Junghündin hat Jagderfolg

  • Hallo Luna,
    ich kann dich so gut verstehen.
    Ich hatte mit Merlin gestern auch so ein Sch***-Erlebnis. Es ging allerdings nicht um was lebendiges, sondern um schöne, frische Kuhk***e.
    Er sah schon sehr interessiert aus, als wir das Teilstück erreichten, wo der Elektrozaun vorher stand, aber nur noch alte Kuhfladen zu finden waren. Dort konnte ich ihn mit den bekannten Signalen fortscheuchen.
    Dann hat der Herr allerdings den Elektrozaun gesehen (er hat genau untendurch gepasst) und all die frischen Kuhfladen... Und schwups, war er unten durch.
    Am meisten hat mich sein Blick von der anderen Seite des Zaunes schockiert, als wusste er ganz genau, dass ich da nicht nachkommen kann.
    Und dann ging das Spiel los, bestimmt 5 Minuten lang wurde sich in allem gesuhlt, gefressen, gemacht und getan, jegliche Motivation meinerseits wurde zu 100% ignoriert. Ich bin weitergegangen, zurückgekommen, habe gerufen, habe gelockt. NICHTS! Nicht mal ein Blick.
    Und das nach einer Zeit, wo wir an einem Punkt waren, wo ich auch gesagt hätte, wir haben keine Baustellen mehr.
    Merlin hat sich gestern die Schleppleine verdient, wir werden wieder 3 Schritte zurückgehen und fleißig an der Schleppe arbeiten.
    Ich war hinterher stinksauer, nicht dass ich es ihm verübelt habe, dass der den Kuhmist interessanter fand als mich, aber diese ignorante Verhalten über 5 min hinweg.
    Ich bin dann übrigens doch durch den Zaun geklettert und habe ihn rausgeholt. Den Rest vom Spaziergang war er auch an der Leine.

  • Ansage machen oder durchgreifen, wenn der Junghund anfängt, über Jagen nachzudenken ist schön und gut, aber ob man damit nachhaltig erfolgreich ist, hängt von sehr vielen Dingen ab, nicht zuletzt davon, ob man immer und jederzeit Zugriff auf seinen Hund hat - und genau das ist doch das Problem in der Praxis, dass man manchmal von den Ereignissen überrascht wird, und dann ist der Hund weg, trotz Ansage. Ich verwende auch Ansagen, aber ich bin mittlerweile sehr skeptisch geworden, was die nachhaltige Wirksamkeit in hohen Erregungslagen betrifft.... Sie sind ein Mosaiksteinchen im Gesamtbild, kein Allheilmittel.

    Ob ein Abbruchsignal unter stärkster Ablenkung (und das ist Wild für Jagdnasen nunmal) noch befolgt wird, hängt wie bei jedem andern Kommando auch von seiner Geschichte ab. Auch da geht man von wenig Ablenkung zu mehr über. Und je nach Trainingsstand "kann" der Hund das betreffende Kommando unter den aktuellen Umständen, oder er kann es noch nicht.

    Zitat


    Der Tipp von Najira, den Hund in der Situation dort bei den Enten zur Ruhe zu bringen ist auch super. Hunde verknüpften Situationen und Gefühl. Nimm dir was zu trinken mit und nen mp3-player, setz dich dahin und zwing den Hund zur Ruhe - bis er schläft. Ein paar Mal, dann ist die Situation dort sicherlich schon einfacher, weil er nicht mehr so hochfährt. Das widerrum hilft, dass auch ein Abbruchsignal mal durchkommt.


    So eine Desensibilisierung ist natürlich auch eine Möglichkeit, aber ich möchte darauf hinweisen, dass konditionierte Entspannung was anderes ist und mit keinerlei Zwang verbunden ist - sonst würde die angewendete klassische Konditionierung nie so gut greifen. Man kann es nicht von heute auf morgen anwenden, weil es eben erst konditioniert werden muss, und zwar in völlig entspannten Situationen. Schon gar nicht hat man ein fixes Ziel bei der Anwendung - es wirkt wie es wirkt. "Zur Ruhe zwingen" funktioniert ganz anders, und kann den Stress erst mal massiv erhöhen. Ich würde das daher nur in Abständen machen, die der Hund noch enigermassen händeln kann. Denn die Situation ist doch anders beim Hund im Jagdmodus, als bei einem überdrehten, aber eigentlich müden Hund - da passt es super.

