ANTI-JAGD-TRAINING oder Dr. Jekyll und Mr. Hyde

  • Hummel, was meinst du mit "bei dem man nicht glaubt, dass eine Fleischwurst höherwertiger als ein Kaninchen ist"?
    Darf ich fragen, wie du mit Theo gearbeitet hast, bzw. wie du das aufgebaut hast?

  • Ich habs schon irgendwo in diesem Thread und auch sonst mal beschrieben, daher in Kürze: Ich habe ihm einen festen -und zunächst sehr engen Radius gegeben, der erst viel später erweitert wurde. Ich habe ihm jegliche Jagdsequenz untersagt. Als er das akzeptiert hat und im recht engen Radius (ca 3 Meter) um mich herum auf alle Reize verzichten konnte und einfach nur schnüffelnd und entspannt langetappert ist, habe ich ein neues Triebziel erschaffen und das bei mir aufgebaut mit dem Fellball, damit er auch ein Ventil hat. Zusätzlich geruchliche Gegenkonditionierung mit Schlafen neben den Kaninchenbauten und einem abgesicherten Platz. Danach als ich mir sicher war, ihn stoppen zu können war auch Interesse wieder erlaubt, da er stoppbar war. Das Interesse kam zurück, aber lange nicht mehr in dem Maße wie es war, sondern dann gut mit Abruf oder Platz regulierbar. Und manchmal ist er sogar gar nicht mehr hinterhergegangen. Heute geht er fast nie mehr hinterher, aber gut, er wird jetzt auch Opa.

    Das mit der Fleischwurst meine ich so, dass als ich beschlossen habe ihn zu behalten, mir schon klar war, dass es über reine normale und einfache Konditionierung für Abruf oder Platz oder so einfach nicht funktionieren kann, dass er nicht jagt. Er hat selbst wenn ich Fleischwurst oder gebratenen Speck dabei hatte auf 2 Meter Distanz nicht mehr reagiert, weil er im "Modus" war. (Auf jedes andere Spieli oder so auch nicht - das war aber damals mein einziger Plan) Also musste ein anderer Plan her. Recht vielschichtig halt. So ging es aber gut und er ist ein "freier Mann" ähm Hund geworden. :smile:

  • Erstmal vielen Dank für die Antworten, der Spinone ist auch deshalb eigentlich mein Traumhund, weil die Balance so gut stimmt, aber ich will jetzt nicht umbedingt noch bis September warten, zu mal meine Freundin dann eventuell halbtags arbeitet, was die Arbeit mit einem Welpen wieder fast unmöglich macht.

    Was ich relativ sicher sagen kann ist, das es kein reiner Strassenhund oder Streuner wäre, bei den meisten ist relativ klar, dass sie ausgesetzt oder verloren wurden. Wie viel Jagderfolg er hatte ist leider genau so schwer zu vermuten, wie die Frage nach der Genetik. Den ein oder anderen Züchter, der für die Jagd züchtet, gibt es, aber die meisten werden da kaum drauf achten. Der Cocker der Familie meiner Freundin interessiert sich jedenfalls nur für Gerüche wenn er einmal draussen ist.

    Hier mal der Kanidat, um den es geht:

    http://redmascotera.com/show_pet.php?id=142089

    An anderer Stelle wird von 6 - 8 Jahren Alter gesprochen, ob er reinrassig ist weis ich auch nicht sicher.

    Mich beruhigt es sehr, dass es nicht unmöglich ist, und ein halbes Jahr arbeit finde ich jetzt nicht mal viel sondern ehr wenig.

    Kann man das Jagdverhalten beim Spaziergang mit Leine schon abschätzen? Also ob er viel schnuppert, fixiert, oder immer wieder zurückschaut?

  • Ja ich finde das kann man gut. Die wenigsten Hunde sind so über Gehorsam in die Leinenführigkeit gedrängt, dass der Jagdtrieb keine Auswirkung zeigt. Im Zweifel geh mehrmals mit ihm. Aber eigentlich alle Bretonen die ich kenne, zeigen sehr deutlich an der Leine, dass sie außenfokussiert sind. Da weißt du wo der Hund wäre, wenn die Leine ab wäre.

  • Das mit der Fleischwurst könnte man auch anders verstehen. Es ist nämlich durchaus so, dass die Wertigkeiten veränderbar sind, auch wenn man schwerpunktmässig über Belohnung arbeitet. Nach gezieltem,längeren Training kann der Hund also die Wurst, bzw die Kooperation sehr wohl attraktiver finden als das Kaninchen, ohne dass man ihm selbiges madig machen musste. Das ist etwas, was gern vergessen wird - auch Belohnungen lassen sich auftrainieren, nicht nur Abbruchsignale.

    Was man nicht vergessen darf bei der Hundewahl: man kann nicht von einem Hund auf alle andern der Rasse schliessen. Bei einem klappt es, bei einem andern nicht (natürlich spielt auch die Kompetenz des HH eine entscheidende Rolle!). Man sollte sich auf jeden Fall vorher überlegen, ob man mit dem Worst Case klarkommt. Sicher ist es auch hilfreich, wenn man wildfreie Gassistrecken hat, auf denen der Hund nicht ständig übermächtigen Reizen ausgesetzt ist.

  • Jepp, das stimmt. Man kann auch Belohnungen auftrainieren. Das habe ich gemacht, allerdings mit Beute im Schritt 2. Das entspricht einfach mehr meinem Naturell. Zu Beginn hätte er mich nicht angeguckt für das Ding. Um es genau zu sagen, er hat es ausgespuckt und fand es ekelig - war halt nicht "the real thing". Ich musste den Trieb auf das Ding wirklich sehr akribisch auftrainieren. Ging aber auch nur in Zusammen"arbeit" mit allen anderen Elementen.

