Club der (Hunde-)Altenpfleger & Altenpflegerinnen - Teil 4

  • Limetti : eine TÄ, die ich kenne, bietet Sterbebegleitung und auch Beratung zu dem Thema an. Eine Freundin von mir ist Sterbeamme für Menschen, ich glaube, wenn ich sie um Hilfe bäte, würde sie uns zur Seite stehen - der Sterbevorgang ist ja bei allen Säugetieren gleich. (bevor jetzt jemand etwas falsch versteht - eine Sterbeamme ist keine Sterbehilfe! So, wie die Hebamme das Kind auf die Welt holt, begleitet eine Sterbeamme Menschen aus dem Leben)

    Ich sehe es wie du, mit der Einschränkung bei den Erkrankungen, bei denen das Tier nicht friedlich wegdämmert, sondern zB qualvoll erstickt. Das möchte ich nicht.

    Beide verstorbenen Hunde meiner Mutter sind ohne "Hilfe" von außen in ihren Armen eingeschlafen. Beide haben die Nähe gesucht und gewollt.

    Die Hündin einer Bekannten ist nachts im Schlaf gestorben. Den Menschen ging es damit lange nicht gut, sie fühlten sich um einen bewussten Abschied betrogen. Es hat gedauert, bis sie es annehmen konnten.

    Ich würde es mir für meine Tiere wünschen, friedlich und "selbstbestimmt" für immer einzuschlafen.

    Es ist unglaublich schwer, DEN richtigen Zeitpunkt zu finden. Ich glaube, den gibt es kaum. Der Tod kommt immer zu früh oder zu spät. Er kann es keinem recht machen.

  • Limetti das ist ein ganz spezielles thema zu dem jeder seine eigenen gedanken hat.

    ich bin auch im zwiespalt ob das was wir meinen unseren tieren gutes zu tun,indem wir für ihren letzten weg die entscheidung treffen... wirklich der richtige weg ist.

    mir kommt immer noch die entscheidung bei sam in den sinn und oft denke ich,ob es richtig war ?....

    dann wieder, sam hatte die lunge voller tumore,konnte kaum noch atmen und es bestand die gefahr das er nachts qualvoll erstickt....

    er hat sich gewehrt als die tierärztin ihm das bein abgebunden hat für die injektion,hat geknurrt und geschnappt... er kannte die ärztin von welpe an ....tierärztin(wir haben die nicht mehr) wurde ungeduldig.... sie habe keine zeit ,wenn wir uns umentscheiden,könne sie aber so schnell nicht wieder kommen.... sam wurde hier zuhause eingeschläfert da er inzwischen angst in der praxis hatte aufgrund mehrfach wöchentlichen manuellen ausäumen des rektumdivertikels.

    für uns war der druck immens groß... ihn erlösen zu lassen oder das risiko eingehen das er erstickt.....

    letztendlich hat er eine spritze in den popo bekommen und dann die injektion.

    da ist soviel schief gelaufen.... so oft denke ich daran und entschuldige mich im stillen bei sam.....

    änni hat seit dem angst vor der ärztin.... sie hat sich danach wenn sie mal hin mußte vor ihr auf den rücken geworfen und den schwanz eingeklemmt.

    wir haben dann ganz zu einer tierärztin gewechselt wo wir sonst nur für spezielle dinge waren..... dort zeigt sie das verhalten nicht... da ist sie freundlich und entspannt.

    mir laufen grad wieder die tränen.... auch nach 4 jahren noch...

    so oft denke ich das tiere ein gespür dafür haben wenn ihr leben zuende ist... tiere denken nicht wie wir menschen....

    es ist gut und wichtig das der mensch tiere von ihrem leiden erlösen kann......aber wenn ein wirklich alter hund seinen letzten weg gehen muß weil er keine kraft fürs leben mehr hat.... wäre es schön wenn er den auf natürliche weise gehen darf.

    wie erwähnt,das ist ein schwieriges thema ...mich hat das erlebnis mit sam sehr nachdenklich gemacht ....

    lg

  • So wie ich es erlebt habe, ist Sterben oft nicht dieses ruhige Wegschlafen, das man sich so sehr wünscht. Natürlich kann es das geben, aber wie ich es bisher erlebt habe war es bisher eher ein langer, schwerer Prozess. Bei Menschen habe ich nicht erlebt, dass sie einfach friedlich eingeschlafen sind. Ich habe erlebt, dass sie sich den Tod herbeigewünscht haben, weil das Warten, das Aushalten und das langsame Nachlassen kaum auszuhalten war, die meisten das Gefühl hatten, eine Last zu sein.

