"Wir entscheiden das selber"

  • Interessantes Thema!

    Fakt ist:
    - im Sommer schließe ich eine umfassende Ausbildung im Gesundheitsbereich ab - allerdings in der Humanmedizin
    - diverse Krankheitsbilder, Medikamentengruppen und grundlegende physiologische Abläufe sind mir trotzdem gut bekannt
    - da mich die Veterinärmedizin ebenfalls schon immer gereizt hat, nutze ich jede Mögkichkeit, in Gesprächen oder durch Literatur auch dahingehend mein Wissen zu erweitern
    - NIEMALS würde ich vergessen, wer letztendlich das Studium gemacht hat ;)

    Ja, ich bin mir ziemlich sicher, so wie meine Hausärzte schon manchmal an mir verzweifelt sind, so könnte es auch durchaus manchen Tierärzten mit mir gehen.
    Ich hinterfrage gern, ich will verstehen und dazulernen und zu manchen Aspekten habe ich mir mittlerweile eine Meinung gebildet, die ich vertrete.
    Ich behalte mir vor, AB abzulehnen, wenn es um einen Husten oder Schnupfen geht - sowohl bei mir als auch bei Henry. Ich renne nicht jedes Jahr zum Betriebsarzt um mich impfen zu lassen, ich werde nach Titerbestimmung geimpft und bei Henry halte ich mich an die Empfehlungen der Impfkommission der Veterinärmediziner und würde im Zweifelsfall auch da erst eine Titerbestimmung machen lassen.
    Und so wie ich erwarte, dass meine Ärzte mir erst irgendwelche Medis verschreiben, wenn sie sich wirklich sicher sind mit ihrem Verdacht bzw ihrer Diagnose, so möchte ich das auch bei Henry.

    Wie heute erst in einem anderen Thread geschrieben ist es für mich daher einfach schöner einen TA zu haben, der mir dann auf Augenhöhe begegnet. Nicht einfach über meinen Kopf entscheidet, mir zuhört und mir plausibel erklären kann, wieso er was jetzt wie gern machen würde.
    Meine jetzige TÄ ist in vielen Dingen der gleichen Meinung wie ich, hat eine Engelsgeduld für all meine Fragen und sieht diese nicht als Angriff auf ihre Kompetenz sondern als das was es ist: großes Interesse an der Materie und der Wille, Henry die bestmögliche medizinische Versorgung zukommen zu lassen.
    Und das macht es mir am Ende dann auch sehr leicht, ihr im Zweifelsfall absolut zu vertrauen und ihr den Schlawiner anzuvertrauen :dafuer:

  • So ein Studium ist doch nun etwas mehr als nur Bücher wälzen.
    Natürlich ein größerer Bestandteil, aber eben auch praktische Dinge wie sezieren wo Tieren, Arbeit in einer Tierklinik etc etc.

    UND vor allem das Ganze passiert und fachkundiger Anleitung von Professoren und dergleichen.

    Ich kann mir ja auch nicht einfach das BGB und eine paar Bücher über Rechnungswesen besorgen und mich damit selbst zur Rechtsanfaltsfachangestellten oder gar Anwältin ausbilden oder?

    Ich bezweifele sehr stark, dass das was man sich so anliest wirklich mit dem Studium annähernd gleichzusetzen ist.

    Diagnostik ist gerade bei Tiere extrem schwer. Man kann ja nicht fragen wo es weh tut. NATÜRLICH ist der Arzt dann auf meine Beobachtungen angewiesen, weil ich das Tier nunmal kenne/täglich um mich habe.
    Dennoch geht eben manches erst über das Ausschlussprinzip...schön wäre eine Glaskugel aber da ist noch keine Zuverlässige erfunden worden.

  • Ich verstehe ehrlich gesagt das Problem nicht so ganz.

    Soll man als Hundebesitzer klein und unmündig bleiben, beim TA nicht selber denken und sich kein Hintergrundwissen aneignen? Brav den Mund halten, egal was man denkt und artig dem TA gehorchen oder worum geht es?

    Die Erfahrung zeigt doch, dass schon bei den Basics - Paradethema Impfen - 5 TAs 5 verschiedene Meinungen zum Besten geben werden. Was bleibt mir als Hundehalter da übrig, als mich selbst zu informieren und mir die meiner Meinung nach passende Variante zu wählen?

