Ständiger Gedanke ans Aufgeben

  • Ich finde, das klingt alles relativ normal, ein bisschen nach normalem „Welpenblues“, weil sich das Leben eben auch wesentlich verändert mit Hund. Wenn du im Forum suchst, findest du dazu auch einige ältere Themen, wo User von ihren Erfahrungen berichten. Bei mir ging dieses Gefühl, dass alles anstrengend ist, irgendwann vorbei, und so ist es bei den meisten. Die Dinge werden Alltag, Gewohnheit, und damit einfacher.

    Die konkreten Probleme mit dem Hund klingen für mich auch nicht tragisch, sicher nicht nach „dringend abgeben“.
    Ich würde als erstes die Ansprüche mal runterfahren. Brauchst du jetzt dringend gute Leinenführigkeit? Das kann er mit 2 Jahren immer noch lernen. Wenn es geht, mach ne lange Leine dran und lass ihn machen. Ärger dich nicht, wenn es mal nicht so klappt wie du willst, sondern arbeite an deinen Erwartungen. Ich sehe das als Chance, menschlich zu wachsen, Gelassenheit zu lernen, loslassen, positiv bleiben, sich nicht schämen für Dinge, die gar nicht schlimm sind. Ich habe sehr viel gelernt aus dieser Zeit.

    Dann finde ich es noch wichtig zu lernen, sich abzugrenzen. Der Hund ist nicht Prio 1 in deinem Leben, er entscheidet nicht, was du machst, sondern du. Mach dir klar, er weiß überhaupt nicht, wie die Welt funktioniert. Er ist darauf angewiesen, dass du die Richtung vorgibst - freundlich, gelassen, aber bestimmt.

    Das Thema Frust und Aggression - das stelle ich mir etwa vor wie in diesem Video, kommt das hin:

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    Danke für deine Nachricht! Ja, sein Verhalten kommt dem Video sehr nahe.

  • Ach je, ich denke, da kommt gerade einiges zusammen bei dir. Ein pubertierender Retriever allein kann schon Nerven kosten, aber in Kombination mit einer Trennung, Umzug und allem drum und dran ist das einfach wirklich viel.

    Kann es sein, dass es gar nicht unbedingt am Hund liegt, sondern an der Gesamtsituation?

    Ich mein, dein Leben und deine Zukunftspläne wurden vor nichtmal 5 Monaten vermutlich einmal ordentlich über den Haufen geworfen. Plötzlich musst du dich neu orientieren, neue Ziele suchen, dich in einer neuen Umgebung und einem neuen Alltag zurechtfinden und bist dazu noch allein für ein ziemlich forderndes Hundekind verantwortlich, obwohl das wahrscheinlich nie so geplant war. Dass das alles zusammen sehr belastend ist, ist meiner Meinung nach total verständlich. Und ich finde, da darf man auch mal überfordert sein. Mit dem Hund, mit dem eigenen Leben und mit den Gefühlen.

    Deshalb mal ab von der aktuellen Situation: Kannst du dir grundsätzlich vorstellen, in Zukunft allein für einen Hund verantwortlich zu sein? Also unabhängig von den aktuellen Themen, die dein Hund mitbringt?

    Einen Hund als Einzelperson zu halten ist natürlich Mehrarbeit. Klar, man hat Freunde, die einem mal was abnehmen können, aber das geht halt auch nur mit entsprechender Planung und letztendlich bleibt doch die meiste Arbeit an einem selbst hängen.

    Weniger offensichtlich, aber umso zentraler finde ich jedoch die (un)geteilte Verantwortung. Man ist halt nicht mehr als Team, sondern allein für alles verantwortlich. Da ist niemand, an den man einen Teil der Verantwortung abgeben kann, der mit einem gemeinsam an einem Strang zieht oder der bei Problemen, sei es erziehungstechnisch oder gesundheitlich, „mit im Boot“ sitzt.

    So eine alleinige Verantwortung kann eine Chance sein, zu wachsen. Oder sie kann einem einfach „zu viel“ sein. Das kann dir hier niemand beantworten, sondern musst du für dich selbst ausloten, liebe @TE.

    Wenn du sagst, du möchtest das langfristig wirklich nicht, dann kontaktiere zügig den Züchter und sprich mit ihm über eure Situation.

