Leine lernen klappt nicht

  • Hallo,

    mein Welpe ist jetzt 12 Wochen alt. Wir gehen zum Spazieren ins Feld, da läuft er problemlos ohne Leine mit. Nun gibt es einige Situationen, in denen ich ihn anleinen muss - und das klappt gar nicht! Er mag die Leine nicht und zieht. Ich habe dazu schon einige Methoden angelesen. Ausprobiert habe ich, beim Ziehen und in die Leine legen einfach stehen zu bleiben. Das geht gar nicht. Den Hund frustriert es unglaublich, er zieht noch mehr, rennt in alle Richtungen, kläfft und dreht einfach total auf. Und ich tue wirklich nichts und stehe nur da wie ein angewurzelter Baum. Jedes Mal, wenn laufen für ein paar Sekunden klappt, zieht er sofort wieder ganz doll.

    Bei meinem Freund läuft er besser. Jedes Mal, wenn er zieht, zieht mein Freund dagegen, gibt nicht nach und ändert auch das Tempo nicht. Ich habe allerdings nicht das Gefühl, dass er weniger zieht. Wenn der Hund mal 30kg wiegt, wird gegenziehen aber wohl nicht mehr so angenehm sein, bzw. man kann sich auch gleich auf einen Schlitten stellen und vom Hund ausgeführt werden.

    Achja, wenn er mal kurz locker läuft und auf unserer Höhe, wird er kräftig gelobt. Wobei ich da manchmal das Gefühl habe, der guckt mich an wie "Was du wolle?".

    Und bevor ich jetzt noch 20 andere Versuche starte, dachte ich, ich frag euch erst Mal nach Tipps.

    Danke!

  • Zum einen müsst ihr in dem Alter noch nicht dringend richtige Spaziergänge machen und zum anderen kann der Hund das noch gar nicht können. Woher soll er wissen, was ihr wollt? Für ihn ist die Leine erst mal eine unangenehme und ungewohnte Begrenzung.

    Leinenführigkeit ist ein Fleißkärtchen, dass man sich echt verdienen muss. Einfacher ist es auf jeden Fall, wenn der Welpe es von Anfang an richtig lernt. Von alleine wird er es nicht lernen und mit der Methode von deinem Freund auf keinen Fall.

    Ich würde mir ein doppeltes Führsystem überlegen. Zum Beispiel Geschirr und Halsband. Ziel wäre jetzt erst mal, dass die Leine ans Geschirr kommt, wenn ihr gerade nicht übt, der Hund aber keinen Freilauf haben darf. Damit geht ihr also so weiter wie bisher auch und kommentiert das Ziehen auch nicht und trainiert auch nicht.

    Zwischendurch, wenn der Hund schon gerannt ist, gepinkelt und geschnüffelt hat und ansprechbar ist, macht ihr die Leine ans Halsband. Ab dem Punkt übt ihr ordentliches an der Leine gehen. Und zwar nur in Babyschritten, dem Alter und Entwicklungsstand des Hundes angepasst. Hierzu würde sich eine Futterbelohnung eignen. Ihr belohnt lockeres an der Leine gehen und zwar am Anfang sehr hochfrequentiert, also häufig nacheinander. Sobald der Hund überholt oder anderweitig abdriftet, kommentarlos umdrehen, den Hund mit nehmen oder einladen und sobald die Leine wieder locker ist, Futter rein.

    Für den Anfang reichen da ein paar Sekunden und vielleicht schafft ihr mit Richtungwechseln auch keine paar Meter. Darum geht es auch nicht. Der Hund soll ja lediglich erst mal verknüpfen, was ihr überhaupt von ihm wollt.

    Also lieber ganz kurze Einheiten mit starker Belohnung fürs gewünschte Verhalten und dann aufhören, wenn es gerade richtig gut läuft. Die Einheiten können häufig wiederholt werden. Da man mit einem Welpen aber eh keine großen Spaziergänge macht, sondern eigentlich lieber erst mal nur 15 Minuten draußen ist, lasst ihr ihn davon 13 Minuten machen, was er will oder ihr setzt euch irgendwo hin und lasst ihn die Umwelt erkunden und 2 x 1 Minute übt ihr. Das mehrmals am Tag, da ihr ja vielleicht häufig, aber kurz raus geht.

