Hund dreht völlig durch, wenn er andere Hunde sieht

  • Hallo!


    Ich heiße Anna und habe einen Hund namens Damon. Damon ist ein Schäfermix aus dem Tierheim. Er ist ca. 1 Jahr alt und lebt seit 4 Monaten bei mir. Ich war mit Damon bevor ich ihn geholt habe oft Gassi und konnte nie Probleme feststellen, er schien der absolut perfekte Anfängerhund zu sein. Das wurde mir auch vom Tierheim bestätigt.


    Es lief auch 2 Monate nach Abholung weiterhin richtig gut. Damon konnte einfache Kommandos, er lernt sehr schnell, er ist freundlich und aufgeweckt.


    Und dann fing es an. Für mich vollkommen aus dem nichts begann Damon auf andere Hunde zu reagieren, aber nicht böse, sondern mit extremer Aufregung/Freude. Er ist in der Nähe von anderen Hunden nicht mehr ansprechbar. Er springt in die Leine, beißt in die Leine, fängt an zu hecheln und speicheln, bellt, winselt, schreit manchmal richtig.


    Ich war natürlich komplett überfragt und habe mich an eine Hundeschule gewandt, wo wir auch 3 Wochen lang an einem Alltags Erziehungskurs teilgenommen haben. Aber es hat absolut nicht funktioniert. Damon war fast die ganze Stunde über nicht richtig da mit dem Kopf. Nur die anderen Hunde haben ihn interessiert. Es wurde auch beim zweiten und dann beim dritten Mal nicht besser.


    Uns wurde dann von der Hundeschule durch die Blume gesagt, dass wir lieber nicht wieder kommen sollten.


    Jetzt sind wir wieder auf uns gestellt und ich verzweifle langsam. Nichts scheint zu helfen. Er nimmt bei Hundesichtung keine Leckerchen mehr an, er hört auf nichts, er reagiert nicht einmal auf Berührungen.


    Wir gehen nur noch riesige Bögen, gehen früh morgens und spät abends raus, damit wir keinen Hunden begegnen. Aber das kann es doch nicht sein, oder?


    Wie kann ich Damon helfen, dass er wieder der Alte wird, was können wir tun? Habt ihr Vorschläge für uns?

  • flying-paws

    Hat den Titel des Themas von „Hund dreht völlig durch wenn er andere Hunde sieht“ zu „Hund dreht völlig durch, wenn er andere Hunde sieht“ geändert.
  • Viele Hunde zeigen im Stress des Tierheims und auch in den ersten Wochen im neuen Zuhause nicht ihr wahres Gesicht, weil sie es nicht können. Der Hund, der er vorher war, war also gar nicht er selbst. Meiner Erfahrung gibt es nach etwa drei Monaten den ersten Ruck, dass der Hund sich "realistischer" zeigt und erst nach einem halben bis dreiviertel Jahr weißt Du, was Du Dir zugelegt hast.


    Ich würde dazu raten einen Trainer zu suchen, der einzeln mit Dir arbeitet. Ein Kurs ist für einen Hund, der so durchdreht, überhaupt nicht geeignet. Aus welcher Ecke kommst Du denn - vielleicht hat hier wer einen guten Tipp.

  • Ich komme aus Bremen.


    Als ich damals zur Hundeschule bin wollte ich anfangs Einzeltraining aber mir wurde gesagt, dass ein Gruppenkurs mehr Sinn macht zur Desensibilisierung auf andere Hunde.


    Ich bin also bis jetzt eher enttäuscht von Trainern und würde mir ein paar praktische Tipps wünschen.

  • Da bist du einfach an die falschen geraten. Es gibt, wie in jeder Sparte, gute und schlechte Trainer\Hundeschulen.


    ich würde auch zum Einzeltraining raten.


    es gibt schon Tipps, aber gerade als Hundeanfänger würde ich da Begleitung vor Ort empfehlen. Da es auch viel mit Timing zu tun hat und man da auch einiges falsch machen kann, vor allem wenn man vielleicht noch nicht so ein Gefühl für den Hund hat.


    lass dir hier Trainer empfehlen und gib dem nochmal eine Chance.

  • Als einer meiner Hunde vor ca. 6 Jahren bei mir eingezogen ist war er auch völlig hysterisch wenn er Hunde gesehen hat. Er hat laut geschrien und ist in die Leine gesprungen. Das ging solange bis der Hund außer Sichtweite war, fing aber schon an sobald er den Hund gesehen hat. Teilweise hat er auf Geräusche reagiert die dem Klappern einer Hundemarke ähneln. Anfangs half wirklich nur Management: Hund auf den Arm nehmen (er wiegt nur 5 Kilo) und vom anderen Hund wegdrehen. Dann war Ruhe.


