Erziehungsstile - positiv, aversiv, wie erzieht ihr und wieso?

  • Selbstverständlich ist das Gewalt.

    Aber ist es dann auch automatisch so schlimm, dass es das unbedingt zu vermeiden gilt?

    Stören tut mich das gedankenlose, willkürliche Weiterzerren von leichten Hunden auch sehr. Aber das körperliche Abbringen von Pinkelstellen, von denen der Hund sich selbst nicht löst? Für mich ist das Gewalt - aber absolut kein Drama.


    Aber wie gesagt: Es hängt sehr davon ab, was man unter Gewalt versteht.

    Wer den Begriff weit fasst, der handelt seiner eigenen Definition nach hin und wieder gewalttätig.

    Wer den Begriff sehr eng fasst (und evtl. sogar die Intention mit einbezieht "ich will sie schützen") kann damit sehr, sehr viel - auch sehr viel Unschönes - als Nicht-Gewalt titulieren.

  • Gersi Wozu sollte jeder seine eigene Definition von Gewalt haben, der Begriff ist bereits definiert als die Ausübung von physischem oder psychischem Zwang.

    Oder laut Strafrecht "Bei Definition im Strafrecht wird zwischen zwei Formen von Gewalt unterschieden:

    Zum einen „vis compulsiva“, die auch als willensbeugende oder die beugende Gewalt definiert wird und die vor allem durch psychische Einwirkung (z.B. Nötigung) hervorgerufen wird. Der Täter will bei dem Opfer einen bestimmten Willensentschluss hervorrufen.

    Zum anderen gibt es die „vis absoluta“, die absolute bzw. überwältigende Gewalt. Diese Form der Gewalt wird laut Definition vor allem körperlich / physisch verursacht (z.B. durch Körperverletzung, Vergewaltigung) und bei der die Willensbildung des Opfers komplett unterbunden wird oder aber ein Willen gebildet wird, dieser jedoch nicht betätigt werden kann. Dies kann durch Betäuben des Opfers (Unterbinden des Willens) ebenso geschehen wie durch Einsperren von Menschen (Wille kann nicht betätigt werden)."

    Ziehe ich meinen Hund vom Giftköder weg, übe ich Gewalt gegenüber meinem Hund aus, ganz klar. In dem Fall würde ich die Gesundheit meines Hundes aber höher bewerten

    Warum ich in der Erziehung eines Hundes, eine Situation, in der ich die freie Wahl habe, bewußt Gewalt als Erziehungsmittel anwenden sollte, erschließt sich mir nicht. Wenn ich doch mit positiven Methoden das gleiche Ergebnis erreichen kann.

  • Ist halt psychologischer (Stark) Zwang je nach Typ Hund und Ausführung. Gewaltlos ist das auch nicht, es sei denn man reduziert " Gewalt" auf Schmerz-& Schreckreize.

    Ich erlebe Hunde die nur solche "gewaltlose" Art an "Korrktur " kennen oftmals als sehr gestresst und überfordert . Denen fehlt oft ein sicherer Rahmen .

    Woran machst du fest, dass es psychologischer Starkzwang ist? Ich lerne gerne dazu, aber aus meiner bisherigen Sicht war das negative Strafe und Anbieten von Alternativen. Dabei wird zwar Frust ausgelöst, aber Gewalt ist es nicht im Sinne von Schmerz, Angst oder Unbehagen

    Du entziehst dich , den einzigen Sozialpartner den der Hund hat kommentarlos und nutzt soziale Ausgrenzung als Strafe. Je nachdem wie exzessiv und in welcher Ausprägung ist das nicht nur Zwang sondern Starkzwang. Deswegen war "Stark" ein geklammert. Und auf sozialer / psychologischer Ebene ist das bei diversen Hundetypen definitiv immenser vom Stressfaktor her ( Angst & Unbehagen) als die Leute sagen oder sehen wollen .

  • Nefeli welchen Vorteil hast du gesehen bzw siehst du darin Erziehungsbereiche künstlich aufgrund der eigenen Ideologie in die Länge zu ziehen?

