Hund fixieren / Griffe zum Beruhigen

  • Zum Hundetrainer sag ich mal nichts, das haben andere schon sehr gut übernommen.

    Neben im Vorfeld verhindern, dass der Hund so hochdreht fällt mir noch Tellington Touch ein.

    Bitte da nochmal schauen.

  • Der Geschirrgriff ist doch ein positiver Abbruch? Jedenfalls hab ich ihn als solchen kennengelernt (und für einen Hund, der wie meiner gern Verhaltensketten bildet, als untauglich befunden).


    Das Fixieren zur Beruhigung ist natürlich schon irgendwie eine Management-Maßnahme. Bis man konditionierte Entspannung in wirklich stressigen Situationen wirkungsvoll einsetzen kann, dauert's ein ganzes Weilchen. Mit dem Fixieren kann man dem Hund sofort helfen (und je nach Problem ist das damit schneller erledigt, als mit konditionierter Entspannung - jedenfalls, wenn parallel auch weiter trainiert wird), auch dadurch lernt er, sich selber runterzuregulieren.


    Grundsätzlich sollte man Situationen meiden, die den Hund derart stressen bzw. sich so langsam rantasten, dass er nicht komplett überdreht. Aber wir leben nunmal nicht in einer komplett kontrollierbaren Welt. Nicht jede Umgebung und nicht jeder Alltag geben ein Umfeld her, dass ausreichend reizarm für jeden Hund ist. Dann muss man die Maßnahmen anpassen.


    Ich könnte mir vorstellen, dass es beim Fixieren von vorne darum ging, den Hund vom Reiz wegzuhalten (also, dass er diesen nicht sieht). Aber wie Snaedis schön erklärt, finde ich körpernahes Fixieren in den meisten Fällen logischer.

  • Also ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, Lämmchen in Angstsituation zu "fixieren" - ALLERDINGS: Es ist eher ein Halt geben, ohne zu pushen. Heißt, ich nehme sie auch zwischen meine Beine, aber lege dann meine Hand auf ihren Oberkörper (sie sitzt). Also nicht am Halsband, sondern wirklich auf der Brust. Und wir gucken in dieselbe Richtung, ich habe sie nicht frontal mir gegenüber.

    So mach ich das mit Dino auch. Nicht nur in Situationen, die ihm Angst machen, sondern auch dann, wenn er sich gerne aufregen würde, ich ihm das aber verbiete - weil ich bin ja da, ich regel das für ihn, da muss er sich nicht aufregen.

    Oft knie oder sitze ich dann hinter ihm, er sitzt zwischen meinen Beinen und rein zu Sicherung halte ich ihn am Halsband oder Geschirr fest, die andere Hand streichelt seine Brust bewusst von oben nach unten ab. Das hilft ihm.


    Ist sicher sinnvoll, das auch in aushaltbar aufregenden Situationen zu üben, damit der Hund merkt, dass das nix gefährliches ist, sondern beim Runterfahren helfen soll.

    Wir haben damit angefangen, wenn die Nachbarn im Garten waren und Herr Hund sich deshalb reinsteigern wollte. Hat dazu geführt, dass jetzt ein paar nette Worte reichen und er kann die Nachbarn in ihrem Garten ignorieren. =)

  • Grundsätzlich ist es eine HuSchu die mit keinerlei gewaltsamen Mitteln oder Hilfsmitteln arbeitet. Also die Hunde werden weder getreten, geschlagen oder Alphageworfen, die Philosophie ist klar basierend auf der neuesten Lerntheorie (also kein Alpha-Dominanz-Gedöns).

    Das sagen bzw. schreiben alle! Das was du beschreibst, ginge für mich gar nicht und hätte ich nicht zugelassen. Kein Vorwurf an dich, man lernt manchmal erst mit der Zeit schneller zu reagieren. Manchmal wird man überrumpelt. Ich kann dir nur raten, auf dein Bauchgefühl zu hören!

