Fehlende Trauer für Mona

  • Vor etwa 8 Jahren kam meine allererste Hündin zu mir.
    Während der Corona-Zeit kam mir dann die Idee, eine zusätzliche Hündin aus dem Tierschutz aufzunehmen. Da ich noch nicht wusste, wie ich das Leben mit 2 Hunden mag/schaffe, habe ich mich bewusst für eine ältere Hündin entschieden. Win-win für beide also.

    So kam dann also Mona zu mir, die etwa 10 Jahre alt war. Sie war flauschig und zuckersüß. Anfangs war sie noch total fit, mit der Zeit hat sie immer schlechter gesehen und hatte dann irgendwann auch etwas Richtung Demenz.

    Eine Weile ging es ihr dann trotzdem noch recht gut, aber das änderte sich dann, als sie etwa 2,5 Jahre bei mir war.

    Als es ihr dann schon ziemlich schlecht ging, habe ich ihr noch ein paar Tage Zeit gegeben, um sich evtl. wieder zu erholen. Das war zum Glück ein langes Wochenende, also habe ich sie fast die ganze Zeit bei mir gehabt, habe ihr „erklärt“, wie mein Plan mit ihr ist, dass sie gehen kann, wenn sie keine Kraft mehr hat etc. und es flossen Tränen.

    Nachdem es nach dem Wochenende nicht besser wurde, habe ich sie erlösen lassen. Ich war bis zum Ende bei ihr und auch da flossen wieder Tränen.

    Am nächsten Tag habe ich sie zum Einäschern abholen lassen. Und ab diesem Moment war es vorbei mit den Tränen. Das war vor über einem Jahr.

    Ich habe mich bereits nach ein paar Tagen wieder auf die Suche nach einem Zweithündin gemacht, die auch wieder aus dem Tierschutz kam. Sie kam etwa einen Monat nach Monas Tod schon zu mir und ich war auch direkt verliebt.

    Es fühlt sich aber komisch an, nicht mehr um Mona zu trauern. Selbst als ihre Asche zurück kam, gab es keine Tränen mehr.

    Wenn ich mir Fotos oder Videos von Mona anschaue, erinnere ich mich mit Freude daran zurück, spüre aber keine richtige Trauer. Und das, obwohl ich bzgl. meiner Hunde eigentlich immer total emotional bin.

    Ich denke mir immer, es sollte vielleicht einfach so sein. Mona hat das alles so entschieden, um Nayka (also die Nachfolgerin) zu mir zu bringen. Auch wenn ich natürlich weiß, dass das Quatsch ist.

    Aber vielleicht rechtfertige ich so auch einfach vor mir selbst, warum ich sie so schnell „ersetzt“ habe.

    Nicht falsch verstehen, ich bereue es keine Sekunde, Nayka geholt zu haben. Aber ich fühle mich gleichzeitig auch schlecht, dass ich keine richtige Trauer für Mona empfinde.

  • Was ist "richtige" Trauer?

    Das kann niemand sagen denn es ist für jeden anders, manche heulen noch nach Jahren, andere weinen nach einem "Abschluss" nicht mehr, andere weinen vielleicht gar nicht. Ist für jeden unterschiedlich und es gibt kein richtig oder falsch.

    Ich habe um mein vorige Hündin Rotz und Wasser geheult und sie hat mir unheimlich gefehlt, trotzdem ist nach etwa 3 Wochen eine neue Maus bei uns eingezogen, es ging einfach nicht ohne Hund. Beide haben einen besonderen Platz in meinen Herzen, den werden sie auch immer haben.

    Möglicherweise hilft es uns bei alten, kranken Hunden ein wenig das wir uns schon vorbereiten können, wir wissen ja das sie nicht mehr ewig bei uns sein werden, ich denke das da schon die Trauerarbeit beginnt, wir verabschieden uns da schon kleinweise. Es ist furchtbar wenn es dann wirklich soweit ist, wir haben uns aber zu einem Teil schon damit abgefunden.

    Auch ich denke mir das uns unsere Sammy eine Nachfolgerin geschickt hat und sie hätte nicht besser aussuchen können.


