Hund aus dem Tierschutz adoptieren

  • Das kennt hier wohl jeder, aber dummerweise ist das Herz da ein ziemlich schlechter Ratgeber. Ein Hund, der nüchtern betrachtet absolut nicht ins Leben passt, macht nur sehr selten glücklich. Und wird es selbst auch nicht.

  • Kennt ihr das? Das Herz sagt ja aber der Kopf sagt nein.. und dieser Gedanke was wäre wenn und warum man dem ganzen nicht vielleicht doch eine Chance gegeben hat.

    nein, ich gebe zu, bei der Auswahl meiner Hunde sind Herz und Kopf immer gleichberechtigt und einer Meinung. Vielleicht, weil ich weiß, für mich, daß ich einem TschHund ganz viel zurückgeben möchte vom Leben und das kann ich nur, wenn er in mein Leben passt.

    Ich möchte nicht, daß ein Hund, der durchaus evtl schon ein Trauma hat oder einen unendlich schlechten Start ins Leben bei mir Kompromisse machen muß, nur weil ich mich 'verliebt' habe und meine, einen Hund schon zurechtbiegen zu können.

    Ich möchte meine Hunde 'lachen' sehen, innerlich wachsen, ihre Vergangeheit ablegen, daß sie ihre eigene Mitte finden, und das können sie nur, wenn sie wirklich ankommen dürfen, so wie sie sind.

  • Kennt ihr das? Das Herz sagt ja aber der Kopf sagt nein..

    Ja, und wenn sich die beiden nicht einig sind (egal wer ja und wer nein sagt), dann ist es keine gute Idee den Hund zu nehmen, sagt meine Erfahrung.

  • Ohne euch jetzt zu kennen, würde ich fast glauben ,dass das Herz deiner Frau schon entschieden hat, wenn sie Angst davor hat, mit dem Hund alleine rauszugehen.


    Das wäre genau die Art von Bauchgefühl, auf die ich unbedingt hören würde, denn sie liegt auch rational richtig: Das, was der Hund da jetzt zeigt, ist höchstwahrscheinlich erst die Spitze des Eisbergs. Sobald er sicher weiß, dass Revier und Bezugspersonen (zu) ihm gehören, wird er da nochmal kräftig drauflegen.

  • Ich habe zwar noch nicht viel Hundeerfahrung, habe aber lange ähnlich gedacht wie ihr. Unsere Katzen waren immer aus dem Tierschutz, teilweise auch Auslandstierschutz, und gerade unser Kater, der vor 2 Jahren mit 21 Jahren gestorben ist, war einfach der beste Kater auf der Welt. Deshalb dachten wir zu Beginn unserer Hundesuche auch, dass es natürlich ein Hund aus dem Tierschutz wird, warum sollten wir es uns mit einem Rassehund so einfach machen, wenn so viele Hunde kein Zuhause finden usw.

    Wir hatten auch schon eine Hündin aus Rumänien kennengelernt und waren kurz davor, sie zu nehmen. Gott sei Dank haben wir uns dagelegen entschieden, denn sie war letztendlich auch sehr krank, was aber erst sehr spät festgestellt wurde (obwohl es genug Anzeichen dafür gab…).

    Letztendlich haben wir eine Labradorhündin (damals etwas über ein Jahr alt) aus einer VDH-Zucht übernommen und wir sind total froh, dass wir uns so entschieden haben.

    Natürlich sind nicht alle Rassehunde aus guter Zucht total easy und wir kamen am Anfang echt oft an unsere Grenzen (unsere Hündin pöbelt gern an der Leine), da war es aber so hilfreich, mit der Züchterin eine tolle Ansprechpartnerin zu haben, die den Hund und die Rasse gut kennt und vor allem auch die Zeit hat, sich mit uns länger über alles zu unterhalten.


    Damit möchte ich nicht sagen, dass ich Tierschutzhunde ablehne oder alles schlecht finde, aber ich finde es wirklich nicht verwerflich, als Anfänger eben keinen Tierschutzhund zu nehmen. Und gerade weil ihr Katzen habt, ist es bestimmt hilfreich, auch in ihrem Sinne nach einem wirklich passenden Gefährten zu suchen.


    Ich wünsche dir alles Gute für deine OP und euch beiden viel Erfolg für die Hundesuche! 🍀

  • Wenn ihr euer herrz so schnell verliert, dann wird das aber beim nächsten Hund auch ganz schnell gehen.

    Ja, das Herz muss auch ja sagen, aber ein Tier schafft man mit Vernunft an, denn es ist auch das Tier, das unter Fehlentscheidungen leidet.


    Und das Herz deiner Frau scheint ja nicht ganz so überzeugt wie deines. Soll es dein Hund werden, oder euer gemeinsamer?


    Wir warten erstmal ab, aber gehen vielleicht noch ein paar mal mit Ihm Gassi... oder sollten wir lieber sofort abstand nehmen?

    Ich finds nicht wirklich fair dem Hund gegenüber. Und macht es euch nur noch schwerer.


    WENN ihr diesen Hund wollt, dann ohne WENN und ABER.


