Click beendet Verhalten vs. Click = Versprechen auf Belohnun

  • Ich habe mal eine Frage an euch, die ich mir heute morgen beim Spaziergang gestellt habe.

    Der Kern steht eigentlich schon in der Überschrift. Genauer gesagt geht es um folgendes:

    a) Der Clicker habe ich, wie wohl die meisten, so aufgebaut, dass er Futter verspricht. Bisher habe ich den Click auch nur benutzt, um positives Verhalten zu markern, beim Trickaufbau etc.

    b) Ich habe hier mehrfach gelesen, dass manche auch in unerwünschtes Verhalten clickern und es damit abbrechen. Habe ich heute bei den Jagdversuchen probiert und funktioniert wunderbar. Hund rennt los, ich clicke, Hund stoppt und schaut zur mir bzw. rennt sogar zurück. Wenn er nur stoppt, kann ich ihn einfach zurückrufen.

    Frage 1: verwirrt das den Hund? Wenn man einerseits den Click als positiven Marker verwendet, andererseits aber auch unerwünschtes Verhalten "markert", weil er damit sein Verhalten unterbricht und sich mir zu wendet?

    Frage 2: Verhaltensketten. Die baut mein Hund verdammt schnell auf, wenn es um seine Leckerlies geht. Sprich, er merkt sich sehr schnell, auf welches Verhalten er zurückgerufen wird/geclickt wird, und zeigt das dann häufiger. Bei a) ja gewünscht, bei b) nicht. Wie kann man das verhindern?

  • Ich bin auch die Antworten hier gespannt.

    Ich ganz persönlich clicker ja viel und würde so nicht verfahren, denn du bestätigst ja das Verhalten damit und es ist ja wahrscheinlich ein Verhalten was du nicht wünscht.

  • Du hast da etwas verstrickt. Eigentlich ist es ganz einfach. ;)

    Der Clicker wird positiv aufgebaut - damit sagst du dem Hund in der Regel: "Hey, geil! Genau das wollte ich sehen - jetzt gibts was!" Das kannst du dann beim tricksen, positives Verhalten markern etc. pp.

    Wenn du jetzt einen Hund hast, der bspw. auf Radfahrer aggressiv reagiert, dann kannst du ihm sagen: "Hey, da kommt ein Radfahrer - geil! Hier hast du was!". Der Hund wird nach einiger Zeit verknüpfen: Radfahrer - Click - Belohnung. Radfahrer sind also was tolles für ihn. Er braucht nicht mehr aggressiv reagieren, es sind positive Gefühle beim Anblick eines Radfahrers entstanden.

    Ist der Hund bereits in action und ich clickere, dann bricht Hund natürlich sein Verhalten ab. Der hat so ein "Glücksgefühl" und freut sich auf seinen Keks, dass alles andere eher unwichtig wird. So ein Click ist durchdringend. Ich kanns aber auch nicht erklären. :ops:

  • Zitat


    b) Ich habe hier mehrfach gelesen, dass manche auch in unerwünschtes Verhalten clickern und es damit abbrechen. Habe ich heute bei den Jagdversuchen probiert und funktioniert wunderbar. Hund rennt los, ich clicke, Hund stoppt und schaut zur mir bzw. rennt sogar zurück. Wenn er nur stoppt, kann ich ihn einfach zurückrufen.


    Das habe ich so noch nicht gelesen, was ja nix heisst. Bin gespannt, auf weitere Antworten.

    Ich kann mir nicht vorstellen, so zu clickern. Ich habe mich seinerzeit schon dagegen entschieden, Pondis Vorstehen zu clickern. Da war meine Sorge naemlich immer, dass er nicht das Leckerchen nimmt, sondern das, was in dem Moment seine groesste Belohnung gewesen waere: ab in den Wald und hin zum Viechzeug.

  • Zitat

    Frage 1: verwirrt das den Hund? Wenn man einerseits den Click als positiven Marker verwendet, andererseits aber auch unerwünschtes Verhalten "markert", weil er damit sein Verhalten unterbricht und sich mir zu wendet?

    Mit erstem lädst Du das positive Gefühl beim Click immer wieder auf, eben, damit der Click direkt ins Unterbewusstsein geht.
    Frage 2: Verhaltensketten. Die baut mein Hund verdammt schnell auf, wenn es um seine Leckerlies geht. Sprich, er merkt sich sehr schnell, auf welches Verhalten er zurückgerufen wird/geclickt wird, und zeigt das dann häufiger. Bei a) ja gewünscht, bei b) nicht. Wie kann man das verhindern?


    Den Hund sehr gut beobachten, bei Anzeichen von Jagdverhalten, rufen, clickern.
    Ich kenne die Sache mit dem "reinclickern" eher bei Leinen- oder Artgenossenaggression, und da hilft es halt, weil der Click direkt ins Unterbewusstsein geht und der Hund eben für andere Sachen nicht ansprechbar ist.
    Aber auch da versucht man, es gar nicht so weit kommen zu lassen und vorher zu agieren, bevor sich der Hund zu sehr reinsteigert. Das "reinclickern" bleibt dann für den absoluten Notfall.

  • Ich hatte anfangs arge Bedenken.
    Allerdings ist es so, dass man mit "Clickern ins unerwünschte Verhalten" auch ganz viele erwünschte/schöne Verhaltensweisen bestärken kann - und ja, die "Gefahr" der Verhaltenskette besteht. Allerdings kann man, mit einem etwas geübten Auge das nächste Mal so clickern, dass man die Zeitpunkte vor dem erwünschten Verhalten makert und so lernt der Hund, dass er gar nicht mehr Unerwünschtes tun muss, sondern Handlungen davor schon ausreichen. So kann man sich unerwünschtes Verhalten runtershapen.

