Für die Leseratten - Der Bücherthread - Band 3

  • Ich habe als Jugendliche Herr der Ringe gelesen (noch bevor es die Filme gab!) und als ich das dritte Buch beendet hatte ... fühlte ich mich sooo leer, traurig und zerstört. Es war, als müsste ich einer Welt Lebewohl sagen, die ich so lange so intensiv besucht habe. Eine Erfahrung, die bis dato noch kein Buch in mir ausgelöst hatte.

    Ich kann aber verstehen, dass viele die Bücher nicht schaffen. Es ist halt schon auch ... ein Prozess und Pain zeitweise ("oh nein .... wieder 400 Seiten Sam und Frodo im Moor" "oh, wieder Lieder und Gedichte ... ich skipp mal 10 Seiten xD ).

    Aber hach, ich habs ja geliebt!


    Harry Potter ist für mich auch super schwierig. Bin damit groß geworden. Liebe die Bücher, das Franchise ... aber boykottiere jetzt auch konsequent :(

    Geht mir genauso. Ich habe Herr der Ringe und Harry Potter als Jugendliche gelesen und sie haben mich durch die ätzendsten Jahre von Pubertät, Mobbing und Realitätsflucht gebracht, nahezu getragen. Kann aber auch verstehen, wieso die Bücher nicht für jeden was sind (100 Seiten Beschreibung eines Baumes muss man wollen xD) aber ich liebe das Herr der Ringe-Universum wie kaum ein anderes. Der Hobbit ist das Buch, was glaube ich wirklich am zugänglichsten ist. Die Filme gucke ich heute noch immer einmal im Jahr, Herr der Ringe auf jeden Fall, Harry Potter... find ich auch sehr schwierig. Ich musste mich schon im Zuge vom Harry Potter Game damit auseinandersetzen, wobei ich das dann umgehen konnte, als das Game auch für den Gamepass rauskam, also in diesem Sinne umsonst. Ich will halt, dass sie nichts (mehr) an mir verdient, meine damals extra in Schottland gekaufte Special Edition aller Büche habe ich entsprechend trotzdem behalten.

  • Für mich gibt es keine „Must Reads“. Ob ein Buch passt oder nicht, muss jede für sich entscheiden. Außerdem hängt es für mich auch sehr von der jeweiligen Lebensphase ab, in der ich die Bücher lese, ob sie bei mir „andocken“ oder nicht. Der „Herr der Ringe“ hat mir seinerzeit vermutlich den Allerwertesten gerettet und wird für mich immer die wichtigste Leseerfahrung in meinem Leben sein. Auch wenn ich objektiv betrachtet Besseres gelesen habe.

    Trennung von Künstler und Werk: Das ist für mich komplex. Wenns um Lesen zum Wissenserwerb geht, lese ich durchaus bewusst Bücher von Denkern, die mich abstoßen. Während des Studiums habe ich „Mein Kampf“ gelesen und mich durch den kompletten „Untergang des Abendlands“ gequält :ugly:, gerade neulich habe ich mir das „Okkulte Denken“ von Nick Land vorgenommen.

    Emotional macht es mir dann schon etwas aus, wenn ich herausbekomme, dass im belletristischem Bereich jemand gegen mein Moralempfinden lebt. Wenn ich es mitbekomme. Da ich weder Zeitschriften lese noch Magazine gucke, ist das meistens sehr spät, wenn überhaupt. Es sorgt aber nicht dafür, dass ich ein von mir als gut empfundenes Buch im Nachhinein umdefiniere.

    Bei Rowling habe ich den Bonus, dass mich Harry Potter ab Band 4 nicht mehr mitgerissen haben und auch die Bücher unter dem Pseudonym Galbraith stark nachgelassen haben. Und die Filme brauche ich eh nicht, bin kein Filmfan.

    Bei Neil Gaiman tut es mir mehr weh. Da bin ich für mich auch noch nicht zu einem endgültigem Schluss gelangt, aber derzeit nehme ich von weiterem Erwerb seiner Bücher Abstand. Gleiches gilt für Sergej Lukianenko, dessen Unterstützung von Putin für mich indiskutabel ist.

    Ganz schlimm finde ich es, wenn sich für mich fragwürdige Ansichten dann direkt in Werk ausdrücken. So hat es mir Dan Simmons verhagelt, obwohl seine Hyperion Bücher für mich immer noch mit das Beste sind, was es im Bereich Science Fiction gibt.

    Mir fällts aber extrem schwer, mich in einer „So Jemanden darf man auf keinen Fall unterstützen!“ Haltung wiederzufinden. Objektiv betrachtet unterstütze ich direkt oder indirekt durch mein bloßes Leben hier in diesem Staat und diesen Wirtschaftsverhältnissen so viele Sachen, die ich menschlich widerwärtig finde und das wird weiter zunehmen. Ich hab daher nicht die Selbstgewissheit für verbindliche moralische Urteile über Menschen, die gerade aktuell in der Kritik stehen.

    Die Grenze bleibt für mich also emotional und individuell. Und schwierig.

  • Ich habe Harry Potter früher geliebt - die Bücher, nicht die Filme. Habe die gesamte Reihe sicherlich im Laufe der Jahre mindestens 5 Mal gelesen, eher öfter. Durch Umzüge, den Tod meiner Mama etc. sind die Bücher jetzt aber irgendwie verlorengegangen und nochmal neu kaufen würde ich sie mir nicht, aus moralischen Gründen. Leihen eventuell schon, aber ich glaube, es würde mir schwer fallen, beim Lesen nicht andauernd daran zu denken, wie Rowling sich in den letzten Jahren entwickelt und öffentlich geäußert hat (Ich war echt schockiert, als ich ne Zeitlang auf Twitter/X aktiv war und gesehen habe, was sie da so postet. Und zwar am laufenden Band! Als wäre es ihre gesamte Identität, gegen Trans Stimmung zu machen...)

