Beiträge von Boomerang

    SchokoSaurier Würde man dir die Augen verbinden, dich mit einer Person die einen gleichbleibenden Ton von sich gibt in einen Raum stellen - hättest du dann wirklich gar keine Chance, die Person über das Geräusch zu finden? Hörst du keinen Unterschied in der Lautstärke, wenn du dich um die eigene Achse drehst und im Raum bewegst?

    Hm. Gute Frage. Bei einem gestellten Versuchsaufbau vermutlich ja. Aber hier ging letztens ein Feuermelder los, weil die Batterie leer war. Ich war völlig verloren und musste alle kontrollieren. Als ich direkt drunter stand wusste ich natürlich welcher es ist, aber in welche Richtung ich von meinem Standort aus laufen muss, pff keine Ahnung. Ich laufe auch oft sehr selbstbewusst einem Geräusch nach und werde von meinem Mann korrigiert.


    Hinweis: Es war nicht immer so. Die Taubheit auf einem Ohr besteht erst seit ca. 5 Jahren. Ich weiß also wie es ist normal zu höreny

    Dass du jemanden im Raum finden würdest, zeigt eigentlich schon, dass dein Gehirn bereits aktiv kompensiert, SchokoSaurier.

    Das Problem mit dem Feuermelder solltest du nicht als Maßstab nehmen. Diese Geräte sind physikalisch oft mangelhaft konzipiert, da sie fast reine Sinustöne ohne Obertöne aussenden. Ohne Obertöne hat das Gehör kaum Anhaltspunkte zur Ortung – das geht Leuten mit zwei Ohren genauso. In Räumen mit glatten Oberflächen wie Laminat oder Beton entstehen zudem so starke Reflexionen, dass die Quelle oft fälschlicherweise am Boden wahrgenommen wird.

    Dass du dich noch an das normale Hören erinnerst, ist momentan noch ein Referenzpunkt, aber eigentlich ist das Verblassen dieser Erinnerung ein Vorteil. Jedes Mal, wenn dein Mann dich korrigiert, liefert er deinem Gehirn Daten für eine Neukalibrierung. Sobald die alte Erinnerung vollständig gelöscht ist, ist das erste große Update abgeschlossen. Danach wird das System im Alltag immer weiter verfeinert, bis dein Gehirn das gesunde Ohr ganz instinktiv als primären 3D-Scanner nutzt.

    Und falls bei euch im Haushalt noch irgendwo eine Augenbinde herumliegt – die werden heutzutage ja für alles Mögliche zweckentfremdet – könnte man diese ja mal für eine Runde Blinde Kuh einsetzen, rein des Trainings wegen. Du wirst wahrscheinlich überrascht sein, wie gut deine Schallwellen-Analyse nach 5 Jahren eigentlich schon ist.

    Du kannst mich gerne korrigieren, falls ich mit meiner Annahme falsch liege.

    Beste Grüße!

    Ich glaube, bei dem Text, den du hier zur Aufklärung gepostet hast, ist dir ein kleines Missverständnis unterlaufen. Du wolltest damit ja eigentlich zeigen, dass man mit nur einem Ohr keine Schallquellen orten kann, aber interessanterweise beweist das Dokument wissenschaftlich genau das Gegenteil. Wenn man sich die Details in den Kapiteln ansieht, wird klar, dass das Gehör viel leistungsfähiger ist, als man im ersten Moment denkt.

    In Kapitel 2.1.2 steht zum Beispiel ganz deutlich: Die Transformation der Signale durch das Außenohr führt zu monauralen (einohrigen) spektralen Merkmalen, die Informationen über den Ort der Schallquelle enthalten. Das Wort monaural bedeutet ja nichts anderes als einohrig. Der Text sagt hier also schwarz auf weiß, dass ein einzelnes Ohr bereits die nötigen Daten für die Ortung liefert.

    Ein weiterer wichtiger Punkt findet sich ebenfalls in Kapitel 2.1.2. Dort wird erklärt: In Situationen, in denen binaurale Merkmale fehlen oder begrenzt sind, muss das Gehör monaurale Merkmale zur Bestimmung der Position einer Schallquelle heranziehen. Das gilt laut dem Text besonders für die Ortung oben/unten oder vorne/hinten. Da dort die Zeitunterschiede zwischen beiden Ohren oft gleich Null sind, beweist der Text, dass das Gehirn ein System hat, das nur über die Klangveränderung in der Ohrmuschel funktioniert.

