Hund traut sich garnichts.. :/

  • Meinst Du wirklich es macht Sinn mit einem Click zu bestärken, wenn dem Hund schon das Herz in die Hose rutscht wenn Du nur hustest oder niest?

    Unsere hatte sogar Angst vor den Quietschies.

    Zum Trainer kann sie gerne gehen, aber der wird rein gar nichts anderes sagen als wir hier:
    1. arbeite am Vertrauen und an der Bindung zu Dir
    2. Egal, wie leid Dir Dein Hund tut - auf keinen Fall bemitleiden, das bestärkt seine Angst
    3. Lerne seine Körpersprache
    4. Überfordere ihn nicht mit Reizen
    5. Manage alle Situationen, weise immer den Weg

    Und gerade bei so einem Hund find ich die Bestärkung mit Leckerlies (das kann ja auch Trockenfutter sein) eigentlich den besten Weg oder das stimmliche Lob.

    Aus zwei Gründen:

    1. in Rumänien sind oft mehrere Hunde in einem Gehege. Wenn man also einen Hund bekommt, der vorzugsweise nachts frisst, dann war es wohl keiner, dem die anderen freiwillig den Napf überlassen haben, dass er als erster frisst - wahrscheinlicher ist doch, dass er erst an den Napf ging, als die anderen schon ihr Nickerchen gemacht haben. Umso sympathischer wird da dieser merkwürdige Mensch, der freiwillig abgibt.

    2. Er muss sich auch an die Stimme gewöhnen und was die Stimmlage ausdrückt. Ihn z.B. zu streicheln oder zu tätscheln wäre nicht konstruktiv, weil die Berührung für den Hund unter Umständen immer noch unangenehm ist. Das wäre dann fast so, als würdest Du ihn für sein gutes Verhalten bestrafen.

    Allgemein zum Trainer: für mich bedeutet zu einem Trainer zu gehen, dass man Hilfe braucht um ein bestimmtes, unerwünschtes Verhalten abzustellen. Die Aufgabe wäre also: stelle die Angst ab - und das funktioniert nicht.

    Das Problem ist, dass ein Hund in dem Alter anders lernt als ein Welpe.

    Beispiel: Du klatschst Dir auf die Schenkel und bekommst einen Lachanfall.

    Der Welpe erschrickt vielleicht kurz, merkt, dass alles in Ordnung ist und in seinem Kopf wird ganz komplex verknüpft: "Frauchen verhält sich manchmal ein bisserl merkwürdig, aber trotzdem alles gut" Diese Regelung gilt von nun ab für so ziemlich alles, was Du tust, ob Du nen Handstand machst,einen Niesanfall oder einen Schreikrampf wegen der Spinne im Zimmer bekommst.

    Der Hund in dem Alter muss sich das alles einzeln einprägen: Handstand - ok, Niesanfall - ok, Schreikrampf - ok.
    Drum dauert das so viel länger.

    Konnte ich z.B. an einem Beispiel feststellen. Als meine endlich keine Angst mehr hatte an der Straße entlang zu gehen, war plötzlich alles anders, als es regnete. Sie hatte wieder voll die Panik. Mir war vorher noch nie aufgefallen, dass sich bei Regen der Verkehr völlig anders anhört bzw. lauter ist als bei trockener Straße....

  • Zitat

    Meinst Du wirklich es macht Sinn mit einem Click zu bestärken, wenn dem Hund schon das Herz in die Hose rutscht wenn Du nur hustest oder niest?

    Unsere hatte sogar Angst vor den Quietschies.

    Allgemein zum Trainer: für mich bedeutet zu einem Trainer zu gehen, dass man Hilfe braucht um ein bestimmtes, unerwünschtes Verhalten abzustellen. Die Aufgabe wäre also: stelle die Angst ab - und das funktioniert nicht.

    Ich dachte auch weniger an den Clicker als an ein Markersignal, sprich Stimme oder Zungenschnalzen. Ja, das macht Sinn, weil man einfach viel genauer ist und es vom Hund besser wahr genommen wird.

