Bis hierhin und nicht weiter

  • Das kommt auf den Hund an.

    Bei meiner Hündin Shaila stellte sich mit 9 Monaten raus das sie ein kaputtes Herz , Leber , Niere und einen kaputten Darm hat. In der Tierklinik sagte man uns, das sie sofort Operiert werden müsste, ansonsten überlebt sie nicht. Die Chance das sie die Op überlebt lag bei knapp 60%. Okay das Risiko kann man eingehen dachte ich mir. Besser als es unversucht zu lassen. Doch als die Ärztin mir dann sagte, das Shaila wenn sie überlebt noch max. 3-4 Jahre zu Leben hat, aber in diesen Jahren nicht toben darf oder sonstige Anstrengenden Tätigkeiten ausüben, war für mich sofort klar das ich sie gehen lasse. Für mich ist eine Welt zusammen gebrochen, doch auch heute weiß ich das es die richtige Entscheidung war. Denn es wäre sehr egoistisch gewesen von mir sie ein Leben leben zu lassen, ohne Spaß, nur weil ich sie so sehr liebte.

    Mein Rüde Sammy dagegen hat seid knapp 2 Jahren Probleme mit dem Rücken und muss ein Medikament nehmen. Da sage ich wieder okay sowas ist okay. Genauso ein Rollwagen oder sonstiges. Für Sammy wäre das nichts, das weiß ich. Und bei Tamina bin ich mir sehr unsicher da sie ein totaler Rennfreak ist.

  • Dieses Thema hatten wir auch letzte Woche Freitag.
    Wir waren beim Tierarzt (mit unserem Kater) und dort kam eine Omi rein, mit ihrer Labbihündin.
    Diese Hündin bewegte sich im Schneckentempo und hatte auch sichtbar Schmerzen. Sie hatte den Rücken so nach oben gekrümmt, die Hinterbeine berührten fast die Vorderpfoten, so staksig lief sie.
    Sie brauchte gut 5 Minuten um sich hinzulegen und zitterte vor Schmerzen dass ihre Zähne klapperten. :gott:

    Mein Mann meinte zu der alten Frau 'Oh, die ist aber auch schon älter nicht?' Und die Dame meinte 'Ja sie ist 14. Aber ich will, dass sie noch bei mir bleibt. Wir holen nur Cortison.'

    Ich dachte echt, ich hör nicht richtig. Ich konnte dazu auch nichts sagen, ich wollte sie ja nicht vor den Kopf stoßen. Außerdem ist unser Tierarzt gut, er wird ihr schon sagen, wenn die Hündin nicht mehr kann...außerdem weiß man ja nicht, ob er das nicht schon getan hat.

    Fakt ist - ich habe zu meinem Mann im Auto gesagt, dass unsere Luni NIEMALS so laufen wird. Das ist kein Leben...dieser Hund hatte Schmerzen, das sah ein Blinder mit Krückstock.

    Ich schließe mich Poco und den anderen an. Mein Hund bekommt weder Lebensverlängernde Maßnahmen, noch Rollstuhl, noch sonstwas.

  • Ich habe immer gesagt: Nie nie niemals nen Rollwagen. Niemals !!

    Dann wurde mein über alles geliebter Cedric langsam Stück für Stück hinten gelähmt. Gleichzeitig zerriss es mir aber das Herz (nein ich übertreibe nicht) zu sehen wie er noch WOLLTE aber nicht KONNTE. Und wie er meine Verzweiflung spürte :verzweifelt:

    Ich habe mich dann doch durchgerungen und ihm einen Rollwagen gekauft und ich habe es KEINE EINZIGE MINUTE bereut.

    Keine 5 Minuten nachdem er das erste Mal den Wagen anhatte trabte (!!!) er glücksstrahlend mit uns durch den Wald, die Hänge hoch und runter. Meine Mutter die absolut gegen den Wagen war musste ernsthaft weinen so viel schön war es ihm anzusehen wie glücklich er mit dem Ding war :gut:

    Letztlich hat er noch ein 3/4 Jahr gelebt, seit Tod war grauenvoll da er bis zum Schluss wollte aber nicht konnte, die TÄ hat uns noch 1 Jahr später gesagt es wäre die schlimmste Einschläferung ihrer TA Zeit gewesen und der Gedanke verfolgte mich noch über Wochen Nacht für Nacht ihn dort auf dem Tisch liegen zu sehen wollend aber nicht könnend :(
    Aber ich weiß das der Wagen ihm noch ein 3/4 Jahr wahre Freude und Spaß bereitet hat deshalb würde ich es immerwieder so machen :gut:

  • Interessanter Thread, gute Beiträge!

