Bis hierhin und nicht weiter

  • Sowas muß einfach jeder (in Verbindung mit guten (!) TÄ) für seinen Hund entscheiden.

    Viele hätten Pepper früher gehen lassen. Wir (zig TÄ und ich) haben sie am Leben gelassen. Solange bis der Hund gezeigt hat, dass sie nicht mehr will/kann. Wenn es zu spät war, dann 2 Tage. Aber die Monate/Jahre davor waren es definitiv nicht.


    Rolli o.ä. bekommen meine Hunde nicht. Das steht fest. Lee ist zu schwer und die Jungs sind dafür zu aktiv. Das kann man verstehen oder auch nicht. Am Ende sind es meine Hunde, ich habe fähige TÄ an der Seite, sehe die Hunde jeden Tag und somit hat niemand außer mir diese Entscheidung zu treffen.

  • Hm, ich finde das ist ein wirklich schwieriges Thema das man auch nur schwer pauschal beantworten kann. Ich finde, das hängt immer ganz viel vom jeweiligen Tier und der Lebensfreude ab.
    Es gibt sicher Hunde, die mit nem Rolli nicht klar kommen, sich einfach nicht daran gewöhnen können. Und andere flitzen sofort damit los als wäre es nie anders gewesen.

    Und was ist zb bei chronisch kranken Tieren?
    Mein Pony hat zb ne Allergie. Das wird nicht mehr weggehen. Er stirbt zwar nicht direkt dran. Aber unbehandelt kratzt er sich den kompletten Mähnenkamm, den Rücken, die Kruppe, die Schweifrübe und den gesamten Bauch offen und blutig. Kann sich natürlich dann auch so infizieren, das er dann an den Wunden stirbt, würde ich mal nicht komplett ausschließen.
    Behandelt (Kosten für seine Creme 1,15 € die Woche (nur im Sommer) plus Gummihandschuhe 50 Stück 4,95 €) sieht man ihm nichts an und er führt ein ganz normales Leben, wie jedes andere Pferd auch.

    Einschläfern, weil er nur behandelt ein 'unbeschwertes' Leben führen kann? Habe ich ehrlich gesagt noch nicht 1 Sekunde drüber nachgedacht.
    Die Allergie hat er, seit er 11 Jahre alt ist, mittlerweile ist er 21.

  • Ich denke wirklich eine Entscheidung trifft man erst, wenn man in der Situation ist.
    Es ist einfach zu urteilen, wenn man nur sieht aber nicht selbst betroffen ist.
    Ich bin der Meinung, dass die meisten Hundehalter eine sehr enge und besondere Verbindung zu ihrem Vierbeiner haben und aus dieser Verbindung heraus wissen, wann es soweit ist ihn gehen zu lassen.

  • Ich denke der wichtige Punkt ist immer ob der Hund noch Lebensfreude hat (das sieht man seinem Hund am Besten selber an, jeder Hund ist anders) und ob er Schmerzen hat oder nicht.

    Rolli für den Hund? Ja vielleicht, kommt aufs Krankheitsbild, Alter und Umstände an. Ein Hund mit gelähmter Hinterhand -ja. Athrose oder ständig schmerzhafte Rückengeschichten? eher Nein.
    Meinen Drahthaar haben wir auf Grund einer fortgeschrittenen Athrose, die nicht mehr durch simple Athrosemedikamente im Schach zu halten war im Alter von 14 eingeschläfert. Ich wäre nie auf die Idee mit dem Rolli gekommen, weil die Schmerzen hätte sie ja trotzdem.
    Bekannte haben einen Rottweiler der mit etwa 9 Monaten so vom Auto angefahren wurde, dass er Querschnittsgelähmt war. Hilfsmittel und Rolli für den- ja klar, er ist über ein Jahrzehnt happy damit rumgetobt und hat viele andere Hunde in den Schatten gestellt.

    Bei Medikamenten und Katheter sehe ich da kein klares Ja oder Nein. Ein kurzfristiger Katheter sowohl als Blasen- als auch als Infusionskatheter kann einem Hund zur vollständigen Genesung verhelfen. Für ständig würde ich es nicht wollen.

