Für die Leseratten - Der Bücherthread - Band 3

  • Miriam Toews – All my puny sorrows

    Dies ist die Geschichte von Elfrieda und Yolandi Von Riesen, zwei Schwestern wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: "Elf", glücklich verheiratet, wunderschön, weltweit erfolgreich als Pianistin und "Yoli", zwei Kinder, hält sich mehr schlecht als recht mit dem Verfassen von Kinderbüchern über Wasser und macht gerade eine Scheidung durch. Yoli steht und stand als jüngere Schwester immer im Schatten der besonderen, vielversprechenden, enigmatischen Elf, sie beneidet ihre Schwester, denn sie hat alles, wovon sie immer nur träumen konnte. Doch Elf hat auch schwerste Depressionen und ist stark suizidgefährdet. Nach einem erneuten Suizidversuch reist Yoli zu ihrer Schwester ins Krankenhaus und steht erneut vor der Frage, kann ich meine Schwester noch retten?

    Hier erzählt Yolandi ihre Geschichte als Schwester und Tochter und Mutter, wie sie die schwerste Zeit im Kreise ihrer riesigen, aber weit vertreuten Mennoniten-Familie erlebt. Ihre Stimme ist direkt und intim, oft humorvoll mit roher emotionaler Aufrichtigkeit. Die heutige Zeitlinie ist linear, besteht aber eher aus Szenen, Momentaufnahmen, internen Monologen und wird durch Rückblenden aufgelockert, in denen man mehr über die Kindheit der Schwestern, das Familienleben und das Aufwachsen in der mennonitischen Gemeinde erfährt. Man merkt schnell, wie sehr die Schwestern aneinander hingen, dass sie sich selbst die besten Freundinnen waren aber auch wie sie sich langsam voneinander entfernten und zu eigenständigen Charakteren wurden. Der Ton ändert sich fortwährend, mal schmerzhaft und nachdenklich, dann überraschend geistreich oder ironisch und erzeugt so ein gutes Verständnis davon, wie nah Freud und Leid beisammen liegen. Dieses Buch ist ein zutiefst menschlicher Roman, der Tragik und Humor miteinander verbindet und zeigt, wie eine Familie mit psychischen Krankheiten, Liebe, Verlust und Identität umgeht. Es ist weniger eine konventionelle, von der Handlung getriebene Geschichte als vielmehr eine meditative, charakterzentrierte Reise durch die emotionale Landschaft von Schwesternschaft und Überleben. Bisher scheint es dieses Buch nicht auf deutsch zu geben und wer Englisch gut versteht und auch mit den Themen umgehen kann, dem sei das Hörbuch empfohlen! Yoli's Stimme ist absolut fantastisch, nuanciert emotional, man kann mit ihr lachen und heulen und alles verstehen, was sie durchmacht.

    Erforschte Themen sind Schwesternschaft und Familienverbindungen, Kunst als Ausdrucksform, Herkunft und Identität, Trauer, Verlust und Überleben sowie die Grenzen der Liebe. Vor allem aber, als explizite Trigger-Warnung, geht es um mentale Gesundheit, Depressionen und Suizid, teilweise geht es tief(er) in die Materie des assistierten Suizids. Nichts von dem wird reißerisch dargestellt, für die Charaktere ist es gelebter Alltag, mit dem sich alle auf die eine oder andere Art auseinandersetzen.

  • Hernan Diaz - "In the Distance"


    Ich habe Diaz' Pulitzer-gewinnendes Werk "Trust" ganz grandios gefunden, deshalb las ich nun, etwas über ein Jahr später, neugierig seinen Erstling "In the Distance". Viel gemein haben diese beiden Romane nicht, weder stilistisch noch inhaltlich.

    Schreiben kann Diaz zweifelsfrei genial - bei "In The Distance" war es nur leider so, dass mich die Handlung nicht immer ganz abholte.

