“Aber er freut sich doch so - oder nicht?” Beispielvideos

  • Hi!

    Ich hab jetzt die Argumente pro "nervös" gelesen, mich würde noch interessieren, woran ihr genau das Freuen festmacht. Mir sind nämlich auch das Niesen und Schütteln zuerst ins Auge gefallen.

    Silver ist auch ambivalent, daher bin ich hier auf jeden Fall an Bord. :)

  • Das hätte ich jetzt nicht so gesehen, eher finde ich, dass sich der Hund ehrlich freut. Vielleicht ist er ein bisschen unsicher beim Begrüßen, aber alles im Rahmen. Aber vielleicht sehe ich zu wenig darin?


    Ich sehe da einen Hund der sich freut den Menschen zu sehen. Absolut unproblematisch.


    Hätte das jetzt auch anders gesehen.

    Man merkt das die sich kennen und mögen.


    Also ich sehe da auch einen Hund der sich wirklich freut. Nicht nervös oder überdreht trotz der quitschlaute vom Menschen😁


    Das direkte drüber beugen fand sie kurz mal doof, hat sich aber wohl daran erinnert wer sie begrüßt.


    Ich sehe auch einen hund, der sich ehrlich freut, einen bekannten menschen zu sehen, anfänglich etwas müde, streckt sich. Das vornüberbeugen der Kollegin hat den hund glaube ich kurz verunsichert, aber hund scheint keine angst zu haben oder so.


    Das ist lieb, kein hibbeliger nervöser hund der rumsringt usw, angenehme Begrüßung.

    Aber woran macht ihr das fest? Ich hab damit echt noch Probleme.

  • Hi!

    Ich hab jetzt die Argumente pro "nervös" gelesen, mich würde noch interessieren, woran ihr genau das Freuen festmacht. Mir sind nämlich auch das Niesen und Schütteln zuerst ins Auge gefallen.

    Silver ist auch ambivalent, daher bin ich hier auf jeden Fall an Bord. :)

    Genau… mir erscheint der Hund hin- und hergerissen. Er freut sich und mag die Frau aber dann kommt Niesen und schütteln und lecken dazu. Dann wieder Ruhe und dann noch einmal wegducken. Immer etwas hin und her.


    Meine ist so bei meinem Papa, freut sich tierisch aber dann kommt der Punkt da niest sie nur noch und schüttelt sich, manchmal lass ich beide machen, dann rollen sie über den Boden und „rasten“ aus. Ich muss dann so lachen aber es gibt auch Tage da greife ich ein. Dann kommt Ruhe rein und beide wirken entspannter und es ist dann auch schön. Und Hund kommt danach schneller wieder zur Ruhe.

  • Der Hund freut sich.

    Er hat jederzeit die Möglichkeit sich der Situation zu entziehen, tut es aber nicht.


    Selbst meine eigenen Hunde finden/fanden es nicht immer und ausnahmslos super wenn ich mich über sie beuge. Zusammen mit (angemessener) Begrüssungsaufregung kann es durchaus vorkommen, dass kurzweilig/zwischendurch beschwichtigt wird.


    Schütteln und niesen könne auch Werkzeuge zur Selbstberuhigung sein, und es funktioniert im gezeigten Video auch. Der Hund dreht nicht auf.

  • Aber woran macht ihr das fest? Ich hab damit echt noch Probleme.

    Ich geh eigentlich danach, ob der Hund nicht nur mit dem Schwanz wedelt, sondern ob der ganze Po mitwackelt. Dann das herhalten und aktive Hingehen zur Frau, mal zurückweichen ist wieder ein bisschen Abstand (und Beruhigung) suchen und auch bei meinem Hund kommt es bei Begrüßungen oder "Ich will was von dir" zu diesem Verbeugen. In anderer Variante kenne ich das Verbeugen auch als Spielaufforderung.

  • Niesen kann auch Stressabbau sein. Stress muss ja nicht gleich negativ sein, sondern in dem Falle positiv.


    Im Spiel Niesen Hunde auch oft, dass ist (so habe ich gelernt) einfach auch ein Zeichen von „es ist alles gut, ich will dir nichts Böses“.


    Ich sehe hier in dem Video auch einfach ein Hund der sich freut die Kollegin zu sehen und das auf eine echt „ruhige“ Art. Das extreme Popowackeln, geschmeidige Körperbewegung usw usf.


    Baxter macht das ganz genauso. Muss ich mal aufnehmen. Er legt dabei auch eine ganz bestimmte Ohrenstellung ein.

  • Der Hund findet die Begrüßung nicht schön. Der zeigt ja wirklich gefühlt alle Verhaltensweisen, die man so anbieten kann um zu sagen "Igitt".

    Er geht in den Kontakt und bleibt da, weil er weiß, dass das von diesem Menschen erwünscht ist. Viele Menschen finden das beschwichtigende Verhalten niedlich, sehen darin Freude. Der Hund lernt, dass das Menschen gut stimmt und zeigt es daher weiterhin.

    Weil manche sagen, dass der Hund ja gehen kann. Nein, das kann der nicht. Er ist beim Sozialverhalten nicht in der Lage zu gehen, wenn ein Mensch ihn derart in der Situation bindet.