    Ich empfinde es als Geschenk, mit meinen Hundem die WAHL zu haben. Es ist eine verantwortungsvolle und schwere Entscheidung, ob Hilfsmittel eingesetzt werden o Leiden erspart wird, aber wir haben die WAHL.

    Ich arbeite hauptberuflich mit Menschen mit schweren geistigen und körperlichen Mehrfachbehinderungen.
    Da gibt's alles: Sondenernährung, ganzen Tag nur Liegen, Prothesen und Rollstühle (die aber nicht selbst bedient werden können), Gehhilfen, Nasensonde, Sauerstoffgeräte usw.
    Und wir sind KEINE Krankenstation!
    Diese Menschrn werden nicht gefragt.
    Sie werden einfach operiert, alle Hilfsmittel eingesetzt, denn es ist verboten, über menschliches Leben zu urteilen oder gar Hilfsmittel abzulehnen.

    Massive Verhaltensstörungen, Psychosen, mangelnder Lebenswille, Krampfanfälle usw werden mit Medikamenten behandelt.
    Bettlägerige Menschen die nur Kopf u Augen bewegen können u Lebenserwartung von ca.30 Jahren haben, werden künstlich ernährt, immer wieder kommt es zu korrigierenden OP's.

    Leider kriegen das die wenigsten Menschen mit, denn dieses Behinderten werden aus unserer Gesellschaft isoliert.

    Natürlich gibt es auch die Glücklichen, die sprechen, mobil sind und unglaublichen Spass am Leben haben.

    Auch diese Menschen wurden nie gefragt ob sie wollen oder nicht, sie können nicht antworten.
    Und würden wir nicht "helfen", würden wir gegen das Gesetz verstoßen.

    Deswg sind wir Hundebesitzer in der glücklichen Lage, entscheiden zu dürfen.
    Das ist gut.

  • Ich kann diesen Thread nicht weiter lesen, hab nur die ersten paar Posts gelesen.
    Eigentlich dachte ich auch so, aber wenn ich überlege, dass das was ihr aufzählt wie Blasenkatheder etc. in der Humanmedizin Standard ist und mein Mann die letzten Wochen nur dank solcher "Hilfmittelchen" überlebt hat, wie kann ich denn dann sagen, beim Hund ist das alles Qual, wenn es vielleicht nur ne begrenzte Zeit ist?

  • Wir haben unsere Hündin mit knapp 12 Jahren einschläfern lassen. Es war fürchterlich, aber sie wollte und wollte einfach nichts mehr fressen.
    Sie war die letzte Zeit mehr in der Tierklinik als zuhause und sie bestand nur noch aus Fell und Knochen. Als wir dann gesehen haben, dass sie auch nicht mehr laufen wollte und konnte haben wir beschlossen sie einzuschläfern.
    Es ist jetzt fast 2 Jahre her, aber die Entscheidung getroffen zu haben, Tod oder Leben, ist schrecklich. Es nagt heute noch an mir, hätten wir vielleicht dies oder jenes noch tun können.
    Ich glaube nicht, dass es einen Hundebesitzer gibt der dies leichtfertig wegsteckt.
    Renate

  • Wenn das mal alles so einfach wäre....

    Uns hats ja genauso erwischt. Hund gehts richtig schlecht: Diagnose Bandscheibenvorfall. Konventionelle Therapie über einen Tag, die nicht anschlug.

    Einschläfern?? Ohne genau zu wissen was los ist, Röntgenbild zeigte nichts.

    Nächster Tag CT, Hund in Narkose, Bild zeigt: ohne OP geht gar nichts.

    Einschläfern?? Eine notwendige OP verweigern

    OP verlief gut, Ergebnis aber schlecht, zusätzlich ein Bluterguss im Wirbelkanal, Hund wach, Chance 50/50

    Einschläfern?? Nicht dran glauben bei einer 50/50-Chance zu genesen?

    Bekannten Physiotherapeuten getroffen. Oha, bei solchen OPs beim Menschen wochenlang im KKH, monatelange ReHa.

    Einschläfern?? Weil der Genesungsweg zu schwierig und langwierig sein wird?

    Tragehilfe von der Tierklinik der totale Mist: zu kurze Träger, das Ding weitet sich und schlabbert nur noch am Hundehinterteil rum - meine Bandscheiben fangen an zu jubeln.