    Ich werde nie den Röntgenblick haben, aber ein gewisses Wissen über Leitsymptome ist vorhanden. Mir wird es nie passieren, dass mich ein TA mit einem Hund mit eindeutigen MD Symptomen nach Hause schickt und mir der verreckt, weil ich mir einreden lasse, das sei alles halb so wild und das könne man auch am nächsten Morgen zur regulären Sprechstunde untersuchen - genau so einer Freundin passiert.

    Auf der einen Seite wird immer verlangt, dass die Leute sich informieren, Verantwortung übernehmen... tun sie es, ist es auch nicht recht.

  • Nein aber das man nicht leichtfertig und nur auf Basis von dem was man mal irgendwann irgendwo gelesen hat, über elementare Dinge wie medikamentöse Behandlung entscheiden darf.
    Erst recht nicht um dann in Foren damit zu prahlen wie toll man das doch hinbekommen hat ;)

    Es ist mir halt bei manchen sauer aufgestoßén was die so an Behandlungstipps bzw Parolen raushauen ala "den Tierarzt brauchen wir nur noch wenn überhaupt für die Diagnose...Behandlung und alles mache ich selber" und ich wollte Meinungen hören ob das nicht sehr naiv/riskant ist

  • Ich habe ein naturwissenschaftliches Studium (technische Biologie), promovieren zwar mittlerweile als Ingenieurin, aber bin ursprünglich u. a. vertieft in den Fachrichtungen Biochemie/ Immunologie und kann daher in vielen Dingen mit einem (Tier)Arzt zumindest auf Augenhöhe diskutieren. Außerdem kenn ich mich in der Fachliteratur aus, hab Zugang zu fast sämtlichen aktuellen Publikationen und halte mich auch für in der Lage seriöse von nichtseriösen Quellen zu unterscheiden.

    Man eckt mit (Tier)Ärzten, oft an, wenn man vom Fach ist (es gibt ja leider immer die, die meinen mit einem weißen Kittel ist man automatisch die intelligenteste Person im Raum), aber zu denen geh ich eben nur einmal. Es gibt auch genug, die sich freuen, zu diskutieren und andere Ansichten/Meinungen interessiert anhören, kritische Nachfragen ausführlich beantworten und nicht in diesen "Ich bin Arzt, ich hab immer Recht-Modus" verfallen.
    Was ich nämlich im Vergleich zu einem (Tier)Arzt einfach NICHT habe ist Erfahrung. Das, was ein praktizierender Tierarzt über viele Jahre tagtäglich sieht und erlebt, kann man sich nicht "anlernen" oder "anlesen". Was man in irgendwelchen Foren oder Internetberichten oft dramatisch aufgebauscht liest, sind unter Umständen dann doch eher sehr seltene Einzelfälle, wovon man sich nicht allzusehr beeinflussen lassen sollte. Die 10000 Fälle, in denen es gut ging, schreibt ja keiner nieder.

    Daher vertraue ich letzten Endes doch meist auf de Meinung der Ärzte, wenn sie es eben schaffen, mich mit guten Argumenten zu überzeugen.

  • Als Tierärztin kann ich dazu nur sagen, dass gegen informierte Hundehalter rein gar nichts einzuwenden ist, auch wenn sie die deutlich "schwierigeren" Patienten sind (man muss dazu sagen, dass diese jedoch noch deutlich in der Unterzahl sind!).

    Was aber schlimmer als belesene Patienten sind, sind Patienten mit gefährlichem Halbwissen (bevorzugt angelesen in schlecht recherchierten und reißerisch verfassten Facebookartikeln), die dann gerne alles und jeden in Frage stellen, für ihre Kritik am Behandlungsvorschlag aber keine haltbaren Argumente haben und leider die Situation medizinisch einfach komplett falsch einschätzen.

  • Nein aber das man nicht leichtfertig und nur auf Basis von dem was man mal irgendwann irgendwo gelesen hat, über elementare Dinge wie medikamentöse Behandlung entscheiden darf.
    Erst recht nicht um dann in Foren damit zu prahlen wie toll man das doch hinbekommen hat ;)

    Es ist mir halt bei manchen sauer aufgestoßén was die so an Behandlungstipps bzw Parolen raushauen ala "den Tierarzt brauchen wir nur noch wenn überhaupt für die Diagnose...Behandlung und alles mache ich selber" und ich wollte Meinungen hören ob das nicht sehr naiv/riskant ist

    Es IST in manchen Fällen naiv und riskant, wie es in manchen Fällen naiv und riskant ist, blind auf die Kompetenz eines TA zu vertrauen.