  • Zitat


    Ich hatte mit Merlin gestern auch so ein Sch***-Erlebnis. Es ging allerdings nicht um was lebendiges, sondern um schöne, frische Kuhk***e.


    Oh, war das bei eurem Spaziergang an der Roten Mühle? Nur gut, dass ich mich entschieden hatte, mal zu Hause zu bleiben. :D


    Zum Thema: Roxy jagt auch. Und das war und ist bei uns eine große Baustelle. Ich habe es anfangs auch nur mit positiver Verstärkung versucht, aber damit kommt man nicht weit.

    Hir wurden jetzt wirklich viele gute Ratschläge gegeben, aus denen eine Mischung sicherlich ein prima Ergebnis erzielen wird. Es gibt halt nicht DEN Erziehungsweg schlechthin. Wichtig ist, dass du konsequent gleichzeitig auf mehreren Ebenen arbeitest. Unterordnung, Abbruchsignal, Nein, Bindung zu dir...

    Ein Durchbruch war bei uns der Futterdummy, den ich werfe und dem Roxy hinterher hetzen darf, wenn ich sie erfolgreich aus einer Jagdsituation abgerufen habe. War ein weiter Weg, bis es funktioniert hat. Aber der Dummy "ersetzt" ihr die Jagd auf Tiere. Den Dummy zu hetzen ist immer erfolgreich, es ist immer mit einem Lob von mir verbunden und damit zum lohnenderen Objekt geworden.

  • Ja genau, das war der Tatort :D
    Hast ein echtes Schauspiel (oder eher Trauerspiel) verpasst.
    Dafür duftet Merlin jetzt schön frisch nach Baby-Shampoo :lol:

    Hast du direkt mit dem Futterdummy gearbeitet oder das reine Holen und Bringen erst über was anderes aufgebaut?

    Wie hast du das aufgebaut?

  • Positive Verstärkung in allen Ehren (ist hier auch die Regel) - aber wenn der Hund meine deutliche Ansage ignoriert, ist Schluß damit.

    Ich hab hier eine hochmotivierte Jungjägerin in etwa Lunas Alter, und bei der habe ich genau zweimal (!) in einem Jahr (!!) in so einer Situation gezielt die Wurfkette eingesetzt: Das erste Mal, als sie trotz "Nein!" freilaufend auf einem frischen Wildschweinwechsel Nase runter und Tempo aufnehmen wollte. Kette hatte da einen enormen generellen Effekt, weil sie Jungterrier gründlich von der Ansicht kuriert hat, daß Hund, einmal außerhalb der direkten menschlichen Griffweite, sowas wie Narrenfreiheit hat - beim prompten Umdrehen und Zurückkommen war natürlich Riesenparty angesagt!

    Das zweite Mal, als sie trotz Abrufens plus Gestopptwerdens per Schleppleine unbeeindruckt weiter hinter einem Sprung Rehe herhetzen wollte. Das war dann mit einer sehr deutlichen verbalen Ansage gekoppelt, und ruhiges Lob plus Belohnung gab's erst nach einem ganzen Stück gesitteten Mitgehens.

    Seitem ist das Thema weitgehend durch - ich hab sie inzwischen mit einme "Nein!" sowohl von einem aufspringenden Hasen als auch von Rehen abhalten können. Voraussetzung, natürlich: Immer volle Konzentration auf den Hund - wenn ich in Ruhe Pilze suchen will, kommt sie eben an die Leine.

  • Zitat

    So eine Desensibilisierung ist natürlich auch eine Möglichkeit, aber ich möchte darauf hinweisen, dass konditionierte Entspannung was anderes ist und mit keinerlei Zwang verbunden ist - sonst würde die angewendete klassische Konditionierung nie so gut greifen. Man kann es nicht von heute auf morgen anwenden, weil es eben erst konditioniert werden muss, und zwar in völlig entspannten Situationen. Schon gar nicht hat man ein fixes Ziel bei der Anwendung - es wirkt wie es wirkt.

    "Zur Ruhe zwingen" war tatsächlich auch als konditionierte Entspannung gemeint und schlecht ausgedrückt. Und wie bei allem fängt man auf Level 1-3 an und nicht auf 8-10. Aber ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen, dass das hier Wunder wirkt. Ich hab das bei den "gefährlichsten" Jagdgebieten gemacht in "Hasencity". Seitdem ist es dort wesentlich einfacher (es ist kein Vergleich zu vorher) mit einem "ist nicht"-Signal das beginnende Jagdinteresse wieder zurück zu schrauben.