    Einschläfern?? Weil es mir zu mühsam ist?

    Andere Tragehilfe gekauft, 130 Euro, sitzt gut, entlastet meinen Rücken, Hund schwierig zu führen, auf Dauer anstrengend, blöd zum Gassigehen.

    Einschläfern?? Weil wir beide den Freilauf vermissen und uns das Tragedingens nervt?

    Rolli? ja, nein - eigentlich nein, aber die Maus ist schmerzfrei und voller Lebensfreude, schnüffelt, spielt.

    Einschläfern?? Weil ich nen Rolli sch*** finde?

    Also 1. Rolliprototypen gesetzt aus Rädern, Holzlatten, Staberln, Hund düst sofort los mitten durchs WZ.

    Einschläfern?? Weil der Rolli wieder Geld kostet und das nicht wenig?

    Rolli selbst gebaut, fährt, Hund hat Fun, kleinste Fortschritte zeigen sich, unsere "Tretapparatur" haut nicht mehr hin weil sie zwischendurch aufsteht. Hund hinten hoch, vorne niedrig, schlecht für die Anatomie.

    Einschläfern?? Weil es Verbesserungen gibt, das Teil aber nicht mehr taugt?

    Nächsten Rolli gebaut, zum Glück Oberteil von altem verwendbar - Ikea-Style sei Dank. Bisschen bei den Sportrollis abgekupfert, leicht, wendig.
    Die Olle hat ein Geländefahrzeug draus gemacht - gibt fast nichts wo sie damit nicht hinkommt. Sie läuft wieder voraus wie jeder normale Hund im Freilauf, schnüffelt, spielt.

    Einschläfern?? Sagt mir wo die Weggabelung war, an der wir hätten anders abbiegen können oder sollen?

    Na ja, und jetzt haben wir eben einen Kamikaze-Rollihund. Mittlerweile bin ich froh wenn wir zum TA gehen.
    Unsere TÄin ist begeistert von den Fortschritten, die uns, wo wir sie jeden Tag sehen, nicht unbedingt auffallen.

    Und das ist der gequälte Hund:

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  • @Louselise:
    Selten einen so schönen, reflektierten Bericht über einen Hund gelesen, aus dem in jeder Zeile Liebe spricht.
    *tränchen wegwisch*
    Ja, einen äußerst gequälten und unglücklichen Hund hast du da :lol:

    Und...manchmal muss man eben steinige Wege gehen, umkehren, und an der Weggabelung neu abbiegen. Das hast du getan.
    Und das verdient meinen vollen Respekt.
    Ich hätte es genauso gemacht! :gut:

  • Die letzte Entscheidung treffe ich " Zum Wohle des Hundes " !
    Ich stelle meinen eigenen Egoismus nicht vor den Leiden eines Hundes.
    Ihn in Würde und Liebe gehen zu lassen ist Freundschaft, Kameradschaft und Vertrauen !
    Ein Hund an meiner Seite hat es verdient, wenn die Zeit gekommen ist, über die Regenbogenbrücke zu gehen.
    Meine Trauer und Schmerzen bleiben. Sie bleiben für immer, aber ein lächelnd kommt immer wieder :
    Mein Freund, Schatz, treuer Gefährte - Du musstest nicht leiden ! Ich weiss wo du bist :herzen5:

  • Ich finde man muss das ordentlich differenzieren.
    Ein Rolli ist keine lebenserhaltende Maßnahme - niemand stirbt wenn er nicht auf zwei Rädern rumfährt.


    Der BlasenkatheTer - soll er langfristig bleiben würde ich es nicht wollen, aber für eine kurzzeitige Therapie ist er durchaus sinnvoll.
    Von Ernährungssonden halte ich nicht viel - in der Humanmedizin ist es schon grausam, da brauche ich das nicht auch noch für meinen Hund.

    Deswegen sollte sich jeder - solange er noch kann - eine Verfügung erstellen, in der er festhält was er will und was nicht. Viele versäumen das leider und die Angehörigen wollen meist das noch alles in der Medizin mögliche getan wird um Leben zu erhalten. :verzweifelt: Behinderte Menschen sind da ganz klar im Nachteil, vorallem wenn sich die Herren "Betreuer" für solche Mittelchen aussprechen und sie auch ausschöpfen.

    Und: Sollte man deiner Meinung nach Krampfanfälle und Psychosen unbehandelt lassen? Daran sterben wird auch schwierig, damit Leben ist umso schwieriger.

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