Wie viel "kämpft" ihr mit euren Terriern?

  • Erziehen über Erzeugen von Meideverhalten - kann man - muss man nicht. Auch nicht bei Terriern.

    Mir sind solche Aussagen schlicht zu allgemein.


    Vor allem beim Jagen - bei Terriern, bei Exemplaren mit intensiver, jagdlicher Motivation, die schon massig Erfolge hatten, brauchts da mehr als "schärfer werden" und da ist man dann tatsächlich schnell bei intensiverer Gewalt, als mal die Stimme zu erheben, was bei Deinem zu genügen scheint.

    Inzwischen ja. Manchmal. Nicht immer. Das ufert hier aber aus.

    Für mich persönlich ist das lediglich der Hinweis, dass etwas anderes gerade einen viel intensiveren Reiz auf den Hund ausübt, als das, was ich an Info mit meiner Aufforderung an den Hund geben. Nehm ich nicht persönlich.

    Ich auch nicht. Der Hund entscheidet, was er möchte. Für mich ist es aber ein Irrglaube, dass der Hund sich immer "für mich" entscheiden wird, wenn ich das nur lange genug mit ihm übe.
    Der Reiz eines Eichhörnchens ist durch NICHTS zu überbieten. Trotzdem muss er lernen, genügend Selbstkontrolle zu haben, um nicht gegen meinen Willen loszuspurten.
    Das entwickelt zumindest mein Hund aus viel Lob und gezieltem Abbruch, der auch mal unangenehm sein darf.

  • Hier wärs ohne Strafe nicht gegangen. Für Janosch war schon immer seine eigenen Ideen durchsetzen und seine derzeitigen Bedürfnisse sofort befriedigen die größte Belohnung. Da kann ich nicht gegen halten.
    Das beibringen der Kommandos funktioniert am besten über Belohnung und ohne Druck, aber das durchsetzen kam hier nicht ohne Strafe aus. Ganz davon ab, dass man eh nicht ohne Strafe erziehen kann.
    Ich habe auch bewusst einen Schreckreiz auftrainiert, der heute immer noch unser letzter Notnagel ist.
    Mein Ziel war aber eben auch, dass der Hund möglichst viel Freiheiten haben kann und nicht nur an der Leine bleiben muss.

    Allerdings hat Janosch mich auch sehr viel gelehrt über die positiven Lernstrategien. Viel mehr als mich das Leo mich hätte lehren können. Weil die größte Baustelle, das Leinepöbeln ging mit Strafe nicht weg.

    Heute habe ich beim Spaziergang bewusst mal mehr auf Janosch geachtet und ihn mehr einbezogen. Er braucht das ja nicht immer, aber ganz außen vor gelassen will er auch nicht werden. Ausgesprochen brav war er.

  • Du interpretierst also ein nicht befolgen einer Aufforderung als "Rutsch mir den Buckel runter?"
    Für mich persönlich ist das lediglich der Hinweis, dass etwas anderes gerade einen viel intensiveren Reiz auf den Hund ausübt, als das, was ich an Info mit meiner Aufforderung an den Hund geben. Nehm ich nicht persönlich. Ja, gibts bei eigenständigen Rassen/Persönlichkeiten vermehrt - ist für mich aber kein Grund, "schärfer" zu werden, wenn ich dem Hund etwas beibringen möchte.
    Es gibt viel mehr Möglichkeiten, als ein emotionsloses "Nein".
    Was sollte das auch an Info an den Hund geben?
    Mir persönlich liegt sehr viel daran, mittels intensiven Trainigs dem Hund beizubringen, dass er solche Kämpfe und Diskussionen gar nicht nötig hat und seine Motivation dafür sowohl sinkt, als auch neue Motivationen gefunden werden.

    Ja. Weil die Katze grad viel verlockender ist als ich, kann ich ihr in dem Moment den Buckel runter rutschen. :ka:

    Warum soll es schlimm, schlecht oder vermeidenswert sein, den Hund scharf anzureden, ich verstehe das nicht. Sowohl in der Hunde- als auch in der Kindererziehung gibt es Situationen, in denen die Emotion den Ton vorgibt. Das heißt doch nicht, dass nur gebrüllt wird. Bei einigen hier scheints ausschließlich Friede-Freude-Eierkuchen und endlose Geduld zu geben. :???:

  • Ich habe im ersten Jahr mit Finya viel Blödsinn gemacht und viel mehr gestraft, als in all den Jahren danach. Also ich hab sie nicht verprügelt, unterworfen oder ähnliches, aber geschrien, mal an der Leine geruckt, hinter mir hergezogen, mit Ignoranz bestraft, etc. Heute würde ich quasi alle Situationen anders lösen und tue das auch. Ich fühle mich furchtbar, wenn ich mir überlege, wie ich sie zum Teil behandelt habe, weil ich keine Ahnung hatte und mich hilflos gefühlt habe.

