Schwierig händelbarer Hund mit Deprivation - was tun?

  • Als ich bereits den ersten Beitrag gelesen habe, kam mir sofort in den Sinn, das hört sich definitiv nicht nach Deprivation an. Sicherlich schlecht sozialisiert, aber ganz bestimmt nicht depriviert.

    Ihr braucht einen guten(!!) Trainer, davon gibt es leider nicht so super viele. Und dann viel viel Geduld, Zeit und Nerven und eine gute Sicherung für euren Hund. Ihr müsst überlegen, ob ihr das leisten könnt und wollt.

  • Später kann man das nicht nachholen. Dann hilft nur Vertrauen, deckeln und Unterordnung.

    Das sehe ich nicht so. Man kann einem Hund durchaus Strategien beibringen, mit den überfordernden Umweltreizen klar zu kommen. Es braucht Zeit und einen guten Trainer und er wird nie absolut umweltsicher werden, aber man wird auch ohne dauerhaftes deckeln (was ich für eine denkbar schlechte Lösung halte) einen deutlich umweltkompatibleren Hund da draus machen können. Aber eben nur unter kompetenter Anleitung.

  • BettiFromDaBlock Unsere Hündin schläft i.d.R. morgens gerne bis ca. 11 Uhr. Wenn sie aufgestanden ist, fahren wir meistens in den Wald für ca. 1 1/2 Stunden (ca an 4 - 5 mal pro Woche), oder wir gehen bei uns eine große Runde (eine Route, auf der wir möglichst wenig Action haben, wobei man das ja auch nicht immer vorhersehen kann). Danach wird sie gefüttert (entweder Futter im Kong oder Stückfleisch, sodass sie sich ihr Futter in jedem Fall erarbeitet). Danach schläft sie (oder guckt aus dem Fenster und schläft später). Wenn sie dann wieder aktiver wird, mache ich gerne Spiele mit ihr in der Wohnung, z.B. Suchspiele, Apportieren etc. Dies macht ihr Spaß, man merkt aber, dass sie sich nicht so gut konzentrieren kann (ist aber schon besser geworden), dann gehen wir noch mal eine kleinere Runde raus, dann gibt es noch mal Fressen, dann schläft sie wieder (oder guckt aus dem Fenster) und dann gehen wir in der Nacht noch mal raus.

    Sie pöbelt bei fast jedem Hund, den sie sieht; z.T. auch schon aus sehr großer Entfernung, aber eben auch nicht immer. Wenn der andere Hund zuerst pöbelt, oder sie sehr anfixiert, spätestens dann explodiert sie förmlich.

    Wir führen sie bei Hundebegegnungen körpernah, mit uns zwischen dem anderen Hund und ihr, schirmen sie körperlich ab. Ansonsten ist sie überhaupt nicht aufnahmefähig und null ansprechbar, sobald man einen anderen Hund sieht.

    Wollte das nochmal aufgreifen. Ich kenne mich zwar mit der Aggressionsproblematik nicht aus, aber hier ist auch ein Hund der momentan relativ "angeknipst" ist (aus anderen Gründen). Ich finde, das ist ziemlich biel Programm. Ich würde es auf einen Spaziergang am Tag, Futter ganz normal aus dem Napf und nur 1-2x die Woche irgendwelche Spiele oder Trainings runterschrauben. Damit sie erstmal ein bisschen entstressen kann.

  • Warum seht ihr da keine Deprivation in der Beschreibung?

    Was macht für euch den Unterschied zwischen schlechter Erziehung und Sozialisation und Deprivation? Also anhand der Beschreibung?

  • Mal andersherum. Wo genau siehst du denn Deprivation?


    Generelles angeknipst sein und auf jeden Reiz anspringen ist wie schon gesagt recht typisch für diesen Hundetyp wenn er schlechte Nerven, schlechte Aufzucht und wenig Führung hat. Der Jagdtrieb und Artgenossenaggression ist auch rassetypisch, da kann man noch so viel sozialisieren, da wird es immer bleiben mal stärker ausgeprägt, mal schwächer.

  • Wäre vielleicht wirklich mal ein interessantes Thema wie sich Deprivation äußert je nach Hundetyp.

    Mich hat nur gewundert, dass einige sagen sie sehen keine Deprivation.