    Interessant ist die Prämisse allerdings allemal: Die Brüder Linus und Hakan werden irgendwann gegen Mitte des 19. Jahrhunderts von ihrem Vater, einem wohl eher armen schwedischen Landwirt, mit dem Schiff nach Amerika geschickt, um sich dort eine bessere Zukunft aufzubauen. Doch während der Überfahrt werden Linus und Hakan voneinander getrennt. Hakan, der jüngere Bruder, landet nicht wie geplant in New York, sondern an der Westküste der USA. Vollkommen auf sich gestellt, der fremden Sprache nicht mächtig, beschließt Hakan, alleine, zu Fuß, den gesamten Kontinent zu queren, um seinen Bruder in New York ausfindig zu machen.

    Immer wieder begegnet Hakan anderen Menschen - mal sind sie freundlich und uneigennützig, wie ein Wissenschaftler, der in der Wüstenlandschaft nach dem Ursprung aller Lebensformen sucht, mal verfolgen sie eigene Ziele und benutzen Hakan als Mittel zum Zweck, wie ein Siedler, der sich als vermögender Landbesitzer ausgibt und somit eine ganze, große Gruppe in Gefahr bringt.

    Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände wird Hakan schließlich zum gesuchten Mann, der als gewissenloser Mörder gilt - und aus seiner einst so zielstrebigen Reise gen Osten wird zunehmend ein ganzes Leben, verbracht großteils alleine, in karger Wüsten- und Prärielandschaft.


    Vielleicht war vor allem die erste Hälfte von "In The Distance" für mich so schwer zu lesen, weil es Diaz so meisterhaft gelingt, die Atmosphäre einzufangen und für den Leser die Trostlosigkeit, die ewige Gleichheit der Wüste, die meist völlige Isolation Hakans greifbar zu machen. Diese Monotonie ist anstrengend. Doch man hält durch, gut geschrieben ist diese Lektüre schließlich, und leidet mit Hakan, wenn er Verluste erlebt (den seines geliebten Pferdes, das ihm übergeben wird, etwa), hofft und bangt mit diesem jungen Protagonisten, der so mutterseelenallein ist - und staunt über eine Existenz so völlig abseits des eigenen Lebens, ja der eigenen Vorstellungskraft.

    "In the Distance" kann wohl in erster Linie als Allegorie gelesen und verstanden werden, wobei ich mich hier mit Interpretationen zurückhalten möchte, um nicht allzu sehr auszuufern. Kurz zusammengefasst kommt hier auf seine Kosten, wer sich u.a. für die Entstehung US-amerikanische Mythen, Zivilisation vs. Wildnis und Natur, die menschliche Suche nach Sinn sowie Einsamkeit und Fremdheit interessiert.

  • Children of Fallen Gods ♥♥♥

    Das war mal endlich wieder Fantasy! Ich liebe den Teil mit Aefe ... ach, das war emotional und hat wehgetan.

    Ja oder? Ich habe damit auch irgendwie so gar nicht gerechnet. Stecke immer noch beim dritten Buch fest, weil mir gerade irgendwie die Zeit fürs Lesen fehlt/ ich andere Prioritäten hab. Ich fand das mit Caduan auch so schade und irgendwie blöd. Gibt nur noch so wenige aus seinem (ich nenns jetzt Mal) Königreich und dann passiert ihm sowas. Unwürdig.

    Und Nura spinnt ja wohl total,oder? Aber ist auch irgendwie Opfer des Systems.

  • Ich warte bis der dritte Band auf deutsch da ist! Aber freue mich total drauf!

    Alles was ich im ersten Teil etwas doof fand, hat sich im zweiten Teil aufgeklärt ... generell war der 2. Teil durch Aefes Geschichte nochmal sooo viel stärker!

    Wie sie Nuras Geschichte weiterspinnt ist auch ... interessant. Hätte man natürlich drauf kommen können, aber scheint ja dann in Teil 3 wirklich ein Show Down zu werden xD Mochte sie eigentlich ... haha.

  • Ich warte bis der dritte Band auf deutsch da ist! Aber freue mich total drauf!

    Alles was ich im ersten Teil etwas doof fand, hat sich im zweiten Teil aufgeklärt ... generell war der 2. Teil durch Aefes Geschichte nochmal sooo viel stärker!

    Wie sie Nuras Geschichte weiterspinnt ist auch ... interessant. Hätte man natürlich drauf kommen können, aber scheint ja dann in Teil 3 wirklich ein Show Down zu werden xD Mochte sie eigentlich ... haha.

