Der "gefährliche" Hund Teil 3

  • Was findest Du denn an fiddeln oder aktiver Beschwichtigung undeutlich?

    Das ist der Punkt. Es ist deutlich zu erkennen, der andere greift nicht an etc., der ist nur nervig. Und mit nervigem Verhalten kann man sehr unterschiedlich umgehen. Sich da gleich mal draufzustürzen, ist nicht im Mindesten ein adäquates, soziales Verhalten. Auch nicht, nach 3 Sekunden Drohen.

    Grisu war ja auch so, entsprechend fast immer angeleint und meine Augen überall. Ich finde, das braucht man nicht schönreden, so nach dem Motto: der andere Hund hat halt gefiddelt, dann verdient er eine Abreibung. Das geht sehr diffiziler! Joey nimmt bei so etwa Präsenz ein (Körper aufgerichtet, Kopf abwenden oder leichtes drohen je nach Gegenüber) und bleibt aufgerichtet still stehen. Funktioniert gut!
    Die Shelties stellen sich hinter mich bei sehr aufdringlich-fiddelnden Hunden. Funktioniert gut! Zumal ich den absolut ja nIcht gefährlichen Gegenüber dann im Notfall sogar festhalten kann.
    Enya muss ich erklären, sie soll die Füße stillhalten, ist dann so.

    Aber es gibt so viel, was ein Hund tun kann an Reaktion (auch wenn er den Gegenüber nicht lesen kann!!), ohne da gleich deutlich körperlich bis zubeißend zu werden. Bei Hunden, die "nur" fiddeln erst recht

  • Ich finde Schäferhunde, also primär den DSH, einfach sehr „Hausmeisterig“ 😎

    Selbst hatte und habe ich ja immer nur Schäfermixe, aber diese Neigung gerne überall erstmal den Daumen drauf setzen zu wollen, hatten die alle. Finde ich aber ziemlich gut zu managen, ist halt meist nix für die Hundewiese. Waren aber auch alle durchwegs in Sachen Kommunikation sehr kompetent, grundsätzlich sozial und selbst wenn’s mal, selten, knallte, wurde nie jemand verletzt.

  • Ich find ja, das Schaeferhunde schon fast ne Leuchtreklame ueber dem Kopf haben..

    Aber es ging ja um einen XL Bully. Und wenn ich mir deren deformierten Koerper so anschaue, ist es mAn einfach nur logisch, dass da viele vieles uebersehen. Das selbe uebrigens auch bei den kleinen Bulldoggen..

  • Wenn es rein um die Mimik geht, verstehe ich das bei Schäferhunden sehr gut. Ich persönlich finde auch, dass fast alles "Spitzohrige" und damit ja meist auch alles was "straff" im Gesicht hat, sehr wenig Mimik hat. Was für mich aber überhaupt nicht gleichzusetzen ist, mit kann nicht oder schlecht kommunizieren. Da gehört ja viel mehr dazu und unter Hunden geht's hauptsächlich um die Körpersprache.

    Alles mit etwas mehr Haut hat für mich viel mehr Mimik. Aber eben im menschlichen Kontext, nicht für die Hunde untereinander. Völlig losgelöst ob einen persönlich das gefällt und ebenfalls losgelöst vom gesundheitlichen Aspekt, ist da einfach viel mehr möglich. Ich hatte was das angeht keine Extreme. Aber sowohl beim CC, als auch der OEB war für den Menschen unglaublich viel Mimik zu sehen. Man konnte egal welche Emotion und oft auch genau was sie gerade denken oder gleich beabsichtigen nur im Gesicht ablesen.

    Beim Zwerg jetzt, braucht man mehr den ganzen Körper. Finde ich überhaupt nicht schlimm und beim eigenen Hund auch nicht schwerer, nur anders.

    Aber fremde Hunde kann ich mit mehr Mimik auch besser lesen, als ohne.

