Leine? Kenn ich nicht.

  • Wenn ich meine Katzen jetzt von heute auf morgen einsperren würde, würden sie mir vermutlich die Wohnung zerlegen und alles tun um nach draußen zu kommen.

    Unsere Katze hat sich damals sogar durch das Fenster gequetscht, und durch das fliegengitter anschließen kaputt gekratzt, weil sie raus wollte aber nicht durfte wegen einer Entzündung an der Pfote.

    Unsere damalige Hauskatze (vor 20 Jahren) wollte nie raus. Die ist immer nur bis an die Haustür gegangen & dann wieder rein. Sie kannte es auch nicht anders ..

    Wenn es eine Katze von klein auf nie anders kennt, ist es vielleicht was anderes. Aber deswegen kann sie ihren Bedürfnissen auch nicht nach kommen & das ist weitaus mehr als beim Hund (klettern etc).
    Eine Katze die immer draußen war plötzlich einsperren-. würde wahrscheinlich zu psychischen Störungen führen .

  • Meine Katzen waren alles Freigänger und mir ist keine unters Auto gekommen, ich habe aber auch abgelegen gewohnt. In einem Dorf oder einer Stadt würde ich keine Freigänger haben wollen.

    Hier auf der Insel wird ja in vieler Hinsicht noch ganz anders über Haustiere gedacht als zB. in Deutschland. Und bei so vielen Hunden wie hier nach wie vor alleine spazieren gehen sieht oder hört man sehr, sehr selten, dass einer überfahren wird.

    Ca. 1 km von mir lebt eine Zigeunerfamilie mit mehreren Kleinhunden die alle vom Grundstück runter- und auf der Strasse spazieren gehen. Mir ist dabei unwohl, aber in 7 Jahre die ich da wohne ist keiner von deren Hunden unter die Räder gekommen, nicht mal die Welpen.

    Meine Hunde sind an der Strasse und in der Stadt immer an der Leine (ist eh verboten sie ohne Leine lauen zu lassen). Mein Bärchen war halt die ganz grosse Ausnahme.

  • Also das Kapitel Freigängerkatzen ist ein komplett anderes Thema und da gehen die Meinungen der Katzenhalter auch sehr auseinander und der Trend geht eindeutig zum gesicherten Freigang.
    Der einzige plausible Grund, warum Katzen in unserer Gesellschaft immer noch frei laufen dürfen, ist ihre Größe.
    Egal welche Rasse, alle Katzen sind klein und deshalb ist es eher unwahrscheinlich dass Menschen verletzt oder Autos sehr stark beschädigt werden.

    Bei Hunden ist es anders. Erlaube ich dass der Chi alleine durchs Dorf laufen darf, dann wird es nicht lange dauern bis andere Hundehalter ihren Kangal, Rottweiler oder den Bernhardiner auch alleine losschicken. Weil ja so lieb und ungefährlich und wird nichts passieren. Gibt halt überall uneinsichtige Leutchen, wie man in diesem Thread auch gut sieht. Und dann ist der ein oder andere Hund eben nicht wirklich so lieb und beißt ein Kind tot und über einen großen Hund fährt es sich auch schlechter drüber....
    Dazu kommt halt das viele Freigängerkatzen nur deshalb so lange nicht platt gefahren werden weil sie schon flüchten bevor das Auto auch nur in die Straße eingebogen ist. Katzen ohne Respekt vor Autos werden eher selten alt. Beim Hund will man das eher nicht, dass er so scheu ist.

  • Ich habe auch einen Hund gehabt, der in seinem Leben nur sehr wenig an der Leine war.

