Ich mag meinen Hund nicht?

  • Ich persönlich finde es eher befremdlich (ohne jemand anderem diese Gefühle / Gedanken absprechen zu wollen), zu erwarten, dass da gleich eine tiefe Bindung mit einem völlig fremden Lebewesen ist, bloß weil man beschlossen hat, es aufzunehmen. Ich habe alles: Lucy, nicht ausgesucht, nicht wirklich drauf gefreut, dann hatte ich sie am Tag der Abholung das erste Mal wirklich wahrgenommen und auf dem Arm und es war sofort da, dieses Gefühl. Ich habe sie wirklich von diesem ersten Moment an geliebt. Bei Grisu, der lange ausgesucht und mehrfach vor der Übernahme besucht wurde, hat es mehrere Monate gedauert. Und bis es wirklich dasselbe tiefe Gefühl war, wie bei Lucy, wohl Jahre. Aber ich mochte ihn immer und habe nie etwas in Richtung "Welpenblues" gehabt. Eigentlich kam es mir bei Grisu sogar normaler vor so :lol: . Es hat sich immer in Ordnung angefühlt, dass er da war und heute ist das Gefühl nicht weniger innig und tief, wie bei Lucy. Bei Smilla nun hat es so 2-3 Tage gedauert :herzen1: . Wär aber auch nicht schlimm gewesen, wenn es länger gebraucht hätte.

    Aber: zu unserer Katze habe ich bis heute keine wirkliche Beziehung :ops: . Sie ist Freigänger und fast nur draußen, wird gut versorgt und wenn sie mal will, auch beschmust, aber wir leben absolut nebeneinander her. Sie wurde uns genau so vom Tierheim vermittelt und hat hier sicher ein Leben, das sie so leben will. Ich glaube nicht, dass sie woanders glücklicher wäre... Bei einem Hund würde mir das aber nicht reichen. Insofern, wenn man da wirklich gar keine Beziehung aufbauen kann...?! An eurer Stelle würde ich allerdings auch einfach erst mal die Zeit arbeiten lassen. Viele Beziehungen wachsen langsam. Unternehmt etwas zu 2., schafft gemeinsame Erfolgserlebnisse und Auszeiten, lernt euch einfach in Ruhe kennen :smile:

  • Aber ich mochte ihn immer und habe nie etwas in Richtung "Welpenblues" gehabt. Eigentlich kam es mir bei Grisu sogar normaler vor so :lol: . Es hat sich immer in Ordnung angefühlt, dass er da war und heute ist das Gefühl nicht weniger innig und tief, wie bei Lucy.

    Genau. Es hat sich immer in Ordnung für dich angefühlt. Für mich fühlt es sich aktuell, obwohl ich nicht überfordert mit der Haltung und Pflege bin, nicht in Ordnung an. Eine super tiefe und romantische Beziehung erwarte ich wirklich nicht. Nur ein bisschen Sympathie, und nicht mal die kann ich aufbringen.

    Ich glaube, mein ärgstes Problem ist, dass ich einfach nicht genau benennen kann, was mich denn überhaupt stört.
    Mehr putzen? Nö, sauge eh jeden Tag und wische jeden dritten.
    Mehr Kosten? Klar, geht aber, find ich. Sooo viel mehr ist das nun auch nicht.
    Anstrengend? Ist halt die Anfangszeit, da klappt natürlich nicht alles super und gerade die Nächte sind hart, aber überanstrengt fühle ich mich mit diesem easy going Hund nicht.
    Die Haptik? Stinkt weniger und verliert weniger Haare als meine Dicke durch das kurze Stockhaar.
    Der Charakter? Anhänglich, lieb, bisschen sehr stur, verfressen, dampfwalzartig, verträglich mit allem und jedem. Wollte ich doch haben, besser geht's nicht.

    So, alles wunderbar. Wieso nur schau ich mir dann den Hund an und denke mir "Na ist nett. Lieber Hund. Und nun geh auf deinen Platz und lass mich in Frieden."

    Genau, wir lassen die Zeit für uns arbeiten. Aber allzu lang werde ich nicht warten, hab mir jetzt ein Maximum von 2-3 Monaten gesetzt. Ich hab für mich beschlossen, dass der Hund das so nicht verdient und ich außerdem kein Tier haben möchte, das ich wirklich nur "toleriere". Dann ist es wohl sinnvoller ein nettes liebendes Herrchen mit Sachverstand für Rasco zu suchen. Und das möchte ich nicht erst in vielen Monaten oder Jahren, wenn er sich 100% an mich gebunden hat. Dann wäre das Thema Zweithund mit dieser "Niederlage" für mich komplett abgeschlossen.

