Was machen die Unterschiede der einzelnen Rassen aus? Wo ist ein Hund nicht gleich Hund?

  • Aufgrund einer Diskussion in einem anderen Thread, die niemals zu Enden scheint, eröffne ich jetzt mal diesen Thread hier.


    Die Frage ist, was sind die Unterschiede zwischen den Rassen und deren Auslastungen und Bedürfnissen?

    Wo ist der Hund einfach nur ein Hund und wo spielt die Genetik mit rein, die zu unterschiedlichen Haltungsweisen führt?


    Was unterscheidet sich zwischen Gebrauchs-, Arbeits- und Begleithunden? Was bedeuten diese Eigenschaften in der Haltung der jeweiligen Rasse?


    Um das Ganze etwas "einzugrenzen" und konkreter zu formen: Es geht um die eigenen Erfahrungen und das daraus entstandene Wissen von der/den eigenen Rasse/n.

    Der Startschuss für diese Diskussion war die Frage, ob jeder (gesunde, nicht körperlich eingeschrenkte) Hund 3 Stunden am Tag spazieren gehen kann/soll/muss, ohne, dass dies dem Hund schadet, er nicht damit klar kommen könnte oder der Nutzen nicht gegeben ist.



    LPaxx du hast den Startschuss gegeben, daher fängst du mitunter auch mit deiner Vorstellung/Meinung an?

  • Die Rasse biete meiner Meinung nach einen Anhaltspunkt. Trotzdem hat jeder Hund in einem wahrscheinlich genetisch vorgegeben Rahmen andere Bedürfnisse. Dem Ridgeback sagt man nach, er wäre was für sehr sportliche Menschen und dass er viel Bewegung braucht. Meiner würde sicher 3 Stunden mitlaufen, wenn er muss, aber wenn es nach ihm geht, muss das echt nicht sein. Ich habe einige Male gedacht, ich müsste den Hund körperlich auspowern, damit ich hinterher zu Hause in Ruhe xyz machen kann. Der Schuss ging jedes Mal nach hinten los, und ich hatte daheim erst ne richtige Nervensäge. Nach seiner Standard 4 km Fahrradrunde legt er sich dagegen zufrieden schlafen. Anderen Leuten würde der Hund bei dem Pensum aufs Dach steigen. Es kommt auf den individuellen Hund an und auf das, was der Hund als Tagesablauf gewöhnt ist. Zumindest ist das meine Meinung dazu. Auf die Rasse muss man trotzdem Rücksicht nehmen. Ich käme zum Beispiel nie auf die Idee, wenn ich nen Hund bräuchte, der mir im Herbst Enten aus dem Wasser apportiert.

  • Der Schuss ging jedes Mal nach hinten los, und ich hatte daheim erst ne richtige Nervensäge. Nach seiner Standard 4 km Fahrradrunde legt er sich dagegen zufrieden schlafen. Anderen Leuten würde der Hund bei dem Pensum aufs Dach steigen.

    Wie kommst du darauf? Dein Hund hat nix von stumpfen Spaziergängen, ihn lastet die richtige Beschäftigung aus.

    Qualität vor Quantität.

    Und das sind bei euch eben Fahradtouren, die den Körper auslastet. 3 Stunden Gassi bringen deinem Hund also keinen Nutzen, im Gegenteil.

    Da sehe ich durchaus den RR. Sport besteht nicht aus ewig langem gemütlich vor sich hinlaufen, da wird sowohl Körper als auch Geist gefordert und damit ist dein Hund glücklich.

  • Der Schuss ging jedes Mal nach hinten los, und ich hatte daheim erst ne richtige Nervensäge. Nach seiner Standard 4 km Fahrradrunde legt er sich dagegen zufrieden schlafen. Anderen Leuten würde der Hund bei dem Pensum aufs Dach steigen.

    Wie kommst du darauf? Dein Hund hat nix von stumpfen Spaziergängen, ihn lastet die richtige Beschäftigung aus.

    Qualität vor Quantität.

    Und das sind bei euch eben Fahradtouren, die den Körper auslastet. 3 Stunden Gassi bringen deinem Hund also keinen Nutzen, im Gegenteil.

    Da sehe ich durchaus den RR. Sport besteht nicht aus ewig langem gemütlich vor sich hinlaufen, da wird sowohl Körper als auch Geist gefordert und damit ist dein Hund glücklich.



    Weil das in der Diskussion nun schon öfter auftauchte und mir außerhalb dieses Hundeforums tatsächlich noch nirgends begegnet ist und wohl irgendwie dogforum-exklusiv zu sein scheint, frag ich mal ganz direkt:


    Was genau meint ihr eigentlich mit "stumpfem Spaziergang" ... oder andernorts hieß es auch "Gaga-Gassi"?!