    So was müsste man dann gezielt üben, dass der Hund den Mut entwickelt sich zu entziehen. Ich trainiere so was gezielt mit meinen Hunden.

  • Moin moin :)


    Wie einige schon gesehen haben, ist Lili ein ziemlich unsicherer Hund, wobei es da jetzt schon um Welten besser ist, als zu Beginn, wo sie bei mir einzog.


    Das Niesen, das vorne runterbeugen (Yoga) sind bei ihr Übersprungshandlungen. Die zeigt sie z. B. auch, wenn wir uns zum Gassigehen fertig machen (und nein, ich beuge mich dabei dann nicht über sie).


    Dass sie in den Sozialkontakt "gezwungen" wird, sehe ich nicht. Sie liegt frei in meiner Ecke, meine Kollegin kommt. Hund springt auf und wackelt zu ihr rüber (würde sie diese Kontaktaufnahme als von ihr erwartet einstufen, hätte sie mich vorher angeschaut => Resultat unserer Arbeit), während Kollegin immer noch dabei ist, ihr Gemüse zu sortieren. Dann kommen die ersten Übersprungshandlungen, weil die Person, auf die sie sich gefreut hat, sich nicht sofort mit ihr befasst (das gleiche Verhalten zeigt sie bei mir, wenn ich vom Einkaufen komme, und bitte erst die Taschen wegstellen möchte, bevor ich meinen Hund begrüße).


    Das Darüberbeugen von meiner Kollegin mag Lili nicht, da stimme ich voll und ganz zu. Das sieht man bei Sekunde 30 ganz schön, das Weglehnen, das Schwänzchen, der (hilfesuchende) Blick zu mir. Würde sie die gesamte Interaktion "Igitt" finden, hätte sie sich beim ersten Darüberbeugen schon auf den Rücken gelegt und gewartet, bis es vorbei ist.

    Schütteln ist bei Lili zum Stressabschütteln da, das haben wir auch unter Aufforderung gestellt, sodass ich es "einfordern" kann, wenn ich sehe, dass sie zu angespannt ist nach einer Situation. Dass Stress nicht immer negativ ist, wurde ja bereits gesagt.


    Das Verhalten in dem Video zeigt Lili auf diese Weise, mit all dem Quietschen und Knorzen, dem Propellern, dem Sambatanzen nur bei dieser Kollegin, bei einem weiteren männlichen Kollegen von mir (der auch für sie auf den Knien herumrutscht), bei meiner Familie, wenn wir hinfahren und bei mir, wenn ich nach längerer Abwesenheit zurückkomme (länger als Einkaufen).


    Die Art, wie sie meinen übrigen 38 Kollegen begegnet unterscheidet sich sehr davon. Da ist das Wedeln nur waagerecht im unteren Drittel, nur der Schwanz wedelt, der Kopf ist gesenkt, das Schlecken ist weicher, kein Niesen, kein Schütteln, kein Yoga, kein Propellern. Und sie legt sich dann sehr schnell auf den Rücken.

    Bei dem oben erwähnten männlichen Kollegen macht sie das auf den Rücken legen zwar auch (erst nachdem sie ihn an den Platz begleitet und er sich zu ihr auf den Boden gesetzt hat), aber man kann ihr am Gesicht ansehen, ob sie das Bauchikraulen gerade mag oder nicht. Gehen die Äugelchen dabei langsam zu, darf man bitte weitermachen, bis Schnarchen zu hören ist (nur bei ihm, und bei mir sowie meiner Familie). Bei allen anderen sind die Augen offen (normal, nicht aufgerissen), und man sieht ihr an, dass sie es nur erduldet, weil es von ihr erwartet wird.


    Zum Hintergrund. Lili ist jetzt seit ... oh, in 35 Tagen sind es genau 4 Jahre. In diesen vier Jahren haben wir sehr viel miteinander gearbeitet. Aber manche Verhaltensweisen brauchen eben länger, um "umgepolt" zu werden, als andere. Und manchmal ist es eben auch gar nicht rauszukriegen.

    Auch, wenn sie viele Verhaltensweisen zeigt, die nach Schema X zur Schlussfolgerung Y führen, so habe ich dennoch in den letzten 4 Jahren gelernt, dass Hunde vor allem eines sind: Individuell.

    So Individuell wie jeder Händedruck zwischen zwei Menschen ist meiner Meinung nach auch die Körpersprache des Hundes. Schon allein durch die unterschiedlichen Prägungen, die Art, wie Hund aufgewachsen ist und welche Strategien er für sich als erfolgreich oder lohnend entdeckt hat.

    Damit sage ich nicht, dass das Zähnezeigen beim einen Hund heißt, verpiss dich, und beim anderen, hey geil, komm näher. Sondern, dass Körpersprache mehr ist, als nur das Herunterbrechen auf eine Liste von einzelnen Punkten.

    Ich kenne meinen Hund. Besser als irgendjemand sonst. Ich weiß, wie sie ausschaut, wenn sie sich freut, und wie, wenn sie eine Verhaltensweise zeigt, von der sie glaubt, dass sie erwartet wird.


    Wen es interessiert, hier mal das Video, mit dem sie damals zur Vermittlung eingestellt wurde


    Lili in Ungarn

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