  • Was mich ein wenig wundert, ist, dass du den Hund ja angesehen hast. Und da hast du auch keine Sympathie für ihn empfunden? Wieso hast du ihn dann genommen?

    Ich mach mir nie darüber Gedanken, ob und wie sehr ich meine Tiere liebe. Mit manchen habe ich eine tiefere Beziehung als mit anderen. Hab ich mal ein Tier, dann bin ich dafür verantwortlich, dann bleibt es auch bei mir.Die einzige Ausnahme bei der ich über eine Abgabe nachdenken würde, wäre wenn ich dem Tier nicht mehr gerecht werden würde.

  • Ich hab ihn mir angeschaut und war 4mal da. Ich saß lange mit den Besitzern zusammen und hab über ihn gesprochen, ich war allein mit ihm draußen, in der Stadt, auf der Hundewiese und mit meiner Hündin unterwegs. Und überall hat mir sein Verhalten sehr gefallen. Dazu ist er noch sehr hübsch gefleckt und hat eine gute Statur (bzw wird eine haben, wenn er erstmal abgespeckt hat). Alles an ihm hat mir gefallen. Und damit lag ich ja auch richtig. Ob ich mich jetzt 100% verliebe, darüber hab ich ehrlich gesagt nicht nachgedacht.

    Vielleicht hab ich ja zu rational entschieden, ohne auf mein Herz zu hören? Ich hab mich mal Hals über Kopf in einen Hund aus dem Tierheim verliebt, da hat aber gar nichts gestimmt. Vielleicht hätte ich ja die nehmen sollen?

    Ich mach mir nie darüber Gedanken, ob und wie sehr ich meine Tiere liebe. Mit manchen habe ich eine tiefere Beziehung als mit anderen. Hab ich mal ein Tier, dann bin ich dafür verantwortlich, dann bleibt es auch bei mir.

    Ich weiß nicht, irgendwie ist das schade. Klar ist man für seine Tiere verantwortlich, ich komm vom Bauernhof und habe da auch Verantwortung mittragen müssen für Tiere, die mir nicht am Herzen liegen. Immerhin macht man das auf einem Bauernhof so und verdient seinen Lebensunterhalt damit. Aber man möchte doch nicht viel Geld und den Großteil seiner Freizeit über Jahre in ein Tier stecken, das einem irgendwie nichts gibt. Immerhin bin ich nicht der einzige Mensch auf der Welt, der einem Hund ein gutes Zuhause geben kann, wo er ausgelastet und allgemein physisch befriedigt wird.

  • Ich weiß nicht, irgendwie ist das schade. Klar ist man für seine Tiere verantwortlich, ich komm vom Bauernhof und habe da auch Verantwortung mittragen müssen für Tiere, die mir nicht am Herzen liegen. Immerhin macht man das auf einem Bauernhof so und verdient seinen Lebensunterhalt damit. Aber man möchte doch nicht viel Geld und den Großteil seiner Freizeit über Jahre in ein Tier stecken, das einem irgendwie nichts gibt. Immerhin bin ich nicht der einzige Mensch auf der Welt, der einem Hund ein gutes Zuhause geben kann, wo er ausgelastet und allgemein physisch befriedigt wird.

    Erstens kenne ich viele Landwirte, denen ihre Tiere sehr am Herzen liegen, auch, wenn sie ihren Lebensunterhalt damit verdienen.

    Zwitens gibt es zig Hunde, die sehr geliebt werden... und trotzdem wegen schlechter Haltung (verfetten, zu wenig geistiger Input, was auch immer!) trotz aller "Liebe" eigentlich sterbensunglücklich sind.
    Genausoviele Tiere gibt es, wo das Verhältnis nicht die innige große, tiefe Liebe ist, die Tiere aber ein Super Leben haben und absolut glücklich und zufrieden damit sind.

    So ganz verstehe ich Dein Problem nicht, aber wenn Du meinst, Du WILLST diesen Hund nicht haben, dann gib ihn besser gleich ab. Der Hund könnte nämlich eine Bindung zu Dir aufbauen und dann von Dir verlassen zu werden ist schlimmer als gleich einen Schlußstrich zu ziehen.

