Der "gefährliche" Hund Teil 3

  • Du wohnst ja in Bayern. Da ist die Rechtslage bereits so, dass auch ein völlig unauffälliger American Bully jederzeit beschlagnahmt und eingezogen werden kann und die Vermittlung innerhalb Bayerns nicht mehr möglich ist.

    Es ist ein Unterschied, ob ein Hund eingezogen wird, der entgegen aktuell bestehender Gesetze trotzdem angeschafft wird - und dann eben eingezogen wird, oder ob Hunderassen bis zu einem Zeitpunkt erlaubt waren und dann plötzlich nicht mehr und DANN eingezogen werden, so wie es damals eben der Fall war. Und genau das finde ich entsetzlich.

    Im ersten Fall sind es die Besitzer selbst, die bewußt das Leid für ihren Hund in Kauf nehmen, weil sie sich bewußt für eine Rasse/Mix entscheiden, für die sie keine Halteerlaubnis bekommen werden. Und das, Phonhaus , ist ein gewaltiger Unterschied.

    Natürlich kann man wieder über die Listen diskutieren und ob es prinzipiell fair ist, daß nicht jeder seine Traumrasse halten kann, egal wie unfähig und egal, welches Potential der Hund mitbringt, und man bei manchen Rassen eben Auflagen hat oder es unmöglich ist, sie zu halten, aber wer sich in Bayern einen Amstaff besorgt, legal kann das gar nicht passieren, der ist selbst schuld, wenn der Hund beschlagnahmt wird.

    Ich vermute, wir reden hier aneinander vorbei oder missverstehen uns :???: Und nur sicherheitshalber: Ich bin auch kein Befürworter von massenhaften Beschlagnahmungen oder gar Tötungen.

    Der American Bully ist keine in Deutschland anerkannte Rasse. Er wird zwar schon seit einigen Jahren hier gezüchtet, aber ist nicht von der FCI anerkannt. Damit ist er nach rechtlicher Auslegung ein Mischling. Und anhand der mutmaßlich beteiligten Ausgangsrassen ein Mischling aus Rassen mit Haltungsverbot in Bayern. Damit gilt genau das auch für ihn, abhängig davon, wie das zuständige Amt begutachtet und dann auch anhand des Phänotyps entscheidet.

    Nichtsdestotrotz wurde der Bully in seinem verschiedenen Varianten bei „Einführung“ in den deutschen Markt und noch lange darüber hinaus u. A. damit beworben, dass er nicht auf irgendwelchen Rasselisten steht. Was wörtlich genommen auch stimmt, aber unterschlägt, dass er als Mischling sanktionierter Rassen gewertet werden kann und damit genau unter die gleichen Restriktionen fällt wie die sanktionierte Ausgangsrasse. Und das hat schon in einigen Fällen dann auch zu schmerzlichem Erwachen bei Besitzern geführt, weil das jeweilige Ordnungsamt auf sie zugekommen ist. Gab auch einige Gerichtsverfahren dazu, da war die Argumentation seitens der Behörden tatsächlich auch dahingehend, dass da gemäß Phänotyp gelistete Rassen beteiligt waren.

    Mit dem Ergebnis durften sich dann Tierheime herumschlagen, weshalb die „Züchter“ dieser Rasse und ihre Vermarktung da durchaus nicht beliebt sind. Mal ganz davon abgesehen, was da teilweise an einfach nur bedauernswerten Pelzwaranen zusammen“gezüchtet“ wurde.

    Wer aktuell also in Bayern einen American Bully hält im Glauben, dass er da eine „erlaubte Rasse“ hat - steht ja nicht auf der Liste - hat trotzdem das Risiko, dass ihm der Hund entzogen wird wegen vermutlich beteiligter Ausgangsrassen oder Phänotyp. Und das Risiko steigt natürlich, wenn diese „Rasse“ durch Vorfälle in öffentliche Diskussion gerät. Das meinte ich mit meinem Beitrag von gestern.

    Wollte man ihn jetzt „sauber“ sanktionieren, müsste er quasi erstmal als Rasse anerkannt werden, und dann entsprechend gelistet werden. Passiert das nicht, dann können eben trotzdem die jeweiligen Länderregelungen für die Herkunftsrassen gelten. Und wie strikt die angewendet werden, kann durchaus von öffentlicher Meinung abhängen.

  • Wer aktuell also in Bayern einen American Bully hält im Glauben, dass er da eine „erlaubte Rasse“ hat - steht ja nicht auf der Liste - hat trotzdem das Risiko, dass ihm der Hund entzogen wird wegen vermutlich beteiligter Ausgangsrassen oder Phänotyp.

    Auch das kann man in Erfahrung bringen, BEVOR man sich eine Rasse/Mix anschafft. Denn vor der Anschaffung eines Hundes sollte man sich informieren und dann weiß man, daß in Bayern bei Mixen nach Phänotyp entschieden wird. Wer sich nicht informiert - ist selbst schuld.

