Fragen, die man sonst nicht zu stellen traut .... Teil 24

  • Tiggy

    Ich würde an Deiner Stelle auch rein aus dem Part heraus, den Du anbietest, agieren. Spreche an, was Du als mögliche Ursache für Schmerzen/Probleme identifizierst. Und parallel schauen, ob Du ihm mit Deinem physiotherapeutischem Instrumentarium Tipps für gezielten Muskelaufbau zur Kompensation geben kannst bzw. mit Entspannungstechniken Symptomlinderung erreicht werden kann. So dass der bestmögliche Kompromiss zwischen dem Bedürfnis nach optischer Angleichung und muskulärem Wohlbefinden erreicht wird. Auf einen Kompromiss wird es vermutlich rauslaufen :smile:.

    Wenn es um einen Binder geht: Da gibt es unterschiedliche Qualitäten und klare Trageempfehlungen. Er kann sich dazu beraten lassen (falls er das nicht ohnehin schon tut bzw. getan hat). Eine Anlaufstelle wäre z. B. dgti e.V.

    Falls er bereits konkret mit dem Gedanken an eine geschlechtsangleichende Mastektomie spielt bzw. schon erste Schritte dafür in die Wege geleitet hat, dann hat er höchstwahrscheinlich auch bereits entsprechende Beratung an der Hand, das Thema würde ich an Deiner Stelle erstmal gar nicht ansprechen.

    Edit: Zur Frage, ob und inwieweit das für ihn nötig ist: Das kannst Du aktuell schlicht nicht beurteilen. Mit dem Verdacht „selbstgemachtes Leid“ ideologisierst Du dieses Hilfsmittel und das kann dann bei einer Therapie ein Stück weit im Weg stehen. An Deiner Stelle würde ich versuchen, es ganz neutral als Hilfsmittel wie jedes andere nötige Hilfsmittel auch zu betrachten und darauf Deine Strategie aufbauen.

    Danke, mit der Website hast du mir schonmal weiter geholfen.

    Das mit dem "selbstgemachtes Leid" ist im keinem Fall das, was ich irgendwie kommunizieren möchte... es ist halt meine "neutrale" Einordnung der Ursachenforschung.

    Das hier natürlich Pro Patient behandelt wird, ist klar.

    quasi "selbst gemachtes" Leid. Wenigstens aus einer physiotherapeutischen Sicht kann man das Problem schnell lösen... Binder weg, alles Prima

    Du behandelst aber einfach nicht im luftleeren Raum. Es wäre kontraproduktiv, diesem Menschen zu empfehlen, den Binder doch einfach wegzulassen, weil dadurch potentiell mehr Leid ausgelöst wird. In der Regel nutzt man ja Binder nicht aus Spaß, sondern weil ein Leidensdruck herrscht, der dadurch gelindert wird. Aber sachgemäße Anwendung, verschiedene Modelle testen - das ist eine vernünftige Stellschraube, auf die du im Rahmen deines Berufs hinweisen kannst.

    Wenn ich (mit Brüsten in einer Größe, die nicht an sich Rückenschmerzen verursachen) jetzt ständig total unpassende BHs tragen würde und dann mit Schmerzen zu dir käme wäre dein erster Gedanke hoffentlich auch "da muss aber was passendes her" und nicht "dann trag halt keinen mehr, Problem gelöst".

    Du hast vollkommen recht. Daher sage ich ja, es gibt ganz klar zwei Gesichtspunkte, einmal den "pragmatischen" und einmal den "emotionalen"

    Und wenn einem eine Person gegenüber steht, muss man als Therapeut irgendwie versuchen, den richtigen Weg zu finden. Und das ist halt nicht immer einfach.

    Schon bei dem Thema "passender BH" löst man bei Zeiten regelrechte Kleinkriege aus.

    Ich habe schon Menschen erlebt, da kann/darf man das "Problem" direkt benennen, und man arbeitet an einem gemeinsamen Weg, und ich hatte schon Menschen in Behandlung, da wurden keine gemeinsamen Lösungen gewollt, sondern nur eine Lösung, ohne jegliche Einsicht des auslösenden Problems.

    Und ich empfinde es halt als schwierig, mit einer relativ jungen Person auf solche Dinge einzugehen, von denen ich ja auch im Grunde keine Ahnung habe.


    Medizinisch gesehen gibt es halt zwei Geschlechter XX und XY (XXY lass ich jetzt einmal aussen vor)

    Daraus resultieren halt Chromosomen abhängige Unterschiede (medikamenten Stoffwechsel, Organfunktion, Erkrankungen, etc).

    Das ist sehr vereinfacht. Schaut man auf die Chromosomen, lassen sie sich meist zwei Geschlechtern zuordnen, ja. Das ist aber nicht gleichbedeutend mit "medizinisch gibt es zwei Geschlechter". Menschen sind so viel komplexer, auch medizinisch.