    Finya ist ein stolzer Hund und wenn sie sich ungerecht behandelt fühlt, dann macht sie komplett zu, ignoriert und meidet. Kurz gesagt, je nach Schwere des Vergehens ist man für sie komplett gestorben.
    Ich hatte es einmal, dass ich das Gefühl hatte, ich muss mir ihr Vertrauen fast von Grund auf wieder erwerben. Um was es ging weiß ich allerdings nicht mehr.
    Es ist ein furchtbares Gefühl, wenn man in den Augen seines Hundes quasi nicht mehr existiert und das vielleicht nur, weil ich sie im falschen Moment angeschrien habe oder ähnliches.

    Die einzige Maßregelung, die sie akzeptiert, ist im Jagdmodus, wenn sie die Nerven weggeschmissen hat und durchgeht (also sie kann nicht, weil an der Leine, aber sie würde ohne). Da hilft ihr ein Schlag/kräftiger Stupser (8kg Hund halt angemessen) vor die Brust, damit sie wieder zu sich findet. Sie hat entschieden, dass sie das nicht als ungerecht empfindet, denn sie hat beim ersten Mal danach kooperativ mit mir weiter gearbeitet.
    Wenn ich sie dagegen gängel, weil sie nicht gescheit an der Leine läuft oder nicht dort wartet, wo ich sie abgesetzt habe, sondern ein Stück weiter nach links oder rechts wandert, weils dort gut riecht, bekomme ich schon mal diesen Blick "Jetzt reiß dich mal zusammen! Ist doch völlig egal, ob ich genau neben dir laufe oder 5cm weiter vorne." und ich kann dem nichts entgegen setzen, denn sie hat ja Recht - es ist egal.


    Ich schreie meine Hund nicht mehr an, außer wenn ich die Nerven weggeschmissen habe und einfach fertig mit den Nerven bin. Aber das ist keine Erziehung. Das ist menschliches Versagen und das verzeihen sie mir - Gott sei Dank.

  • Das kenne ich genau so. Entweder auf Komando Fuß laufen oder rennen. Für Findus gibt es nichts dazwischen.

    Hier auch.
    Er jeden Tag zu mir so: "Ich soll gehen? Ich will nicht gehen! Warum? Ich renne aber. Warum rennst du denn nicht?" :pfeif:

    Deswegen habe ich mich auch damit abgefunden, dass er kein leinenführiger Hund mehr werden wird. Flexi geht, aber kurze Leine... unmöglich.

    Mittlerweile kann ich schmunzeln, aber ich hatte auch schon Tage, wo ich geheult habe, weil ich mir dachte, anscheinend bin ich zu blöd, meinem Hund das Gehen an lockerer Leine beizubringen.

  • Mogli zieht am Anfang des Gassigehens an der Leine. Wenn er dann 7 Kilometer Freilauf hinter sich hat kann er auch ordentlich laufen. :roll:
    Allgemein ist er recht pflegeleichter Terrier. Er hat natürlich Jagdtrieb und läuft in Waldnähe an der Schlepp aber daran arbeite ich und habe noch nicht aufgegeben.

    Regeln kann er gut akzeptieren und hinterfragt sie nicht aber dieses tägliche neu ausdiskutieren und "kämpfen" habe ich schon mit Balou und bei einem Hund reicht mir das. Mogli kennt es aber von Welpe an durch sein Zusammenleben mit Balou dass ich nicht mit mir diskutieren lasse.

  • Ich diskutiere ständig. Hamilton als Whippet ist sich seines Terriererbes sehr bewußt und liebt es Grenzen auszutesten.
    Bleibe ich standhaft gefällt ihm das, er ist ein Hund der den Konflikt sucht. Ist okay so, kriegt er.
    Für ihn ist die Durchsetzung seines Willens das allergrößte! Da kommt keine Belohnung ran, da hab ich keine Handlungsmöglichkeiten. Da hilft nur Dinge die ihn interessieren so früh zu sehen das ich ihn zu mir und angeleint bekomme ehe er das sieht.