    Ich hatte ja die Situation grad mit dem todkranken Hund Anfang des Jahres - ich habe stark drüber nachgedacht was und wieviel wir da noch machen lassen, schliesslich wird der Hund auch schon 13 und was kann er noch erwarten vom Leben? Auch die Kosten die in der Klinik angesprochen wurden, und die Maßnahmen haben mich nachdenklich gemacht.
    Am Ende habe ich beschlossen ich kann meinen Hund so nicht einschläfern lassen. Er hat keinerlei Schmerzen und die Mattigkeit ist nur vorübergehend wenn die Therapie anschlägt.
    Also habe ich Bluttransfusionen, einer Sauerstoffsonde und einem ZVK (Zentralen Venenkatheter) mit Infusionen zugestimmt. Gleichzeitig habe ich dem Ganzen aber auch da schon Grenzen gesetzt. Ich habe gesagt wir versuchen es, ich genehmige erstmal die Methoden, ich setze aber ein Maximum an Versuchen jetzt gleich an. Die erste Bluttransfusion zählt nicht, da sie diese vor dem wirklichen Therapiebeginn geben mussten, danach die nächste ist die erste die zählt, dann geb ich mir noch maximal 2 weitere Versuche, dann ist es Zeit ein Fazit zu ziehen. Ewig weiter zu versuchen, während der Hund in der Intensiv care Unit liegt bringt gar nix.

    Was soll ich sagen, die erste transfusion war wie erwartet nur ein Mittel um den Hund zu stabilisieren. Die zweite hat angeschlagen, eine dritte war authorisiert aber unnötig.
    Der Hund ist wieder zuHause, seine Werte sind fast wieder top, er ist lustig, lebenslustig und die gleiche Nervensäge wie vorher. Er mag sogar die Tierklinik noch.

    Ohne diese Hilfsmittel hätte mein Hund nicht überlebt, mit kurzfristigem Einsetzen der Hilfsmittel ist er jetzt wieder lebenslustig und mit guter Lebensqualität auf den Beinen. Er kriegt zwar noch seine Tabletten und muss noch etwas geschont werden, aber er ist schon weit gekommen.
    Es hat sich also gelohnt.

  • Ich kann dazu gar nix pauschal sagen... überlege gerade hin und her, aber ohne konkretes Fallbeispiel ists unmöglich. Und selbst mit dem konkreten Beispiel ists sehr schwer, erst recht wenn man den Hund und den Besitzer nicht persönlich kennt.

    Bekomme solche Fälle häufig mit, da ich in einer Tierklinik arbeite und ich muss sagen: manche Fälle machen mich traurig (langfristig), manche machen mir mal wieder bewusst, wie sehr man sich täuschen und falsch liegen kann! So manches Tier kam wieder auf die Beine oder lebt zB mit Rolli so fröhlich, mit funkelnden Augen und *flitzhierhin, flitzdahin* als wäre nix...

  • Wisst ihr Leute mann kann viel sagen und sich viel vornehmen wenn man selbst noch nicht in der Situation ist. Das ist jetzt nicht böse gemeint sondern eigene Erfahrung.
    Nehmen wir nochmals das Bsp Rolli. Da kannman gut sagen mein Hund niemals. Aber wenn der eigene Hund den man über alles liebt vor einem liegt, WILL aber nicht kann dabei aber noch klar und wach ist. Könntet ihr dann sagen neindas wars du wirst eingeschläfert weil.... ICH konnte und könnte es nicht.
    Natürlich wäre Hund mit dem Rolli7 nicht klar gekommen wäre das was anderes. Aber so konnte ich für mein Gewissen sagendas ich wirklich alles getan habe und nicht .... vielleichg waere er klar gekommen...

  • So ähnlich ist das bei uns ja auch gelaufen. Man trägt sein Hundi übers Pflaster zur Wiese nebenan zum Lösen.
    Kaum abgesetzt, spinn ich, Turborobben: nen Igel aufgespürt, bell, bell, bell.

    Aha, gelähmter Hund geht jagen...okaaaay :???:

    Mittlerweile sind wir "stehfähig". Heißt, sie kann stehen, nicht so lange. Im Wasserbad kommen wir auf ne Viertelstunde. Hund ist nicht blöd und weiß, dass die linke Seite nicht so gut ist wie die rechte - und sucht den Beckenrand zum Anlehnen.