    Poldi lief ab einem gewissen Alter (4) eigentlich immer ohne Leine, hat auf uns geachtet.
    Alleine warten vor dem Supermarkt? Kein Problem? Alleine vor dem Klamottengeschäft liegen, bis Frauchen fertig ist? Kein Problem.
    Er ist viele tausend Kilometer mit mir auf Wander- und Ausritten unterwegs gewesen, davon viele Straßen. Immer ohne Leine.
    Rad fahren? Immer ohne Leine.
    Am Strand, beim Wandern, in der Stadt - er lief immer frei.(damals wohnten wir in Kiel, nicht sonderlich ländlich)

    Er wusste immer ganz genau, wo wir lang mussten, selbst wenn wir den Weg nicht kannten/ uns verlaufen hatten.
    Er hatte einen großen Radius, blieb aber in entsprechenden Situationen dicht bei uns.
    Er war zu jedem freundlich, hat nie gejagt, sich nie gerauft. Einfach nur abgeklärt und cool.
    Ich glaube, so einen Hund hat man nur einmal im Leben, das ist eine Verbindung, die man nicht beschreiben kann.
    Wir sind eine Einheit gewesen, konnten den anderen ohne Worte verstehen. Wir haben uns gegenseitig vertraut.

    Er wurde fast 18, bis der Krebs ihn uns nahm.
    Noch heute habe ich feuchte Augen, wenn ich an ihn denke...

    Die kleine PinChi meines Mannes ist auch so ein Kandidat. Sie weiß von alleine, was von ihr erwartet wird. Sie ist nie wirklich erzogen worden, sie bleibt von sich aus immer dicht in seinem Orbit.
    Sie empfände es aber als unzumutbar, alleine draußen auf ihn zu warten.

  • Ich bin teilweise soweit gegangen, mir nicht mal eine Leine einzustecken, wenn ich rausging - das war wirklich jugendliche Dummheit in Reinkultur. Aber wie gesagt: es ging mehr als ein Jahrzehnt bestens, bis...

    Da ich auch schon öfter gehört habe, dass solche Hunde im hohen Alter dann noch noch verunglücken (wie es meiner Hündin auch fast passiert wäre), frag ich mich, warum: Lassen die Sinne und Reaktionen des Hundes nach - oder wird man als Besitzer einfach zu nachlässig, weil man glaubt, für seinen Hund die Hand ins Feuer legen zu können?

    Ich hätte es echt getan, damals - und ich bin heute noch dankbar, dass wir den Preis dafür nicht zahlen mußten!

    Mein Alter war auch immer leinenlos. Der war der Typ Hund ohne Jagdtrieb, ohne großes Interesse an anderen Hunden (eher gar keins) und wollte nur bei mir sein.
    Als er 15 war wich er dann doch mal von meiner Seite, glücklicherweise nicht auf die Straße, sondern durch eine Hecke in einen Minipark, weil da eine Mäckes-Tüte lag. Roch wohl gut. Schlagartig wars vorbei mit leinenlos.
    Das war bei ihm offensichtlich dem Alter und der sich anschleichenden Demenz geschuldet, dass er auf einmal seiner Wege gehen wollte.
    Heutzutage komme ich mit beiden meiner Hunde nicht auf die Idee sie frei durch die Straßen unseres Ortes laufen zu lassen. Mit Chica ginge es vermutlich inzwischen auch, aber die Sorglosigkeit, die ich bei meinem Alten hatte, die habe ich einfach nicht mehr. Und ich kann nicht mal den Gedanken ertragen, dass einer meiner Hunde überfahren wird, weil ich mir einbilde sie permanent nonverbal im Griff zu haben.

  • Bei Hunden ist es anders. Erlaube ich dass der Chi alleine durchs Dorf laufen darf, dann wird es nicht lange dauern bis andere Hundehalter ihren Kangal, Rottweiler oder den Bernhardiner auch alleine losschicken. Weil ja so lieb und ungefährlich und wird nichts passieren. Gibt halt überall uneinsichtige Leutchen, wie man in diesem Thread auch gut sieht. Und dann ist der ein oder andere Hund eben nicht wirklich so lieb und beißt ein Kind tot und über einen großen Hund fährt es sich auch schlechter drüber....