    Arren, Miniatur Bullterrier, kann sowas garnicht. Bin ich dem böse bricht seine Welt zusammen, der Hund ist sowas von weich und sensibel innen drin.
    So ist eben jeder Hund anders und Arren ist da halt echt untypisch für nen Terrier. Den Sturkopf hat er, bei gewissen Dingen zerre ich ihn einfach weiter. Das ist okay für ihn, 5 Meter weiter ists dann gut und er läuft wieder mit.
    Der diskutiert auch nie wirklich. Der tut einfach was er grad will und merkt erst was Sache ist wenn ich laut werde. Die Bitte vorher geht völlig an ihm vorbei... Aber er ist halt echt so intelligent wie 2 Meter Feldweg. :roll:

    Die Terrier-Dackel Dame davor war der "One in a million" Hund. Jackpot, absolut. Die liebte Tricks, lernen, mir Freude machen. Ein Ausnahmehund.
    (Und bei so einem Ausnahmehund davon auszugehen das man selber das Beste in Sachen Hundeerziehung ist kann beim nächsten Hund für einen tiefen Fall sorgen...)

    Von den Gassiterriern waren die meisten schon sehr, sehr Terrier. Stur, konflikteliebend, ihr Ding machend.
    Die bekam man gut über Belohnung, wenn sie Bock hatten. Wenn nicht, naja, dann eben nicht. Terrier eben.

    Ich mache viel über Stimme. Die Jungs kennen meine Tonlagen und wenn ich brülle ists höchste Eisenbahn. Wer dann nicht kommt kriegt Ärger. Ebenso wenn ich die Stimme sehr tief und leise mache, das ist die allerletzte Aufforderung ehe Frauchen explodiert.
    Ist also sozusagen ein Frühwarnsystem. :lol:
    Und grad Hamilton wartet gerne eine Tonlage vor Brüllen ab, ehe er tut was ich will. An guten Tagen reagiert er auf jedes bischen, so als Ausgleich. Oft wenn er mich tagelang an den Rand des Wahnsinns gebracht hat, dann ist er ein paar Tage ausgesprochen brav.
    Er kann so viel, aber er will so selten... *seufz*

  • Die ganzen Beschreibungen treffen voll auf meinen fussel... Seines Zeichen war er neufundländer chow chow.
    Wenn der nicht wollte wollte der nicht. Wenn er wollte war ihm egal was ich wollte. xD was wir auch im hohen Alter noch für Kämpfe und Diskussionen hatten :barbar: er hatte kurz vor seinem Tod die marotte entwickelt einfach nicht mehr zu melden wenn er musste. Er hat sich am liebsten mitten in die Küche Tür gestellt und laufen lassen. Kein unschuldsblick nein. Reine Provokation kam da. Und wenn er fertig war ist er einfach von dannen gezogen und hat mich angeguckt. Du hast den Mittelfinger her richtig leichten sehen. Wie oft ich ihn :lepra: ...

  • Scheinbar ist die gängige Meinung tatsächlich, dass Impulskontrolle - Selbstkontrolle - nur mittels aversiven Strafreizen möglich ist
    Schade.
    Es gibt viel mehr Möglichkeiten als das.
    Auch in Punkto Jagdmotivation.

    Klar ist es nicht verwerflich und für die allermeisten Hunde nicht besonders schlimm, wenn man den Hund mal anraunzt und in Notsituationen auch mal einen schärferen Ton anschlägt -das ist das echte Leben und in dem gibts nunmal auch Situationen, in denen aversive Reize auf ein Lebewesen einwirken.
    Aber um zu lernen, nicht jedem Impuls nachzugeben, sich selber im Griff zu haben, muss nicht zwingend gestraft werden.
    Klar funktioniert das unter Umständen, richtig angewendet, superschnell. Oft schneller, als der Weg über Gewöhnung, belohnungsbasiertes Lernen/Konditionierung, aber ein MUSS ist das nicht zwingend.
    Auch Terrierteile sind nicht befreit davon, dass die Lerngesetze anwendbar sind - und zwar in jeder Richtung. Sie stellen einen halt vor etwas intensivere Herausforderungen dabei, als es ein "Will to Please - Hund" tut.
    Letztendlich ist es immer die Entscheidung des HH, ob und in wie fern er auch individuelle Grenzen in der Hundepersönlichkeit akzeptieren kann und will.

    Ich könnte Nicky sicher über Erzeugen von Meideverhalten am Wild erreichen, dass er nicht mehr jagen würde. Aber den Preis den er dafür zu zahlen hätte, wäre bei diesem Hund sehr hoch und es würde ihm eine Menge an Lebensqualität damit genommen werden.

  • Ich glaube nicht, dass ich Finya das Jagen über Strafe verleiden könnte. Im Gegenteil sogar. Desto mehr ich da gegen sie arbeiten würde, desto schlimmer würde es werden.
    Ich bin mit unserem Weg schon ganz zufrieden =)

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