    Das Verrückte dabei: wir haben ihr viele Dinge beigebracht, einige Dinge angeschafft - die wir jetzt auf einmal brauchen.

    Ich hatte nie Ambitionen zu Dogdance, irgendwann hab ich ihr "rückwärts" beigebracht. Einfach so zum Spaß. Jetzt brauchen wir "rückwärts" weil sie beim Baden vor und zurück gehen muss.

    Damals hab ich ne Schwimmweste angeschafft, sehr zur Belustigung mancher Leute, für den Fall der Fälle: wenn sie nicht mehr kann beim Schwimmen mit mir, was dann?
    Heute tut diese Weste gute Dienste.

    In Ebay hab ich nen Fleeceoverall von Hurtta erstanden - falls es mal bei uns Minus 20 Grad hat :headbash:
    Wir laufen zum Baden und wieder nach Hause, weils Winter ist und sie nass bekommt sie den Overall an.

    Zu den absoluten Verrücktheiten gehört z.B. unser Hund konnte nie einen Ball fangen, vier Jahre lang war sie echt zu doof dafür, sorry für das "doof". Er ist ihr auf die Nase gefallen, vor die Füße - erwischt hat sie ihn nie.
    Jetzt kann unser Hund plötzlich einen Ball fangen. Verstehen muss man das wohl eher nicht.

    Neulich ist uns ein älteres Ehepaar begegnet und der Mann sagte nur ein Wort: "Schinderei".
    Das hat mich schon irgendwie berührt und ich hab lange drüber nachgegrübelt.
    Was wäre die Alternative?

    Am nächsten Tag hab ich unsere Physiotherapeutin gefragt, was sie meint was unsere TÄ wohl sagen würde wenn wir uns entschließen würden den Hund einzuschläfern. Im Tierschutzgesetz steht, dass man einem Wirbeltier keinen Schmerz und kein Leid zufügen darf. Sie ist schmerzfrei - aber wie sieht es mit dem "Leid" aus?

    Die Antwort war, dass sie nicht denkt, dass UNSERE Tierärztin sie einschläfern würde weil sie sie kennt - ein fremder vielleicht schon.

    Ist also nicht so, dass man nicht selbst immer und immer wieder hinterfragen würde.

  • Zitat


    Und was ist zb bei chronisch kranken Tieren?
    Mein Pony hat zb ne Allergie. Das wird nicht mehr weggehen. Er stirbt zwar nicht direkt dran. Aber unbehandelt kratzt er sich den kompletten Mähnenkamm, den Rücken, die Kruppe, die Schweifrübe und den gesamten Bauch offen und blutig. Kann sich natürlich dann auch so infizieren, das er dann an den Wunden stirbt, würde ich mal nicht komplett ausschließen.
    Behandelt (Kosten für seine Creme 1,15 € die Woche (nur im Sommer) plus Gummihandschuhe 50 Stück 4,95 €) sieht man ihm nichts an und er führt ein ganz normales Leben, wie jedes andere Pferd auch.

    Einschläfern, weil er nur behandelt ein 'unbeschwertes' Leben führen kann? Habe ich ehrlich gesagt noch nicht 1 Sekunde drüber nachgedacht.
    Die Allergie hat er, seit er 11 Jahre alt ist, mittlerweile ist er 21.

    Hier vergleichst Du aber Äpfel mit Birnen.

    Dein Pony ist offenbar ein Sommerekzemer, hat also eine Allergie gegen die Stiche der Kriebelmücke. Je nach dem wie schwer das Ekzem ist, ist das gut bis sehr gut behandelbar.

    Wenn Du schreibst, seine "Creme" kostet 1,15€/Woche, schmierst Du ihn vermutlich mit der Aldi Bodylotion ein ;) .

    Ich kenne keinen tatsächlichen Sommerekzemer, der mit Ökozon wenn es konsequent angewendet wird, im Laufe der Jahre nicht beschwerdefrei oder zumindest erheblich verbessert wird. Ansonsten kann man das Problem mit einer passenden Ekzemerdecke während der kritischen Zeit sicher und ohne viel Aufwand beheben.