    Uns Jagdverhalten reinclickern ist ebenso effektiv wie ins Aggressionsverhalten zu clickern. Ich finde es sehr mutig von dir, dass du es ausprobiert hast und ich freue mich, dass du bemerkt hast, dass der Clicker noch mehr kann, als ein bisschen Trickspielerei.

    Beim Aggressionsverhalten ist der Ansatz, dass ich den Hund beim Clickern mit diesen freudigen Gefühlen, die er durch den Clicker kennt, aus der Aggression helfe, das ist die Clickersalve. So "clickern die meisten rein".
    Ich clickere so ins Aggressionsverhalten wie du ins Jagdverhalten, um mir die Tür zu öffnen. Ich habe ja schon des Öfteren erklärt, wie ich Akuma abgehalten habe, Yoma ständig anzuknurren auf der Couch sobald er sich bewegt hat. ich habe einfach geclickt. Natürlich hat er zeitweise verstanden "knurren = Leckerli" udn hat das Verhalten öfter gezeigt, so funktioniert die positive Verstärkung nun einmal.

    ABER. Er hat es beim Knurren belassen, statt ihn zu attackieren. Mit ideser Grundlage war es für mich einfacher, den Hund dazu zu bringen, das gar nicht mehr zu tun. Ich habe dann einfach geclickert, wen er sich auf ihn zu bewegt hat und als Alternative dann "Geh zum Platz zurück" (so schön wie möglich!) - Das Ergebnis ist, der Hund wird irgendwann auf den Platz bleiben und es gut sein lassen.


    Zu Frage 1: Nein. Denn der Hund weiß nicht, was du wünschts und was nicht. Für ihn ist es ein neutrales Verhalten.
    Da der Click das Verhalten immer beendet (auch wenn das hier einige nicht glauben wollen), reagiert dein hudn gemäß dieser Tatsache und du kannst das für dich nutzen. Nach diesem Ansatz funktioniert das von mir erklärte Barriere-Clickern. Egal wie du bisher mit dem Clicker gearbeitet hast - jedes Mal wenn du ihn als Marker nutzt, wird der Hund sein Verhalten unterbrechen und sich bestensfalls zu dir orientieren, weil du die Belohnung gibst

    Zu Frage 2: So wie du das momentan nutzt, was kann den nach der posoitiven Verstärkung schlimmstenfalls passieren? Ja, genau! Der Hund wird bei Wildsichtung hinlaufen mit der Erwartung, dass du clickst und er kommt zu dir.
    Wie schon geschrieben, geh im Verhalten zurück. Bevor der Hund losläuft, tut er sicherlich noch was anderes, egal was es ist, verschiebe den Fokus darauf. Das ist auch ganz praktisch, denn so verlängerst du dieses Verhalten und verschafft dir Zeit. Baue doch über den Clicker ein Umorientierungssignal auf, wenn dein Hund das so gut macht und schiebe es statt dem Click dazwischen, wenn du dir unsicher bist.

  • Zitat

    Ich kann mir nicht vorstellen, so zu clickern. Ich habe mich seinerzeit schon dagegen entschieden, Pondis Vorstehen zu clickern. Da war meine Sorge naemlich immer, dass er nicht das Leckerchen nimmt, sondern das, was in dem Moment seine groesste Belohnung gewesen waere: ab in den Wald und hin zum Viechzeug.

    Selbst wenn das geschähe - er würde lernen, dass sich Vorstehen lohnt.


    Camillo
    Die Überschrift ist eigentlich... etwas irreführend. Im Endeffekt, egal wie du den Clicker nutzt, er ist immer beides. Du nutzt nur im bestimmten Situationen eine der beiden Komponenten für dich aus. Es gäbe ja noch die dritte = Der Clicker löst schöne Gefühle aus.

  • Zitat

    Selbst wenn das geschähe - er würde lernen, dass sich Vorstehen lohnt.


    Mal abgesehen davon, dass er das wusste und ich sein Vorstehen durchaus gefestigt und ausgenutzt habe - was nuetzt mir ein Vorstehen, dass von wilder Hatz in den Wald gefolgt ist? Ich fuerchte, die Jaeger/Rehe/Hasen... haetten wenig Verstaendnis dafuer gehabt, dass mein Hund grad lernt, was Vorstehen fuer Vorteile hat.

  • Es ist doch lediglich eine Vermutung deinerseits, dass er dann abgedüst wäre.
    Sowas hätte man über Schleppleine absichern können, um es herauszufinden und zu trainieren.

    Wenn du es dir nicht zutraust, ist das okay... aber das spricht nicht gegen ins Jagdverhalten zu clickern.

  • Zitat


    Da der Click das Verhalten immer beendet (auch wenn das hier einige nicht glauben wollen),...

    Wir hatten es ja schon in einem anderen Fred... der Click kann, muss aber nicht ein Verhalten beenden...

    Wenn ich einen "Liegendtrick" clickere, z.B. Pfoten kreuzen im Liegen, lernt mein Hund als erstes, dass Liegen Teil der Aufgabe ist und dann, im Rahmen einer Verhaltenskette, noch was mit den Pfoten zu machen... es wäre contraproduktiv, wenn der Hund sich nach jedem Click fürs Liegen wieder erheben würde.

    Clickergrüße

    Bea

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