    Das worst case Szenario sollte tatsächlich im Kopf sein und zur Not auch akzeptiert werden können. Allerdings zumindest um von Bretonen zu sprechen von 50 ggf bei 3 würde ich mal schätzen überschlagsweise. Bei den anderen Rassen kenn ich mich nicht aus und ich kann selbstverständlich auch nur von mir reden - deshalb auch kein Pauschalurteil sein.

    Mein Weg ist auch nicht der Weg, der jemand anderem gefallen muss. Das ist mir schon klar. ;) Dafür gibts ja zum Glück ganz viele verschiedene. Wichtig ist nur immer, dass man einen Standpunkt für sich findet und dem treu bleibt. Dann glaubt einem der Hund auch, was man tut.

  • Ich finde es schonmal ermutigend was man hier lesen kann, man hört so oft, dass man so etwas von Anfang an trainieren muss.

    Das es ein Worst Case Fall sein kann, dessen bin ich mir bewusst. Das kann man leider bei Jagdhunden einfach nie ausschliessen, auf der anderen Seite gefallen sie uns einfach gut, vor allem da für uns vor allem Aktivitäten wie Spurensuche, Mantrailing und Joggen interessant sind, Agility ehr nicht so (gibt keine Möglichkeiten) und viele Hütehunde sind mir für die Statt zu wachsam oder bellfreudig. Es soll aber halt auf keinen Fall ein reiner Begleithund sein.

    Mit der Kompetenz ist natürlich so eine Sache. Experten sind wir nicht und unsere Erfahrung ist beschränkt, aber wir haben eine grosse Lernbereitschaft. Sollte es dann nie klappen mit dem Freilauf würden wir halt bei einer langen Schleppleine bleiben.

    Wildfreie strecken gibt es auf jeden Fall, aber interessante Dinge wird er da wohl trotzdem finden können :smile:

  • Lange ist es her, dass ich mal hier geschrieben habe.
    Mittlerweile arbeite ich wieder, und das nicht zu knapp.
    Also muss meine Kröte tagsüber bei einer guten Freundin bleiben, die Meerschweinchen und ein Kaninchen hat.
    Die leben draußen und vor einigen Monaten hätte ich meinem eigenen Hund nicht über den Weg getraut.

    Jetzt kann man sie in den Garten lassen, ohne ständig daneben zu stehen.
    Sie findet die Meeris zwar immer noch spannend, hat aber verstanden, dass die nur beobachtet werden dürfen.
    Auf das Gehege zu springen hat sie einmal gebracht, dafür gab es eine klare Ansage und das Thema ist erledigt.

    Sie sitzt vor dem Gehege, liegt davor und beobachtet die Tiere.

    Heute haben wir zwei Feldhasen getroffen, und obwohl der erste Impuls war, los zu rennen, setzte sie sich ab und blieb ruhig.

    Wäre vor einem Jahr noch unmöglich gewesen.

  • Huhu ihr Lieben,


    Ich hatte gestern scheinbar einen grauenhaften Tag was mein Feeling für Hunde angeht. Sogar die Labraschnute hat nur so halb gehört auf mich. Aber die macht wenigstens kaum Quatsch, von daher kann man sie auch einfach mal machen lassen.

    Bob hingegen....nun ja. Wir waren am See und da gibt's natürlich massig Schwäne und Enten- ein Bloediparadies für Bob. Wir quaelten uns ne Stunde ab :hust: und ich war echt sehr genervt.
    Auf dem Rückweg nahm mein Freund ihn- und siehe da, Bob fand Enten zwar weiterhin voooooll geil, hat sich dann nach kurzem Kläffen aber gut lenken lassen :roll:
    Ansonsten tapperte er mal hier und mal da, schnupperte recht entspannt (für seine Verhaeltnisse...Er ist ja eh ein Wusel)...Joa. Das war so der Moment, in dem mir klar war, dass ich den Hunden nur noch Futter zubereiten werde- sämtliche wichtigen Ansprachen darf mein Freund übernehmen.

    Da war er dann wieder- der Drang, tollen Gehorsam zu erwarten, aber zu wenig innere Ruhe und vor allem gescheite Ausstrahlung zu investieren.

    Heute früh um sechs waren wir dann Radfahren...wegfliegende Enten und ein rasender Hase haben ihn zwar kurz hochdrehen lassen, aber es gab kein Geschrei und nach ein paar Sekunden fand er Radfahren auch wieder viel viel wichtiger.


    Eine Frage habe ich *g*
    Und zwar habe ich vor zwei drei Monaten mal einen noch nervigeren Tag gehabt als gestern. Bob stand nur starr in der Leine, egal in welche Richtung ich ging.
    Und da ich mich eher ungern durch den Wald ziehen lasse habe ich ihn kurzerhand einfach hochgenommen und mir ueber die Schultern gelegt.
    ZACK, war der Hund entspannt. Kein Zappeln, kein Jammern, kein Starren.
    Er glotzte dann halt so durch die Gegend, ist aber nicht aufgeregt. Wieder unten auf dem Boden: Flash. Alles super spannend.
    Das möchte ich natürlich nicht als Gewohnheit- ich empfinde es aber an Tagen, an denen nix so recht klappen will, als einen tollen Notfallplan.
    Es ist vermutlich etwas unorthodox, deshalb meine Frage: ist es evtl. kontraproduktiv was ich da mache?


    Mensch, wenn ich das so lese, klingt das arg unzufrieden. Bin ich gar nicht. Bob ist meistens sehr bemueht mitzumachen und es klappt auch gut. Nur an diesen gewissen Tagen halt...

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