Gelassenheit in der Hundeerziehung - Austausch Thread

  • Oh, ein schöner Thread.

    Emil war in puncto Gelassenheit ein unglaublich guter Lehrmeister für mich.

    Bin ich gestresst, in Zeitdruck, oder genervt, dann ist es absolut sicher, dass dieser Hund sich abschießt. Das verhilft einem zu einer gehörigen Portion Selbstreflektion. Es geht ihm nicht gut damit (und mir ja auch nicht), also analysier ich erstmal mich, fahre mich runter und meist hab ich dann auch ein entspanntes Plüsch.

    Fiete zb ist da ganz anders gepolt, wenn ich genervt bin, dann wird er unfassbar lahmarschig. Das Gegenteil von Emil. Er zieht sich in sich zurück und versucht damit meinem Stress zu entgehen.

    Und zuletzt die Junghundkröte, der wird aufgedreht und schnappig, wenn ich nicht entspannt bin.


    Ich hatte da mal ein interessantes Gassierlebnis. Emil war angeknipst, Fiete und die Alte schnüffelten so vor sich hin (Lucifer gab es da noch nicht). Meine Aufmerksamkeit war bei Emil, weil er gerne anfängt die anderen zu hüten, wenn er so drauf ist. Unterschwellig lief ich vor mich hin und war die ganze Zeit am Scannen und kontrollieren... traf eine HH, wir haben uns kurz unterhalten und sie erzählte mir, wie toll sie meine Hunde findet. Die sind so freundlich zu fremden Hunden, jagen nicht und haben mich immer auf dem Schirm... da fiel mir auf, dass das alles richtig ist und ich es nicht sehe. Weil ich den Fokus auf den Problemen habe, die gerade entstehen könnten.

    Das hat mich dazu gebracht, meine Sicht auf die Hunde zu verändern. Versuche sie mal objektiv zu sehen und eben nicht aus meiner Warte des Helikopterfrauchens.


    Das heißt natürlich nicht, dass wir keine Baustellen haben. Ich versuche eben nur, diese mal in ein objektives Licht zu rücken und den Erfolgen gegenüber zu stellen, die wir in unserem Zusammenleben erarbeiten konnten. Und da überwiegt Letzteres. Und das versuche ich dann eben vermehrt zu sehen und zu würdigen. Was je nach Tagesform besser, oder schlechter funktioniert.


    Und was corrier geschrieben hat, finde ich ganz wichtig. Unsere Hunde haben leider eine recht begrenzte Lebensspanne. Und ich möchte sie mit jedem meiner Hunde zusammen geniessen. Das geht nur mit einerseits einer möglichst guten Erziehung, andererseits eben mit einer Portion Gelassenheit den Problemchen gegenüber.

  • Meine Hunde haben mich dazu gezwungen, mich sehr stark selbst zu reflektieren. Sonst würden die mir um die Ohren fliegen.

    Wahrzunehmen was sie tun und was ich daran für einen Anteil habe. Klar und einschätzbar zu sein, den Hund nicht überrumpeln. Die eigenen Emotionen wahrnehmen und in Zaum halten. Kulant konsequent sein.

    Korrekte Lernschritte aufzubauen etc etc.


    Und die Gelassenheit haben, blöde Kommentare einfach zu ignorieren. Sich nicht verunsichern lassen von Anderen.

  • §

    finde es gut wenn man auch mal eine individuelle, an den Hund angepasste Lösung nimmt ??

    genau das meine ich. Mal einen Schritt zurück gehen und die eigenen Ideale und Vorstellungen überprüfen. Ist es wirklich ein Problem oder mache ich es gerade zum Problem? Gibt es andere Lösungen?



    Finde es immer schade, wenn man einem Individuum ein Korsett anzieht, nur weil man das für richtig hält. Mir sind da Erfolge und Eigenheiten des Teams viel wichtiger.


    Vielleicht bin ich deshalb oft so entspannt. Weiß ich doch, wie viel Mühe es gekostet hat und welche Leistung es für mich und meinen Hund ist. Da ist es mir egal, wie die gesellschaftliche Norm das gerade wünscht.

  • Ich musste Gelassenheit auch erst lernen.

    An sich bin ich ein sehr ruhiger Mensch, aber wenn ich verzweifelt oder enttäuscht bin, kann ich sehr wütend werden - auf mich selbst.

    Balou hat mich gelehrt, an mir selbst zu arbeiten. Je gestresster ich bin, umso mehr fliegt er mir um die Ohren. Je angespannter ich bin, desto eher pöbelte er rum etc.

    Also lag der Schlüssel für das Glück für mich darin, nicht alles so verbissen zu sehen, uns die Zeit zu geben, die er braucht, extra langsamer zu gehen als mein Grundtempo, mir keinen Kopf darum zu machen, was andere denken könnten.

    Wenn Balou nun einen schlechten Tag hat (oder auch eine längere schlechte Zeit), dann wird er gesichert, ich erwarte wenig von ihm und bin extra freundlich. Er wird für alles gelobt und übermäßig mit Keksen belohnt. Dadurch ändere ich die Grundstimmung bei uns beiden zu einer positiven Atmosphäre, er kann kaum etwas falsch machen und wir haben eine schöne Zeit zusammen. Und wenn mal gar nix geht? Dann geht’s halt wieder nach Hause und wir kuscheln ein bisschen und er bekommt was zu kauen und darf im Garten liegen. Ist dann auch mal ok.