  • Ah, ich hab tatsaechlich mal einem TA erklaert, dass ich sehr genau weiss was der Hund hat und wie er zu behandeln ist und das er mit seiner Moechtegern-Art jetzt aufhoeren darf und den Hund zu behandeln hat.

    Aaaaaber..der Hund war da seit ueber 2 Jahren bereits schwer krank, Diagnose und Therapie standen (Therapie hat nicht funktioniert) und wir waren wegen einer speziellen Untersuchung in der TK. Da muss mir kein Assistenz-TA ankommen und sich aufspielen von wegen der Hund habe keinen Ikterus (aehm ja...), er sei krank weil er im Ausland war (war der Hund NIE!) und braeuchte entsprechende Untersuchungen und seine Kollegen (in der TK und unsere Haus-TAe) und Chefs haetten alle keinen Plan.

    Ja dem hab ich recht fix klargemacht, dass ich kein dummer HH bin, sondern sehr wohl sehr gut ueber das Krankheitsbild meines Hundes Bescheid weiss.

    Das war aber das einzige mal, dass ich so ein Thema mit nem TA hatte.

  • angel: Dosierungen von Schilddrüsenhormonen bestimmen übrigens viele Patienten selbst anhand ihres Befindens. Ist von meinem Arzt sogar so gewollt. Ob das aus dem Ruder läuft kontrolliert man dann anhand von Blutwerten

  • Also ich habe zur Zeit ja leider keinen Hund und kann daher nur als Katzenhalter sprechen. Aber da sind meine Erfahrungen mit TÄ auch eher so lala und ich habe noch keinen Tierarzt/keine Tierärztin gefunden dem/der ich blind vertrauen würde.
    Bestes Beispiel: Vor 5-6 Jahren habe ich meine Kater auf anraten eines TA teilweise mit Royal Canin Katzentrofu gefüttert. (Mischfütterung soll durch das Trofu besser für die Zähne sein usw.)
    Ein paar Monate später hat eine meiner Katzen dann plötzliche angefangen auf die Sofadecke oder den Badvorleger zu pinkeln. Vorher hatte er keine Probleme! Über ein Forum wurde mir geraten unbedingt den urin untersuchn zu lassen. Ergebnis: Der Kater hatte tatsächlich Harngries, während der TA eher auf Stress usw. getippt hätte (Kater hat ja noch kein Blut oder nur Tropfen gepinkelt) und mir erst mal Feliway (Wohlfühlpheromonstecker) verkaufen wollte bevor er einen Urintest macht!
    Der TA hat mir nach der Diagnose eine harnansäuernde Paste mitgegeben und wollte mir natürlich zusätzlich wiederf besonders geeignetes Trofu aufschwatzen- dieses Mal nicht nicht das normale Royal Canin für Katzen, sondern das "urinary care"....
    Im Forum war die Meinung dagegen einstimmig: Katzen trinken oft zu wenig und Trofu entzieht noch zusätzlich Wasser, Inhahaltstoffe von Royal Canin auch nicht gut-zu getreidelastig, Pharmaindustrie unterstützt TA Praxen...Wahrscheinlich ist der Harngries erst durch das Trofufüttern entstanden... Am besten wäre den akuten Harngries zu behandeln und dann eine Futterumstellung auf Barf oder nur Nassfutter (aber dann bitte hochwertiges) und für die Zähne eben dann ab und an ein rohes Stückchen Rindergulasch (aber nicht mehr als 20% unsupplementiert..)
    Tja. Ende vom Lied: Die Paste vom TA hat natürlich geholfen. Aber von guter Fütterung hatte dieser TA keine Ahnung. Hätte ich auf den TA gehört würde mein Kater wohl nicht seit 6 Jahren beschwerdefrei sein. Wahrscheinlich würde ich ohne das Forum das tolle Trofu RC urinary kaufen und totzdem daran verzweifeln dass er alle paar Monate wieder Probleme hat...
    Auch nett war eine TÄ die den Freigänger meiner Eltern geimpft hat und die Tollwutimpfung zwischen die Schulterblätter gesetzt hat. Von Impfsarkom und dass man deshalb besser ins rechte hinterbein spritzt hatte sie wohl nichts gehört...
    Das sind alles so Dinge, wo es gut ist wenn man sich informiert...

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