    Viele Pflegekräfte in meinem Umfeld erzählen Ähnliches. Dass selbst sehr alte Menschen, nicht unbedingt schwer krank, im Sterbeprozess oft sagen, sie wünschen sich, es möge schneller gehen, weil dieses Dazwischen so zermürbend ist und es nichts schönes oder romantisches oder friedliches hat, auf den Tod zu warten und dahinzudämmern.

    Viele sagen irgendwann, dass sie nicht mehr essen möchten, weil es sich „nicht mehr richtig anfühlt“ oder weil sie spüren, dass sie es nicht mehr brauchen. Manche formulieren auch sehr klar, dass sie nicht mehr wollen, weil sie müde sind vom Kämpfen.

    Bei Tieren ist es noch eindeutiger körperlich gesteuert. Sie treffen keine bewussten Entscheidungen über den Tod. Wenn sie das Fressen einstellen, dann, weil der Körper es nicht mehr verarbeiten kann oder weil Schmerz, Schwäche oder Übelkeit überwiegen. Trotzdem wirkt es von außen oft wie ein „Loslassen“, weil genau das ja im Körper passiert. Der Körper hört auf, Energie in ein System zu stecken, das ohnehin am Ende seiner Kräfte ist.

    Was es für mich zusätzlich so schwer macht: Tiere halten unglaublich lange uns zuliebe durch. Sie fressen noch ein paar Bissen, heben noch einmal den Kopf, wackeln noch einmal durchs Wohnzimmer, uns zuliebe. Nicht, weil es ihnen gut geht, sondern aus Bindung. Und sie können und wollen uns nicht sagen, wie weh es wirklich tut. Es ist unfassbar, wie viel Schmerz Tiere verbergen können, bevor man überhaupt etwas sieht.

    Ich hoffe sehr, in den richtigen Momenten die richtigen Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig habe ich großen Respekt vor dieser Verantwortung und natürlich auch Angst, diesen Moment zu verpassen oder falsch einzuschätzen. Mehr bleibt am Ende nicht.

    Allen, die gerade mitten in diesem Prozess stecken, wünsche ich von Herzen unendlich viel Kraft.

  • Ich habe meinen Großvater mit Nierenversagen im sterben begleitet und wie oft hat er sich gewünscht, dass er die Wahl hätte diesen Weg durch Euthanasie wie bei seinen Hunden abzukürzen.
    Und im Endeffekt sterben viele alte Menschen ja nicht einfach zuhause im Schlaf. Oft ist Sterben schmerzhaft, langwierig und nur unter Morphium möglich, sodass der Mensch schon quasi komplett medikamentös weg ist, bevor der endgültige Tod einsetzt.

    Und genau diese medikamentöse Begleitung haben wir bei unseren Tieren nicht, wenn der Tod ohne Euthanasie Eintritt. Deshalb würde ich zum jetzigen Stand bei meinen Tieren lieber eine Euthanasie wählen und nicht warten wollen.

    Ich glaube auch nicht, dass Menschen immer wissen, dass sie sterben werden durch Krankheit. Meine Mutter hat mir zwei Minuten vor ihrem versterben eine Sprachnachricht über belanglosen alltagskram geschickt, danach direkt meinen Bruder angerufen, der das dann am Telefon live miterleben musste. Auch ihm gegenüber hat sie nicht geäußert, dass sie irgendwie ein ungutes Gefühl hat oder wüsste, was gleich kommt.