    Ich brauchte ungefähr 5 – 6 Einzelstunden bis ich einen Gruppenkurs in der Hundeschule überhaupt zu sehen bekommen habe. Und selbst dann konnte Hermann noch nicht an dem Kurs teilnehmen sondern wir sollten uns in der Entfernung, in der Hermann noch ruhig bleiben kann, aufhalten.


    Weil dein Hund gar nicht, auch nicht auf Berührungen reagiert würde ich Hilfe bei einem Trainer Hilfe suchen. Es kann passieren, dass man an einen Trainer gerät der Trainingsvorschläge macht, die nicht weiterhelfen. Bei einem anderen Trainer kann ein Trainingsvorschlag der Durchbruch sein.

  • Wir haben das Problem auch über Einzeltraining gelöst. Ich habe noch nie eine einzige Gruppenstunde gebucht, da das für den Anfang auch viel zu viel Input an fremden Hunden wäre. Die Trainerin hat ihren Hund mitgebracht und wir konnten so sehr gezielt mit fixen Abständen die ersten Trainingsschritte einleiten. Später kam noch ihr zweiter Hund mit dazu und als die 3 Hunde gute Kumpels waren, sind wir gemeinsam Gassi und sie hat mir quasi Live gezeigt, wie wir mit entgegenkommenden Hunden umgehen.


    Kann dir als Lektüre auch "Leinenrambo" von Sabrina Reichel empfehlen. Kurze und anschauliche Erklärung, was im Hund so vor geht, wenn er so reagiert. Dazu Trainingsansätze, die exakt so waren, wie ich das auch mit der Trainerin gemacht habe. Klicker ist hilfreich, muss natürlich nicht. Wir haben später das Klickern noch mit eingebunden und das war echt effektiv. Heute brauche ich den Klicker eigentlich nicht mehr. Für neue Situationen ziehe ich ihn manchmal noch hinzu, aber nicht mehr im Alltag.

  • 1. Willkommen in der Pubertät. Oder ist er Frühkastrat? Aber auch da sagt die Innere Uhr, irgendwas sollte passieren in dem Alter ...

    2. Hat er denn überhaupt mal Artgenossenkontakt?

    3. Ich würde mir Gassigehpartner suchen mit anderen Hunden ,von denen er was lernen kann und auch mal seine Bedürfnisse befriedigen kann, sowohl Gleichaltrige zum rumspacken, als auch Ältere, die auch mal sagen, ne höflich mitlaufen ja, druchdrehen nein.

    Denn erfüllte Bedürfnisse werden nicht mehr so gespürt. Viele verfolgen ja den Ansatz, erst ..wenn der Hund sich perfekt benehmen kann dannnnnnn. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Hund, der Artgenossenkontakt haben darf, nicht mehr jedem hinterherschreien muss.

    4. Gleichzeitig halt Gehorsam üben, also ein Sitz ist ein Sitz ist ein sitz, überall in allen Lebenslagen langsam in der schwierigkeit steigernd. Was Länge und Ablenkung angeht. (Auflösekommando nicht vergessen ,das wichtigste überhaupt)Andere Hunde sind halt Endgegner.

    Also kann er sitz machen im Flur, während du in der Küche mit dem Futter rumhantierst ... ect.

    Das ist schon ziemlich schwer in diesem Alter, wo im Hirn die Hormone Samba tanzen, also Humor nicht verlieren und ganz kleine Erfolge schon feiern.


    Wenn du alleine trainierst, nimm dich selber auf. Handy hinstellen. Dir wirklich einen Plan machen. Ausweichen wirklich erstmal ohne andere Hunde üben. Draußen generell dir kleine aufgaben stellen, damit du nicht einfach nur drauf wartest, wann die nächste blöde Begegnung kommt und dann gestresst schnell die Runde beenden willst. Rechts Link üben. Hinten gehen, mit Spaß! Futterdummy suchen. ERst wenn Manöver wirklich gut sitzen, werden sie auch in Stressigeren Situationen funktionieren. Erst machen, wenn der Hund schon auf 200 ist, da hast du nie eine chance, erst muss das als Handlung im Hirn wirklich eingeübt sein. Das Futter an sich kann nicht stärker sein als etwas, das der hudn wirklich will, aber eine Automatisierte Abfolge von Bewegungen, Belohnung und dem Guten Gefühl, das du beim üben da mit reintrainierst, das kann dann stärker werden.

    Das allerwichtigste. Finde deine Freude wieder, lass dir nciht von den ... x Minuten Täglich die 24 Stunden verhageln! Der Alte wird er nicht mehr, der Alte war ein Junghundbaby.