    Das heisst:


    Urlaub umbuchen oder absagen, oder den Hund erst später holen. einen Hund in betreuung geben ist oft nicht so ganz einfach, und einen Hund den mal gerade erst geholt hat, direkt weggeben - nein, geht nicht, finde ich dem Hund gegenüber ganz unfair. Ist für den ja noch ein Besizerwechsel, bzw. 2.


    Hund erst nach der OP holen


    so planen, dass DU alle Gassigänge mit dem Hund machst. Denn wenn deine Frau jetzt schon Angst hat (verständlich), dann könnt ihr nicht damit planen, dass das schon geht. Kann, aber muss nicht. Wenn du nicht 100% die Gassigänge übernehmen kannst, lasst es.


    Die Wohnung zumindest am Anfang absolut sichern für die Katzen. Ihr müsst gewährleisten können, dass der Hund nicht an die Katzen kommt. Solange, bis ihr sicher wisst, dass es geht. ob es geht.


    Informiert euch genauer über den ominösen Wurm. Fragt genau nach, was gesundheitlich abgeklärt ist und was nicht.

  • Kämpft aktuell gegen einen Wurm, die Behandlung muss wohl für 6 Monate andauern, mittels Spot On.

    Das dürften Herzwürmer sein. Muß nicht, kann aber fies sein.

    auf der anderen Seite tut er uns halt auch einfach Leid in dem lauten Tierheim wo er schon in einen anderen Zwinger gebracht wurde weil Ihm sein Nachbar zu laut war.

    Vergiss Mitleid, offenbar kümmern sie sich gut um ihre Schützlinge in dem TH, wenn er wegen einem lauten Nachbarn umziehen darf.

    Meine Frau hat ein wenig bedenken vor der Woche in der Sie alleine mit Ihm spazieren gehen muss.

    Das wäre für mich der Punkt nach einem anderen Hund zu schauen.


    Ich habe schon viel Zeit in Hundepension und Tierheim verbracht/gearbeitet. Es gibt da immer wieder Hunde die ich sehr liebe, mit denen ich Gassi gehe und arbeite, die mir aber in meinem Alltag zu riskant/anstrengend wären.

    Der letzte Satz klingt für mich so, als wäre die Kombi zwischen deiner Frau und diesem Hund so eine.


    Ich bin der Meinung, daß man im Tierschutz tolle erwachsene Hunde finden kann, die bereits in sich ruhen und einen gefestigten Charakter haben, was durchaus ein Vorteil sein kann. Euer Kandidat ist sicher ein wunderbarer Hund, nur vielleicht nicht unbedingt anfängertauglich. Spätestens bei "mag Kinder nicht so" wäre ich verdammt vorsichtig, die trifft man nämlich gern mal, wenn man mit Hund unterwegs ist.

  • Wenn ich in eurer Situation wäre, würde ich Folgendes tun:


    Die Übernahme vor dem Urlaub käme für mich nicht infrage, auch wenn mir das unendlich schwerfallen würde, weil ich mich ja in den Hund schon verliebt habe. :smiling_face_with_heart_eyes: Diesen Impuls von euch kann ich so, so gut verstehen! Aber sieh es mal so: Für einen unsicheren und sensiblen Hund ist der Tod des Besitzers und das abrupte Umziehen in ein Tierheim sehr belastend. Wenn ihr ihn aus dem Tierheim holt, seid ihr anschließend seine neuen Bezugspersonen, an die er sich bindet. Und dann seid ihr plötzlich zwei Wochen nicht da und er ist wieder bei anderen Menschen. Er weiß ja nicht, dass ihr zurückkommt. Dieser viermalige Wechsel seines Umfelds ist für jeden Hund schwierig, für einen sensiblen Hund aber noch viel belastender. Das würde ich ihm nicht antun, so schwer mir das auch fällt.


    Die Befürchtung, dass er in der Zwischenzeit von jemandem anderen adoptiert wird, hätte ich auch. Aber du kannst es auch so sehen: Wenn dieser Hund zu euch gehört, wird er bei euch einziehen. Versuche zu vertrauen, dass das, was geschieht, das Richtige ist.


    Für diesen Hund gibt es mehrere Menschen, die gut zu ihm passen würden. Und das ist es doch, worum es geht. Für den Hund ist es wichtig, dass er zu Menschen zieht, bei denen er ein glückliches Leben führen kann. Sollte es tatsächlich so kommen, dass er von liebevollen anderen Menschen adoptiert wird, ist es ok, dass ihr traurig seid, aber ihr dürft euch auch für ihn freuen.