    Ich muss aber ehrlich gestehen, wenn ich mir einen Roman kaufe, der für mich interessant klingt, checke ich nicht immer vorab, wer genau der/die Autor:in ist. Meist fahre ich damit aber gut, wahrscheinlich da mich thematisch sowieso eher Romane interessieren, die zumindest auf eine gewisse offene Geisteshaltung der/des Schriftstellers/Schriftstellerin hindeuten.

    Einen Roman kaufen von jemandem, von dem ich weiß, er hängt z.B. rechtsextremem oder frauenfeindlichem Gedankengut an, würde ich nicht. Hätte dann auch Hemmungen, das Buch zu lesen, selbst wenn es inhaltlich angeblich total gut wäre.

    Bei Fach- und Sachbüchern ist es vielleicht etwas differenzierter bei mir, wobei ich da auch oft nicht viel über die Autor:innen weiß.

    Ach, und bei Werken, die vor längerer Zeit entstanden sind, also z.B. philosophischen Klassikern, kann ich auch besser damit umgehen, dass damals leider eben gewisse Normen und Ansichten herrschten, die heute zutiefst problematisch sind. Dennoch wünsche ich mir da vom Herausgeber, dass z.B. rassistische Bemerkungen (z.B. in "Aphorismen zur Lebensweisheit" von Schopenhauer) nicht unkommentiert stehen gelassen werden, sondern dass z.B. zumindest darauf verwiesen wird, welche Vorurteile in der damaligen Gesellschaft herrschten.


    Was mir gerade noch einfällt zum Thema. Neugierig wäre ich ja auf J.D. Vance Autobiographie "Hillbilly Elegy". Das könnte ich aber auch nur lesen, wenn es mir jemand leihen oder schenken würde, oder ich es zufällig z.B. in einem offenen Bücherschrank fände. Kaufen und Vance damit finanziell unterstützen, das käme für mich nicht in Frage, aber es würde mich eben interessieren, auch wenn ich sehr gegensätzliche Positionen als die des Politikers Vance vertrete.

  • Kunst und Künstler trennen - nein, unmöglich für mich. Gerade nach den letzten Jahren mit den schon genannten Beispielen hier. Ich möchte niemandem Geld in den Rachen werfen, dessen Werte ich wirklich so gar nicht vertreten kann.


    In den letzten Wochen habe auch wieder ein bisschen gelesen. Aktuell bin ich ja mit meinem Freund an "Der Name des Windes" von Patrick Rothfuss dran und wir lieben es beide sehr. (Ich zu meiner Überraschung auch :D ) Wir lesen uns gegenseitig vor und irgendwie ist das eine richtig schöne Art Zeit miteinander zu verbringen. Anfangs ungewohnt, weil schließlich sind wir ja keine Kinder mehr, die vorgelesen bekommen müssen. Aber warum sollen wir beide jeweils das Buch lesen, wenn wir es doch genauso gut auch gemeinsam lesen können? Und es ist so süß, wenn wir dann die selben Emotionen fühlen beim Lesen. Ich kann das echt nur jedem empfehlen. <3

    Ach so: Das Buch ist echt toll, auch zum Vorlesen. Es ist spannend, man wird toll in diese Welt eingeführt und es macht echt Spaß.


    Währenddessen habe ich aber auch noch "Butter" von Asako Yuzuki gelesen. Das war leider nicht so meins. Hier fühlte ich mich ständig, als würde die Geschichte schon noch an Fahrt aufnehmen, aber irgendwie passierte das doch nicht und so plätscherte es vor sich hin. Es geht um Rika, eine Journalistin, die mit einer Gefängnisinsassin und mutmaßlichen Mörderin ein Interview führen will und durch diese sich dann verändert. Es geht um Feminismus und auch sehr viel um Essen. Für mich leider zu viel. Da hab ich teilweise absätzeweise geskippt, weil es mich schlichtweg nicht interessiert hat wie welches Essen zubereitet wird und welche Geschmacksexplosionen das nun in der Protagonistin hervorgerufen hat. Irgendwie hat es für mich auch irgendwie gar nicht gepasst. Ich würde dem Buch 3 / 10 Sternen geben. Auch der Schreibstil war nicht meins.


    Aktuell lese ich "Wild wuchern" von Katharina Wöller und auch hier hatte ich ein bisschen Startschwierigkeiten, u.a. auch mit der Protagonistin warm zu werden. Ich mag es lieber, wenn man ein bisschen mehr Background-Infos zu den Charakteren erhält und nicht, wenn man alles so aus der Nase ziehen muss gefühlt. Jetzt zum Ende des Buches hin gefällt es mir immer besser, mal sehen wie das Ende ist. Es wird auf jeden Fall eine deutlich bessere Bewertung bekommen als "Butter", aber dennoch waren meine Erwartungen irgendwie höher. Keine Ahnung. 🙈

  • Empfehlung: "Pompeji" von Eugen Ruge

    Gesellschaftssatire

    Josse, ein junger Mann aus dem pompejianischen Prekariat, legt einen steilen politischen Aufstieg hin, indem er die Gefahr durch den bereits grummelnden Vesuv für seine Agitation nutzt.

    Griechische Philosophie, Gentrifizierung, Korruption, Klassenkampf, Klima bzw Vulkankatastrophe - alles vermischt sich zu einem bissigen Abziehbild moderner Probleme vor antikem Hintergrund.

    Ein Buch, dass mir wirklich von vorne bis hinten großen Spaß gemacht hat. Witzig, informativ und hintergründig

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