  • dass man merkt das schaukelt sich hoch

    Ja, das kenne ich auch, dass Rassen die bestimmte gegensätzliche Konfliktlösungsstrategien haben, sich schnell gegenseitig hochschaukeln (ist bei Menschen genau so, oder? :D ). Aber da hätte ich das Problem jetzt nicht dabei gesehen, dass sie sich nicht lesen können, sondern dass sie halt das was sie da so korrekt lesen nicht mögen.

    Das ist so, wobei ich nicht bestätigen kann das meine Schäferhunde da direkt explodieren würden. Die sind schon so das es mit Blicken anfängt, leftzen ziehen, Knurren, abschnappen ohne den Gegenüber zu verletzen, usw. Aber manche Hundetypen haben da solche Konflikte mit dass die mit ihrem generve nicht aufhören und ich finde das nicht ungefährlich, einer meiner Hunde hat sich wegen sowas mal komplett lang gelegt auf Asphalt weil der Gehenüber auch weggehen nicht kapiert hat um immer weiter Gefiddelt hat.
    Meine Schäferhunde hassen halt dieses Leftzengelecke und um sie herum gespringe.

    Aaaaber das hat ja nicht mit Leinenaggression zu tun, die ist häufig auftrainiert und wird über die Leine aktiviert. Viele Schäferhunde bieten das ja auch prima an, kannst schon beim Welpen beobachten.

  • Aus Tierarztsicht: DSH sind überdurchschnittlich oft an schwerwiegenden teils tödlichen Bissverletzungen beteiligt.

    Mir fallen auf Anhieb mehrere ein, in denen insbesondere kleine Hunde "Opfer" wurden. Perforierte Brustkörbe sind da Standard.

    Einem Sheltie wurde beim Aussteigen aus dem Auto von einem plötzlich heranstürmenden DSH eine Vordergliedmaße abgetrennt (hat überlebt).

    Ob das jetzt nur daran liegt, dass es besonders viele DSH gibt ... keine Ahnung. Aber das fällt halt schon im beruflichen Alltag auf. Und das hat man in diesem Ausmaß bei sehr wenig anderen Rassen (z.B. selten bis nie beim Labbi?!!!).

    Die Frage ist da ja auch ... ist das überhaupt Kommunikation oder fehlgeleitetes Beutefangverhalten? Da gibts dann ja eh keine echte Kommunikation.


    Ich bin ehrlich, ich mache mit meinen Shelties immer einen großzügigen Bogen um DSHs.

  • Ja, das kommt natürlich mit dazu. Schaut man sich diese Hunde an den Schafen an, zeigen sie dort beim Eingrenzen, Beißen etc. auch keine mimischen Veränderungen. Was ja auch passt. Es geht um Beute. Aber: Ich vermute, dass es beim Schäferhund bei der Arbeit in einem Grenzbereich läuft. Schafe sind für sie nicht rein Beute, sondern auch so ein Bisschen Sozialpartner, den sie kontrollieren. Vielleicht zeigt sich dieses "Durcheinander der Motivationen" im Alltag dann eben derart, dass sie bei anderen Hunden schneller ins Jagen gehen.

    Ich meine, dass ich damals in "Hundepsychologie" von Frau Dorit Feddersen-Petersen gelesen hätte, dass Schäferhunden die feine Muskulatur fehlt und sie daher feine Mimik nicht können. Aber es könnte auch woanders gewesen sein. Ich weiß nur noch, dass mir das hängen geblieben ist, weil Schäferhunde ja anatomisch so nah an Wölfen sind und mich das daher so erstaunt hat.

  • Aber die werden doch schon seit einiger Zeit gar nicht mehr wirklich auf "Hüteleistung" selektiert?!

    Anatomisch dürften die auch gewiss alle Muskeln haben, wie andere Hunde auch. Das kann man nicht in ein paar Jahren Zucht wegselektieren. Und die sind ja wirklich noch sehr "wölfisch" ...

    Wenn, dann würde ich eher an eine Anpassung des Verhaltens denken. Ähnlich wie bei Sokas, die ja auch durch eher wenig Mimik auffallen.

    Wobei ich schon glaube, dass die fein kommunizieren, aber eben sehr subtil und sehr schnell. Nur bringt das halt nix, wenn man mit potentieller Beute gar nicht erst kommunizieren will.

