Erfahrungsbericht "Hundeführerschein" Niedersachsen (Sachkundenachweis, praktischer Teil)

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    Hallo!


    Obwohl ich wirklich alles gegeben hatte, habe ich zum praktischen Teil des Sachkundenachweises in Niedersachsen ("Hundeführerschein") kaum oder widersprüchliche Informationen gefunden. Nachdem ich gestern selbst erfolgreich war, wollte ich deshalb dieses Forum um einen Erfahrungsbericht bereichern; vielleicht sieht sich künftig ja jemand hier um.


    Zur Vorgeschichte

    Der Gesetzestext (§ 3 Abs. 2 S. 1, 2 NHundG) hilft mir kaum weiter. Ich muss nachweisen, dass ich erforderliche Kenntnisse mit einem Hund anwendenkann. Schwer zu sagen, wie das geht.


    Aber vielleicht hat das Landwirtschaftsministerium mehr Anhaltspunkte?

    Zitat von Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

    Im Verlauf der praktischen Prüfung soll unter anderem nachgewiesen werden, dass der Halter den Hund einschätzen kann, gefährliche Situationen erkennt und in der Lage ist, etwaigen Gefahren vorzubeugen. Der Halter muss den Hund so kontrollieren, dass von diesem keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht.

    Gut, liegt sicher an mir, dass ich mir noch zu wenig darunter vorstellen kann. Bestimmt hat das LAVES mehr Informationen!

    Zitat von Nds. Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

    Hinsichtlich der praktischen Sachkundeprüfung soll schwerpunktmäßig auf das Ziel der Prüfung abgestellt werden, das heißt, der Halter muss seinen Hund einschätzen und gefährliche Situationen erkennen können, damit er etwaigen Gefahren vorbeugen kann. Er muss seinen Hund so kontrollieren können, dass nicht nur keine Gefahr von dem Tier ausgeht, sondern auch keine Belästigung.

    Wird immer schlimmer. Nicht nur keine Gefahr, auch keine Belästigung. Aber wie darf ich das zeigen?


    Ich stöbere also hier im Forum. Für NRW gibt es offenbar breitere Resonanz (z.B. hier, oder hier), das Grundsatzthema zu Niedersachsen - hier - ist in die Jahre gekommen. Logisch, die Gesetzesänderung ist eine Weile her. Aktuelle Bezüge gibt es schon (in diesem Thread, ab Post #6.348), das bringt mich inhaltlich aber auch nicht voran.


    Und was sagt ansonsten das Internet? Hier ist ein m.E. repräsentatives Beispiel, das auf folgende Prüfungssituationen abstellt:

    • Handling am Hund (Prüfling kontrolliert Zähne, Ohren und Pfoten)
    • Kontrolliertes Gehen an der Leine
    • Sitz oder Steh oder Platz oder Bleib (Ausführen des Kommandos nach maximal drei Wiederholungen)
    • Kommen auf Ruf (Ausführen des Kommandos nach maximal drei Wiederholungen)
    • Begegnung mit anderen Personen (z.B. Spaziergänger, Menschengruppe)
    • Begegnung mit anderen Hunden
    • Gehen an stärker befahrener Straße
    • Überqueren einer befahrenen Straße
    • Begegnung mit z.B. Radfahrern, Kinderwagen etc
    • Begegnung mit anderen Personen/Menschengruppe

    An anderer Stelle (Schande über mich, ich finde es trotz langer Suche nicht mehr..) hatte ich von elf statt dieser zehn Situationen gelesen. Und dort stand auch, man müsse nur sechs der dort genannten elf Situationen meistern zum Bestehen.


    Hm, und jetzt wird mir unwohl. Ich finde die Anforderungen immer noch recht unklar, bin mir aber relativ sicher, dass ein Rückruf dazugehört. Jetzt habe ich ein Jahr Zeit, bis ich den praktischen Teil nachweisen muss (§ 3 Abs. 1 S. S. 3 NHundG), aber was mache ich, wenn mein Hund dann pubertär herumflippt und deshalb nicht spurt? Und mit einem Fremdhund die Prüfung ablegen - was zulässig wäre - mag ich nicht. Ich schaffe das mit meinemHund!


    Also frage ich einfach mal die Person meines Vertrauens, wie das gehen könnte. In diesem Fal ist das die Person, bei der ich unkompliziert den theoretischen Teil absolvieren konnte und die auch Welpenkurse anbietet. Ja, Rückruf gehört zu den Anforderungen, noch ein wenig mehr, gleich am Tag darauf könnten wir loslegen. Ach, so teuer ist's nicht, man kann das wiederholen, ich habe Zeit, ziehen wir es doch durch! Schnuffelpuff ist fast 16 Wochen alt, der Ernst des Lebens kann kommen!