    Die Zeit bis zum Urlaub würde ich intensiv dafür nutzen, um mir klar zu werden, ob der Hund und ich gut zueinander passen:


    Dieser Hund bräuchte eigentlich eine Person, die genau weiß, wie sie in den für ihn verunsichernden Situationen mit ihm umgehen sollte. Das Wissen/Diese Erfahrung habt ihr als Hundestarter nicht. Also könnt ihr auch gar nicht einschätzen, was damit auf euch zukommen würde. Daher würde ich an eurer Stelle einen Hundetrainer*in kontaktieren, die sanft arbeitet, aber auch sehr erfahren ist im Umgang mit unsicheren Hunden. Fahrt gemeinsam ins Tierheim und lasst euch zeigen, wie ihr richtig mit dem Hund umgeht, geht gemeinsam spazieren und übt unter fachkundiger Anleitung das Handling mit dem Hund. Dabei macht ihr Erfahrungen und die hilft euch, besser einschätzen zu können, ob ihr das, was dieser Hund braucht, auf Dauer leisten könnt und auch wollt.


    Wichtig ist es ja auch, dass ihr euch in der Zwischenzeit folgende Fragen beantwortet:


    • Möchtet ihr bewusst einen Hund, der Wach- oder Schutztrieb hat?
    • Sind bei euch definitiv (für immer) keine Kinder geplant?
    • Habt ihr im direkten täglichen Umfeld kaum Kinderkontakt/-begegnungen?
    • Wäre es für euch in Ordnung, wenn ihr dauerhaft nicht ohne schwieriges Handling Ausflüge, Restaurantbesuche, Besuche von oder bei Familie/Freunden (ggf. mit Kindern?) usw. meistern könntet? Das kann auch bedeuten, dass ihr an manchen Dingen nicht teilnehmen könnt (so lange der Hund lebt).
    • Wäre es für euch in Ordnung, dass ihr eure Urlaube ein Hundeleben lang ebenfalls durch schwieriges Handling durch den Hund managen müsstet. Würdet ihr das trotzdem auf Dauer bejahen?

    Das sind so Fragen, die mir sofort einfallen. Geht gedanklich alle Aspekte eures Lebens durch (und auch das, was ihr für die Zukunft plant) und stellt euch dabei einen Hund vor, der bei jeder Begegnung mit Kindern, Erwachsenen und anderen Hunden schwierig ist.


    Es kann sein, dass ihr das durch Training tatsächlich hinbekommt. Aber entscheidend ist, dass ihr an diesen Hund nicht die Voraussetzung knüpft, dass er das irgendwann können muss. Dann seid ihr die Falschen für ihn.


    Durch das, was du schreibst, wirkt ihr sehr warmherzig und liebevoll. Das ist ein Geschenk für einen sensiblen Hund. Was ihr aber zusätzlich unbedingt braucht, ist fachkundiges Wissen und jemanden an eurer Seite, der euch zeigt, wie ihr sanft und souverän in jeder Situation eurem Hund zeigen könnt: „Das hier brauchst du nicht zu regeln, das regle ich zuverlässig, keine Sorge.“ Nur dann seid ihr „die Richtigen“ für diesen Hund.


    Um all diese Fragen beantworten zu können, braucht ihr Zeit für Training mit einem kompetenten Trainer*in und um euer Leben in Ruhe durch die Brille „Wie wäre diese Situation mit einem schwierigen Handling für uns?“ in den unterschiedlichsten Situationen (auch in eurem Urlaub) zu betrachten. Egal, wie eure Entscheidung ausfällt, diese Erfahrungen werden euch auf jeden Fall weiterbringen.


    Der Hund kann die Entscheidung nicht treffen, sondern Menschen entscheiden für ihn, wo er leben wird. Also kommt euch eine besondere Verantwortung zu. Ich kenne diesen Widerstreit zwischen Herz und Verstand, den du beschreibst, wie meine Westentasche. Aber berücksichtigt, dass es sich um ein Lebewesen handelt, das darauf angewiesen ist, dass die richtigen Menschen ihn adoptieren. Nur dann hat er die Möglichkeit, ein glückliches Hundeleben zu führen. Vielleicht hilft euch dieser Gedanke ein bisschen aus eurem Herz/Verstand-Wirrwar.


    Ich drücke euch fest die Daumen für einen guten Weg zu eurem ersten Hund. :sparkling_heart:

  • Ich danke euch allen auf jeden Fall nochmal für eure Unterstützung und bin jeden dankbar!


    Wir haben uns das gestern natürlich nochmal durch den Kopf gehen lassen, der Hund soll natürlich nicht nur für mich sein. Meine Frau möchte aber gerne einen Hund mit dem Sie natürlich auch draußen Spaß haben kann, mit ihm Sport machen kann, entspannt Wandern etc., das waren auch Ihre größten Bedenken von Anfang an dass das wohl vielleicht niemals möglich sein wird.


    Wir werden uns definitiv Zeit bis nach den Urlaub lassen mit einer Entscheidung, wobei unser beider Tendenz eher zur Absage gehen. Ich hab mir ein Buch bestellt und werde das erstmal durcharbeiten, natürlich auch kein Garant, aber schaden kann es ja nicht :)


    Der Ominöse Wurm lässt mich auch nicht locker, ich werde aber auch heute nochmal mit dem Tierheim telefonieren, ich möchte die ja auch nicht im dunkeln lassen und denen sagen wo wir stehen.


    Wie soll man sich in den süßen Kerl nicht verlieben? ;)


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