    Dazu passt auch die Beschreibung in Kapitel 2.1.1 über den Bewegungsapparat der Ohren. Dass Tiere ihre Ohren ausrichten können, dient laut dem Text dazu, den Schall optimal einzufangen und zu transformieren, um die Lokalisation zu ermöglichen. Wenn wir den Kopf bewegen oder neigen, verändern wir aktiv diesen Klang-Code der Ohrmuschel, woraus das Gehirn dann die Position berechnet.

    Dass zb. blinde Menschen das mit einem Ohr oft besser können als Sehende mit zweien, liegt also einfach daran, dass ihr Gehirn darauf trainiert ist, diese im Text beschriebenen linearen Verzerrungen des Außenohres extrem fein auszuwerten. Die Information ist in jedem Ohr einzeln vorhanden – man muss sie nur lesen können, so wie es in deinem Text beschrieben wird.

    Beste Grüße!

    Dass Hörgeschädigte "nur" über die Augen kompensieren, ist ein weitverbreiteter Irrtum, den die Hirnforschung längst widerlegt hat. Nehmen wir die Studie von Gougoux et al. (2005) als Nachdenkvorlage:

    Dort wurde nachgewiesen, dass blinde Menschen mit nur einem Ohr Schallquellen präziser orten können als sehende Menschen mit zwei gesunden Ohren – das Ergebnis ist eigentlich der Knaller, da die Sehenden mit beiden Ohren sogar übertroffen wurden.

    Das beweist: Das Gehirn kann die fehlende Zeitdifferenz zwischen zwei Ohren durch die Analyse von Klangfarben (monaurale Spektralhinweise) nicht nur ausgleichen, sondern sogar übertreffen. Die Software (Gehirn) schlägt hier eindeutig die Hardware (Anzahl der Ohren).

    Nee ist klar. Übrigens Hören funktioniert beim Hund genauso wie beim Menschen....

    Du merkst anscheinend gar nicht, wie du dich hier im Kreis drehst:

    Einerseits sagst du, Hund und Mensch sind beim Hören exakt gleich, um dich als Experten aufzuspielen. Andererseits leugnest du beim Hund die monaurale Lokalisation (das Orten mit einem Ohr), obwohl diese beim Menschen wissenschaftlich absolut bewiesen ist.

    Was denn nun? Entweder sie sind gleich – dann gibt es monaurale Ortung bei beiden. Oder sie sind nicht gleich – dann ist dein ganzer Vergleich mit Bonebridge und CI hinfällig.

    Du kannst nicht einerseits 'Gleichheit' schreien und im nächsten Satz die Biologie unterschlagen, nur damit es in dein Weltbild passt. Fakt bleibt: Das Gehirn nutzt die Filterung der Ohrmuschel zum Orten, auch wenn nur ein Ohr da ist. Das ist Physik, keine Meinung.

    Die fachliche Eignung oder der Anspruch auf eine Leistung darf nicht von der persönlichen Identität oder einer identischen Lebenslage abhängen. Fachkompetenz und Anspruchsgrundlagen sind objektiv – alles andere führt zu absurden Ergebnissen

    Räumliches Hören ist die Fähigkeit, Schall im Raum zu platzieren. Das geht zum einen über das binaurale Hören (mit zwei Ohren) statisch und sofort, aber eben auch über das monaurale Hören (mit einem Ohr) dynamisch durch aktives Scannen. Beides führt zum Ziel der Ortung (räumliches Positionieren). Wer das ignoriert, betrachtet den Hund als lebloses Objekt und nicht als lernfähiges, biologisches System, dessen Gehirn fehlende Kanäle durch Bewegung und Rechenleistung kompensieren kann.