    Ja, es ist stark vereinfacht ausgedrückt. Weil mich in der Physiotherapie im Grunde auch nur diese Dinge interessieren.

    Rein medizinisch sind wir ja noch nicht einmal in der Lage, für Frauen Medikamente richtig einzustellen, und auch die Erste Hilfe wird am Beispiel Mann gelehrt.

    Aber darum geht es hier nicht, da könnte man noch Bücher mit füllen.

  • Ich würde an Deiner Stelle auch rein aus dem Part heraus, den Du anbietest, agieren.

    Genau das - ich konnte es nur nicht so klar formulieren.

    Danke Dir, Du hattest es aber auch schon gesagt :smile:

    Da geht es auch nicht nur darum, dem Patienten die bestmögliche Beratung anzubieten, sondern auch darum, dass Therapeut*innen für sich klar abgrenzt, was ihr Part in der Behandlung ist und was nicht, also wofür andere Ansprechpartner*innen nötig sind, die in dem Bereich ihre Erfahrung haben. Das ist mit Sicherheit nicht einfach in einem Thema, das mehrere therapeutische Themen berührt. Und im Verlauf einer längeren Beziehung lockert sich da sicher auch etwas, weil man halt auch viel übereinander lernt. Aber für den Anfang und in einem neuen Themenbereich halte ich es für wichtig.

    Der Mann bietet als Teil seines therapeutischen Spektrums Stimmtransition an. Da ist es halt auch so, dass er nur einen kleinen Teil im Gesamtpaket leisten kann. Und sich da der Aufgabe sicher zu sein, ist auch wichtig zum Selbstschutz, wenn man in einem Bereich arbeitet, in dem man viel mit menschlichem Leid konfrontiert wird.


    Edit: Tiggy

    Ich würde Dir da auch gar nicht unterstellen, dass Du da so etwas kommunizierst. Nur die Einstellung „selbstgemachtes Leid“ selbst - die ist nicht ganz neutral. Kanns auch nicht sein, weil wir alle von dem geprägt sind, was wir gelernt haben, das ist überhaupt nicht als Vorwurf von mir gemeint. Ich würde sie halt trotzdem so gut wie es geht beiseite schieben bei Therapieplanung, weil sie unweigerlich einen Einfluss nimmt, der hinderlich sein kann.

  • Zwei reine Interessens(!)fragen dazu:

    Gibt es für Physiotherapeuten kein Netzwerk oder keinen Berufsverband, die Hilfestellung für diesen Themenkomplex geben? Das ist ja kein wirklich neues Thema, oder? Oder wird das da aktiv ausgeklammert?

    Zu dem BH-Vergleich: Inwieweit hat Größenberatung mit Physiotherapeuten zu tun? Geht es da nur um Handhabung von "Gewicht" oder sind solche "Weichteile" auch im Aufgabengebiet?

  • Zwei reine Interessens(!)fragen dazu:

    Gibt es für Physiotherapeuten kein Netzwerk oder keinen Berufsverband, die Hilfestellung für diesen Themenkomplex geben? Das ist ja kein wirklich neues Thema, oder? Oder wird das da aktiv ausgeklammert?

    Zu dem BH-Vergleich: Inwieweit hat Größenberatung mit Physiotherapeuten zu tun? Geht es da nur um Handhabung von "Gewicht" oder sind solche "Weichteile" auch im Aufgabengebiet?

    Bin keine Physiotherapeutin. Aber als Frau, die auch, wenn sie in normalgewichtigem Zustand ist, Körbchengröße E hat: Diese „Weichteile“ haben ein Gewicht, das natürlich heftig Einfluss auf Rücken-, Hals- und Kopfmuskulatur hat. Da ist ei guter BH schon ein Gamechanger.

    Ich selbst hab erst seit konsequenter Arbeit an Haltung keine permanenten Verspannungskopfschmerzen mehr.

  • walkman Bzgl. BHs, so als Frau, die allerdings selbst keine Physio ist: Also eine richtige Größenberatung würde ich bei der Physio jetzt nicht erwarten oder wollen, dafür geht man ins entsprechende Fachgeschäft. Aber ein BH kann einschneiden (eher nicht an den "Weichteilen", sondern andernorts), einschränken oder das Gewicht ungünstig verteilen und dadurch eben zu Verspannungen und Schmerzen führen. Da wirken ja meist andere Kräfte als bei sonstigen Kleidungsstücken - auch, aber vermutlich nicht nur durch die Gewichtsverteilung. Von daher ist es sicher normal, dass man bei entsprechenden Beschwerden auch darauf hingewiesen wird, wenn sich der BH ungünstig auswirkt.

