Für die Leseratten - Der Bücherthread - Band 3

  • Dungeon Crawler Carl - Matt Dinnimann

    "Goddammit Donut!"

    Eines Tages verschwinden plötzlich fast alle Gebäude der Erde (oder besser; ihre Elemente!) – und mit ihnen der größte Teil der Menschheit. Die wenigen Überlebenden stehen plötzlich auf einer zerstörten Oberfläche. Eine außerirdische Zivilisation hat die Erde in ein gigantisches Dungeon-Spiel verwandelt, das als intergalaktische Unterhaltungsshow ausgestrahlt wird. Unser Protagonist Carl, ein eher durchschnittlicher Typ, überlebt den Kollaps zufällig – zusammen mit der verwöhnten Perserkatze seiner Ex-Freundin, Princess Donut. Beide werden gezwungen, in den riesigen Dungeon hinabzusteigen, um zu überleben. Im Dungeon gelten Videospiel-ähnliche Regeln; die Teilnehmer („Crawler“) steigen Level auf, sie bekommen Skills, Loot und Quests, und je weiter sie kommen, desto gefährlicher wird es. Noch dazu verfolgen Milliarden Zuschauer im Universum das Ganze Life wie eine Reality Show und können durch Donations und Geschenke sogar Einfluss auf das Geschehen neben. Carl und Donut müssen sich nicht nur methsüchtigen Llamas und Scharen von Maden stellen, sondern auch anderen, menschlichen Gefahren.

    Was. für. ein. Ritt. Ich hatte lange schon nicht so viel Spaß bei einem Buch. Ich habe wirklich sehr oft gelacht. Was für wunderbare, skurille Charaktere, was für eine spannende Idee und tolle Umsetzung. Es ist voller schwarzer Humor, zeitweise wirklich brutal aber über allem hat es mir eine irre Freude gemacht. Ich glaube aber, ich bin auch einfach total die Zielgruppe für dieses Buch: es ist schon von Vorteil, wenn man ein wenig Rollenspiel-affin ist, sei es durch Gaming, Das Schwarze Auge, D&D, dann sind viele Elemente einfach total vertraut und man hat oft diesen "Aha, ja klar!"- Moment. Man versteht den Witz vermutlich dann auch ein wenig besser, und vielleicht auch die Faszination und Soggefahr. So oder so, ein tolles Buch, ich bin etwas late to the party, aber werde die Reihe jetzt intensiv aufholen und freu mich richtig darauf. Schreibstil passt für mich sehr gut, Kapitel haben die richtige Länge.

    10/10

  • Maevan mich hat ja diese Reihe auch total abgeholt und ich les das immer gerne so als Pallet Cleanser. Ich weiß ich werde eine gute Zeit haben, es ist genau mein Humor und irgendwie wie nichts anderes auf meinem Stapel. Mein Freund hat das Hörbuch gehört und war auch sehr begeistert.

    Was mich dann doch irgendwie überrascht hat, dass es trotz dem ganzen Humor und hahaha Fußfetisch auch plötzlich so ernst wurde. Ernst nicht nur im Sinne von: aaaahh wie überleben wir das Ganze,sondern als es um dieses ganze System drum herum ging. Ich will jetzt nicht zu viel schreiben, aber ich denke du weißt was ich meine. So in Bezug auf "seinen Lehrer" ( ich hab den Namen vergessen. Irgendwas mit M) und auch die Goblins.

  • ... Mordecai...

    Ich lese gerade den dritten Band DCC. Ich lese ja meistens mehrere Bücher parallel - was lockeres, was anspruchsvolleres, und ein Hörbüch.

    Das Anspruchsvollere war zuletzt "Trophäe" von Gaea Schoeters - das ist schon wirklich bitterböse. Es geht um Großwildjagd, Postkolonialismus, Gut und Böse und die Frage, ob Zweckrationalismus über jede Moral siegt.. und das alles wirklich spannend.

    Und als Hörbuch "Hemlock and Silver" - ein Schneewittchen-Retelling von T.Kingfisher. Gefällt mir, Kingfisher geht ja eigentlich immer, und die Sprecherin liesst das super.