    Es gibt von Band 2 zu Band 3 nen Zeitsprung von 11 Monaten in der Geschichte und was da "zwischen" den Büchern passiert ist echt übel. (Oder der Zeitsprung ist in Band 3. Ich weiß es nicht mehr genau). Ist natürlich gut um den Leser mit neuen Sachen zu überraschen und es dann im Laufe der Zeit aufzuarbeiten wie wir an den Punkt gekommen sind. Die Dynamik verschiebt sich auch. Helden die plötzlich keine mehr sind, weil sie es nicht mehr sein können oder weil sie so porträtiert werden. Es bleibt spannend.

  • Outlander … Feuer und Stein von Diana Gabaldon.

    Ich habe die Serie gesehen, ich habe die komplette Hörbuchreihe gehört und als wäre das nicht schon genug gewesen, konnte ich trotzdem nicht widerstehen und habe nun auch noch mit den Büchern angefangen. Das allein sagt vermutlich schon alles darüber, wie sehr ich diese Reihe liebe.

    Und das ist wirklich bemerkenswert, weil ich normalerweise keine romantischen Bücher lese... Dieses Geschnulze ist nicht meins. Aber hier funktioniert es für mich, weil es eben nicht nur um Gefühle geht, sondern um eine ganze Welt, die sich lebendig, rau und glaubwürdig anfühlt. Und natürlich wegen des rothaarigen Schotten, gar keine Frage.

    Ganz grob geht es um Claire, die durch einen Steinkreis im schottischen Hochland ins 18. Jahrhundert gerät und sich plötzlich mitten in Clanstrukturen, politischen Spannungen und einer Zeit wiederfindet, die alles andere als bequem ist. Und natürlich begegnet sie dort Jamie Fraser. Ich werde regelmäßig vollkommen mit hineingezogen, leide mit den Figuren, lache mit ihnen und schmachte... Hach, ich schmachte. Ich gehöre definitiv zu den Frauen, die Claire um ihren zweiten Ehemann beneiden. Eindeutig Team Fraser. Und auf gar keinen Fall Team Randall.

    Und ganz ehrlich... Ich bin nur einen Lottogewinn davon entfernt, für alles hinzuschmeißen und mir ein Cottage in den Highlands zu suchen.

    Ich lese die neue Übersetzung von Barbara Schnell und das hat sich definitiv gelohnt. Die Sprache trägt die Atmosphäre und hat genau diese Stellen, die dem Ganzen seinen besonderen Zauber geben: „Dennoch, der Wind fuhr klappernd durch die abgestorbenen Brombeeren wie der vorüberhuschende Geist eines Hirsches, der immer noch in Panik vor dem Jäger flieht.“ Liebe ich!!!!

    Meine Ausgabe hat etwas über 1100 Seiten, also genau diese Art von dicken Schmökern, die ich bevorzuge.

    Und ich weiß jetzt schon, dass ich die ganze Reihe durchsuchten werde.

  • Ich lese ja sehr gerne T.C. Boyle. Aber sein letzter Roman "No way home" ist so enttäuschend, so schlecht (und das sage ich wirklich selten über ein Buch), das ich mir fast wünschte, ich hätt's nicht gelesen. Schade...

    Ein Autor, der mich gerade sehr fasziniert, ist Szczepan Twardoch. Ich habe seinen Roman "Demut" gelesen und bin fasziniert von seiner Erzählkunst. Thematisch geht's da viel um Krieg, politische Verwerfungen, um Identitätssuche und auch um große Gefühle, aber völlig ohne Pathos und Klischees. Da bleibe ich dran. Habe noch "Morphin" und "Kälte" daliegen. Und dann gibt's ja noch seinen neuen Roman, der in der aktuellen Ukraine spielt, aber dafür war ich noch nicht bereit...

    Jetzt hab ich aber erstmal mit "See der Schöpfung" von Rachel Kushner angefangen. Bin gespannt.

  • Ich muss auch mal wieder updaten!

    Red Rising: Asche zu Asche - Pierce Brown

    "For those who dine with war and empire, the bill always comes at the end."