    Bei Nemo gibts auch oft nur ein verbales Lob, aber eben nach dem Markersignal, der Herr mag nämlich oft kein Futter haben oder ist zu angespannt, der hat ja auch so seine Angstpalette.

    Ein Trainer kann aber zeigen, wie man trainiert und mit der Angst umgeht, auch für das Trainieren von Berührungen etc. ist es sinnvoll einen Trainer zu haben. Da geht es ja darum, dass der Mensch lernt und weniger der Hund.

    Futter ist natürlich ein guter Verstärker, aber wenn ein Hund Angst hat, ist das Entfernen der Bedrohung die sinnvollere Belohnung. Also Hund verhält sich ruhig, zeigt kein Flucht- oder Aggressionsverhalten, Markersignal, Belohnung ist, dass der Mensch geht oder der Hund sich entfernen darf.

    Beim Futter geben als Belohnung aufpassen, dass man das Futter von der Bedrohung weg gibt, sonst ist es keine Belohnung mehr.

    Achso, nochmal allgemein, bitte vorsichtig sein, was bedrängen von ängstlichen/panischen Hunden angeht. Wenn solche Hunde in Richtung Aggression kippen, dann richtig. :/

  • Zitat


    Wenn ich ihn anleinewird er schon ein wenig unruhig. Er liegt dann ganz bewegungslos da und reißt die Augen auf.
    Gefällt ihm anscheinend nicht.

    Gefällt ihm anscheinend nicht ist hier wohl harmlos ausgedrückt... Wenn ein Hund richtig Angst hat, hat er vier Möglichkeiten zur Reaktion: Flight (Flucht, hier nicht möglich), Freeze (genau das, was dein Hund zeigt: er friert ein und hofft das es bald vorbei ist), Fight (wohl eher nicht erwünscht...) und Flirt (fordert dich zum Spiel auf, eher unwahrscheinlich).
    Wenn Avaro jetzt merkt Freeze hilft ihm auch nicht weiter, wird er evtl. irgendwann eine Alternative testen. Flight ist nicht möglich, Flirt sehr unwahrscheinlich also bleibt noch Fight... Ich will damit nur sagen: Respektiere sein einfrieren als eindeutiges Zeichen und lass ihn dann in Ruhe! Denn wie schon geschrieben wurde, wenn solche Hunde sich aggressiv zur Wehr setzten, dann richtig.

    Mal davon abgesehen ist ein Hund in dieser Verfassung kaum lernfähig, ihn auf einen Clicker oder eine Markerwort zu konditionieren doch jetzt noch quasi unmöglich.

    Ich persönlich würde mit so einem Hund auch nicht in eine Tierarztpraxis gehen... ich würde wohl versuchen einen guten Tierarzt, am Besten mit Zusatz Verhaltenstherapie zu finden der einen Hausbesuch macht.

    Ich habe hier den Eindruck, manche unterschätzen die Angst dieses Hundes, Tipps zum Spaziergang oder anleinen sind doch wohl ziemlich verfrüht...

    Ich habe echt Respekt vor deiner Entscheidung (ich glaube ich hätte nicht die Geduld und den Willen) und wünsche euch Alles Gute!

  • Sehe ich auch so, das spazieren gehen wird auch in Monaten anscheinend noch nicht funktionieren.
    Aber zumindest sind die Tipps schonmal da, kann dann ja immernoch darauf zurückgreifen.
    Was das kippen in Richtung Aggressionen betrifft.. also Avaro hat bisher nie irgendwelche Anstalten gemacht zu beißen, auch nicht zu bellen.

    Das Futter nimmt er auch aus meiner Hand.
    Wenn ich mich vor ihn lege kommt er mir mit dem Kopf entgegen, schnuppert an dem was ich in der Hand habe und wenn es für gut befunden wird schnappt er sich das.
    Den Kauknochen allerdings nimmt er nicht aus meiner Hand.