  • Maevan mich hat ja diese Reihe auch total abgeholt und ich les das immer gerne so als Pallet Cleanser. Ich weiß ich werde eine gute Zeit haben, es ist genau mein Humor und irgendwie wie nichts anderes auf meinem Stapel. Mein Freund hat das Hörbuch gehört und war auch sehr begeistert.

    Was mich dann doch irgendwie überrascht hat, dass es trotz dem ganzen Humor und hahaha Fußfetisch auch plötzlich so ernst wurde. Ernst nicht nur im Sinne von: aaaahh wie überleben wir das Ganze,sondern als es um dieses ganze System drum herum ging. Ich will jetzt nicht zu viel schreiben, aber ich denke du weißt was ich meine. So in Bezug auf "seinen Lehrer" ( ich hab den Namen vergessen. Irgendwas mit M) und auch die Goblins.

    Ja, Mordecai. Du hast völlig Recht, es ist alles sehr humorvoll und spaßig aufgezogen, aber immer wieder blitzt auch die Ernsthaftigkeit dahinter auf, sei es in den Gesprächen mit Mordecai, oder auch in der Interaktion mit anderen Crawlern. Das merkt man schon immer wieder. Perfectly balanced, as all things should be!

  • Temi Oh – Do you dream of Terra-Two?

    "No light, no sound. Most people can't last fifteen minutes before they begin to see things, begin to panic.
    They don't even know what they're afraid of. Themselves, maybe. In the darkness every fear finds a face."

    "Vor einem Jahrhundert stellten Wissenschaftler die Theorie auf, dass es in einem nahe gelegenen Sonnensystem einen bewohnbaren Planeten gibt. Heute werden zehn Astronauten die sterbende Erde verlassen, um ihn zu finden. Vier von ihnen sind hochdekorierte Veteranen des Weltraumrennens des 20. Jahrhunderts. Sechs sind Teenager, Absolventen der exklusiven Dalton Academy, die fast ihr ganzes Leben lang für diese Mission trainiert haben. Das Team wird dreiundzwanzig Jahre brauchen, um Terra-Two zu erreichen. Dreiundzwanzig Jahre, die sie auf engstem Raum verbringen werden. Dreiundzwanzig Jahre, in denen sie sich nur aufeinander verlassen können. Dreiundzwanzig Jahre, in denen keine Rettung möglich ist, sollte etwas schiefgehen. Und etwas geht immer schief."

    Aus der Sicht der sechs Teenager erzählt und geteilt in drei Phasen – Ausbildung und Selektion, Start und frühe Mission, Krise und Zerfall – legt diese SF-Geschichte weniger den Fokus auf die vielerwähnte 23-Jahre-dauernde Reise, sondern stellt eher die Frage "Wenn ein Traum erfordert, dass man sein ganzes Leben opfert, lohnt es sich dann trotzdem, ihn zu verfolgen?"

    Die Themen, die hier erforscht werden – Kosten des Ehrgeizes, psychische Belastung und Isolation, Schicksal vs. Verdienst, utopische Träume, Identität und Adoleszenz – werden ausschließlich durch die Teenager dargestellt und wie diese Themen ihren Charakter und die Beziehungen zu den wenigen anderen Charakteren formen. Die Diskussionen um "Schuldgefühle von Überlebenden, Hochstapler-Syndrom und die Angst, seinen Platz nicht zu verdienen" fand ich allesamt sehr interessant, ebenso die Frage in welche Gesellschaft die Teenager hineinwachsen, wenn die gesamte Adoleszenz auf einem Raumschiff stattfindet und dann auf einem leeren Planeten. Im letzten Drittel kommt schließlich die Diskussion auf, ob die Mission ethisch vertretbar ist, ob die (damals noch) Kinder ihren Weg wirklich frei gewählt haben und ob Terra-Two jemals das Opfer wert war. Das Ende ist offen, was als Schwäche des Buches gewertet werden könnte, ich fand es gut, es lässt viel Raum zur Interpretation. Wirkliche Schwächen für mich waren das eher uneinheitliche Tempo, die Anzahl an (austauschbaren) Charakteren, die für mich nicht explizit genug ausgearbeitet waren und alle irgendwann dieselbe Stimme hatten. Was mich nicht gestört hat, war das schwache Worldbuilding. Es gibt diese Kulisse, dass Großbritannien ein starkes Weltraumprogramm leitet und deswegen diese Mission durchführen kann, die Wissenschaft und die Technologie dahinter sind aber nur Randnotiz.