    Ohje, ist das so bei dir im Dorf? Nur weil du deinen nicht alleine durchs der laufen lässt, bleiben alle einsichtig und lassen ihre gefährlichen Kinderbeisser nicht von der leine? Da hab ich in meiner Spanischen Region ja richtig Glück, hier laufen nur die netten Hunde allein durchs Dorf.

  • @Boomerang
    Ja, hier ist es noch so dass Gesetze und sozialer Druck Dinge verändern. Früher wurden noch Geschichten erzählt wie Hund Ab von Hof xy hinter einem her ist und einen in die Wade gezwickt hat als man auf seinem Fahrrad auf dem Weg zur Schule mal nicht schnell genug war.
    Heute wäre so etwas undenkbar. Es gibt solche Hofhunde und offenen Höfe hier nicht mehr. Da sind die Hunde auf dem Grundstück angeleint oder der Hof ist halt eingezäunt damit der Hund nicht abhauen kann. Sonst stehet irgendwann das OA vor der Tür.
    Ich bin auch schon ewig nicht mehr in Hundescheiße getreten, die meisten Hofkatzen sind mittlerweile auch kastriert weil es eine Kastraverordnung gibt....

  • Ich habe auch so einen Hund, der komplett leinenlos durch die Welt latschen könnte. Jagt nicht, interessiert sich nicht für andere Hunde, frisst nichts vom Boden, achtet von selbst auf seine Umgebung, ist so umweltsicher wie kaum ein anderer Hund, den ich kenne. Einfach eine coole Socke und immer mit einem Blick auf mich, dass man noch bequem hinterher kommt.
    Ich dachte eine Zeitlang, dass ich einfach der ultimativ krasse Hundeerzieher sei :lol: Wenn ich unerfahrener junger Mensch meinen Mischling so gut hinkriege, dann machen alle anderen einfach enorm viel falsch und haben es nicht dauf. Mensch, ich war ohne Fehl und Tadel.
    Bis... ja bis man mal checkt, dass die allerwenigsten Hunde so drauf sind und man sich einfach mega glücklich schätzen soll so einen Hund zu haben. Gefühlt 80% geht da sicherlich vom Hund aus, das hat eher wenig mit Erziehung oder Beziehung zu tun... Es gibt einfach manchmal diese "Selbstläufer". Ich weiß jetzt schon, meine jüngere Hündin wird nie so sein. Dabei hat sie zu mir eine engere Bindung und hört jetzt schon besser als meine Ältere.

    Sie darf auch heute noch fast immer bei Spaziergängen frei laufen. An Straßen und wo einfach Gefahr für ihr Leben besteht, wird sie aber trotzdem festgemacht.
    Das Aha-Erlebnis hatte ich, als ich zuhause um die Ecke in der 30er Zone spazieren war. Hund wie immer frei, Grünstreifen zwischen Gehweg und Straße reicht doch. Dann sah sie ihren geliebten Sitter die Straße auf der anderen Seite hoch kommen und sprintete einfach quer rüber. Fast wäre sie überfahren worden.
    Ich danke heute noch dem Mann für die Reaktion und die Vollbremsung. Ab da wars aus mit dem Freilauf in der Stadt (und meinem super Ego), selbst wenn es davor und danach nie wieder eine Situation gab, die auch nur annähernd so brisant gewesen wäre. Und mein früheres Ich bekommt heute noch eine links und rechts dafür geklatscht, dass man es drauf ankommen lassen hat.

    Übrigens ist der über alles geliebte Seelenhund meiner Tante auch genauso gestorben. Er wurde geliebt und umhegt, latschte ihr auf Schritt und Tritt hinterher, sie hatten die ultimative Bindung zueinander, die man sich natüüürlich nur vorstellen kann, wenn man das selbst erlebt hat. Er kannte nicht einmal eine Leine. Eines Tages hüpfte er einfach so vom Bürgersteig und wurde überfahren.
    Hinterher war das Gejammer groß. Hätte sie ihren Hund wirklich geliebt und nicht auf die große Bindung zwischen ihnen sondern auf eine Leine als Absicherung vertraut, wäre er heute noch am Leben.