    Dann wieder auf Geschirr umschnallen und der Hund kann wieder machen wie er will (mehr oder weniger).

    Sobald der Hund halbwegs verstanden hat, dass es sich für ihn lohnt, euch gegenüber aufmerksam zu sein und sich euch anzupassen, könnt ihr die einzelnen Einheiten verlängern. Für den Moment aber immer nur, wenn keine Ablenkung unterwegs ist.

    Das Laufen am Geschirr wird dann nach und nach immer weniger und das ordentliche Laufen am Halsband immer mehr.

    Richtige Leinenführigkeit bei einem sauberen Trainingsaufbau könnt ihr aber erst erwarten, wenn der Hund deutlich älter ist. Noch sind es ganz kleine Übungen, um überhaupt eine Struktur rein zu bekommen.

    Und es entlastet euch, dass ihr nicht die ganze Zeit drauf achten müsst, das der Hund nicht zieht. Das ist nämlich im normalen Alltag praktisch gar nich umsetzbar.

  • Mit 12 Wochen würde ich mit dem Kleinen nach Möglichkeit noch gar keine expliziten Spaziergänge machen. Es reicht völlig, wenn er in den heimischen Garten zum Lösen geht.

    So wie ihr es im Moment macht (Welpe darf freilaufen und kommt in bestimmten Momenten an die Leine), lernt er die Leine in erster Linie als Einschränkung kennen. Dass ihm das nicht passt, ist vollkommen klar.

    Ich würde die Leine anders aufbauen. Immer wenn ihr im Haus oder im Garten was Spannendes mit ihm machen wollt, kommt die Leine dran. Wenn die Leine ab ist, seid ihr super langweilig und mega öde.

    Dann würde ich es so machen, dass sich sein Radius immer vergrößert. Erst ist er ganz klein. Und dann wird er immer größer. Er soll lernen an der Leine auf euch zu achten, was er von sich aus tun wird, wenn die Leine richtig verknüpft ist. Wenn er dann bei 1m Radius sehr gut auf euch achtet und aufmerksam ist, würde ich den Radius auf 1,5m vergrößern. Dann auf 2m, dann auf 3m, dann auf 4m, dann auf 5m, schließlich auf 10m. Wenn ihr das Gefühl habt, der Gehorsam sitzt zu 99,9%, könnt ihr die Leine zum ersten Mal abmachen. Meiner war da 8 Monate alt, also geht das schon ne Weile.

    Die Welt für den Welpen sollte erst ganz klein sein und sich nach und nach öffnen. Wenn ihr ihn direkt frei laufen lasst, ist die Welt von Anfang an ganz groß. Und durch die Leine schränkt ihr ihn ein. Wem macht das Spaß?

  • Mit 12 Wochen würde ich mit dem Kleinen nach Möglichkeit noch gar keine expliziten Spaziergänge machen. Es reicht völlig, wenn er in den heimischen Garten zum Lösen geht.

    So wie ihr es im Moment macht (Welpe darf freilaufen und kommt in bestimmten Momenten an die Leine), lernt er die Leine in erster Linie als Einschränkung kennen. Dass ihm das nicht passt, ist vollkommen klar.

    Ich würde die Leine anders aufbauen. Immer wenn ihr im Haus oder im Garten was Spannendes mit ihm machen wollt, kommt die Leine dran. Wenn die Leine ab ist, seid ihr super langweilig und mega öde.

    Dann würde ich es so machen, dass sich sein Radius immer vergrößert. Erst ist er ganz klein. Und dann wird er immer größer. Er soll lernen an der Leine auf euch zu achten, was er von sich aus tun wird, wenn die Leine richtig verknüpft ist. Wenn er dann bei 1m Radius sehr gut auf euch achtet und aufmerksam ist, würde ich den Radius auf 1,5m vergrößern. Dann auf 2m, dann auf 3m, dann auf 4m, dann auf 5m, schließlich auf 10m. Wenn ihr das Gefühl habt, der Gehorsam sitzt zu 99,9%, könnt ihr die Leine zum ersten Mal abmachen. Meiner war da 8 Monate alt, also geht das schon ne Weile.

