Erziehungsstile - positiv, aversiv, wie erzieht ihr und wieso?

  • Das ist z.B. eine Beschreibung, in der ich uns sehr wiederfinde. Leinenführigkeit läuft hier ähnlich inkonsequent, aber wir kommen klar. Es wird nicht dauerhaft und mit Krawall gezogen, meist läuft es manierlich ab, aber echte Leinenführigkeit ist das nicht. Bei uns auch dem geschuldet, dass wir ländlich wohnen und das nicht so wirklich brauchen.

    Und ja, der Rausch des Schnees bringt etwas Pubertätsfeeling zurück.

  • Leinenführigkeit habe ich mir sehr einfach gemacht, in dem ich die Leine länger gemacht habe. In Kombi mit langsamer Laufen und stehen bleiben wenn er stehen bleibt, hat das bei Naruto irgendwie einen Schalter umgelegt weil es ihm vor allem um "oh ein Grashalm. schnell hin. oh noch einer. oh was ist das." ging.
    Laska war eh immer ohne Leine und wenn sie an der Leine war, ist sie bei Fuß gelaufen. Von alleine, habe ich nie geübt, aber sehr verstärkt.
    Und Trudy bekommt auch den "Längere leine"-Trick , in Kombi mit stumpf stehen bleiben wenn sie am Ende hängt. Sie hat ganz schnell gecheckt dass sie wenn sie den Zug rausnimmt weiter kommt. Das verbinde ich gerade mit einem Leinenende-Signal als Vorwarnung. Nimmt sie den Zug von alleine raus bevor sie das Ende erreicht gibts ein verbales Lob (kein Leckerlie, sonst jojot sie mir mit Absicht hin und her).

  • Das geschilderte „Blocken“ bei der Leinenführigkeit finde ich ein ziemlich gutes Beispiel, wie unterschiedlich sich die gleiche Handlung bei verschiedenen Individuen und im Kontext zeigen kann.

    Lilly ist im umbauten Gebiet draußen - auch in unserem Dörfchen - angespannt. Verkehr und Alltagslärm um Häuser wie Rasenmäher, Staubsauer, Jalousien und auf- und zugehende Fenster, zuschlagende und aufgehende Mülltonnen, etwas lauter abgestellte Eimer und und und - das sind alles Stressfaktoren für sie. Sie lernt auch nicht, diese Dinge anders als als potenzielle Bedrohung zu werten, nur der Grad schwächt sich tatsächlich ab, aber das über sehr lange Zeit.

    Da hilft der klassische Handwerkskoffer mit Techniken zur Gewöhnung und zur positiven Verknüpfung nicht groß weiter. Wenn ihr Grad an Stress ein höheres Level erreicht hat, nimmt sie keine Leckerchen mehr und fühlt sich durch Lob zusätzlich beansprucht/gestört. Sie kann davon mittlerweile Einiges gut verkraften und wegstecken, je vertrauter die Umgebung, desto besser. Aber - hier passt das Löffelchenbild ganz gut - wenn die aufgebraucht sind, dann gerät sie in Stressmodus.

    Was wir also mit ihr geübt haben, ist, auf Stress anders als mit blinder Panik zu reagieren, nämlich mit antrainiertem Alternativverhalten. Die Konzentration auf etwas Anderes hilft ihr dabei, sich nicht ins Stressverhalten reinzusteigern. Und ihn deutlich schneller wieder herunter regulieren zu können. Mittlerweile reicht es ihr, sich einmal kräftig zu schütteln, um wieder locker zu werden.

    Konkret heißt das z. B., nicht an der Leine in den blinden und teils selbstverletzendem Fluchtmodus nach vorne zu verfallen, sondern hinter mir zu bleiben und sich darauf zu konzentrieren, nicht nach vorne zu schießen. Und wenn sie selbst nicht mehr genug Konzentration dafür hat, dann unterstütze ich sie, indem ich das Überholen mit meinem Körper blocke. Das hilft ihr, sich weiter zusammenzureißen. Ist etwas anstrengend, aber funktioniert gut und zeigt Erfolg. Wir hatten schon viele Jahre keine blinde Panikattacke mehr und auch hochgradige Stresszustände werden geringer.