    Wenn deine Erkenntnis ist, dass du das eigentlich schon leisten wollen würdest, wären nur die aktuellen (durchaus einschränkenden) Themen nicht: Dann gib nicht zu früh auf. Denn die Themen, die du nennst, sind für mich speziell in eurer Situation nichts, was man nicht mit etwas Wohlwollen, Geduld und gutem Training in den Griff bekommen kann.

    Sieh mal: Diese ganze Umstellung der letzten Monate war sicher nicht nur für dich belastend, sondern auch (wenn nicht sogar noch viel mehr) für deinen Hund. Der musste auch umziehen. Der hat auch eine Bezugspersonen verloren und wurde aus seinem gewohnten Umfeld und Alltag gerissen. Sogar zweimal. Und jetzt hat er ein Frauchen im Gefühlschaos, das total gestresst, unglücklich, überfordert und verzweifelt ist - und versteht nicht mal, wieso. Und das alles in einer Lebensphase, in der er nicht mal weiß, wer er selbst wirklich ist und wie das Leben funktioniert.

    Dass er da an dir klammert, gestresst ist und auch mal aggressiv reagiert, finde ich gar nicht so überraschend. Wahrscheinlich seid ihr gerade beide ordentlich überfordert mit der Welt und pusht ihr euch da unabsichtlich gegenseitig hoch. Und aus der Spirale müsst ihr raus kommen.

    Mein erster Schritt wäre deshalb, gemeinsame Quality Time zu verbringen. Ganz ohne Anforderungen an den Hund oder dich. Einfach etwas, bei dem keiner von euch funktionieren muss und was euch beiden Spaß macht. Vielleicht ein gemeinsamer Ausflug? Tricks üben? Ein Kurs in der Hundeschule?

    Im zweiten Schritt würde ich mir einen Trainer suchen, der sehr positiv arbeitet. Nicht weil ich prinzipiell gegen aversives Training bin, sondern weil der Fokus auf Strafen, wenn ihr eh schon in so einer Stress- und Negativspirale seid, echt kontrapruduktiv sein kann. Wenn du eh schon geladen bist, rutschen da nämlich schnell auch negative Emotionen mit. Und negative Emotionen sind genau das, was ihr beide gerade nicht braucht. Sucht dir lieber jemanden, der dich mit seiner super positiven und wohlwollenden Einstellung dem Hund gegenüber ansteckt und euch ganz kleinschrittig zu neuen Erfolgserlebnissen verhilft. Das ist vielleicht nicht auf Dauer das einzig Wahre, aber für jetzt gerade meiner Meinung nach der bessere Weg.

    Und ansonsten: Sei nachsichtig mit dir und mit deinem Hund. Ihr habts gerade wahrscheinlich beide nicht leicht.

  • Das Thema Frust und Aggression - das stelle ich mir etwa vor wie in diesem Video, kommt das hin:

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    Danke für deine Nachricht! Ja, sein Verhalten kommt dem Video sehr nahe.

    Wir hatten das auch in der Junghundezeit, und ich habe es seither hier im Forum oft gelesen. Bei den super erfahrenen Usern passiert das natürlich nicht, aber für Ersthundehalter normal und nicht tragisch ;-).

    Frech ist es natürlich trotzdem. Es gibt sicher viele Wege damit umzugehen, und du musst für dich einen finden, der zu euch passt. Bei uns hat gut funktioniert, gelassen zu bleiben, sich auf die Leine zu stellen, damit der Hund nicht mehr hochspringen und schnappen kann, und dann entspannt abwarten, bis er runter kommt.

  • Nun, es ist natürlich gut wenn man viel Verständnis hat für die TE. Hab ich auch. Nur...


    Ganz ehrlich? Man kann die Situation nicht schönreden und à la Welpen Blues abtun.
    Denn der Welpen Blues ist in den meisten Fällen in 14 Tagen vorbei.

    DAS wird hier garantiert nicht passieren.
    Das ist mal absolut sicher.
    Man muss sich das nicht schöner reden als es ist.
    Die Situation ist schwierig, belastend und absolut kacke für Mensch und Hund.

