Umgang mit Schutz- und Wachtrieb

  • Und wirklich nüchtern lassen? Direkt vorher füttern kann ich auch nicht, das kommt wieder raus.
    Wenn ihr nur durchs Sehen und nicht durch die Beqwegung schlecht wird könntest du noch das Calming Cap probieren...

  • Aber eine abgehängte Box müsste doch den gleichen Effekt haben, oder?
    Direkt vorher füttern wir sowieso nicht, aber komplett nüchtern spukt sie eben Galle.
    Zum Glück sind wir nicht auf's Autofahren angewiesen :gut:

  • Ich reihe mich hier auch mal ein.
    Jordi zeigt ein sehr starkes Wachverhalten. Zuhause meldet er mittlerweile nur noch ungewöhnliche Geräusche. Anfangs hat er ständig Gemeldet und musste dann immer auf seine Decke, dass wurde ihm dann irgedwann zu doof. Wenn es Klingelt, dann ist hier richtig was los. Er bellt und bellt und bellt. Ich schicke ihn dann immer auf seinen Patz doch leider bellt er da weiter. Wenn er die Personen kennt, die kommen, dann freut er sich sehr. Doch wenn fremde Männer kommen, dann beruhigt er sich nicht so schnell. Er würde stellen und eventuell auch beißen, wenn sie sich trotz dessen weiter bewegen. Er meint es dann schon ernst.
    Wenn die Person sitzt, dann get es irgedwann. Ich muss ihn aber immer im Auge behalten, weil er die Person eventuell wieder angehen würde, wenn diese sich wieder bewegt (auf Toilette geht ect.).
    Er beansprucht recht schnell Räume für sich. Wenn wir länger in einem Raum sind, in dem nicht alle paar Minuten eine neue Person hinzu kommt, dann wird jeder "eindringling" verbellt).
    Ansonsten begleitet er mich recht gut im Alltag. Ich kann mit ihm essen gehen oder Bahn fahren, dass ist alles kein Problem.
    Ich würde ihm gerne beibringen, dass er sich auf mein Signal enspannt und ihm zeigen, dass ich alles weitere regele. Leider nimmt er das noch nicht an.
    Jordi wird mich bald auf der Arbeit begleiten. Dort zeigt es das Verhalten nicht in der Ausprägung, doch wäre ich schon sehr froh, wenn ich ihn eben einfacher "abstellen" könnte.
    Schutztrieb hat er glaub ich nicht so richtig doll. Ich denke schon, dass er dazwischen gehen würde, wenn mich jemand angreift. Er vebellt auch schon mal abends Menschen oder Menschen, die mich ansprechen.
    Vor vielen älteren Menschen hat er neuerdings Angst und verbellt diese auch. Er hat da besonders eine Oma, die in stark ängstigt. Bei der bellt, Knurrt und schmeißt sich schon auf einigen Metern in die Leine. Jordi ist da eben auch sehr unsicher und daher kann wohl nicht so ganz von Schutztrieb gesprochen werden.

  • ganz ehrlich? Du brauchst einen guten Trainer. Dein letzter Absatz liest sich erschreckend. Wenn ein Hund ohne Bedrohung so vorgeht - da läuft einiges schief. Vollkommen egal ob Aggression oder irgendwelche Ängste - das Verhalten geht gar nicht. Stell Dir nur vor, der Hund reisst sich lus und stürzt sich auf einen Menschen.

    Ich bin fast sprachlos.

  • Super Thread!

    Meiner bescheidenen Erfahrung nach unterscheidet sich nicht nur das Vorhandensein, sondern auch die Art des Ausübens des Triebes je nach Rasse. Ich habe im Bekanntenkreis zum Glück ein paar Vergleichsmöglichkeiten.

    Nehmen wir zum Beispiel Schutztrieb. Ich vergleiche da jetzt mal im speziellen meinen Aussie und Mali mit den Herdenschutzhunden und Spitzen, die ich kenne. Davon gibt es hier auf dem Land ein paar. Die Vergleichssituation ist ein Fremder am Tor, der Halter greift erstmal nicht ein.

    Aussie: Schießt sofort bellend zum Zaun, rennt dort hin und her, merkt dann eventuell, dass es doch ein Bekannter ist, verfällt dann in Freudengebell und hüpft wie ein Flummi. Ist der Fremde wirklich fremd wird solange Krawall gemacht, bis er geht und bleibt noch eine Weile am Zaun stehen- meist mit übersteigerter Empfindlichkeit, sprich, beim nächsten eigentlich geringen Reiz wird wahrscheinlich gleich weitergemault, weil der Hund noch so 'drüber' ist. Mein Aussie hatte da keinen Rückwärtsgang und hätte sicherlich auch gestellt, wenn der Fremde reingekommen wäre.