    Ich musste lernen, auf mein Bauchgefühl zu vertrauen. Meine Hunde haben viel weniger Bewegung und Auslastung als viele andere Hunde hier im Forum. Und unser Alltag ist sterbenslangweilig :D

    Aber sie sind glücklich und ruhen die meiste Zeit in sich selbst.


    Nell hätte mich auch in den Wahnsinn treiben können, als sie hier einzog. Stattdessen habe ich ihr einfach Zeit gegeben und auch mit 13 Monaten kann sie bisher kaum was Neues, gar keine Tricks und Auslastung machen wir auch noch nicht, weil es für sie noch nicht passt. Ich vertraue einfach darauf, dass ich es so richtig mache und sie ist eine wirklich tolle selbstbewusste Hündin geworden.


    Viel kommt mit der Erfahrung. Aber man kann schneller zur Gelassenheit finden, wenn man den Perfektionismus außen vor lässt und sich und dem Hund einfach die Zeit gibt, die man braucht.

  • Ich hatte heute einen zutiefst emotionalen Moment. Ich war heute wieder bei meiner Trainerin, natürlich mit Hundi. Wegen ihrer Beissattacken. Eigentlich haben wir w eniger trainiert, statt dessen ist sie enorm gut auf mein Wohlbefinden eingegangen und hat mir gezeigt, wie ich Hundi so beruhigt bekomme, dass sie mir nahe sein kann. Das haben wir dann natürlich praktiziert. Sie hat mir eindrücklich erklärt, wie meine Maus in dem Moment empfindet. Ich habe ihre Liebe gespürt, ihre Unsicherheit, ihren Zwiespalt mit sich selbst. Ich war ihr so unheimlich nah. Sie war so ruhig. Diesen Moment habe ich sehr genossen und es kamen mir die Tränen, da ich diese Momente so selten verspürte und mich das alles so belastet. Zu wissen, dass diese Momente möglich sind, wir auf dem richtigen Weg sind gibt mir die nötige Gelassenheit in Bezug auf meine Ungeduld, das Problem in den Griff zu bekommen. Die innigen Momente sollte man wirklich geniessen. Sie sind so wertvoll. Das habe ich heute besonders gemerkt.

  • Hallo zusammen, mir ist noch etwas bewusst geworden.... Wenn man vor allem sehr mitfühlend ist, neigt man dazu, sehr auf anderer Emotionen einzugehen. Das kann sich unter Umständen auch auf das eigene Gemüt austragen. Davon sollte man sich auch etwas lösen, um seine eigenen positiven Gefühle und Laune gut im Griff zu haben. Das passiert mir auch noch gelegentlich beim Hundi. Man sollte sich davon jedoch nicht beeinflussen lassen. Vor allem, wenn es negative Emotionen sind oder der Hund vor Freude hochdreht.

  • Guten Morgen,


    mir ist noch etwas eingefallen: wenn ich einen schlechten Tag hatte/habe, sei´s gesundheitlich u/od stimmungsmäßig, mache ich mit den Hunden nix was "Anspruch" hat.

  • Guten Morgen,


    mir ist noch etwas eingefallen: wenn ich einen schlechten Tag hatte/habe, sei´s gesundheitlich u/od stimmungsmäßig, mache ich mit den Hunden nix was "Anspruch" hat.

    Das geht mir auch so. Kann mich (Wechseljahre sei dank) nicht davon frei machen mal genervt zu reagieren (wenn ich zb vom aufgeregten Emil angekläfft werde). Da ich das weiß, gibt es an "doofen" Tagen nur Spiel und Spaß, nix wo Hund was "falsch" machen könnte. Wobei Hund ja eben nichts falsch macht, sondern ich nur falsch reagiere. Na wie auch immer, ihr wisst was ich meine =).

  • Wenn ich richtig schlecht drauf bin, wird Geri - sonst mein perfekter Musterschüler- ein unruhiger, aggressiver kleiner Hai, der mich gegen die ganze Welt zu verteidigen versucht. Da kann ich so viel Gelassenheit üben wie ich will, um Ärger zu vermeiden am besten gar nicht rausgehen außer in Garten. Man muss bei ihm auf jeden Fall selbst präsent sein, damit man Situationen gelassen regeln kann.


    Bei Freki war es aber anders, sie konnte mich erden. Sie hat mir Gelassenheit geben können irgendwie. Garmr ist auch eher so ein Typ der einen runterbringen kann. Aber eigentlich ist man als Mensch ja zuständig...

    Guten Morgen,


    mir ist noch etwas eingefallen: wenn ich einen schlechten Tag hatte/habe, sei´s gesundheitlich u/od stimmungsmäßig, mache ich mit den Hunden nix was "Anspruch" hat.

    Das geht mir auch so. Kann mich (Wechseljahre sei dank) nicht davon frei machen mal genervt zu reagieren (wenn ich zb vom aufgeregten Emil angekläfft werde). Da ich das weiß, gibt es an "doofen" Tagen nur Spiel und Spaß, nix wo Hund was "falsch" machen könnte. Wobei Hund ja eben nichts falsch macht, sondern ich nur falsch reagiere. Na wie auch immer, ihr wisst was ich meine =).

  • Ja, Emil kriegt es auch mit, wenn ich angespannt bin. Mein kleiner Seismograph :herzen1:.

    Na, sie kriegen es schon alle mit (ausser der Tüddeloma), aber Emil reagiert am extremsten auf meine Stimmungen.

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