  • In meiner Hundeschule wurde uns das so beigebracht, dass der Hund seitlich vor dir steht, eine Hand vor der Brust, Daumen im Halsband eingehakt, die andere Hand flach zwischen Flanke und Bauch legen, vielleicht sanften Druck ausüben. Nichts sagen, nur halten, bis der Hund sich beruhigt.

    Habe es noch nie ausprobieren müssen, ob es klappt.

  • Ich finde es schwierig, wenn einem ein Trainer einen Beruhigungsgriff (egal welcher Art) zeigen soll. Einerseits hilft es ja nicht viel, das nur zu beschreiben; andererseits hat der Hund natürlich kein Vertrauensverhältnis mit dem Trainer, und gerade das ist in starken Stressmomenten unerlässlich. Schon von daher ein schwieriges Thema.


    Dann kommt es sicherlich auch sehr darauf an, von welchem Stress bzw. Ausrasten man gerade spricht. Ist der Hund drüber, ist er schon völlig hektisch, ist er kaum noch aufnahmefähig, oder hat er sich so komplett abgeschossen dass er kaum noch was auch nur mitkriegt? Das macht einen wesentlichen Unterschied. Ich spreche da aus Erfahrung, Sandor hat sich in seinen jungen Jahren derartig ausgeklinkt dass er überhaupt nicht mehr denk- und handlungsfähig war, nur noch allerstärkste Reize überhaupt mitbekommen hat, und dabei sowohl motorisch wie auch psychisch nicht mehr zur Selbststeuerung fähig war. Man hat das Weiße in seinen Augen gesehen, nur dass das nicht mehr weiß war, sondern jede einzelne Ader ritzerot sichtbar. Und er hat hysterisch geschrieen, da ist man bald taub geworden, auf sich selbst gestellt locker 15-20 Minuten lang. Bei einem Hund in so einer Verfassung braucht man über Alternativverhalten etc. nicht mehr nachzudenken, da ist reines Management angesagt. Und verhindern konnte man das bei diesem Stresskeks realistischerweise nicht, da konnten nämlich schon Kleinigkeiten ausreichen.


    Und auch, wenn viele das jetzt vielleicht nicht gutheißen: Ein Griff, ganz ähnlich dem hier im Eingangsbeitrag beschriebenen, war letztendlich für uns das richtige Mittel. Allerdings nicht am Halsband, ein Hund, der sich solcherart selbst verliert, gehört m.E. immer in ein breites, gut sitzendes Geschirr. Wenn Sandor derartig ausgetickt ist, dann habe ich mich auch vor ihn gehockt und ihn von beiden Seiten vorne am Geschirr gehalten, also am Übergang zwischen Schulter und Halsbereich. Natürlich ist das frontal, aber nur so konnte ich ihn von der Wahrnehmung ringsum ausreichend abschirmen, mit Blick zum Aufreger (bzw. auch nur in die potentiell jetzt auch aufregende Welt) wäre er niemals ausreichend runtergekommen. Also ruhiger Griff von beiden Seiten, mein Körper als eine Art Schutzschild um ihn rum, gaaanz sachte dabei mit je einem Finger gekrault (während der Rest der Hand gehalten hat), und wie ein Mantra immer wieder ruhig und langsam wiederholt "haaaaaaaallooooo...." Schritt eins war dann immer, dass er plötzlich seine Strin ganz fest gegen meinen Arm, mein Bein oder meinen Bauch gedrückt hat, was halt am besten erreichbar war. Und dann konnte ich irgendwann immer regelrecht spüren, wie mit einem Click sein Gehirn wieder eingerastet ist und er wieder "da" war. Ab diesem Moment hab ich ihn dann nicht mehr aktiv gehalten, sondern nur noch gekrault, bis er wieder so weit bei sich war, dass er sich der Welt wieder stellen konnte.