    Kannst Du das näher erklären? Was genau macht ein lockeres knapp ne Stunde Zusammen-durch-die-Botanik-laufen mit einem ausgewachsenen, gesunden Hund stumpf oder Gaga? Wie kommt ihr auf die Idee, daran sei etwas verkehrt oder sogar schädlich? Wie begründet ihr diese These?

  • Hier lese ich auch mit =)


    Ich muss mir sehr oft anhören, dass meine Hunde doch sicherlich wahnsinnig viel Bewegung brauchen. Das ging schon los, als Balou ein 8-Wochen-Knirps war :ugly:


    Ehrlich gesagt ist es bei meinen beiden so, dass weniger mehr ist und wir selten auf 2-3 h kommen, vielleicht mal am Wochenende auf einer Wanderung in der echten Pampa und ansonsten ist dann Ruhe.


    Balou kann Reize recht schwer filtern und ihn stresst eigentlich alles: Wildgerüche, Wildsichtungen, Menschensichtungen, erst recht Kinder, Hundesichtungen, jegliche Arbeiten in der Natur wie Baumfällarbeiten usw. Freilauf ist ebenfalls eher dosiert drin und er bittet regelrecht um die Leine, wenn es ihm zu viel wird. Dementsprechend passe ich die Spaziergänge an und breche sie zur Not auch mal ab, wenn wir unvorhergesehen recht vielen Reizen begegnen.


    Das ist nicht nur rassebedingt, aber nun mal auch. Gerade der Jagdtrieb, der bei ihm recht stark ausgeprägt ist, sorgt dafür, dass auch die Pampa nicht nur Pampa für ihn ist.


    Er ist sehr zufrieden, wenn er zweimal pro Woche Dummyarbeit machen darf, 30-40 Minuten inklusive Lösen, Wege zwischen den Aufgaben und Wartezeiten, während die Aufgaben vorbereitet werden.


    Da merkt man einfach, wofür der Jagdhund mal ursprünglich gedacht war: nicht stundenlang durch die Natur watscheln, sondern punktuell eingesetzt werden.


    Zeit im eingezäunten Gelände darf übrigens recht unbegrenzt sein, da kann er richtig abschalten.


    Bei Nell kann ich noch nicht viel zu sagen mit ihren 10 Monaten. Aber nach müde kommt doof und das merke ich auf ungewollt größeren Runden immer wieder. Die Konzentration reicht eigentlich nur für 30-45 Minuten und anschließend vielleicht Stöckchenzerlegen und grasen ohne Strecke zu machen. Arbeit braucht sie noch nicht, da üben wir die Basics und sie ist platt nach 2 Minuten.


    Aber die Retriever müssen ja so viel laufen. Erst recht die Arbeitslinie und Hunde mit jagdlich geführten Vorfahren :doh::hust:


    Meiner Meinung nach ist sehr sehr viel individuell vom jeweiligen Hund abhängig. Aber die Tendenz geht schon stark dahin, dass alles, was kein Begleithund ist, deutlich sorgfältiger und dosierter beschäftigt werden muss. Aber auch bei den Begleithunden gibt es natürlich Exemplare, die einem um die Ohren fliegen, wenn sie begleiten und stundenlang spazieren und Kinder bespaßen sollen.

  • Die Rasse gibt auf jeden Fall einen guten Anhaltspunkt womit man rechnen kann, bei meinem Wolfsspitz stimmen die groben Rassemerkmale, aber natürlich ist jeder Hund ein Individuum, selbst die Geschwister haben an viele unterschiedliche Eigenschaften (zum Beispiel ist mein Hund rassetypisch verfressen während seine Geschwister alle kaum Futter annehmen und extrem wählerisch sind). Er zeigt auf jeden Fall Wachhund Verhalten, ist anhänglich, freundlich, kommt sowohl mit viel als auch mal mit weniger Bewegung aus und zeigt keinerlei Jagdinstinkt, was alles der Rasse Beschreibung entspricht. Allerdings bellt er überhaupt nicht (es sei denn ein komplett Fremder kommt aufs Grundstück und ich sehe es nicht), zeigt auch keinen großen will to please und ist ziemlich stur wenn dabei für ihn nichts rausspringt. Allgemein kann man sich, meiner Erfahrung nach, schon an den Hauptmerkmalen von Rassen orientieren, gerade bei den Hunden die für eine bestimmte Aufgabe gezüchtet wurden. Wie stark welche Eigenschaften ausgeprägt sind ist bei jedem Tier unterschiedlich und nicht jeder Vertreter einer Rasse erfüllt jedes Merkmal.