    Wolfsspitz: Schaut zuerst, ob der Mensch fremd ist. Wenn ja, schießt er bellend zum Zaun und stellt. Dreht man sich weg, beruhigt er sich sofort, schaut aber weiterhin aufmerksam, was der Fremde da treibt. Neigt aber bei weitem nicht so ins Aufspulen wie der Aussie. Sobald der Fremde ausser Sicht, wird sich wieder hingelegt und die Sache ist erledigt.

    Herdenschutzhund: Wirkt so, als würde er tief und fest schlafen, doch ihm entgeht der Fremde absolut nicht. Ein Ohr zuckt, ein Auge öffnet sich halb. Ganz eventuell gibt es ein 'Wuff' im Liegen. Der Fremde geht, der Hund schläft weiter. Kommt der Fremde jedoch tatsächlich rein, schießt der Herdi los wie eine Rakete und verstellt den weiteren Weg, beruhigt sich aber sofort wieder, sobald der Mensch das Grundstück wieder verlässt- es findet keine Übersprungshandlung statt. Das alles passiert mit absoluter innerer Ruhe, ohne Nervosität.

    Mir erscheint es oft so, als wären Herdis irgendwie sparsamer in ihrer Energie und wären bei weitem nicht so nervös. Es lohnt einfach nicht, wegen jedem Pups den Aussichtspunkt zu verlassen und Terror zu machen. Die stehen irgendwie über den Dingen und machen sich keinen unnötigen Stress. Aussies sind eher wie Knallfrösche, Spitze liegen irgendwo dazwischen.
    Wenn ich wirklich einen schutztriebigen Hund wollte für ein Grundstück oder sonstiges, würde ich persönlich wohl den Herdi wählen. Ich empfinde die als sehr angenehm, die können sehr gut unterscheiden, was ernst ist und was keine Aufregung lohnt und sind ansonsten sehr angenehm im Wesen. Allerdings sind sie eben auch sehr selbstständig. Spitze geben sofort Ruhe, sobald der Halter eingreift- der Herdi findet, dass er das schon alleine entscheiden kann.

    Schutztrieb ist für mich daher nicht gleich Schutztrieb.

  • Ich finde es so toll, dass hier die Beteiligung so hoch ist :dafuer:
    Dass die Rassen sich ganz anders verhalten in ihrem Schutz-/Wachtrieb ist mir auch schon oft aufgefallen. Es ist auch echt schöner, wenn eine Rasse diese Anlage trägt - damit kann man gut arbeiten.
    Entwickelt aber z.B. mein Golden diese Tendenzen ist das sehr schwer zu lenken und mit viel Management von mir und Unverständnis von der Außenwelt verbunden.

    Ich bin immer ganz neidisch auf die souveränen Wachhunde :rollsmile:

  • Nun möchte ich auch mal kurz senfen.
    Spooks ist mein erster Hund mit Schutztrieb; vorher hatte ich zwar Hunde, die durchaus auch geschützt haben, aber halt wirklich nur, wenn die Situation brenzlig war.
    Beim Spinner war der Unterschied, dass er, selbst noch recht unsicher, als ich ihn übernahm, vor allem Möglichen schützen wollte, das eigentlich überhaupt nicht der Rede wert war. Es hat ein Weilchen gedauert, bis er verstanden hat, dass ich die Kompetenz habe, uns als Team zu beschützen. Seitdem kann ich ihn in jeder Situation, die ICH SELBST nicht als bedrohlich empfinde, mit einem leisen Kommando aus dem Schutzmodus herausholen.

    Anders sieht die Sache aus, wenn mir selbst nicht ganz wohl ist; dann zeigt er Präsenz, allerdings eher durch seine Körpersprache als durch Lautäußerungen. Nachts merkt man das besonders; im Dunklen ist von dem Clown, der eigentlich in ihm steckt, nichts zu sehen. Er ist komplett aufmerksam und checkt die Lage ab; im Dunklen käme kein Mensch an uns heran, ohne dass er es mir rechtzeitig mitteilt.