  • Zitat

    Ja genau, das war der Tatort :D
    Hast ein echtes Schauspiel (oder eher Trauerspiel) verpasst.
    Dafür duftet Merlin jetzt schön frisch nach Baby-Shampoo :lol:

    Hast du direkt mit dem Futterdummy gearbeitet oder das reine Holen und Bringen erst über was anderes aufgebaut?

    Wie hast du das aufgebaut?


    Ich bin ja erstaunt, dass ich jetzt mit Roxy schon mehrmals problemslos an den (verlassenen) Kuhweiden vorbei gekommen bin... :hust: Außer letzte Woche, da wollte sie mal die Kälbchen besuchen gehen...


    Ich musste das Holen und Bringen nicht aufbauen, das hat Roxy vom ersten Tag an mit Begeisterung gemacht. Retriever-Blut eben. Ich habe das nur immer bestärkt und feiere immer Party, wenn sie mir was bringt.

    Ich habe irgendwann den Futterdummy gefüllt, geworfen und Roxy hinterher geschickt. Bei den ersten Versuchen war der Dummy absolut uninteressant. Dann hab ich das Teil weggepackt und erst nach einiger Zeit wieder probiert. Dummy gefüllt und erstmal unterwegs immer daraus belohnt. Wenn sie was gut gemacht hat, hab ich den Dummy aufgemacht und sie durfte sich selbst bedienen. (Vorsicht, aktue Gefahr ein paar Finger zu verlieren...) Irgendwann habe ich den Dummy dann geworfen und sie einfach hinterher hetzen lassen. Zuerst hat sie dann versucht, den Dummy zu stehlen und selbst zu öffnen. Dabei hab ich gar nichts gemacht, mich nur hingestellt und gewartet und dabei Blut und Wasser geschwitzt, dass sie das Teil auch ja nicht auf machen kann. Sie hat es mir dann von selbst gebracht, vor die Füße geklatscht mit dem Blick "Da, auf machen!!!". Von da an war's eigentlich sehr einfach.

    Die erste Übungphase sah dann so aus, dass ih den Dummy geworfen habe, sie hinterher gehetzt ist und es mir von allein gebracht hat. Dann habe ich das Bringen mit einem Befehl belegt. Gleichzeitig habe ich ihr beigebracht, den Dummy ordentlich zu bringen, mir nicht vor die Füße zu schmeißen sondern sich vor mich zu setzen mit Dummy im Maul und ihn mir dann in die Hand zu geben.

    Die zweite Phase fing damit an, dass ich sie abgelegt habe, den Dummy geworfen habe und sie erst hinterher durfte, wenn ich sie losgeschickt habe.

    Dritte Phase war, dass sie absitzen musste, ich losgestiefelt bin und den Dummy aus etwa 20m Entfernung geworfen habe und sie dann nach meiner Freigabe hinterher durfte.

    Vierte Phase: Wie dritte Phase, nur dass sie aus ihrer Position erst zu mir kommen und nochmal absitzen musste und ich sie dann erst losgeschickt habe.

    Fünfter Schritt: Absitzen auf Entfernung, Dummy fliegt und sie darf erst hinterher, wenn ich sie schicke. Daran arbeiten wir zur Zeit.

    Sechster und ebenfalls aktueller Schritt: Dummy fliegt, Roxy darf sofort hinterher (also ohne absitzen), aber ich rufe sie ab, noch während sie dem Dummy nachhetzt.

    Außerdem fange ich langsam an, den Futterdummy durch einen Standard-Dummy zu ersetzen. Sicherlich wird der Standard-Dummy ihr den Futterdummy nie ersetzen können, aber es ist eine gute Abwechslung im Training.


    Liest sich vielleicht etwas statisch, aber das hat sich jetzt über ein Jahr hingezogen. Zwischendurch gab es Dummy-Pausen, da habe ich wochenlang nichts gemacht, vor allem im Sommer. In der Zeit habe ich dann viel Unterordnung gemacht, aber auch viel mit Clickern oder einfach nur entspannt Gassi gehen. Ich mache immer verschiendene Sachen parallel, damit es nicht langweilig wird. Roxy hört ja mittlerweile sehr ordentlich und die Phase, in der sie alle 50m abhauen wollte ist auch vorbei.


    Bei uns ist der (Futter)Dummy ihre Beute und sie verteidigt den Dummy ja auch gegen andere Hunde, vor allem bei fremden Hunden. Ich habe aber auch Glück mit ihr, denn zum einen vertraut sie mir so ziemlich bedingungslos und zum anderen ist sie sehr intelligent und versteht ganze Handlungsstränge meistens auch ohne schrittweises Aufbauen.