    Die Prüfung

    Mit einer ausgelassenen Mahlzeit könnten wir bestimmt die Bereitschaft zur Mitwirkung erhöhen. Brauchen wir aber gar nicht drüber nachdenken, die Prüfung ist vormittags, da hätte der Wauzi eh nichts gefressen. Spätaufsteher. Nur in den Garten gehen wir rechtzeitig, um das Tier einmal komplett auszuwringen, damit es keine Unfälle bei der Prüfung gibt.


    Auf zur Hundeschule, da geht die Prüfung los. Hund aus dem Auto, die Prüferin kommt schon auf uns zu, der Hund platzt fast vor Freude. Also alles wie immer. Dann mal an der Landstraße Richtung Neubaugebiet. Die Autos und LKW knattern vorbei, aber darauf haben wir den Hund zielgerichtet und lange vorbereitet (letzte Woche einmal kurz im Nachbarort, als uns auffiel, dass wir dieses Thema bislang vernachlässigt hatten und am Vorabend der Prüfung, als uns das wieder einfiel). Das macht also keine Probleme, der Hund ist entspannt.


    Dann kommt ein Radfahrer entgegen. Da fällt mir auf, dass es nicht verkehrt gewesen wäre, ich wäre mit dem Hund schon einmal im Dorf unterwegs gewesen und nicht nur ständig im Wald. "Sitz!". Der Hund sitzt, mampft das Leckerli und schaut schmatzend dem Radfahrer hinterher. Die Prüferin ist beeindruckt. Ich auch.


    Wir gehen ins Neubaugebiet. Die Prüferin hatte irgendwo einen anderen Hund erspäht und wollte eine Begegnung erzwingen, aber dieser Hund ist weg. Auch gut. Ich halte es für einen geeigneten Zeitpunkt zu erwähnen, dass das mit der Leinenführigkeit so eine Sache ist. Weil wir bislang den Fokus auf anderes gelegt haben. Aber Zughundesport ist doch auch cool, oder? Hehe. Der Hund schleift sich die Krallen am Asphalt. Die Arme - sonst sind wir im Freilauf im Wald unterwegs, und jetzt gurken wir hier angeleint durchs Dorf..


    Jetzt wird's laut, auf den Baustellen ist der Teufel los. Der Hund bemerkt das gar nicht. Das aber fällt der Prüferin auf, die begeistert ist. Mir ist fad, ist ein Baustellenhund, sage ich. Rüttelplatte, Kreissäge, Bagger - egal.


    Endlich sind wir auf dem Feldweg. Ich frage, ob wir nicht vielleicht einen Rückruf machen wollen. Da würde ich den Hund gern ableinen. Ich darf. Und bleibe stehen, die Prüferin geht mit dem Hund weiter und bleibt stehen. "Sicher, dass das reicht? Das sind doch jetzt nur 3m..?" Sie ist sicher. "Schnupfelpupf, hier!" Es ist beeindruckender, wenn sie aus der Entfernung angaloppiert kommt, aber auch für diese Kleinstdistanz ist sie bemüht und verspeist das Leckerli.


    Ob ich den Hund untersuchen könnte. Ich fummel an Ohren, Schnute und Pfoten herum. Offensichtlich geht das also. Für diese Strapaze soll ich ruhig Leckerli geben. Der Hund guckt mich an, als ob ich einen Kratzer am Wirsing hätte, dass es für solchen Kleinkram was gibt. Nagut.


    Wir gehen weiter, die Hundeschule ist schon in Sichtweite. Und ihr Nachbar mit seinem Hund. Die Prüferin ist begeistert, endlich die ersehnte Begegnung mit Hund! Oder auch nicht, der Bursche sucht schnell das Weite. Höhö.


    Also kommen wir ohne Fremdhunde bei der Hundeschule an. Die Prüferin schmunzelt: "Sehr gut, sie hat wirklich niemanden gefressen!". Bestanden. Jetzt kann die Pubertät kommen :)


    Inwieweit das jetzt ein typischer Ablauf ist, kann ich natürlich nicht beurteilen. Bei meiner Suche hatte ich irgendwelche Horrorgeschichten gelesen, wo ganze Gruppen geprüft werden und diese Gespanne dann einen ganzen Tag unterwegs sind. Jedenfalls geht es auch entspannt.