    Das Blocken ist in dem Moment mMn keine Strafe und wird scheinbar auch nicht so von ihr rezipiert, denn sonst würde ihr Stresslevel dabei nicht geringer statt höher werden. Alles, was sie ablenkt hingegen - also auch Lob und Leckerchen - erhöht den Stress. Guckt man drauf, sieht man also eine hoch auf ihre - schon deutlich Stress zeigende -Hündin konzentrierte Frau, die blockt und nicht lobt und belohnt :smile:. Dass da in Wirklichkeit was ganz anderes passiert als mieses Leinenführigkeitstraining, das sieht man nicht.

  • Was die Leinenführigkeit angeht, bin ich auch nie besonders penibel gewesen. Mir riecht es wenn er soweit vernünftig an der Leine läuft, das er mich nicht durch die Gegend zerrt und das funktioniert sehr gut.
    Mir sind ebenfalls in erster Linie die Dinge wichtig, die wir im Alltag brauchen. Das sind der Rückruf, Stitz/Platz und da vor allem ein zuverlässiges Bleib; und natürlich, ganz wichtig, ein "Nein". Da Till uns gerne überall hin begleitet ist mir sehr wichtig, dass er am Halsband tatsächlich im Fuß bleibt und, extrem wichtig, nicht markiert. So kann ich ihn sicher durch die Stadt führen, ohne dass wir andere Belästigen.
    An unserer Hundeschule fand ich gut, dass jedes Team individuell gesehen und unterstützt wurde und zusätzlich noch auf Dinge hingewiesen wurde die in der Zukunft wichtig sein könnten, die man als Laie zunächst einmal gar nicht so auf dem Schirm gehabt hätte.
    Das wir mit Till recht viel trainiert haben und er doch einiges an Tricks und nice to have kann, liegt in erster Linie daran, dass Till und wir einen riesigen Spaß daran hatten. Till genießt die geistige Auslastung und fühlt sich einfach wohl dabei. Zu dem lernt er recht schnell. Das war manchmal schon eine kleine Herausforderung sich immer wieder etwas neues einfallen zu lassen an dem er knobeln konnte. :D Aber es macht einfach auch sehr großen Spaß.
    Bei uns lag dann der Schwerpunkt dann auf Such- und Apportierspiele/Aufgaben. Geruchsunterscheidung und motorische Herausforderungen, weil Till sehr agil und aktiv ist.
    Als seine Passion stellte sich dann Mantrailing heraus.

    LG

    Franziska mit Till

  • Ich erziehe großteils mit positiver Verstärkung. Ich möchte, dass der Hund Dinge freudig und mit positiver Emotion ausführt. Positive Verstärkung heißt aber nicht "Leckerlis rein und gut" (auch wenn der Hund das häufig sehr gut findet), sondern ich arbeite mit einer Vielzahl von Verstärkern (Stimme, Spielzeug, Umwelt,...). Ich achte bei positiver Verstärkung sehr auf die Bedürfnisse des Hundes.

    Es gibt auch freundliche Korrekturen/Erinnerungen - ja, ich wiederhole ein Signal auch einfach mal, locke, oder tippe den Hund an um Aufmerksamkeit zu bekommen.

    So, ich arbeite aber auch aversiv. Da reicht die Schiene von lauter Stimme (Hey) über Körpersprache und Wegdrängen bis hin zu da fliegt mal ein Teil. Das setze ich aber tatsächlich nie am Anfang ein.

    Z.B. Wegetreue im Freilauf: ich verknüpfe den Weg positiv, verhindere mit der Schleppleine das Rennen auf den Feldern, baue ein Signal "raus da" auf, etc. und irgendwann kommt der Punkt, dass der Hund doch versucht über das Feld zu laufen - dann korrigiere ich. Und je nach Hund und Situation ganz unterschiedlich (siehe Beispiele oben).

    Wir haben auch aversiv aufgebaut Abbruchsignale. Aber auch positiv aufgebaute - das ist eigentlich jedes Signal, dass das Verhalten des Hundes erstmal unterbricht. Auch hier je nach Situation wird das ein oder andere eingesetzt.

    Mir ist das aber sehr in Fleisch und Blut übergegangen. Ich denke da beim Spaziergang nicht groß drüber nach, sondern mache einfach. Und ja, manchmal gibt es dann Situationen in denen ich mich danach ärgere, nicht anders reagiert zu haben. Da ärgere ich mich aber über mich, nicht über den Hund.