  • Ich nehme aber einfach mal an, es ist einfach relativ leichte Kost, also nichts deepes?

    Ich habe vor vieelen Jahren ein oder zwei Romane von Lucinda Riley gelesen. Sind typische historische Romane mit Romance-Elemente. Würde sagen, insgesamt eher leichte Kost, auch wenn sicherlich historische Ereignisse auch eine recht bedeutende Rolle spielen. Aber ist jetzt nix, was mir persönlich länger im Gedächtnis geblieben ist.

  • Niamh Ní Mhaoileoin – Ordinary Saints

    "I'm an odd child from an odd family, and the biggest problem is that I don't realise it."

    "Jay wuchs in einem strenggläubigen Haushalt in Irland auf und lebt heute mit ihrer Freundin in London. Sie ist entschlossen, jeden Moment zu genießen und weder über die Zukunft noch über die Vergangenheit nachzudenken. Als sie jedoch erfährt, dass ihr geliebter älterer Bruder, der bei einem schrecklichen Unfall ums Leben kam, möglicherweise zum katholischen Heiligen erklärt wird, wird ihr klar, dass sie sich endlich ihrer Familie, ihrer Kindheit und sich selbst stellen muss ..."

    Aus Jacinta's Perspektive – nach ihrem Coming out sich selbst als Jay bezeichnend – wird hier eine sehr interessante Diskussion um die Frage "Wer entscheidet darüber, wie das Vermächtnis einer Person nach ihrem Tod gestaltet wird – und wie viel davon entspricht der Wahrheit und wie viel ist Mythos?" aufgemacht. Die drei Teile um Jay's gegenwärtiges Leben und Umbrüche, die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und dann Versöhnung und Neudefinition bilden keinen klar abgegrenzten, stringenten Handlungsbogen, eher ist alles miteinander verwoben und Jay's Erinnerungen und ihr konstanter Kampf mit ihrer Identität und Religion sind fortwährend Thema. Der Fokus liegt klar auf Jay's subjektiven Erinnerungen statt der objektiven Wahrheit, da sie ihren Bruder wie ihre Familie nur von einer Seite sehen kann, ihre privaten Ansichten und Erinnerungen stehen in Kontrast zu den öffentlichen Erzählungen über ihren Bruder, der schon früh wusste, dass er Priester werden wollte.

    Erforschte Themen sind: Trauer und Erinnerung, Religion und das Erbe der katholischen Kirche, queere Identität vs. religiöse Tradition, Mythenbildung und Heiligkeit, Schweigen in der Familie und emotionale Unterdrückung

    Die Stärken des Buches liegen für mich in der nuancierten Darstellung von Jays Innenleben. Ihre Gefühle gegenüber ihrem Bruder, ihren Eltern und ihrem Glauben sind widersprüchlich und ungelöst, was sie zu einer äußerst realistischen Figur macht. Anstatt die Kirche als rein bösartig darzustellen, zeigt der Roman Gläubige, die mitfühlend, aber fehlgeleitet sind sowie Institutionen, die Leben auf komplexe Weise prägen. Die Kritikpunkte an der Kirche, die Jay hervorbringt, sind wichtig und richtig, man merkt aber, dass diese Themen nicht einfach zu beantworten sind und Religion in den Menschen tief verwurzelt ist. Die einzigen Schwächen der Geschichte liegen für mich darin, dass einige Charaktere sich manchmal inkonstent verhalten und Nebencharaktere gern etwas mehr Tiefe verdient hätten.

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