    Die Feinheiten dabei mussten wir aber auch erst rausfinden. Anfangs hab ich ihn manchmal zu früh wieder losgelassen, dann ging der Stress von vorne los. Ich werde nie die Situation vergessen, als er wegen eines anderen Hundes auf dem Vorplatz des Hundeplatzes so ausgetickt ist, während auf dem Platz ausgerechnet eine Trainerschulung stattfand. Entsprechende Blicke waren uns sicher, ich kann mir gut vorstellen, was die meisten sich gedacht haben. Jedenfalls kam eine Teilnehmerin vom Platz runter, guckte, ich den leider zwar mittlerweile stillen, aber nur halb beruhigten Krümel losgelassen, und es ging wieder los. Also ihn schnell wieder eingesammelt, er sich an mich gedrückt, und die Teilnehmerin meinte komplett fassungslos "der schreit, wenn du ihn LOSLÄSST?!?" :shocked: Ja, genau so war es. Was mir dann erst später aufgefallen ist, als mir eine Profitrainerin als einzige Anregung mit auf den Weg gegeben hat, wir sollten diesen Griff möglichst auch in Ruhe positiv aufladen: Hatte ich unbemerkt eigentlich schon immer gemacht, nur ohne Geschirr. Denn genau so hat Sandor auch daheim gerne geschmust, kam an und hat seinen Oberkopf frontal an meinen Bauch gedrückt, während ich ihn dann seitlich langsam an der gleichen Stelle gekrault habe. Also klares Sicherheitssignal.


    Selbst heute noch, wo er diesen Rettungsgriff schon ewig nicht mehr braucht, sucht er den ansatzweise wenn es irgendwie blöd wird. Wenn es zum Beispiel bei der Osteopathin mal unangenehm wird, halte ich ihn, neben dem Tisch sitzend, vorne ein wenig am Geschirr, mehr pro forma, und er drückt seinen Kopf unter meinen Arm. Wenn der Tag sehr anstrengend und fordernd für ihn war, liegt er abends auf dem Sofa neben mir und steckt seinen Kopf wahlweise unter meinen Arm oder unter seine Wolke. Von sich aus, aktiv - es scheint ihm also gut zu tun. Und wenn er knuddeln möchte, kommt er auch heute noch gerne zu mir, ich hocke mich runter, und er kommt vor mich und drückt den Oberkopf gegen mich.



    Langer Rede kurzer Sinn, ich finde den Grundgedanken nicht annähernd so per se verwerflich wie die meisten hier. Uns hat es sehr geholfen in der schlimmsten Zeit. Natürlich ist das kein Aufbau, um dem Hund beizubringen, mit dem Reiz umzugehen. Das kommt später, in der Form wie hier beschrieben. Aber als Rettungsanker, wenn an ein Lernen eh nicht zu denken ist, ist das nicht zu unterschätzen. Wobei, um auch das klar zu sagen: Damit versteht sich von selbst, dass das nur für einen kleinen Bruchteil von Hunden überhaupt Sinn macht, die meisten sind ja selbst beim Austicken noch durchaus geistig anwesend, nur eben auf einen Auslöser fixiert. Hat man aber so einen, der sich selbst total ausknipst, dann kann das ein gutes Mittel sein, aus diesem Zustand wieder rauszukommen.

  • Danke für Eure Antworten. Es ginge wirklich um eine Managementmassnahme, für die ganz argen Situationen. Gewöhnung an Reize etc. trainieren wir schon lange und auch sorgfältig.

    Ich bin mir manchmal unsicher, ob ich zu wenig klar kommuniziere und ob meine Grenzen für Tara manchmal zu unklar sind. Eben weil ich selten körperlich werde und ob sie eigentlich sowas bräuchte. Frontal war die Idee, um (wie jemand schrieb) den Hund vom Aufregen (hier böllernder anderer Hund) abzuschirmen und bei sich zu behalten. Dass sie aber so gezittert hat dabei und danach weg wollte zeigt mir, dass es für mein Sensibelchen zu krass war und ich werde es so wohl nicht anwenden. Eine seitliche Version davon scheint mir aber sinnvoll

  • Danke für Eure Antworten. Es ginge wirklich um eine Managementmassnahme, für die ganz argen Situationen. Gewöhnung an Reize etc. trainieren wir schon lange und auch sorgfältig.