    Insgesamt würde ich denken (also keine wissenschaftliche Grundlage), dass das eher eine Kombination aus Reaktivität, Territorialverhalten und gekippten Beutefangverhalten ist. Und das Ganze kombiniert mit schlechter Führung/Management führt dann eben schnell zur Eskalation.

    Wenn dann manche dieser Eigenschaften in Sport/Einsatz auch noch besonders wünschenswert/brauchbar sind, gibts halt auch in der Zucht kein wirkliches Gegengewicht.

  • Habe ich von Hütehundhaltern auch schon oft gehört, dass die mit Huskys und Co nicht gut können bzw. verunsichert sind.

    Kann das sein, daß hier grad feine Kommunikation mit Freundlichkeit verwechselt wird? Es geht ja um die anatomische Möglichkeit, diverse Signale mittels Mimik aussenden zu können, da gehört dann ja auch innerhalb einer Gruppe/Familie/Verbund zusammen und nicht inbedingt: Wie ist der Hund zu Fremden?

    Habe ich von Hütehundhaltern auch schon oft gehört, dass die mit Huskys und Co nicht gut können bzw. verunsichert sind.

    Nicht persönlich gemeint, aber schon mal drüber nachdedacht, daß das nicht an Kommunikationsproblemen liegt, sondern die Botschaft des Huskies genau verstanden wird? Mein Husky konnte Retriever, da distanzlos, und die meisten Hütehunde, da schleichend=nicht freundlich, auf den Tod nicht ausstehen und hat die Signale dazu unmißverständlich gesendet. Ein unmißverständliches - wenn Du näher kommst, dann gibts einen Satz heiße Ohren. Dieses Drohen war weder mit Spektakel noch pompös und die meisten Menschen habens halt nicht geschnallt weil blöd. Thats life, liegt aber nicht am Husky. Und angreifende DSH liegen nicht in der Kommunikation, sondern ist ja rassebedingt halt ein Teil von ihnen, mit Fremdhunden nicht zu können. Das teilen sie auch unmißverständlich mit - eigentlich. Nur viele Menschen verstehen es halt nicht

  • Ich wurde ja auch schon vom DSH gebissen, da war es klar: Hund sucht aktiv Nähe und dann ist es ihm doch zu nah:fear: Das Nähesuchen hat sicher auch ne Portion Kontrollverhalten dabei, er macht das bei vielen Leuten. Da ich ihn aber gut kannte und wir über Jahre nur positive Interaktionen hatten, hab ich dummerweise nicht gecheckt, dass das jetzt auch bei mir der Fall ist.

    Ich finde ihn im Umgang unnötig anstrengend und es wäre für mich kein Hund, der Kontakt zu Menschen außerhalb der Kernfamilie ohne MK hätte. Er zeigt das wirklich vielfach, geht zu Leuten hin, schiebt sich in sie rein, aber wehe sie bewegen sich dann falsch. Ich war da ehrlich dumm, ich kannte den Hund da schon so lange, dass ich nicht dachte, dass er mich wegen einer Handbewegung in Sekundenbruchteilen beißt, dem ging nix voran worauf man noch hätte reagieren können, ich saß da, er kam neben mich, stupst mich an, ich will ihn streicheln - Biss.

    Er hat einfach keine klaren Trigger, eine Situation geht 100mal gut und dann kippt was, aber eben nicht mit Eskalationsstufen sondern in Sekundenbruchteilen.

    Ich hatte/habe ja 2 bissige Hunde, aber die waren berechenbarer, lesbarer. Meine 1. Hündin war 0 ambivalent, die jetzt ist durchaus auch ambivalent und sucht Nähe, die sie dann nicht aushält, aber niemals würde die so unvorhersehbar kippen und einfach in einen Menschen reinhacken. Für den ist das sein sofortiges Handlungsmuster. Auf seine Kappe gehen durchaus einige Bisse gegen Menschen und Hunde, aber primär im häuslichen Umfeld, wenige Fremde.

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