    Und das wird noch viel schwieriger.
    Denn das, was bisher falsch lief, muss erst mal wieder umgestellt werden. Der Mensch hier muss also gewaltig in die Gänge kommen, damit vor dem grossen Hormon Umbau noch was in die richtige Richtung geht. Das Tierchen wird innerhalb kurzer Zeit mitten im Hormon Trubel stecken. Und ist JETZT schon total frustriert, was dann wohl ab geht?
    Denn der Hund schnappt bereits. Ein Golden, der schnappt, ist ein grosser Hilferuf!!!

    Wenn du so dermassen oft und täglich daran denkst, den Hund abzugeben, ist es ja offenbar bei dir bereits sehr weit verarbeitet mit "ich möchte nicht mehr". Dann steh dazu, das ist okay.

    Kontaktiere die Züchterin, schildere ihr die Situation und bitte sie ehrlich und schlicht um Hilfe.
    Die meisten Züchter setzen alles daran, damit ihre Hunde in lassende Hände kommen und nehmen wenn irgendwie möglich einen Hund zurück.

    Wenn du aber den Hund behalten möchtest, dann musst du sofort einen anderen Weg gehen. Das, wie es bisher läuft ist so dermassen verkehrt für diesen Hund. Dann brauchst du jemand anderen für das Training. Und dann musst du dich echt kneifen und dermassen ran, dann ist es wirklich ein von Herzen kommendes "ich packe das die nächsten Jahre!"


    Ja, Golden können die ersten drei Jahre wirklich anstrengend sein. Ist so. Vor allem ohne viel Ahnung und falscher Unterstützung. Sie sind lange nett, sie sind bei richtigem Umgang echt toll. Aber das kann auch kippen. Ist immer noch ein Hund und einer, der arbeiten und sich bewegen im Blut hat.

  • Ich würde mich ganz klar fragen, ob du den Hund behalten willst. Die nächsten 10-15 Jahre.

    Wenn die Antwort Nein ist, dann ist das keine Schande. Deine Lebensumstände haben sich geändert. Und es hilft auch niemanden, da eine große moralische Verpflichtung draus zu basteln. Der Hund ist jung, kann im besten Fall zurück zum Züchter, oder du suchst über andere Wege neue Besitzer. Das wird in dem Alter nicht schwierig sein.

    Wenn die Antwort aus ganzem ! Herzen JA ist, dann such dir um Gottes Willen eine andere Trainierin/Hundeschule und suche nach einer Betreuungslösung. Alleinebleiben kann an üben, alle anderen Themen kommen mir ziemlich hausgemacht vor - anbinden, ignorieren, "Griffe", Rütteldosen - dass der Hund damit nicht gut umgehen kann, wundert mich nicht. Wenn du den HUnd behalten willst, muss du einiges ändern und dich auch ein Stück weit durchbeissen wollen.

    Du bist niemandem Rechenschaft schuldig, und dem Rest der Welt ist das vermutlich ziemlich egal, ob du jetzt den Hund behältst oder nicht. Es ist dein Leben. Aber eine Entscheidung treffen solltest du.

  • Ich denke auch, du musst dir erstmal überlegen, ob du dir in Zukunft einen Hund in deinem (neuen) Leben vorstellen kannst oder nicht. Wenn nicht, ist das völlig in Ordnung und du findest mit Sicherheit einen guten neuen Platz für ihn. Wenn doch, denke ich ehrlich gesagt, dass ihr auch das hinbekommt. Mit einigen Änderungen natürlich.

    Es liest sich für mich ein bisschen so, als wäre gerade alles doof, was ich auch absolut verstehen kann. Ich würde als allererstes irgendwie versuchen Entlastung für dich zu schaffen. Einfach, damit du wieder anfangen kannst positiver über die Situation zu denken. Außerdem könnte ich mir gut vorstellen, dass ihr euch gegenseitig super viel frustet und darin hochschaukelt.

    Vielleicht findest du wirklich jemanden, der ab und an gerne auf ihn aufpasst, damit du ein bisschen Zeit für dich hast und mal aus dieser Negativspirale rauskommen kannst. Bei mir an der Uni werden oftmals Hunde zur Betreuung ausgehangen und viele Studierende, die keinen eigenen Hund halten können, freuen sich darüber auch mal ein bisschen Hund haben zu können. Vielleicht wäre das noch eine Idee :)

    Sport kann man auch super mit dem Hund zusammen machen, wenn das für dich in Frage kommen würde. THS und Canicross fallen mir da als erstes ein aber es gibt so so viele Optionen. Ich habe da aber eher das Gefühl, es geht dir mehr darum, mal wieder Zeit für dich zu haben und auch das finde ich sehr verständlich und ein valides Bedürfnis.