  • Zitat

    Jaja, Tipps dürfen Mods geben, Kritik üben niemals nie nich ;-)

    Ein nicht hörender Hund, der Kommandos ignoriert (und das seit einem halben Jahr) ist nunmal unerzogen. Genau das ist doch dein Problem ich habs nur auf den Punkt gebracht ?

    Was man dir in der HS geraten hat, speziell dazu, hast du aber nicht beantwortet ...

    Natürlich kannst du Kritik üben, allerdings finde ich die ziemlich überzogen. Wir üben das schon lange, allerdings hat es sonst schon gut geklappt und es gab selten Probleme. Wenn ich das schon lese "ein nicht hörender Hund...", das mag für die eine Situation gelten, aber längst nicht für alle. Und ich denke dass auch andere HH mit ihren pubertierenden Junghunden Schwierigkeiten haben, das gehört dazu. Ich will ja daran arbeiten. Aber das so dramatisch als "schlecht erzogenen Hund" abzustempeln, dass finde ich ziemlich unfair.

    In der Hundeschule haben die mir das Training geraten, was ich auch gemacht habe. Sprich an der Leine zwischen den Enten spazieren gehen, Übungen für die Impulskontrolle etc.

  • Zitat

    Der Tipp von Najira, den Hund in der Situation dort bei den Enten zur Ruhe zu bringen ist auch super. Hunde verknüpften Situationen und Gefühl. Nimm dir was zu trinken mit und nen mp3-player, setz dich dahin und zwing den Hund zur Ruhe - bis er schläft. Ein paar Mal, dann ist die Situation dort sicherlich schon einfacher, weil er nicht mehr so hochfährt. Das widerrum hilft, dass auch ein Abbruchsignal mal durchkommt.

    Wie "zwingt" man einen Hund zur Ruhe?
    Ich habe auch einen Junghund und wenn der mal aufgedreht ist, kommt er nur sehr schlecht wieder runter. Vor allem bei so großer Ablenkung könnte ich wahrscheinlich stundenlang mit ihm dasitzen und er wäre immer noch nicht ruhig... :/

  • Zitat

    Natürlich kannst du Kritik üben, allerdings finde ich die ziemlich überzogen. Wir üben das schon lange, allerdings hat es sonst schon gut geklappt und es gab selten Probleme. Wenn ich das schon lese "ein nicht hörender Hund...", das mag für die eine Situation gelten, aber längst nicht für alle. Und ich denke dass auch andere HH mit ihren pubertierenden Junghunden Schwierigkeiten haben, das gehört dazu. Ich will ja daran arbeiten. Aber das so dramatisch als "schlecht erzogenen Hund" abzustempeln, dass finde ich ziemlich unfair.

    In der Hundeschule haben die mir das Training geraten, was ich auch gemacht habe. Sprich an der Leine zwischen den Enten spazieren gehen, Übungen für die Impulskontrolle etc.

    Ich finde Kritik immer wichtig, weil man sich selbst dann auch hinterfragt.

    Ich habe selbst einen Jäger und viele, zu viele Dinge, mit ihr probiert.
    Zu viel über Meideverhalten gemacht und ihr Vertrauen verloren.

    Was uns einfach am besten geholfen hat, Gehorsam.
    Sprich, sie steht im Gehorsam, wenn ich schneller bin.
    Mein Hund wird nie aus den Augen gelassen, wenn ich es doch tue, dann ist sie weg, wenn ich Pech habe.

    Ich kann Dir nur raten, blende alles aus, nimm sie an eine lange Schlepp und achte ganz genau auf Deinen Hund.
    Wenn Du hast, nimm eine Kamera mit und filme sie dabei oder lass deinen Freund filmen.
    Beobachte sie, sprich nicht mit ihr, schau ihr einfach nur zu, was sie tut.
    Wenn sie Kontakt aufnimmt, sofort verbales Lob.

    Du hast einen Jagdhund an der Leine, nicht nur, dass sie den Rassen entspricht, der Hund ist nun mal ein Raubtier.

    Ich habe Enten und Vögel bei Dusty einfach als selbstverständlich dargestellt.
    Die Tiere bekamen einen Namen und schon waren sie langweilig.
    Wir sind dazu immer an einem See gewesen und die Enten wurden total zum Gähnen.
    Kaninchen und Rehe waren ne andere Sache.

    Hast Du einen Superrückruf für sie?

    Gruß
    Bibi

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