  • Limetti
    Da bin ich ganz mit Dir einer Meinung und ich verstehe auch nicht, wie man sich für teilweise Unsummen einen Hund zulegt, dessen Körperbau nach künftigen Schmerzen schreit. Mir ging es nur um das, wasDu geschrieben hast - dass das für Bully Halter in Bayern eben schon die Situation ist. Mir war nicht klar, dass Dein Beitrag sich scheinbar gar nicht konkret auf den Bully bezogen hat.

    Edit: Freesendeern

    Genau das ist einer der Punkte, die mir so sauer aufstoßen. Als das Thema vor einigen Jahren in Tierschutzrunden diskutiert wurde, gab es sogar eine Zucht mit großer Homepage in Bayern.

    Ja, ich finde es einfach in keinster Weise unterstützenswert, daß der Staat plötzlich entscheiden kann, diese Mischung/Rasse ist zu gefährlich, wir ziehen nun alle ein, verwahren sie oder bringen sie um.

  • Phonhaus Ich glaube das bezog sich auf die Diskussion bezüglich „Verbot der Rasse ohne Bestandsschutz und das deutschlandweit“ - und ja, da wäre es dann so: gestern noch erlaubt und im Vertrauen darauf angeschafft, heute dann ad hoc verboten.


    Dass das auch unermessliches Leid bei unbescholtenen Haltern und ihren Hunden generieren würde, ist wohl unbestritten.


  • (To be fair. Ich finde solche Hunde recht hübsch. Hätte ich mich nicht genug informiert wäre ich bei so einer Rasse oder Rotti oder so gelandet. )

    Bei meinem Freund war Rottweiler tatsächlich ne Überlegung, er hatte vor ein paar Jahren noch nen Rotti-Mix, deshalb mag er die uA ganz gern. Sind dann aber schnell von abgekommen weil 1. zu schwer für den 1. Stock und 2. Die sich mittlerweile eben so ungut entwickeln ( sowohl vom Wesen her als auch weil je nach Linie immer breiter, schwerer, kurznasiger ).

    Ich selbst mag ja bspw Bullterrier total gerne, wird bei mir aber nie einziehen weil 1. der gesundheitliche Aspekt und 2. Ich mich mit dem drumherum was Listenhunde so an sich haben einfach nicht rum ärgern will.


  • Dass das auch unermessliches Leid bei unbescholtenen Haltern und ihren Hunden generieren würde, ist wohl unbestritten.

    Ja, genau das ist bei Einführung der Rasselisten ja passiert. Fiel damals in der Öffentlichkeit auf fruchtbaren Boden, weil man damit seinerzeit nicht nur Hundehaltung, sondern quasi auch ein „Milieu“ regulieren wollte, dem diese Hunde zugeordnet wurden. Die Durchführung war dann teils wirklich heftig. Insbesondere der Hamburger Tierschutzverein unter dem damaligen Vorsitzendem Poggendorf ist (nicht nur deshalb) heftig in die Kritik geraten, das war schon fast eine Dramaserie für sich. Sowas will und wünscht sich wirklich keine Hundefreund*in, die das damals etwas näher mitbekommen hatte, jemals wieder.

    Aber genau dieses Leid der unerwarteten Beschlagnahmung könnte halt schon Stand jetzt Bullyhalter in Bremen und praktisch betrachtet auch in Bayern treffen, wo der Pit Bull einem Haltungsverbot unterliegt. Und abhängig vom Bundesland eben auch die Halter, die etwaige Auflagen nicht erfüllen können.

    Abgesehen davon muss man sich halt auch fragen, warum diese Vorfahren hier gezüchteter Bullys bzw. „Zuchtauffrischungen“ trotz Importverbot von Pitbull/Amstaff-Mischungen nach Deutschland hierher gelangt sind. Wobei ich nicht glaube, dass auf dieser Basis etwas gegen die Nachkommen geltend gemacht werden kann.

  • Aber genau dieses Leid der unerwarteten Beschlagnahmung könnte halt schon Stand jetzt Bullyhalter in Bremen und praktisch betrachtet auch in Bayern treffen,

    in Bayern dürfte es den Halter eines xl-Bullys aber nicht überraschen, es ist also nicht: Heute erlaubt, morgen plötzlich verboten. Der XL Bully ist in Bayern nicht erlaubt.

    § 1 - Bürgerservice

    (1) Bei den folgenden Rassen und Gruppen von Hunden sowie deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden wird die Eigenschaft als Kampfhunde stets vermutet:

    Pit–Bull

    Bandog

    American Staffordshire Terrier

    Staffordshire Bullterrier

    Tosa–Inu.

  • Abgesehen davon muss man sich halt auch fragen, warum diese Vorfahren hier gezüchteter Bullys bzw. „Zuchtauffrischungen“ trotz Importverbot von Pitbull/Amstaff-Mischungen nach Deutschland hierher gelangt sind.

    Über offene innereuropäische Grenzen. Von England auf den Kontinent ware gar kein Problem, und danach wird/wurde nicht kontrolliert.

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