    Also bis auf das Entspannungs-Konditionieren, mich mit Futter in seine Nähe legen und warten und möglichst nicht auf ihn zugehen / bedrängen kann ich nicht tun im Moment, soweit hab ich das jetzt rausgelesen.
    Und viel Geduld haben.

  • Zitat

    und hofft das es bald vorbei ist), Fight (wohl eher nicht erwünscht...) und Flirt (fordert dich zum Spiel auf, eher unwahrscheinlich).

    Nur mal als Anmerkung, genauer wäre, es sieht auf den ersten Blick wie Spiel aus, ist aber im Grunde eine Übersprungshandlung.

    Zum Freeze, das ist eine Konflikthandlung. D.h. das Gehirn ist noch am Abwägen, welches Verhalten es zeigen wird.

    Wie nimmt er denn das Futter? Zeigt er kurz danach Fluchtverhalten? Also nimmt er es schnell und springt dann rückwärts oder ist er dabei entspannt?

  • Hm also er liegt dabei ja mehr..richtig aufzustehen traut er sich nicht. Er kommt also weit nach vorne, holt sich das Leckerlie und legt sich dann recht rasch wieder zurück auf seinen Platz.
    Sein Fressverhalten sieht folgendermaßen aus: Er steht auf, läuft ein paar Schritte auf den Napf zu, hält inne, geht wieder zwei drei Schritte zurück, hält inne, überlegt, geht wieder auf den Napf zu, schnappt sich was daraus und macht einen Satz rückwärts zu seinem Platz zurück. Beim zweiten und dritten mal sieht das noch genauso aus, danach bleibt er längere Zeit am Napf.
    Steht der Napf allerdings direkt neben ihm in seiner Ecke scheint er recht entspannt zu sein und frisst gemütlich im Stehen daraus.

    Was mir vorhin auch stark aufgefallen ist: Sobald ich von der Couch oder dem Bett aufstehe, ihn jedoch NICHT angucke, nicht beachte, ändert er seine Liegeposition von entspannt und die Beine von sich gestreckt in zusammengekauert, aufgestellten Ohren und beobachtet ganz ganau.
    Dabei gehe ich weder auf ihn zu noch mache sonst eine Geste in seine richtung :/

  • Zitat


    Zum Freeze, das ist eine Konflikthandlung. D.h. das Gehirn ist noch am Abwägen, welches Verhalten es zeigen wird.

    Und genau das macht es so "gefährlich".

    Du schreibst Avara macht bis jetzt keine Anstalten, natürlich nicht. Vielleicht könnte man sagen er ist vor "Angst gelähmt" (trifft es nicht auf den Punkt, aber so als Vorstellung). Wenn dann aber irgendwann das Signal anders kommt (und ich glaube nicht, dass Hunde in diesem Punkt rational denken ;) ) wird er sich unter Umständen zur Wehr setzten, und nach seinem Gefühl um sein Leben kämpfen.

    Ich will dir keine Angst machen, auch nichts dramatisieren. Nur zu oft denkt man eben bei solchen Hunden "die tun nichts". Machen sie auch meist wirklich nicht, aber man sollte sich des vorhandenen Risikos bewusst sein und dementsprechend handeln (also den Hund nicht weiter bedrängen).

    Ich denke immer noch, der Hund braucht Hilfe und würde weiterhin zu jemand raten, der dem Hund auch medizinisch unterstützen kann.

  • Zitat

    Hm also er liegt dabei ja mehr..richtig aufzustehen traut er sich nicht. Er kommt also weit nach vorne, holt sich das Leckerlie und legt sich dann recht rasch wieder zurück auf seinen Platz.
    Sein Fressverhalten sieht folgendermaßen aus: Er steht auf, läuft ein paar Schritte auf den Napf zu, hält inne, geht wieder zwei drei Schritte zurück, hält inne, überlegt, geht wieder auf den Napf zu, schnappt sich was daraus und macht einen Satz rückwärts zu seinem Platz zurück. Beim zweiten und dritten mal sieht das noch genauso aus, danach bleibt er längere Zeit am Napf.
    Steht der Napf allerdings direkt neben ihm in seiner Ecke scheint er recht entspannt zu sein und frisst gemütlich im Stehen daraus.