  • Ich finde eher deine Sichtweise schade, der Hund hat sich dich nicht ausgesucht, sondern du ihn. Nun muss er schon wieder das zu Hause wechseln, weil es nicht so ist wie du es dir gewünscht hast. Ich würde es nicht tun und kann es nicht nachvollziehen, aber wenn du merkst du kannst nicht, dann triff die Entscheidung lieber früher als später.
    Ich hatte auch Ersthundeblues, mir wäre es aber in 100 Jahren eingefallen den Hund wieder wegzugeben.

  • wenn du eine Deadline im Kopf hast dann vergiß es. Liebe, eine Beziehung einander kennen und vertrauen kommt nicht auf Bestellung und auch nicht von heute auf morgen. Dazu braucht es Zeit, Offenheit und gemeinsame Erlebnisse.

    Immer zu lauern und sich selbst zu beobachten ob da jetzt gefühlstechnisch was passiert ist denke ich das Falscheste was man tun kann. Genieße die Momente mit ihm, mach ihm kleine Freuden und erfreu dich selber dran und vergiss die Deadline.
    Wenn du das nicht kannst, nicht im Augenblick leben kannst, dich nicht freuen kannst über die kleinen Momente, dich stattdessen nur selbst beobachtest dann vergiss es und such ihm ein tolles Zuhause.
    Man liebt niemanden weil man sich selbst zur Liebe zwingt oder in sich selbst diese Liebe sucht sondern weil man sie in dem Gegenüber suchst und findet.

    Meine Resi bekam ich 5jährig, beissend, fett, unerzogen. Sollte nur zur Pflege sein. erst 6 wochen. Gut die steht man durch dann war sie ein halbes Jahr da und dann ein ganzes und irgendwann war die Liebe zu dieser kleinen Zicke so groß dass ich mich sehr freute sie endgültig behalten zu dürfen. Aber Gott was habe ich diesen Hund im ersten halben Jahr verflucht. ich glaube wir haben uns gegenseitig gehasst weil wir aus 2 komplett verschiedenen Welten kamen. Sie dachte sie wäre ein Sofakissen mit Zähnen und ich verlangte dass sie sich wie ein Hund benimmt. Unsere alltäglichen Dinge hatten wir irgendwann ausdiskutiert und auf mehr hatte ich bei ihr irgendwann keinen Bock mehr also lief sie nebenher. Mit 6 1/2 Jahren stand sie plötzlich da und wollte dringend auch arbeiten und das tat sie dann auch wie eine Große. Was ich sagen will, man braucht manchmal echt lange um zueinander zu finden aber gerade diese Beziehungen die nicht von Beginn an so optimal liefen, sind irgendwann die besonders festen.

  • Ich würde wohl ein neues Zuhause suchen, so hart es klingt. :|
    ICH könnte absolut nicht mit dem Gedanken leben, dass mich mein Hund/Tier einfach nervt und ankotzt. Würde mir wohl das Herz brechen.

    Wenn mein Gefühl mir sagt, dass sich das nicht ändert - in aller Ruhe ein gutes Zuhause suchen!

    Verachten würde ich mich dafür aber nicht: So beschissen die Situation ist, manches lässt sich nicht erzwingen.

  • Aber man möchte doch nicht viel Geld und den Großteil seiner Freizeit über Jahre in ein Tier stecken, das einem irgendwie nichts gibt

    Wenn das wirklich das ist, was Du über diesen Hund denkst.
    Ich verstehe hier viele Antworten nicht. Ein wenig Sympathie wenigstens - wenn schon nicht Zuneigung - war bei mir bei allen Tieren da. Und ja, dann war ich genervt, überfordert, sauer etc. manchmal. Und ja, ich dachte: Hätte ich das bloß gelassen! Aber zumindest Sympathie war immer da. Und nie dachte ich, dass mir mein Tier nichts gibt.

    Ich komme mir blöd vor, mich gegen die Mehrheit zu stellen. Zumal hier viele sicher mehr Erfahrung haben als ich. Aber ich würde dem Hund so schnell wie möglich ein Heim suchen, wo er nicht nur gut versorgt wird - das wird er im Tierheim auch -, sondern wo er geliebt wird. Meiner Meinung nach hat jeder Hund Liebe verdient. Und wenn er wirklich so unkompliziert ist, dürfte es nicht sooo schwierig sein, ein schönes Heim für ihn zu finden.

    An die TS: Du hast Dir das alles immer vorgestellt etc. Aber evtl. willst Du am Ende gar keinen Zweithund? Sind nicht alle Menschen zu Mehrhundehaltern gemacht.

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