  • Vielleicht hört ja so das OT auf...



    LPaxx naja weist du keiner also zumindest ich weiß nicht wo du Erfahrungen mit der Rasse her hast, aber die dir hier so wiedersprechen führen meist bereits mehrere Gebrauchshunde und wissen schon was sie tun... Und es geht hier nicht allgemein um große Hunde, die laufen können sondern explizit um diese Rasse und ja da ist weniger einfach oft mehr...


    Ist es jetzt verständlich?





    Was genau meint ihr eigentlich mit "stumpfem Spaziergang" ... oder andernorts hieß es auch "Gaga-Gassi"?!

    Kannst Du das näher erklären? Was genau macht ein lockeres knapp ne Stunde Zusammen-durch-die-Botanik-laufen mit einem ausgewachsenen, gesunden Hund stumpf oder Gaga? Wie kommt ihr auf die Idee, daran sei etwas verkehrt oder sogar schädlich? Wie begründet ihr diese These?

    Da spielt eben die Genetik eine Rolle.

    Mein Hütimix ist extrem Reizoffen, was so bei diesen Rassen auch gewünscht ist, aufgrund ihrer Arbeit.


    Mit Shezza konnte ich teilweise kein 30 Minuten spazieren gehen, da war der komplett drüber.

    Er kennt alles, es ist also absolut keine Unsicherheit oder Stress, weil er mit unbekannten Dingen konfrontiert wird.

    Egal ob wir durchs Dorf sind oder in der grösstein Einöde spazieren gewesen sind, er kam damit nicht klar.


    Nun kann er seit einigen Monaten bei uns im Garten wachen und der Hund ist wie ausgewechselt.

    Ich kann mit ihm nun ohne Probleme spazieren gehen oder auch grosse, lange Ausflüge machen. Es spielt aber absolut keine Rolle, ob ich 30 Minuten oder 3 Stunden mit ihm unterwegs bin, ohne seine Aufgabe im Garten, dreht er mir am Rad.


    Nun gibt es noch ein aber. Wenn ich täglich mit ihm 3 Stunden unterwegs wäre, würde er mir um die Ohren fliegen. Denn das Wachen erfordert Energie und wenn er da nebenbei noch ewig duch die Botanik schlendern müsste, zerrt das an den Nerven und das führt dann zur kompletten Überforderung und nicht zu einem ausgeglichenen Hund.



    Das klappt beim Labbi besser. Die findet Spaziergänge toll, aber komplett auslasten tun sie sie nicht. Sie braucht auch was für den Kopf, eine vernünftige Aufgabe.

    An Trainigstagen gibt es nur kurze Spaziergänge. Danach gibt es einen Ruhetag. Ohne zusätzlichem Programm gehen wir weiter und länger spazieren, aber das sind in der Woche dann rund 4 Tage. Täglich 3 Stunden Gassi geht also auch mit ihr nicht. Da wird sie Gaga, denn alleine 15 Minuten konzentrierte Arbeit, ersetzt zwei Stunden Gassi.

  • Ich finde Spazieren gehen ist auch nicht mit Auslastung gleichzusetzen (weder körperlich noch geistig).


    Um es mal stumpf zu sagen: Ich laste mich ja körperlich auch nicht aus, wenn ich 90 Minuten gehe - warum sollte das dann bei meinem Hund der Fall sein? Und die allermeisten Hunde sind doch hoffentlich so gefestigt, dass die Außenreize auf einem normalen Spaziergang jetzt keinen Kurzschluss im Hirn auslösen - also sehe ich die geistige Auslastung da auch nicht.


    Spaziergang (Gassi ist für mich gleich Pipirunde) ist Entspannung, Zeitung lesen, gemütliche Bewegung, Welt angucken, evtl. mal rennen und die Knochen loskriegen.... Einfach "sein".


    Klar sollte es mal ein paar Tage ohne längeren Spaziergang gehen - aber insgesamt finde ich es für Hunde wichtig - ohne Anspruch einfach Hundedinge tun und das draußen und nicht in der Wohnung. Der Spitz, der tagsüber seinen Bauernhof abläuft, hin und wieder mal mäuselt und ansonsten rumliegt und guckt ob irgendwas passiert, hat natürlich weniger Bedarf als der Münsterländer in der Wohnung ohne Garten.


    Auslastung muss/sollte je nach Rasse was anderes sein. Und ob ich jetzt zwei Stunden laufe mit einem Hund oder eine? Macht für mich überhaupt keinen Unterschied, ehrlich gesagt.

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