    Ich bin mir manchmal unsicher, ob ich zu wenig klar kommuniziere und ob meine Grenzen für Tara manchmal zu unklar sind. Eben weil ich selten körperlich werde und ob sie eigentlich sowas bräuchte. Frontal war die Idee, um (wie jemand schrieb) den Hund vom Aufregen (hier böllernder anderer Hund) abzuschirmen und bei sich zu behalten. Dass sie aber so gezittert hat dabei und danach weg wollte zeigt mir, dass es für mein Sensibelchen zu krass war und ich werde es so wohl nicht anwenden. Eine seitliche Version davon scheint mir aber sinnvoll

    Probiere aus. Ich finde, es ist auch bei manchen sensibel Hunden ein großer Unterschied, ob man es selbst macht oder eine nicht so gut bekannte Person.

  • Langer Rede kurzer Sinn, ich finde den Grundgedanken nicht annähernd so per se verwerflich wie die meisten hier. Uns hat es sehr geholfen in der schlimmsten Zeit

    Für mich liest sich Dein beschriebener Grundgedanke allerdings komplett anders als der des Trainers. Aber am Ende kennen wir dem natürlich nicht. Vielleicht war der Grundgedanke tatsächlich überraschenderweise gut und nur die Umsetzung übergriffig und abträglich.

  • Klingt für mich eher wie, den Hund dazu "zwingen" auf den Menschen zu schauen, statt zum Reiz. So gesehen würde das frontale wieder ein bisschen Sinn machen.

    Ich mach das im Alltag manchmal (ohne dass das jetzt ein konkretes Training ist oder irgendwas systematisches), dass ich zum Hund runtergehe und quasi den Kopf zu mir drehe, so nach dem Motto "Freundchen, jetzt lass das bitte!"

    Ich kann jetzt gar nicht sagen, warum ich das mache, da ist kein großer Methoden-Gedanke dahinter, und es kommt auch nicht oft vor.


    Ich würde das nicht als Methode anwenden. Schon dreimal nicht würde ich einen fremden Menschen meinen Hund anfassen oder fixieren lassen. Aufregung bei Hundebegegnung ist doch eine absolute Standard-Situation, da sollte ein Trainer mehr Ideen haben.


    Und das mit "an der Leine weghalten" - das geht GAR nicht für mich. Mit sowas macht man sich die Leinenführigkeit kaputt. Das hat mit Kommunikation nichts zu tun!

    Und schon dreimal nicht am Halsband.


    Grundsätzlich ist es eine HuSchu die mit keinerlei gewaltsamen Mitteln oder Hilfsmitteln arbeitet. Also die Hunde werden weder getreten, geschlagen oder Alphageworfen, die Philosophie ist klar basierend auf der neuesten Lerntheorie (also kein Alpha-Dominanz-Gedöns).

    Also, das ist ja gut. Wobei Verzicht auf Treten, Schlagen usw ohnehin eine Selbstverständlichkeit ist.

    "Neueste Lerntheorie" ist lustig - das heutige Verständnis davon, wie Lernen funktioniert, ist weit älter (auch wenn es sich natürlich noch weiterentickelt) als die alberne Dominanz-Mode. Die kam ja erst irgendwann in den 90ern auf, ich kann mich noch gut erinnern, als das bei den Pferden plötzlich DAS Modewort war, und dann kams auch bei den Hunden auf.


    Ich würde danach gehen, wie wohl du dich fühlst. Wenn ihr sonst Fortschritte macht, dann mach weiter. Ich würde aber klar machen, dass du nicht möchtest, dass die Trainer deinen Hund nochmal anfassen. Und solange so mit der Leine hantiert wird, sollte ein Geschirr dran kommen.

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