    Das impliziert mEn immer viel unnützen Stress für den jeweiligen Hund den es nicht bräuchte würde man angepasst korrigieren bzw Strafen .

    Desweiteren sehe ich immer mehr Probleme durch diese Vermeidungstaktik bei Junghunden/ Erwachsenen Hunden die nie lernen konnten/durften Frust generell und auch im Kontext mit Korrekturen zu ertragen.

  • Wozu sollte jeder seine eigene Definition von Gewalt haben, der Begriff ist bereits definiert als die Ausübung von physischem oder psychischem Zwang.

    Je nachdem woher du kommst, gibt es eben andere Definitionen. Soziologie und Politikwissenschaft fassen das anders auf als Jura. Das ist genau mein Punkt.

  • Zurimor ich würde gern mit das aus dem anderen Thread aufgreifen wo du dich ja bereits gegen Strafe und funktionierenden Gehorsam ausgesprochen hast weil " du das nicht brauchst , dein Hund hat ohne mehr von seinem Leben ". Ich persönlich verstehe nicht ganz was dein Hund angeleint mehr tun kann als ohne Leine ( du wirst ihn ja hoffentlich nicht wildern lassen an Ner SL) und wo da der immense Vorteil ist? Gucken / wahrnehmen können/ dürfen / müssen die allermeisten Hunde Wild. Nur das wie und was dann variiert dann doch sehr .

    Und doch, Erfolg gibt durchaus Recht. Man kann sich nicht hinstellen und sagen " das funktioniert aber alles viel besser anders !!!!" wenn man dann nicht das Ergebnis produzieren kann.

  • Wie erzog und erziehe ich Jette?

    Mit viel Konsequenz, Humor und Faulheit.

    Vieles hat sie im Alltag gelernt indem ich gewünschtes Verhalten mit Worten benannte und positiv belegte mit Leckerchen, Schmusen und ähnlichem.

    Unerwünschtes Verhalten wurde schlicht mit Nein und Wegnehmen des Hundes unterbunden.

    Erziehungsstile waren und sind für mich da irrelevant und uninteressant. Ebenso irgendwelche Dogmen.

  • Ich strafe auch. Positive Erziehung hat auch Grenzen und Konsequenzen. Aber ich mache etwas anderes, als den Hund körperlich zu maßregeln. Zum Beispiel beim Welpen und Junghund, der in die Hose schnappt, entziehe ich mich dem Hund. Ich trete auf die Leine, und warte, bis der Hund etwas erwünschtes zeigt- oder gehe durch ein Babygitter und schließe es eine Weile. Das Beispiel der Gewaltlosen Kommunikation ist aber auch gut, da sehe ich mich in ferner Zukunft.

    Ist halt psychologischer (Stark) Zwang je nach Typ Hund und Ausführung. Gewaltlos ist das auch nicht, es sei denn man reduziert " Gewalt" auf Schmerz-& Schreckreize.

    Ich erlebe Hunde die nur solche "gewaltlose" Art an "Korrktur " kennen oftmals als sehr gestresst und überfordert . Denen fehlt oft ein sicherer Rahmen .

    Zumal, wenn der Hund gar nicht "weiß", dass er ignoriert und aus dem sozialen Umfeld ausgeschlossen wird, WEIL er vielleicht aus Überforderung und Wut oder aus Spaß an der Freude in Hosenbeine beißt.

  • Ist halt psychologischer (Stark) Zwang je nach Typ Hund und Ausführung. Gewaltlos ist das auch nicht, es sei denn man reduziert " Gewalt" auf Schmerz-& Schreckreize.

    Ich erlebe Hunde die nur solche "gewaltlose" Art an "Korrktur " kennen oftmals als sehr gestresst und überfordert . Denen fehlt oft ein sicherer Rahmen .