    Was mir vorhin auch stark aufgefallen ist: Sobald ich von der Couch oder dem Bett aufstehe, ihn jedoch NICHT angucke, nicht beachte, ändert er seine Liegeposition von entspannt und die Beine von sich gestreckt in zusammengekauert, aufgestellten Ohren und beobachtet ganz ganau.
    Dabei gehe ich weder auf ihn zu noch mache sonst eine Geste in seine richtung :/

    Hmmh, man soll zwar seinen Hund nicht zuschwallern, aber beste Gelegenheit ihm ein neues "Kommando" beizubringen. Nimm einfach irgendwas, was Dir gerade einfällt: "alles in Ordnung", "ist okay", von mir aus sagst Du "Schnitzel mit Pommes". Kurzer Blick, Wort - Dein Zeug weitermachen. Fertig.

    Hilft Dir auch draußen später weiter: Jemand lässt den Rolladen runterknallen, Hund erschrickt. Kurzer Blick, Wort, weiter gehts. Gut für Dich, Du vermeidest mit diesem Wort ins Mitleid zu rutschen. Zu sagen: "Keine Sorge, brauchst doch nicht so zu erschrecken mein Kleiner" bei der Rolladensituation wäre ja schon wieder Mist.

    Mit der Zeit wird sich das dann festigen. Jetzt hat Dein Hund noch richtig Panik - später wird es sich in ein "mir is mulmig" oder "bin mir jetzt nicht sicher" ändern und alleine dieses Wort lässt ihn dann aufatmen: Von Herrli für harmlos befunden, passt also.

  • Für mich wäre der Gedanke, dass der Hund die nächsten Monate nicht rausgehen wird können, unerträglich.

    Ich würde einen Trainer (oder wie auch immer er/sie sich nennt) kommen lassen zu mir nach Hause.
    Nicht, damit dieser dem Hund die Angst austreibt. Sondern damit er mich anleitet, wie ich mit dem Hund so umgehen kann, dass er an Sicherheit gewinnt.
    Das sind oft Kleinigkeiten und das ist schwer selbst wahrzunehmen oder hier aus der Internetferne.

    Der Trainer wird dir beibringen, den Hund zu lesen. Das ist wichtig, damit du den Hund einschätzen kannst, zB ob er droht nach vorne zu gehen (zB beim Anleinen) oder auch zu erkennen, wann er so in der Panik ist, dass nichts mehr bei ihm ankommt - und wie du das verhinderst.
    Dieser Umgang unterhalb der Panikschwelle ist wichtig - und einfacher zu lernen, wenn jemand anders drauf guckt.
    Und der Trainer wird dir gewisse lernpsychologische/- biologische Sachen erklären, zB dass man den Hund nicht lockt, sondern seine Schritte belohnt - zB (beim Locken setzt er sich nicht mit der Situation auseinander = ohne Lerneffekt). - Das sind Sachen, die kann man nicht wissen, wenn man sich nicht näher damit beschäftigt hat und das hat man i.d.R. nicht beim 1. Angsthund, den man plötzlich um sich hat.

    Natürlich muss sich der Trainer mit Angsthunden auskennen und er sollte zu dir nach Hause kommen.
    Es müssen gar nicht unbedingt regelmäßige oder viele Sessions sein. Du kannst zwischendrin alleine mit dem Hund arbeiten und den Trainer dann wieder um Rat bitten, wenn etwas nicht klappt oder ihr an einem neuen Punkt seid.

    Ein kleines, feines Buch, was schon viel über Angstverhalten erklärt (nicht vom Titel verwirren lassen, es geht um Angsthunde):
    Trau nie einem Fremden!: Angstbedingtes Verhalten bei Hunden erkennen und beheben von Patricia B. McConnell und Gisela Rau (Broschiert - 31. Mai 2008, EUR 6,90)

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