  • Ich denke schon, dass Tiere spüren, wenn es zu Ende geht. Zumindest spüren sie, dass etwas vorgeht. Ob das Ergebnis der Tod ist, das ist ihnen vllt nicht bewusst.

    Bei den Tieren, die ich jüngst begleitet habe (2024 meine fast 20-jährige Katze und 2025 meine 15-jährige Hündin) bin ich mir sehr sicher, dass das Einschläfern für sie eine Erleichterung war und dass sie wussten, dass nun etwas Erleichterndes passiert.
    Beide Tiere befanden sich bereits im Sterbeprozess. Sie hatten das Fressen stark verringert, als Beispiel. Über einen längeren Zeitraum.
    Bei meiner Hündin war ich zudem sehr sicher, dass sie mir zuliebe durchhielt. Als ich das realisierte, tat es mir extrem weh, weil ich vergangene Situationen, bei denen ich dachte: Schau, sie will ja noch, sieht man doch - plötzlich ganz anderes betrachtete und mich schlecht, fast schuldig fühlte.
    Bei ihr fühlte es sich beim letzten Tierarzt-Besuch dann auch wirklich sehr erlösend an. Und friedvoll.

    Für mich ist also Einschläfern an sich ein Geschenk. Also dass wir die Möglichkeit dazu haben. Sterben ist leider oft Siechtum. Das wünsche ich mir eigentlich für keine Kreatur.

  • Pan waere sehr sicher in den folgenden Tagen von allein gestorben. Das wollte ich nicht fuer ihn. Nicht mal unbedingt das sterben, sondern der Weg bis an diesen Punkt. Selbst wenn er friedlich und schmerzfrei gestorben waere (was eher selten ist!), auf dem Weg dorthin haette er sich gequaelt und das hatte er nicht verdient(*) ! Das selbe bei Fou. Kalle war was anderes weil da das Ende nicht absehbar war. Er haette sich also wohl noch sehr lange gequaelt und haette wohl richtig ueble Schmerzen gehabt. Bei ihm dachte auch niemand an das, was das Roentgenbild zeigte (und sein Schicksal besiegelte)..

    Ich will das nicht fuer meine Hunde. Nicht mal fuer wenige Tage und schon gar nicht fuer eine lange Zeit.


    Ich wuensch allen, deren Hunden es gerade nicht gut geht, viel Kraft fuer die kommende Zeit!


    *ich meine nicht, dass jemand hier gezielt sowas bei seinem Hund zulaesst!!

  • Wenn wir Menschen mit Tieren im Sterbeprozess vergleichen, dann müssten wir beim Menschen vorher schon alles weglassen, was ihn medikamentös oder mechanisch am Leben hält.

    Ein ganz großes Thema sind zB Herzschrittmacher- die Träger eines solchen können nicht am Herztod sterben - der Schrittmacher holt sie immer wieder und wieder aus dem Sterbeprozess zurück. Deswegen werde ich nie einem solchen Hilfsmittel zustimmen.

    Bei meinem Schwiegervater war es so, daß er Schweißer-Leukämie hatte, nur regelmäßige Blutspenden und Blutwäschen hielten ihm am Leben. Irgendwann fing er an zu schreien vor Angst, wenn er "zum Blut" abgeholt werden sollte. Wir haben in seinem Sinne entschieden, daß er diese stundenlange Tortur nicht mehr mitmachen muss. Er starb binnen 14 Tage friedlich. Hätten wir ihm weiterhin die Termine zugemutet, hätte er noch ein paar qualvolle Krankenhausbesuche und Monate des Dämmerns im Pflegeheim gehabt.

    Meine Schwiegermutter ist mitten im Alltag umgefallen - tot. Niemand von uns hat damit gerechnet, aber es war der allerbeste Tod für sie. So hatte sie sich das tatsächlich gewünscht- "es soll schnell gehen". Das geschah nur einen Monat nach ihrem 90. Geburtstag, an dem sie mich bat, ihre Trauerfeier wie einen Geburtstag auszurichten. Sie wollte Torten und keine drögen Blechkuchen oder Brötchen, das Haus sollte festlich geschmückt sein und wehe, wir benutzen nicht die guten weißen Tischdecken! Und die gute Gulaschsuppe - die Reste eintuppern und mitgeben! Die Feier sollte zu Hause und im Garten stattfinden und die Gäste sollten das Leben feiern (sie würde für gutes Wetter sorgen). Und wenn wir nicht alle das Ostpreußenlied in der Kirche mitsingen, kommt sie uns besuchen. So haben wir es gemacht. Sie hat es geahnt, da sind wir uns sicher.