    Die Welt für den Welpen sollte erst ganz klein sein und sich nach und nach öffnen. Wenn ihr ihn direkt frei laufen lasst, ist die Welt von Anfang an ganz groß. Und durch die Leine schränkt ihr ihn ein. Wem macht das Spaß?

    Du hast deinen Hund bis zum 8. Monat draussen ausschliesslich an der Leine geführt?

  • Du hast deinen Hund bis zum 8. Monat draussen ausschliesslich an der Leine geführt?

    An der (Schlepp-)Leine. Einen Hund, der nicht 99,9%ig auf den Rückruf hört, auch bei hoher Ablenkung, lass ich nicht von der Leine. Er durfte im Beisein von erwachsenen Hunden, die sehr gut im Gehorsam standen, mal ohne Leine laufen. Das war's.

  • Ich sehe das anders als Rafile: Mit 12 Wochen darf und soll ein junger Hund durchaus außerhalb des heimischen Gartens Erfahrungen sammeln, dabei muß er aber meist angeleint sein. Also bleibt da realistisch nicht die Zeit, das Leinentraining erst ohne jede Ablrnkung im heimischen Garten aufzubauen bis es perfekt sitzt.
    Ich habe das Leinentraining mit meiner Hündin so gemacht wie Georgeous es beschrieb, mit Geschirr / Halsband, und bin gut damit gefahren, Cara durfte da, wo es möglich war auch von Anfang an frei laufen.

    Man muß sich immer bewußt sein, daß das gleichmäßige Gehen an der Leine mit Aufmerksamkeit auf den Menschen eine sehr, sehr schwere Konzentrationsübung für einen jungen Hund darstellt. Er kann das vorerst nur ganz kurz leisten. Man wird also über längere Zeit üben müssen und eine Weile mit Kompromissen leben, was aber überhaupt nichts Schlimmes ist.

    Um ein ständiges Reinrennen des Welpen in die Leine zu vermeiden, hatte ich für Cara meine "Schlamperleine" von 4 bis 5 Metern für ungezwungene Gänge mit Schnüffeln, Stehenbleiben usw. Für das eigentliche Leinentraining kam dann die kürzere Führleine dran oder die Schlamperleine wurde entsprechend kurz gefaßt.

    Dagmar & Cara

  • Ich finde das irgendwie auch krass. Man redet ja immer vom Folgetrieb, aber wie viele Hund gehen ständig verloren. Ich würde meinen Hund auch die ersten Monate nicht ableinen bzw. an der Schleppleine lassen.
    Ansonsten würde ich immer ab- und anleinen und ihn dabei mit Leckerchen vollstopfen. Das Spielchen zieht jeder Hund irgendwann mal durch, dass er abhaut wenn man die Leine raus holt. Da muss man das einfach mal richtig positiv aufbauen.

  • Meine Welpen laufen frei, da wo es für Welpen und Umwelt gefahrlos geht - und hier in der Pampas ist das nahezu überall. Die sind nämlich auch jetzt noch, mit 14 Wochen in der Phase, in der sie sich in fremder Umgebung eh an mir orientieren. Diese Phase, in der sie unglaublich Vieles und Wchtiges lernen können, auf mich zu achten, sich ranrufen zu lassen und so, würde ich mir nicht durch zu frühes Dauer-Anleinen nehmen lassen wollen. Denn die Leine macht den Halter gern auch nachlässig in seiner Aufmerksamkeit und Beobachtungsgabe.

    Leinenführigkeit üben wir parallel dazu und da kann ich Dir, @Korala nur das Video von Flying-Paws ans Herz legen:

    Externer Inhalt youtu.be
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.

    Wenn ein Tier - Corinna machts neben den Hunden wie in dem Video auch mit Schafen so, ich mit Pferden und Rindern ebenfalls, dieses Grundprinzip, dem Zug (später dann nur noch ein leichtes Zupfen) nachzugeben, verstanden hat, und man da regelmäßig dran weiter arbeitet, kann man neben der Leinenführigkeit an sich damit auch viele andere Situationen bewältigen. Die ersten kleinen Erfolge, auf die man dann aufbauen kann, stellen sich dabei sogar relativ rasch ein.

    Meinen Hunden macht das Leinenführigkeitstraining übrigens Spass. Das muss nichts mit Einschränkung und Co zu tun haben.

    LG, Chris

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!