ihrer Ankunft mitten in der Trächtigkeit kastriert. Sie benahm sich einige Wochen lang wie ein Rüde (inklusive Kommentkämpfe mit Rüden, Markieren, und glückliche Liebschaft mit einer läufigen Bluthündin). Danach normalisierte sich das etwas, weil nicht alles an Gewebe entfernt wurde (gepanscht......) und sie läufig wurde. Sie suchte und fand sogar einen langfristigen Gefährten und war endlich wieder Hündin. All die “Alptraumverhaltensweisen” haben wir dann nach und nach weggearbeitet und sie war dann der allerliebste und sehr vernünftige Hund. Aber da mussten erst die Hormone wieder stimmen! Wäre bei ihr die Kastration geglückt, hätte ich eine aggressive, territoriale, Macho-Rüdin statt Madame Effizienter Wachhund.

  • ich denke, die Frage wirst Du Dir selbst schon unzählig oft gestellt haben, aber ich stell sie trotzdem mal: Wenn Du in Einzelschritte zerlegen und rekonstruieren solltest, wie ihr beide auf diese Rutschbahn gelangt seid - was würdest Du dann aufschreiben? So kleinschrittig, wie Dir das möglich ist. Was folgte auf was? Was waren die einschneidensten Erlebnisse?

    Begonnen hat es mit Aggression gegen andere Hunde. Anfangs war es nur Leinenpöbeln, damit konnte ich noch halbwegs gut umgehen. Dann hat sie vor etwa 6 Monaten im Freilauf einen anderen Hund attackiert. Seitdem gab es keinen Freilauf mehr. Dann begann es langsam auch auf Menschen umzuschwanken. Anfangs waren es nur Jogger und Radfahrer, denen sie hinterherlaufen wollte und dann, vor knapp 4 Monaten hat sie einen Menschen, der einfach nur an uns vorbeiging ins Bein gebissen. Ab da trug sie nur noch Maulkorb draußen und ich bin Menschen großschrittig aus dem Weg gegangen. Der erste Trainer kam hinzu, der sofort zur Kastration riet, was wir dann auch zeitnah gemacht haben. Aber gefühlt ist es dann nur noch schlimmer geworden. Sie wollte plötzlich wirklich auf alles los, dass sich in ihrem Dunstkreis wagte zu bewegen. Vor etwa 3 Monaten hat sie dann mich das erste mal gebissen. Ich habe ihr Futter runtergestellt und während dem Abstellen hat sie mir in die Hand gebissen. Ich dachte, dass es Ungeduld war oder ein Missverständnis. Aber vor 2 Monaten hat sie mich wieder gebissen. Dieses Mal lag ich auf dem Sofa, sie war in ihrem Körbchen neben dem Sofa. Ich habe nichts gemacht, sie sprang plötzlich auf, kam zu mir und hat mir in die Schulter gebissen, richtig heftig. Dann kam der zweite Trainer hinzu und seitdem trägt sie durchgehend einen Maulkorb.


    Die Situationen wann sie gebissen hat, habe ich bereits oben beschrieben.


    Sie will einfach auf alles losgehen. Sie wird steif, stellt die Haare auf, bellt und knurrt und versucht mich zu jedem Menschen/Hund/Fahrrad/Auto hinzuziehen. Ich versuche sie abzulenken, mit einer Raschelflasche, Wurfscheiben, lauter Stimme aber das hat sie alles nur kurz beeindruckt. Mittlerweile bin ich komplett hilflos.


    Sie trägt einen Drahtmaulkorb.


    Ja, die Probleme haben vor 6 Monaten begonnen. Ja, sie war unauffällig und laut Vorbesitzer war sie auch die Jahre davor unauffällig. Sie wurde mir als freundlicher Hund verkauft.


    Ja, das hast du richtig verstanden.


    Ich habe Unterstützung von meinen Eltern, obwohl die mittlerweile auch keine Lust mehr haben und mich nicht wirklich verstehen. Freunde halten mich für irre. Ich lebe alleine und Kira ist mein erster Hund.

  • Was verstehst du unter einem normalen Leben?

    Mit einem Hund der alles schreddern will, ist das Leben anders. Auch wenn dann mal Routine drin ist, man Vertrauen hat, usw.

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