    Ich habe auch schon mal eine Katze überfahren, die mir unters Auto lief. Das war eine furchtbare Sache und ich möchte das nicht noch einmal erleben. Katzen draußen einfach frei laufen zu lassen, ist eh schon umstritten (Vögel töten, Krankheiten verbreiten usw, ich persönlich lehne das ab), aber im Stadtgebiet eine Katze frei rumstreunen zu lassen, finde ich absolut fahrlässig. Deswegen haben wir u.a. keine Katze. Die würde ich mir nur holen, wenn ich die Möglichkeit hätte einen großen Garten komplett sicher zu machen. Und selbst dann fände ich es nur semi-artgerecht, eine Katze so zu halten, weil die natürlich Strecke machen möchten. Auf keinen Fall gäbe es aber unkontrollierten Freilauf. Da gibt es aber so tolle Sprüche: Lieber ein kurzes schönes Leben als ein langes unerfülltes.
    So kann man auch ausdrücken, dass es einem nun nicht sooo wichtig ist, wenn die Katze nicht wiederkommt. Dafür hatte sie Spaß in ihrem kurzen Leben :( :

  • Ich dachte eine Zeitlang, dass ich einfach der ultimativ krasse Hundeerzieher sei :lol: Wenn ich unerfahrener junger Mensch meinen Mischling so gut hinkriege, dann machen alle anderen einfach enorm viel falsch und haben es nicht dauf. Mensch, ich war ohne Fehl und Tadel.

    Haha, ja so gings mir auch mit meinem Alten. Ich war auch der Meinung genau zu wissen wo´s lang geht in der Hundeerziehung. Und dann kam Chica...
    heute ist mir klar, dass mein Wusel damals einfach ein Selbstläufer war. Der hat sich selbst erzogen, quasi nie was infrage gestellt, fand alles und jeden toll und noch heute trauert die Familie und mein gesamter Bekanntenkreis diesem Hund nach. Weil der einfach auch jeden mochte. Chica braucht niemanden ausser ihrer Familie und sie ist (war) auch jederzeit bereit das jedem klar zu machen. Und mein Emil,der inzwischen wirklich ein toller Hund geworden ist, der will halt von Fremden nicht angefasst werden. Zieht sich dann zurück und ist eben nicht everybodys darling.
    Ok, merke gerade wird OT :lol:

  • Ich bin teilweise soweit gegangen, mir nicht mal eine Leine einzustecken, wenn ich rausging - das war wirklich jugendliche Dummheit in Reinkultur. Aber wie gesagt: es ging mehr als ein Jahrzehnt bestens, bis...

    Da ich auch schon öfter gehört habe, dass solche Hunde im hohen Alter dann noch noch verunglücken (wie es meiner Hündin auch fast passiert wäre), frag ich mich, warum: Lassen die Sinne und Reaktionen des Hundes nach - oder wird man als Besitzer einfach zu nachlässig, weil man glaubt, für seinen Hund die Hand ins Feuer legen zu können?
    [...]

    Einmal ist es sicher, dass wirklich die Sinne nachlassen oder der Hund ein bisschen tüddelig wird. Dann ist es aber mMn auch einfach Zufall - dem einen passiert es früher, der andere hat halt schlicht länger Glück.


    Ich habe jedenfalls berufsbedingt schon sehr viele überfahrene/angefahrene Hunde mitgekriegt und der "Das hat er NOCH NIE gemacht, er läuft IMMER ohne Leine!"-Hund ist eigentlich in jedem Alter ein Klassiker. Nur die, die früh überfahren werden, sagen wir mal mit 2 Jahren oder so, da brennt sich das bei Besitzer und Umfeld vielleicht nicht als so bemerkenswert ins Gedächnis ein, dass dieser Hund ja schon immer, lebenslänglich, so toll ohne Leine gelaufen ist.

    Die anderen typischen Fälle sind: Auf dem eigenen Hof entweder selber oder durch den Postboten oä überfahren oder beim jagen über die Straße gerannt.

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