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  • Also die Idee einer echten Prüfung finde ich ja klasse. Gratulation zum Bestehen übrigens.


    Aber klingt das mit den gewünschten Hundezwangsbegegnungen nur für mich nach einer doofen Idee?

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  • Ich glaube, du legst das zu streng aus. Also Hundebegegnung soll nicht heißen, dass die direkten Kontakt haben. Sondern dass man erkennt, dass da ein anderer Hund ist und man seinen eigenen unter Kontrolle hat und im Zweifel gar nicht hinlässt.

    • Neu

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    Ich hatte schon viele Hunde und die Erfahrungen haben mich gelehrt, dass jeder andere Ansprüche an die Ernährung hat. Mal legen sich Verdauungsstörungen durch eine Futterumstellung, ebenso können Fellprobleme abklingen. Schlanke Windhunde leiden nicht selten unter nervösen Störungen, wenn der Proteingehalt zu hoch ist; sie benötigen eher Kohlehydrate zur sofortigen Energiefreisetzung. Andere Rassen wie sportliche Huskys brauchen stattdessen hochwertige Proteine, während Kohlehydrate nur ansetzen würden.


    Das Alter spielt ebenso wie die Konstitution eine Rolle für den individuellen Bedarf und einige Krankheiten erfordern eine spezielle Nährstoffzusammensetzung.


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  • Vielen Dank für den tollen Bericht. Der praktische Teil liegt auch noch vor mir und ich konnte bislang auch keine definitiven Informationen über die Prüfungsinhalte finden. Nicht mal in der Fachliteratur zum Hundeführerschein steht irgendwas erhellendes drin.

  • Ich finds immer wieder interessant, wie unterschiedlich da geprüft wird.
    Eigentlich soll es ja gar nicht um den Hund gehen, sondern um den Halter: kannst du kritische Situationen erkennen und damit umgehen. Eine Bekannte hat manches schlicht verweigert, und weil sie das schlüssig begründen konnte trotzdem bestanden.

    Das wird m.E. auch ständig betont: es soll nicht um den Ausbildungsstand des Hundes gehen. Dann ist‘s aber unsinnig, den Rückruf, Hinsetzen und u.a. Kontrolle der Ohren zu prüfen. Im Ergebnis jedenfalls finde ich den Nachweis der Sachkunde vernünftig. Die Prüfungsinhalte sind jetzt auch eher nicht unangemessen hoch – ich verstehe nur die Intransparenz nicht..

  • Das wird m.E. auch ständig betont: es soll nicht um den Ausbildungsstand des Hundes gehen. Dann ist‘s aber unsinnig, den Rückruf, Hinsetzen und u.a. Kontrolle der Ohren zu prüfen.

    Nö, gar nicht.


    Ich soll Gefahren erkennen und adäquat damit umgehen können, dazu meinen Hund händeln können.
    Ohren kontrollieren ist simples Handling, wird beim TA auch benötigt. Kann ich einschätzen, ob mein Hund das toleriert oder ob ich vlt einen Mauli brauche? Das spricht nicht schlecht gegen den Hund, sondern gut für mich, wenn ich das erkenne.
    Ich soll den Hund zurück rufen. Kann ich einschätzen, ob die Location das zulässt, ob der Rückruf sitzt, bin ich souverän genug, um im Zweifelsfall abzulehnen, um Gefahren zu verhindern?
    Hinsetzen ist schlichte Positionskontrolle. Wenn man in eine Situation kommt, in der Platz etwas eng ist, hat man ein klitzekleines Ausweichtool zur Hand, wenn der Hund das kann. Und sagt viel über die Halter-Hund-Interaktion aus, wenn der Hund das nicht kann, aber sich kooperativ zeigt und sich bemüht bzw. der Halter hundegerecht das Sitz animieren kann, wenn es nicht sofort klappt.



    You wake up every morning to fight the same demons that left you so tired the night before, and that my love is braveyou stand up every You wake up every morning to fight the same demons that left you so tired the night before. And that my love is bravery


    An meiner Seite: Mailo, LZ DSH, *29.07.17

    In meinem Herzen: Barry, Aron, Cimba, Dragon

  • Ich sage ja nicht, dass z.B. der Rückruf unwichtig ist. Aber ein erfolgreicher Rückruf kann zum Bestehen der Prüfung erfolgreich sein. Und das hat dann was mit dem Ausbildungsstand des Hundes zu tun, der aber gar nicht Bestandteil der Prüfung sein soll. Sonst würde geprüft, wie gut ich argumentieren kann, ob das gerade klappen würde oder warum möglicherweise nicht. :)

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