    Vor einem Jahrzehnt war Darrow der Held einer Revolution, von der er glaubte, sie würde die Gesellschaft verändern. Statt Frieden und Freiheit hat sie nur endlosen Krieg gebracht. Jetzt muss er alles, wofür er gekämpft hat, in einer einzigen letzten Mission riskieren. Darrow glaubt nach wie vor, er könne jeden retten. Aber kann er sich auch selbst retten? (Ich bleibe hier wage, wegen der vielen Spoiler).

    Mmh. Boah, schwierig. Ist für mich der bisher schwächste Roman der Red Rising Serie, aber das mag vielleicht auch daran liegen, dass ich quasi live dabei bin, wie geliebte Charakter zerbrechen oder sich verändern, sodass man sie kaum wieder erkennt - völlig logisch in dem gesamten Setting, trotzdem etwas beunruhigend. Es kommen zum ersten Mal zwei andere Erzählperspektiven zu Darrow hinzu und besonders die von Lyria, einer jungen Roten, gefällt mir sehr und hat, wie ich finde, extremes Potential. Generell findet in dem Buch sehr viel in den Charakteren statt, die Handlung kommt eigentlich gar nicht so stark voran, sodass es manchmal etwas trocken wirkt. Ansonsten aber natürlich wie immer die gleiche Sogwirkung wie bei allen Romanen von Brown bisher. Die Charaktere sind mir wirklich ans Herz gewachsen. Ich will, dass es gut für sie endet, aber ich weiß, es wird vermutlich nicht gut enden. Ich blicke etwas zwiegespalten auf den fünften Roman.

    7/10

    Daughter of No Worlds - Carissa Broadbent (geinfluenced von Tina und Bonadea!)

    “Did you know that when caterpillars make a cocoon, their bodies totally dissolve? They become nothing, before they become something else.”

    Im Mittelpunkt steht Tisaanah, eine junge und magiebegabte Frau, deren Volk zu Sklaven gemacht wurde, so wie sie selbst und die nur ein Ziel kennt: Freiheit. Um sich diese zu erkämpfen, sucht sie Zugang zu einer mächtigen magischen Organisation, die über enorme politische und militärische Macht verfügt. Doch Magie ist nicht nur eine Frage von Talent – sie erfordert harte Ausbildung, Disziplin und oft schmerzhafte Opfer. Und sie muss sich zunächst beweisen, bevor die die Hilfe erhält, die sie braucht, um ihren Freunden und all den anderen Sklaven ebenfalls zur Freiheit verhelfen zu können. Tisaanah wird einem verschlossenen, desillusionierten Magier Maxantarius als Mentor zugeteilt. Zwischen den beiden entsteht eine Verbindung, während im Hintergrund politische Spannungen und drohende Konflikte das Reich erschüttern. Und dann ist da auch noch ein dunkles Geheimnis, das Max mit sich herumträgt, und mit dem schließlich auch Tisaanah in Verbindung kommt.

    Ich muss sagen... ich habe nicht viel erwarten und bin deshalb wirklich umso begeisterte. Ich dachte ehrlich gesagt, die Geschichte wird so abgedroschen wie sie am Anfang klingt, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Eine interessante Welt, wunderbar schöne und komplexe Charaktere und ein weiblicher Hauptcharakter, der in sich stimmig, glaubhaft und authentisch ist. Auch Max finde ich ganz wunderbar, nicht dieses (tut mir Leid) schreckliche Shadow-Daddy Image, sehr sympathisch. Beide Charaktere fand ich emotional sehr nahbar. Der Schreibstil ist schön, etwas blumig aber nicht kitschig, das Pacing hat wunderbar gepasst. Alles in allem wirklich meine absolute Überraschung. Intelligente, tiefgründige Fantasy-Geschichte, starke Heldin, glaubwürdige Charaktere und ernsthafte Themen.

    9/10

    Kurz danach habe ich in wilder Hoffnung "Quicksilver" angefangen........ und bisher nicht weiter gelesen. Ahhhh. Den Anfang fand ich wirklich gut, ich mochte das brutale Setting, aber jetzt hat sie diesen Typen getroffen und er knurrt, brummt, fletscht die Zähne... ich kann das nicht. Ich habe stattdessen "Das Flüstern der Bienen" begonnen und find das eine ganz wunderbare Geschichte.

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