    Du redest hier mit einer betroffenen Person. Aber gut. Was weiß ich schon :grinning_face_with_smiling_eyes:

    Ich bin einfach zu dumm zum räumlichen hören. :hear_no_evil_monkey:

    Niemand sagt, dass du dumm bist. Aber man kann die menschliche Wahrnehmung hier einfach nicht mit der eines Hundes vergleichen. Hunde hören bis zu 65.000 Hz (wir nur 20.000 Hz) und nehmen Geräusche aus viermal größerer Entfernung wahr. Ein Hund ist akustisch gesehen ein Hochleistungs-Radar, wir sind dagegen fast taub.

    Eigentlich lieferst du den Beweis für die Ortung schon selbst: Um festzustellen, dass du nur auf einem Ohr gut hörst, muss dein Gehirn ja bereits eine Ortung vorgenommen haben. Du merkst ja physikalisch, dass der Schall von der einen Seite kommt und nicht von der anderen. Das ist bereits der Beginn von Ortung.

    Spannend wäre die Frage: Ab wie vielen Metern Entfernung weißt du nicht mehr, von welcher Seite du angesprochen wirst? Und ab wann vermischt es sich mit der Umgebung? Genau diese Unschärfe in der Distanz gleicht der Hund durch seine 18 Ohrmuskeln und aktives Scannen mit dem Kopf aus. Er nutzt die Klangveränderung bei Bewegung zur präzisen Positionsbestimmung. Das nennt sich monaurale Ortung – und das gehört trainiert, ganz klar.

    Warum überträgst du deine menschliche Einschränkung auf einen Hund und/oder umgekehrt ?

    Genau das SchokoSaurier.

    Räumliches Hören funktioniert nur mit zwei Ohren und nicht nur mit einem.

    Räumliches Hören ist die Fähigkeit, Schall im Raum zu platzieren. Das geht zum einen über das binaurale Hören (mit zwei Ohren) statisch und sofort, aber eben auch über das monaurale Hören (mit einem Ohr) dynamisch durch aktives Scannen. Beides führt zum Ziel der Ortung (räumliches Positionieren). Wer das ignoriert, betrachtet den Hund als lebloses Objekt und nicht als lernfähiges, biologisches System, dessen Gehirn fehlende Kanäle durch Bewegung und Rechenleistung kompensieren kann.

    Das ist faktisch falsch,

    da ein Hund kein statischer, sondern ein dynamischer Empfänger ist. Durch Kopf, Ohr ,Hals und Körper besitzt er verschiedene Achsen, um den Raum aktiv abzutasten und die Richtung physikalisch einwandfrei zu bestimmen. Das funktionierende Ohr wirkt dabei wie eine rotierende Radar-Antenne, die den Schalleintrittswinkel über die Zeit präzise einpeilt.

    Entscheidend ist daher nicht die Lautstärke, sondern eine längere Signaldauer, die dem Gehirn Zeit für diesen Scan-Vorgang gibt. Man sollte die Ortung daher wie ein Suchspiel bei der Nasenarbeit trainieren: Lange, leise Signale statt kurzem Gebrüll.

    Wenn das Signal aber einfach gar nicht ankommt. Dann kommt es nicht an.

    Da gibts auch nichts zu trainieren.

    Wenn das Signal eines gesunden Ohrs im Gehirn „einfach gar nicht ankommt“, dann reden wir nicht mehr über Taubheit, sondern über ein schwerwiegendes neurologisches Problem.

    Physikalisch gesehen kommt das Signal bei einem einseitig hörenden Hund immer am gesunden Ohr an – völlig egal, aus welcher Richtung der Schall kommt (Stichwort Wellenbeugung). Wenn der Hund daraus keine Richtung ableiten kann, liegt das nicht an der „unmöglichen Physik“, sondern an einer mangelhaften Verarbeitung im Gehirn.

    Genau deshalb ist Training ja so entscheidend: Das Gehirn muss lernen, die Daten des einen verbliebenen Kanals neu zu interpretieren. Zu behaupten, da gäbe es nichts zu trainieren, ist faktisch falsch. Es ist, als würde man behaupten, ein Einäugiger könne nicht lernen, Entfernungen abzuschätzen. Er nutzt dafür einfach andere Parameter (wie Bewegung und Perspektive) – und genau das macht der Hund akustisch auch, sofern man ihm die Zeit für den Scan-Vorgang gibt.