    Beantwortet das deine Frage? Oder wolltest du nur die professionelle Antwort?

  • Aber ein BH kann einschneiden (eher nicht an den "Weichteilen", sondern andernorts), einschränken oder das Gewicht ungünstig verteilen und dadurch eben zu Verspannungen und Schmerzen führen.

    Das beantwortet sie, vielen Dank! Ich hatte nicht darüber nachgedacht, dass enge BHs ja auch direkt auf Muskeln liegen oder evtl. Sehnen betreffen. Eigentlich logisch.


    Zwei reine Interessens(!)fragen dazu:

    Gibt es für Physiotherapeuten kein Netzwerk oder keinen Berufsverband, die Hilfestellung für diesen Themenkomplex geben? Das ist ja kein wirklich neues Thema, oder? Oder wird das da aktiv ausgeklammert?

    Zu dem BH-Vergleich: Inwieweit hat Größenberatung mit Physiotherapeuten zu tun? Geht es da nur um Handhabung von "Gewicht" oder sind solche "Weichteile" auch im Aufgabengebiet?

    Bin keine Physiotherapeutin. Aber als Frau, die auch, wenn sie in normalgewichtigem Zustand ist, Körbchengröße E hat: Diese „Weichteile“ haben ein Gewicht, das natürlich heftig Einfluss auf Rücken-, Hals- und Kopfmuskulatur hat. Da ist ei guter BH schon ein Gamechanger.

    Ich selbst hab erst seit konsequenter Arbeit an Haltung keine permanenten Verspannungskopfschmerzen mehr.

    Genau den Teil hatte ich mir noch erschließen können, wobei ich da aber auch niemals auf Kopfschmerzen gekommen wäre.

  • Da spielen natürlich nicht nur rein physiologische Faktoren rein, sondern z. B auch eine krumme Haltung mit nach vorne gebeugten Schultern zum „Kaschieren“. Aber tatsächlich auch die Gewichtsverteilung. Und da kann der BH gewaltig mit reinspielen.

    Falls Du experimentierfreudig und seeeehr neugierig bist :D: Häng Dir mal zwei Sandsäckchen von so je 600-800 Gramm vor die Brust so, dass ein Teil des Gewichts im Nacken sitzt, und teste das ein paar Tage aus.

  • auf solche Dinge einzugehen, von denen ich ja auch im Grunde keine Ahnung habe.

    Zu vielen guten Dingen, die andere schon formuliert haben, finde ich das einen wichtigen Punkt, den ich rausgreifen möchte: diese Erkenntnis/Einsicht ist super wertvoll, und etwas, was ich ggf. der Person gegenüber auch transparent machen würde.

    Zum einen in einer Anerkennung, dass du ihn und seine Erfahrungen mit seinem Körper ernst nimmst in diesem Bereich, aber auch darin, dass du - was ja hier gerade schon stattfindet - versuchst mehr Infos und Wissen einzuholen zu dem Themenbereich. Die Bereitschaft zuzuhören, ernst zu nehmen und dazu zu lernen.

    Wenig ist nerviger, als medizinisch/therapeutisch arbeitende Profis, die mir meine Erfahrungen und Erlebnisse und Expertise mit mir selbst aus fehlendem/falschen Wissen absprechen. Das macht Vertrauen schnell zunichte (bei mir).

    Weitere Anlaufstellen für mehr Infos:

    https://www.bundesverband-trans.de/

    https://transmann.de/

    Oder auch regionale Beratungsstellen, die oft auch mit anderen Menschen aus dem mmedizinisch-therapeutischen Bereich vernetzen können, die ggf. tiefergehendes Wissen zu der Frage in deinem Fachbereich haben. Da kann ich aber nicht einschätzen, wie üblich das in deiner Branche ist, sich bei solchen Fragen auszutauschen mit Kolleg*innen.

  • Zwei reine Interessens(!)fragen dazu:

    Gibt es für Physiotherapeuten kein Netzwerk oder keinen Berufsverband, die Hilfestellung für diesen Themenkomplex geben? Das ist ja kein wirklich neues Thema, oder? Oder wird das da aktiv ausgeklammert?

    Zu dem BH-Vergleich: Inwieweit hat Größenberatung mit Physiotherapeuten zu tun? Geht es da nur um Handhabung von "Gewicht" oder sind solche "Weichteile" auch im Aufgabengebiet?

    Leider sind unsere Berufsverbände ein Zusammenschluß von unentschlossen, und leider eher rückständigen Menschen. Wor haben quasi 3 Verbände, die gegeneinander arbeiten.


    Zum Thema BH haben hier ja schon einige geantwortet.

    Das ist tatsächlich ein großer Auslöser di ersetzt Probleme.


    @all danke für eure Antwortennund denk anstöße

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