    Woran machst du fest, dass es psychologischer Starkzwang ist? Ich lerne gerne dazu, aber aus meiner bisherigen Sicht war das negative Strafe und Anbieten von Alternativen. Dabei wird zwar Frust ausgelöst, aber Gewalt ist es nicht im Sinne von Schmerz, Angst oder Unbehagen

    Ich bin ja nun was älter (und ausgesprochen „gewalttätig“ erzogen worden). In den 80er Jahren kam die Theorie auf, dass der sogenannte „Liebesentzug“ im gutbürgerlichen Haushalt ein Stück weit die direkte körperliche Strafe per Schlägen (mit und ohne Hilfsmittel) ersetzt hat. Und welche psychologische Folgen das für die Entwicklung hat. Wurde damals sehr kritisch diskutiert und es gab die Theorie, dass die Folgen von extrem ausgeübtem Liebesentzug nicht weniger gravierend sind als die von Schlägen.

    Die Auswirkungen sind nicht unmittelbar vergleichbar, weil Hunde und Menschen halt doch unterschiedlich in ihren Bedürfnissen sind. Aber trotzdem finde ich die Impulse aus dieser Diskussion hilfreich, denn Mensch und Hund haben eine enge soziale Beziehung, die das Bedürfnis nach gegenseitiger Bestätigung formt. Und dieses Bedürfnis wird beim gezielt und verstehbar als Strafe eingesetztem Entzug der Beziehung angesprochen (so formuliert, um es von Trennung aus Sachzwängen oder weil man sich selbst gerade nicht mit Nähe wohlfühlt - oder seinen Hund nicht zu sehr an sich klammern lassen möchte - abzugrenzen).

    Für meine Pudelhündin wäre es Höchststrafe und sie würde darunter sehr leiden, mehr als durch einen Rüffel. Und ich denke, ja, sie würde da auch einen Unterschied machen, ob der Entzug der Aufmerksamkeit als Strafe erfolgt. Meine Tierschutzhündin würde es schlicht nicht interessieren, weil sie eh nur sehr dosiert mit Aufmerksamkeit kann und sich in auch nur minimal emotional negativ aufgeladenen Situationen eh am Liebsten zurückzieht.

    Damit ist diese Form der Sanktion für mich bei meinen gegenwärtigen Hunden unbrauchbar.

  • Ich spreche davon, den Hund nicht alleine zu lassen, sondern durch das Gitter durch zu gehen, aber bei Sichtkontakt zu bleiben.

    Das ist eine negative Strafe, du entziehst deinem Hund deinen Kontakt bzw. unterbrichst die Interaktion. Für einige, gerade sehr junge, Hunde, ist das großer Stress (und die Frage ist, ob der Hund deine Strafe so überhaupt mit seinem Verhalten in Verbindung bringen kann)

    Stören tut mich das gedankenlose, willkürliche Weiterzerren von leichten Hunden auch sehr. Aber das körperliche Abbringen von Pinkelstellen, von denen der Hund sich selbst nicht löst? Für mich ist das Gewalt - aber absolut kein Drama.

    Die Frage ist doch, rechtfertigt Verhalten X des Hundes die Gewalt/Korrektur/Einwirkung Y ?
    Wäre es ein Drama, einfach die sagen wir mal 30 Sekunden zu warten, bis der Hund fertig geschnüffelt hat? Wo man in der Regel eh hauptsächlich der Hunde wegen spazieren geht (also ich würde bei unter 20 Grad nicht freiwillig spazieren gehen, ich mache das für meine Hunde) und die wenigsten Hunde minutenlang an einer Stelle stehenbleiben?
    Ja, man liest hier immer mal, die Hunde würden sich dadurch „abschießen“ - ist das wirklich so? Ich hab meinen Rüden anfangs auch weitergezogen oder ihn durch Abdrängen von solchen Stellen losgeeist - und dadurch mit dafür gesorgt, dass er draußen sehr hektisch unterwegs ist.. hat das Verhalten die Strafe gerechtfertigt, insbesondere hinsichtlich der Langzeitfolgen? Im Nachhinein sage ich, definitiv nicht.

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