    Wir hatten nach einem Umzug auch eine Zeit lang Probleme mit dem Alleinebleiben und mich hat das damals auch sehr belastet. Ich hatte das Glück eines Autos, in das ich ihn mal für eine Stunde packen konnte und das Alleinebleiben Zuhause ist irgendwann auch endlich besser geworden. Das nimmt schon enorm viel Druck raus und gibt viel Freiheit zurück. Hat er davor keine Probleme gehabt? Dann denke ich, das wird mit der Zeit bestimmt auch wieder besser.

    Eine Freundin von mir war kürzlich in einer ähnlichen Situation mit ihrem Junghund und bei ihr hat sich durch zeitweise Betreuung super viel gelockert weil sie dadurch insgesamt einfach viel weniger frustriert mit dem Hund war und sich wieder mehr auf ihn einlassen konnte. Seither läuft es bei den beiden echt viel besser :)

    Ansonsten finde ich es bei einem jungen Hund auch einfach wichtig, nicht alles so streng zu sehen und manche Dinge mit ein bisschen Humor zu nehmen. Für eure Beziehung und gegen euren Frust. Es muss nicht alles perfekt laufen, vieles kommt auch einfach mit der Zeit.

    Leinenführigkeit habe ich zum Beispiel nur in kleinen Einheiten am Halsband trainiert und ansonsten war der Kollege an Geschirr und langer Leine und konnte da sein Ding machen. Heute läuft er super an der Leine und wir haben uns viel Ärger gespart.

    Wegen eurer anderen Probleme kann ich auch nur dringend zu einem/einer anderen Trainer/in raten. Das klingt wirklich gar nicht gut, vor allem bei einem sowieso schon so gefrusteten Hund. Wo kommt ihr denn her? Vielleicht kann da jemand etwas empfehlen.

    Also, ich denke, wenn du wirklich willst, bekommt ihr das hin aber einen Hund abzugeben, wenn man merkt es passt wirklich nicht, ist auch echt keine Schande. Hundehaltung bedeutet immer auch Einschränkungen aber sie gibt auch sehr viel zurück und da muss jeder für sich schauen, ob sich das aufwiegt, überwiegt oder eben nicht auf Dauer.

    Finde es auch ganz wichtig als Team irgendwie zueinander zu finden und einfach ein paar positive Erlebnisse zusammen zu sammeln. Ihr findet doch bestimmt Dinge, bei denen ihr zusammen eine gute Zeit haben könnt. Wenn das gar nicht so ist, halte ich eine Abgabe auf jeden Fall für gerechtfertigt.

    Ich wünsche euch Beiden so oder so alles Gute!

  • Kein anderes Lebewesen bindet sich so eng an seinen Menschen als Sozialpartner- den Hund so dermaßen am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen ist hochgradig unfair.

    Du hast nur ausgeführt was dich an ihm stört, was alles nicht funktioniert und welche Einschränkungen seine Anwesenheit für dich bedeutet.

    Nicht ein Punkt, was er dir bedeutet, dass du dich freust wenn du ihn anschaust, mit ihm die Welt entdecken kannst. Wie ihr gemeinsam Sport macht, etc!

    Den Hund nur zu behalten, weil man das halt so macht bringt niemandem etwas!

    Gib den Hund zurück, damit er ein Zuhause bekommt wo man sich ganz auf ihn einlässt.

  • Ich möchte dir nur dalassen, dass eine Abgabe nicht automatisch Aufgeben ist.

    Im Gegenteil, du stellst dabei die Bedürfnisse des Hundes, die du nicht erfüllen kannst, an erste Stelle und handelst im Interesse deines Hundes. Und sich das einzugestehen und diesen Weg dann zu gehen ist harte Arbeit und Reflexion.

    Wenn du schon so frustriert bist, ist es der Hund nur umso mehr.

    Ich wünsche euch beiden alles Gute!

  • Naja , Sport ist halt nicht gleich Sport. CC oder THS ist einfach was völlig anderes als wenn jemand gern Kraftsport mit bestimmten Zielen hobbymäßig betreibt.

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