    Ich fand die Eingangsbeschreibung, sehr schnell überfordert mit neuen Reizen, keine feststellbare Gewöhnung daran, sehr hohes Stresslevel durchgehend, schon sehr passen für Deprivation. Allerdings kenne ich mich auch nicht besonders gut aus mit dem Hundetyp, also wenn das normal ist, dann ist es vielleicht auch "nur" schlechte Aufzucht.

  • Ich finde es schwierig Deprivation anhand von Verhalten wirklich auszumachen.
    Mein BC entspräche nach der Beschreibung einem Hund mit Deprivationsschaden, den er aber nicht hat. Meine Chi-Hündin hingegeben hatte tatsächlich einen (erste halbe Jahr ist sie nie ausserhalb des Hauses/Gartens gewesen, kannte daher nix) und sie war draussen dennoch nie auffällig, ausser das sie sich quasi kaum für die Umwelt interessierte und etwas unsicher war.

  • Hunde mit Deprivationssyndrom sind von sehr viel Angst und der Unfähigkeit zu lernen geprägt, Angst vor allem Neuen, Neophobie. Manche deprivierten Hunde brauchen Jahre, bis sie überhaupt auf ihren Namen reagieren. Der Staff der TE ist nicht von Angst geprägt, sie macht Kopfarbeit mit ihm, geht 1,5 Stunden Gassi in den Wald. Mit einem deprivierten Hund waren wohl schon 5 Minuten vor der Tür zu viel. Geschweigedenn, dass man ihm irgendwelche Kopfarbeit oder Suchspiele beibringen könnte innerhalb von 4 Monaten.

  • Woher wisst ihr denn das seine Motivation nicht Panik oder Angst ist?

    Meine Hündin geht ja auch nach vorne bei Angst. Rennt beim Gassi kopflos nach vorn. Ihr Verhalten wird von sovielen Menschen falsch interpretiert. Das hat am Anfang auch bei mir länger gedauert das zu verstehen. Noch wissen wir ja nichts über die Lernfähigkeit des StaffMixes. Oder wie souverän er ist bei neuen Lernsituationen in sicherem Gelände etc.


    Für mich ist es nicht ausgeschlossen, dass hier in dem Fall Deprivation vorliegt. (da gibt es auch unterschiedliche Schweregrade) Aber natürlich wäre auch Überforderung, Vorerfahrungen, Genetik und Führungslosigkeit eine Option.


    Aktuell ist der Hund durch die Wechsel, durch das viele Programm und auch durch die ständigen Rückfälle definitiv überfordert. Und dadurch nicht Aufnahmefähig. Was dann noch dahinter steckt, was die Motivation für manches Verhalten ist, könnte ich aus dem Geschriebenen nicht verstehen. Es wundert mich auch, dass dazu kein Trainer irgendeinen Hinweis gegeben hat.

  • Deprivation ist nur ein Wort. Wenn man sucht, dann findet man im Internet bis zu zehn verschiedene Auffälligkeiten, die auf Mangel an sinnvoller Beschäftigung mit dem Welpen in den ersten 12 Wochen hinweisen. Dabei schließt auch ein "Menschenarzt" bei Erkennbarkeit von nur drei oder vier von zehn speziellen Symptomen auf eine bestimmte Krankheit und forscht weiter.


    In den ersten Wochen müssen gerade bei triebigen Spezialzüchtungen die Grundlagen für die Handhabbarkeit und weitere Ausbildung geschaffen werden.


    Ein Hund ist eben mit vier Jahren schwieriger auszubilden, als mit vier Wochen.

    Hunde mit Deprivationssyndrom sind von sehr viel Angst und der Unfähigkeit zu lernen geprägt,

    Das stimmt so krass nicht immer. Wenn ein Hund im dunklen Stall aufwächst, dann sieht er später schlecht und das kann dann auch nicht mehr besser werden.


    Syndrom: "durch das gemeinsame Auftreten bestimmter charakteristischer Symptome gekennzeichnetes Krankheitsbild." Es kann auch nur einzelne Symptome geben. Dann ist es eben kein Syndrom, sondern es sind teilweise Ausfälle im Nervensystem, die aber nicht mehr repariert, sondern nur noch recht und schlecht überdeckt werden können.


    Sich an einem Wort hoch zu ziehen, ist reine Kümmelspalterei.

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