    Fühl dich nicht schlecht, das ist echt nicht notwendig. Es ist schön das du dich mit Freude an Mona erinnerst, finde so soll es sein.

  • Mach dir da keine Vorwürfe. Jeder trauert anders. Lui war mein absoluter Herzenshund. Ich habe im Vorfeld so viel geweint, auch beim einschläfern. Ab dem moment wo er tot war waren die Tränen vorbei. Ich habe bereits am nächsten Tag nach einem neuen Hund gesucht und 2 Monate später (früher hat es mit dem Transport aus Spanien nicht geklappt) ist Amy eingezogen. Ich hatte nie das Gefühl ihn zu ersetzen. Das ist jetzt 5 Jahre her und ich erinnere mich noch oft an manche Situationen mit ihm oder schaue auch mal Bilder an.

    Bei Baghira habe ich wochenlang immer wieder geheult obwohl sie mir nicht so nahe stand wie Lui. Der Tod kam bei ihr aber sehr plötzlich und damit hatte ich zu kämpfen.

  • Du hast Dich damals bewusst für einen älteren Hund entschieden und ich glaube auch, gewusst, dass ihr Leben bei Dir eben nur kurz sein kann.

    Ich denke, das spiegelt in den Trauerprozeß mit hinein. Du hattest immer im Kopf, dass ihr Leben bei Dir nur kurz sein wird.

    Dieses unterschwellige Bewusstsein lässt späterhin den Verlust und die Trauer leichter ertragen.

    Sie hatte ein schönes, aber leider viel zu kurzes Leben bei Dir. Sie hat Liebe und Fürsorge kennen gelernt. Das alleine zählt.

  • Als du dir damals einen zehnjährigen Hund geholt hast, war ja klar, dass dir eher drei als acht gemeinsame Jahre bleiben.

    Du hast einem alten Hund noch zweieinhalb schöne Jahre geschenkt.

    Getrauert und Abschied genommen hast du ein ganzes Stück an diesem einen langen Wochenende, mit der Entscheidung sie zu dem Zeitpunkt gehen zu lassen warst und bist du im Reinen.

    Das alles weißt du. Du und Mona - das war eine gute Geschichte, die zu Ende ist und du hast damit deinen Frieden gemacht.

    Trauer muss nicht überwältigend, lähmend oder tränenreich sein. Es gibt da kein richtig oder falsch.

  • Ich habe bisher 4 eigene Hunde gehen lassen, die Trauer war bei jedem anders als bei den anderen.

    Wenn ich mir Fotos oder Videos von Mona anschaue, erinnere ich mich mit Freude daran zurück

    Das finde ich schön und wichtig. Mona hatte ein gutes Leben bei dir, du hast sie geliebt und warst bei ihr. Wie du den Verlust verarbeitest ist OK, egal wie schmerzhaft oder friedlich das ist.

  • Manchmal ist es einfach richtig und gut, wenn jemand stirbt bzw eingeschläfert wird.

    An den Anzahl Tränen, die ein Angehöriger bzw Halterin vergiesst, lässt sich null und nichts ablesen.

    Mona hatte bei dir eine gute Zeit, nichts anderes zählt

  • Jeder trauert anders.

    Bei meinem Pferd habe ich von der definitiven Entscheidung bis zum Einschläfern 24 Stunden später, Rotz und Wasser geheult. Danach nie mehr. Sie war alt und krank, ich konnte mich lange auf den Moment vorbereiten. Aber das heisst nicht, dass ich mein Pferd nicht sehr geliebt habe.

  • Ich finde es tatsächlich immer erstmal total krass wenn ich höre / lese das Leute sich so schnell einen neuen Hund geholt haben. Für mich einfach absolut nicht vorstellbar in meinem Leben. War es bei keinem Tier. Deswegen bin ich aber trotzdem nicht wochenlang in tiefer Trauer. Ich könnte nur so fix kein neues tier anschaffen.

    Aber wie alle anderen schon schrieben, trauert einfach jeder anders und es gibt kein richtig oder falsch dabei. Was für den einen gar nicht geht ist für den anderen genau richtig so.

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