    Das wäre vielleicht vergleichbar mit einem Hund, der mal einen Hotspot hat oder eine Allergie auf Flohbisse o.ä., nicht jedoch mit Hunden, die mit Dauerkatheder, Rollwagen, Prothesen, Ernährungssonden um jeden Preis am Leben erhalten werden.

    Ganz klar, ein Sommerekzemer hat mit vernünftiger Behandlung ein beschwerdefreies, schmerzfreies Leben. Ein Hund mit den beschriebenen Hilfsmitteln eher nicht und genau da läge für mich persönlich die Grenze!

    Der Hund lebt im hier und jetzt. Ein 14jähriger, altersgemäß hinfälliger Hund z.B. würde bei mir keiner schmerzhaften Behandlung/Operation mehr unterzogen werden, mit der Perspektive, sein Leben vielleicht noch um drei qualvolle Monate zu verlängern, weil ich mich nicht von ihm trennen möchte. Da muss der menschliche Egoismus in meinen Augen einfach zurückstehen vor dem Wohl des Hundes. Bei einem jungen Hund, der noch die Aussicht auf viele beschwerdefreie Jahre hätte, würde meine Abwägung vielleicht anders ausfallen.

    Für mich kommt dazu immer noch die Überlegung, dass unzählige junge, gesunde Hunde ihr Leben lassen müssen oder es in Tierheimen fristen, weil sie einfach über sind. Da gebe ich, auch aus Respekt vor meinem kranken Hund, der viele Jahre immer an meiner Seite war, lieber einem gesunden Hund eine Chance als meinen alten, kranken Hund zu quälen bis zum bitteren Ende.

  • Ich versuche es als Maßstab zu nehmen, ob ein Hund noch Hund sein kann (mal ganz abgesehen von starken Schmerzen, die man nicht mehr in den Griff bekommen kann). Das ist natürlich nicht immer einfach zu beantworten, aber manchmal schon.
    Z. B. die rumänische Hündin Mima, der alle vier Beine abgehackt wurden. Ich verstehe den Tierarzt nicht, der sie als erstes gesehen hat. Ich hätte diesen Hund sofort eingeschläfert, bestimmt geheult und vielleicht irgendwas kaputtgehauen, versucht, den zu finden, der ihr das angetan hat - aber ich hätte sie nicht am Leben gelassen. Ich würde sie vermutlich auch jetzt noch einschläfern. Immer, wenn ich Fotos von ihr sehe, sehe ich einen deprimierten Hund, der irgendwo herumliegt.
    Es werden tagtäglich Tausende von jungen, netten, gesunden Hunden umgebracht oder für immer weggesperrt. DAS finde ich schlimm.
    (Sehe gerade, dass das im Beitrag über mir auch schon angeprochen wurde)

    Natürlich ist es schwer, wenn man einen Hund liebt. Aber auch da muss man ganz ehrlich zu sich sein und im Sinne des Hundes entscheiden.

  • Zitat

    Ich versuche es als Maßstab zu nehmen, ob ein Hund noch Hund sein kann (mal ganz abgesehen von starken Schmerzen, die man nicht mehr in den Griff bekommen kann). Das ist natürlich nicht immer einfach zu beantworten, aber manchmal schon.
    Z. B. die rumänische Hündin Mima, der alle vier Beine abgehackt wurden. Ich verstehe den Tierarzt nicht, der sie als erstes gesehen hat. Ich hätte diesen Hund sofort eingeschläfert, bestimmt geheult und vielleicht irgendwas kaputtgehauen, versucht, den zu finden, der ihr das angetan hat - aber ich hätte sie nicht am Leben gelassen. Ich würde sie vermutlich auch jetzt noch einschläfern. Immer, wenn ich Fotos von ihr sehe, sehe ich einen deprimierten Hund, der irgendwo herumliegt.
    Es werden tagtäglich Tausende von junge, netten, gesunden Hunden umgebracht. DAS finde ich schlimm.

    Natürlich ist es schwer, wenn man einen Hund liebt. Aber auch da muss man ganz ehrlich zu sich sein und im Sinne des Hundes entscheiden.

    :gut: :gut: :gut:

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