    Meine Großmutter ist an Demenz und Parkinson verstorben, sie hat das Essen und Trinken eingestellt und ihrem Wunsch (keine künstliche Verlängerung, keine lebenserhaltenden Maßnahmen) wurde entsprochen. Der endgültige Sterbeprozess dauerte nur wenige Tage.

    Mein Großvater hingegen starb lange und qualvoll an einem Hirntumor. Damals war Sterbehilfe verboten. Wäre sie da schon legal gewesen, er hätte die Hilfe angenommen.

    Sterbehilfe beim Menschen ist seit einiger Zeit in Deutschland erlaubt. Wer möchte, kann sich für eine "Euthanasie" entscheiden. Niemand "muss" sich zu Tode quälen.

    Meine Schwägerin ist aus Berufung Palliativpflegerin im mobilen Einsatz, es ist sehr interessant, sich mit ihr über ihre Arbeit auszutauschen. Dieses richtig lange zu Tode quälen hat man häufig nur bei Menschen, die an Krankheiten leiden, wo ich beim Tier das Ende abkürzen würde. Und das kann man auch als Mensch, man muss sich nur früh genug damit befassen und Entscheidunge treffen. (und ja, es kostet Geld)

    Ein wirklich schwieriges Thema, bei dem es unendlich viele Sichtweisen gibt.

    Ich wünsche jedem von Herzen, daß es bei all seinen Lieben und Irgendwan auch bei ihm immer friedlich und würdevoll ist.

  • PiaundGio  RatzRatz

    Ich wünsche euch alles Gute und viel Kraft in dieser Zeit.

    Auf die eine oder andere Art muss jeder seinen Umgang damit finden. Ihr entscheidet für euer Tier mit Bedacht und tut alles, damit es ihm gut geht.


    Ich hab nur Angst, dass die Schmerzen da sind und der Verstand ist noch wach. Dass ich irgendwann in wache Augen schaue und die Spritze setzen lassen muss, weil ich sehe, dass es körperlich einfach nicht mehr geht.

    Ich denke nicht, dass das ein ruhiger schöner Abschied wird. Es ist meine Last zu entscheiden, wann es es nicht mehr tragbar für meinen Hund ist.


    Unsere Hunde sind bisher eher früh durch Krankheit gestorben oder eingeschläfert worden. Der Kleinspitz war kein Jahr alt, Lucky war voller Krebs mit 8. Zumindest letzteren hätte ich heute deutlich früher einschläfern lassen, damals war das noch nicht so usus. Bei Trixie war's ein Schock, so jung und ganz plötzlich.

    Dadurch, dass Fussel seit ihrem KBR mit 9 immer wieder Schmerzen hatte, immer wieder irgendwas war, immer wieder irgendwelche Hiobsbotschaft rein flatterten, die sie geflissentlich ignoriert hat, haben wir hier einen gewissen Galgenhumor entwickelt und nehmen jeden Tag einfach so, wie er kommt. Anders lässt sich das lange Pflegen nicht ertragen.

    Ich würde mir für einen Hund meinetwegen ein kürzeres Leben wünschen, aber dieser langsame jahrelange Abbau, gegen den man sich mit Physiotherapie, mit immer neuer Medikamentenanpassung, mit Fitness und Trainings und Therapie auch wehrt, macht mich mürbe.

    Meine Holly wird jetzt nächsten Monat 10, die ist genauso fit und belastbar und aktiv wie eh und je. Ich hoffe, dass es für lange Zeit noch ist und dass die letzte Lebensphase anders bei ihr sein wird.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!