    War bei dem Erziehungskurs ein netter Mensch, mit nem Hund, den er besonders sympathisch war, dann frag die nach gemeinsamen Spaziergängen. Allein das sich gegenseitig unterstützen hilft auch schon und du kannst testen, wie er auf andere Hunde reagiert, wenn er gespielt hat.

    Also, viele viele viele möchten ihren Junior in der Zeit zum Mond schießen. Nicht dne Mut verlieren!

    Wünsch dir viel Erfolg beim finden eures Weges!

  • Danke für eure Antworten und die Buchempfehlung. Wurde gleich gekauft.


    Jackyfan wie sah denn das Training aus? Wenn das in 5-6 Stunden besser wurde ist das ja toll!


    Vielen Dank Sockensucher für die ausführliche Antwort.


    Er ist nicht kastriert. Aber ich dachte die Pubertät wäre schon vorbei. Das könnte natürlich eine Erklärung sein.


    Ja, er hat eine Huskymischlingsfreundin, die ungefähr in seinem Alter ist. Die Besitzerin und ich treffen uns manchmal und lassen die beiden dann im Garten rumsausen. Aber einen älteren Hund, der ihm quasi ein Stopp aufzeigt haben wir nicht.


    So genau sind wir das Sitz Training nicht angegangen. Er kann schon Sitz, aber wenn ich mich bewege, bewegt er sich eben auch wieder.


    Nein, im dem Erziehungskurs haben wir niemanden kennengelernt. Die waren alle nur genervt von uns und meinem schreienden Hund. Das war eher peinlich und unangenehm dort.

  • Ne, Pubertät fängt eben erst richtig an, wenn alles nicht mehr klappt und Gaga die Welt regiert :D

    Und das ist es eben, wenn du dich nichtmal bewegen kannst, wirst du auch gegen so einen Hohen Reiz nicht im Hirn ankommen. Man möchte eben nur "das Problem" weghaben. Aber das ist wie bei allem. Erstmal die Basis schaffen und dem Hund und sich selbst kleine Aufgaben stellen, dann langsam steigern. Das habt ihr ein bisschen verpasst, weil er bisher naturbrav war und jetzt erwischt es dich voll Breitseite. Das ist natürlich vom Kontrast her extra fies.

    Du kannst also gut mit deiner Freundin üben. Erst Sitz! Dann spielen, nicht losbrettern, nur auf Freigabe. ERstmal nur kurz, Po auf dne Boden udn Freigabe! Die Freigabe ist beim üben das wichtige. Denn der hund soll bis dahin tun, was man möchte. Da sind wir Menschen einfach schlampig, schnell zufrieden, schnell abgelenkt und vergesslich. Oft ist das Lob die Freigabe und man kann nicht den Hund währenddessen loben, weil sie dann immer losschießen. Also einen Plan machen, sich selber aufnehmen, kucken was passiert. Klappt das so, kann die erste Ablenkung Futter sein das liegt, dann geworfenes Futter. Das sind alles Dinge, die du 100% unter Kontrolle hast und dann wirst du auch feststellen, dass er nicht nur bei Hunden im Moment impulsiv und unkonzentriert ist. In Der Pubertät ist es halt hartnäckig sein, aber nicht zuviel erwarten und die richtige Mischung aus Managment, Training und Seele baumeln lassen finden.

    Was machst du denn jetzt, wenn ihr einen Hund sichtet?

    Das Kommando weiter zu trainineren ist da dann wahrscheinlich auch noch wichtiger. Aber Sitz erhöht halt mehr die Selbstkontrolle und ist eindeutiger als weiter. Besser zum üben.

    Wenn du Ansporn brauchst, könntest du auch einen onlinekurs machen, wenn du der Typ bist, der lieber Hausarbeiten abarbeitet und halt weils Geld gekostet hat, mehr am Ball bleibst als sonst so. Oder du machst hier ein Tagebuch und suchst dir hier leute, die dich anfeuern und fragen wie läufts?

    Und gerade die Sitzfortschritte kannst du gut filmen und hast Fortschritte dann auch selbst vor Augen.

  • Aber ich dachte die Pubertät wäre schon vorbei

    die fängt doch gerade erst an... Dazu eben jetzt auch das erste Ankommen bei dir Zuhause. Auch mein Tipp: such dir einen tollen trainer der zu dir nach Hause kommt, sich euren Alltag und die Stresssituationen vor Ort anschaut und dann mit euch arbeitet. Eigentlich musst sicher nur du lernen und dann klappt es auch mit dem Hund

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