    Zudem: mein Hund ist nicht perfekt, er ist ein Hund und macht manchmal Dinge, "die hat er noch nie gemacht", kann nicht überall (!) frei laufen und dreht bei Besuch ziemlich hoch, bellt neuerdings am Gartenzaun (wenn man ihn lässt). Aber wir kommen gut durch unseren (!) Alltag (ich könnte jetzt auch aufzählen, was richtig gut klappt). Und das ist wichtig für jedes einzelne Mensch-Hund-Team. Bei den anderen Dingen bin ich schlicht zu faul das zu trainieren oder es ist mir nicht wichtig.

    Eine Frage noch in die Runde. Wenn ihr ein (aversives) Abbruchsignale verwendet und der Hund sein Verhalten daraufhin abbricht, lobt/bestätigt ihr das dann? Und wenn ja/nein, aus welchem Grund?

  • Eine Frage noch in die Runde. Wenn ihr ein (aversives) Abbruchsignale verwendet und der Hund sein Verhalten daraufhin abbricht, lobt/bestätigt ihr das dann? Und wenn ja/nein, aus welchem Grund?

    Das ist situativ. Grob gesagt: Wenn da was ganz Tolles war, was sie gelassen haben, eher ja. Wenn sie mal ausprobiert haben, wo meine Aufmerksamkeit ist und ob unterm Radar was bekannt Unerwünschtes durchgeht, eher nein :smile:

  • Eine Frage noch in die Runde. Wenn ihr ein (aversives) Abbruchsignale verwendet und der Hund sein Verhalten daraufhin abbricht, lobt/bestätigt ihr das dann? Und wenn ja/nein, aus welchem Grund?

    Meistens bedanke ich mich. Einfach als Feedback, nicht als Belohnung.
    Gibt aber auch oft verbales Lob und bei richtig „schwierigen“ Sachen gibt es auch Party und Leckerlies.
    Zb wenn Naruto es schafft sein glotzen abzubrechen, dann gibt das Belohnung weil ich weiß dass das was ist was ihm schwerfällt und gleichzeitig weiß ich dass er nicht absichtlich glotzen würde um sich dann abbrechen zu lassen um dann ein leckerlie abzustauben.

  • Ich selbst bin beim Thema Menschen anspringen trainingstechnisch die Oberlusche.

    Du springst Menschen an? Oh. Das hätte ich nicht erwartet. Wie kam es zu dieser Fehlverknüpfung?

    :sweet:Entschuldigung. Bin heute schneeblöd und entsprechend albern.

    Wenn ihr ein (aversives) Abbruchsignale verwendet und der Hund sein Verhalten daraufhin abbricht, lobt/bestätigt ihr das dann? Und wenn ja/nein, aus welchem Grund?

    Ich sage dann freundlich "gute Entscheidung" oder "Danke". Oder ich lade ihn zu einer sinnvollen Anschlusshandlung ein, die ich dann wieder loben kann. Beispiel: Er rennt vor und schnuppert an Pferdeäpfeln. Auf meinen Abbruch hört er auf, wir gehen an den Pferdeäpfeln vorbei und wenn ich dann nicht aufpasse, macht er fröhlich kehrt und kehrt zu den Pferdeäpfeln zurück. Also behalte ich ihn bei mir, wir flitzen ein bisschen gemeinsam oder er macht Sitz oder sonst etwas Lustiges/Sinnvolles und dann gibt es eventuell auch Leckerlies. Da Bolero der Meister beim Ersinnen von Handlungsketten war, bin ich da echt aufmerksam, dass ich eine gewisse Zeit zwischen erfolgtem Abbruch und Leckerlies verstreichen lassen.

  • Eine Frage noch in die Runde. Wenn ihr ein (aversives) Abbruchsignale verwendet und der Hund sein Verhalten daraufhin abbricht, lobt/bestätigt ihr das dann? Und wenn ja/nein, aus welchem Grund?

    Bei mir hat sich leider eingeschlichen, dass ich das Befolgen des Abbruchs lobe (Verdammt! Ich lobe meine Viechers halt gern!) - bei Jin geht das, aber bei Sookie hat sich der Abbruch so wohl aufgeweicht, so dass ich den jetzt nochmal etwas nacharbeiten muss und arg an meinem Verhalten arbeiten muss; mir haut halt leider niemand direkt auf die Finger, wenn ich es falsch mache - dann würd ich's schneller lassen |)

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