    Einmal kamen nachts gegen 2.00 drei oder vier stark betrunkene Jugendliche quer über die Straße auf uns zu gestolpert und wollten wohl eine Zigarette schnorren; noch bevor sie in Reichweite waren, sprang Spooks kurz in die Leine, zwei "Wau!" ertönten und den Kids war die Lust auf Zigaretten spontan vergangen. Das finde ich auch gut, denn zu mehreren Kerlen nachts fuchtelnd auf eine allein laufende Frau zu zu stolpern macht keinen besonders vertrauenserweckenden Eindruck und ich hatte mich nicht wirklich wohl gefühlt.

    Gestern Nacht hatten wir wieder so eine Situation, in der mein Hund den Schutztrieb auspackte. Wir waren auf der Nachtrunde, hatten einen riesigen Igel gesehen und saßen dann eben im Gras, um den Igel zu beobachten und zu üben, dass man nicht zu jedem Stacheltier hinrennen muss. Auf einmal hielt ein Van an der Straße und zwei dunkel gekleidete Gestalten mit Taschenlampen stiegen aus. Es waren, wie sich herausstellte, Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, die den Komplex bewachen. Sofort war der Igel vergessen, Spuk sah aufmerksam zu den Leuten hin und ließ sie so lange nicht aus den Augen, bis ich aufstand und ihm sagte, dass alles okay ist. Danach war er kein bisschen mehr an den Menschen interessiert.

    Wachtrieb hat Spuk auch, allerdings bezieht sich das nicht auf Menschen, die meine Wohnung betreten. Die lasse ich ja rein, also dürfen sie das.
    Nach dem Umzug hat er eine Zeitlang leise vor der Wohnungstür geknurrt, wenn mein Nachbar heim kam (klar, den kannte er ja nicht) oder wenn der Vermieter im Treppenhaus rumstand. Nach einer Weile wusste er jedoch, die dürfen das und gehören dazu, und dann wird auch einfach weiter geschlafen, wenn einer von diesen Menschen das Treppenhaus betritt.

    Als eines Nachts allerdings mein Nachbar mitsamt seinen Kumpels, die noch nie hier gewesen waren, volltrunken vom Volksfest zurückkam und dabei meine Tür streifte, da war er von Null auf Hundert in einem Herzschlag und stand lautstark bellend vor der Tür. Aber wieder nur sein "Präsenzbellen", zweimal Wau und fertig. Auch da ließ er sich von mir sofort beruhigen und kam zurück ins Bett.

    Für mich war der tagtägliche Umgang mit einem Hund mit Schutztrieb eine ordentliche Umstellung, auch wenn ich auf dem Tierhof schon mit ein paar Schutztriebhunden gearbeitet hatte. Aber ich empfinde es schon als etwas ganz Anderes, mit einem solchen Hund im Alltag zusammen zu leben, komme damit allerdings super zurecht. Mein Hund macht es mir aber auch einfach. ;)

  • Hi,

    hier passts bestimmt rein.
    Eigentlich hat Sino gelernt, dass wir für die Sicherheit zuständig sind. Mit allen Besuchern hat er keine Schwierigkeiten wenn wir zuerst begrüßen ..

    Jetzt ist ja schönes Wetter und er darf alleine auf die Terasse, weils da halt schön sonnig ist. Der Rest der Familie hat ja auch mal zu tun, einschl. mir.

    Ich hab so ein bisschen den Eindruck dass Hund zwar draußen alleine entspannt, aber doch auch immer mal wieder beobachtet wird, ob sich nichts nähert und wenn sich doch was nähert, was sich nähert.
    Er trifft also ein bisschen eigene Entscheidungen. Nix wildes, aber wo wir ihn aus dem TH abholten und er traf eigene Entscheidungen wars Mist. ( z.B. kleine Hunde waren Mist)
    Kann er noch allein auf die Terasse oder muss er auf seine Decke im Wozi wenn grad keiner Zeit hat.
    Eigentlich seh ichs eher entspannt, zumal er auf der Terrasse vielleicht 1 Mal die Woche bellt oder sich etwas aufgeregt gibt.

    LG

    Mikkki

  • Warum sollte er nicht beobachten dürfen, wer und was sich nähert ?
    Nach Deiner Beschreibung belässt er es doch bisher beim Beobachten - oder schlägt er auch Alarm ?
    Meine Hunde dürfen bzw. Sollen sogar melden, wenn jemand unser Grundstück betreten will, dad ist ihr Job - sie müssen sich nur zuverlässig abrufen und und ein Bellen abstellen lassen.

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