Unsere Leinenrambos - Umgang, Austausch und (Erfolgs)geschichten

  • Ich muss mal kurz nörgeln.

    Die meisten Hundehalter bei uns sind durchaus vernünftig, leinen an, gehen vorbei etc.

    Aber immer mal wieder trifft man ein ganz hilfreiches Exemplar dass alles gibt, den Hund wieder gewaltig auf die Probe zu stellen.

    Das Wuselflausch macht das prima. Wirklich prima. Mit Abstand und umlenken macht es das sooo gut.

    Was ist denn eure liebste Entgegnung bei folgendem klassischen Dialog:

    Man nimmt seinen eigenen Hund an die Seite und ruft: "Würden Sie Ihren Hund bitte anleinen?"

    "Der macht nichts!"

  • Den Effekt beobachte ich auch. Sogar bei meinen eigenen Hunden.

    Der Grund ist in meinen Augen ganz logisch: Du weißt, dass diese Hundehalter keinen Mist machen. Bei jedem Fremden muss man genau beobachten und ausloten wie der sich verhalten wird, ob er seinen Hund unter Kontrolle hat und wie der andere Hund wohl so drauf ist. Das alles fällt mit diesen Dir bekannten Teams weg. Du weißt einfach, dass die keinen Mist machen und das lässt Dich entspannt bleiben.

    Ich habe das Problem auch. Kommt mir jemand entgegen, bei dem ich mir sehr unsicher bin wie das wohl verläuft, keine Leine am Hund ist und ich nicht weiträumig ausweichen kann, sind meine Hunde auf Alarm, meine Aina fängt dann hysterisch an zu bellen, weil sie wirklich Schiss hat.

  • Hmmmm ich bin irgendwie an einem Punkt, wo ich mir immer wieder vor Augen führen muss, wie weit wir eigentlich gekommen sind.

    Also so alles im allen kann ich ja eigentlich echt zufrieden sein.

    Gestern war beispielsweise so ein Tag. Wir sind nach der Hitzewelle eine total entspannte Runde gelaufen. Drei Hundebegegnungen.

    Begegnung eins Labbi der sich hinschmeißt, fixiert und dann mit Schwung nach vorne geht.

    Der kam gerade aus der Haustür und musste in meine Richtung. Besitzer hält an, schaut mich an und fragt „Musst du hier vorbei?“

    „Jupp komm ich auch, wird aber eventuell laut…“ (2m Abstand frontal geht halt einfach noch nicht.)

    „Oh dann macht meiner mit, warte kurz, ich geh in den Garten, dann hast du mehr Platz!“.

    So kamen wir auf 5m Abstand geschätzt und Frau Hexe lief zwar aufgeregt aber super artig dran vorbei. Einmal schütteln alles gut.

    Etwas später ein Mensch mäht rasen. Da muss Frau Kontrolletti natürlich gucken, ob das in Ordnung geht und mir anzeigen. Als wir am Rasenmäher vorbei sind macht es tief und laut Wuff schräg hinter uns. Interessant, da wohnt nen SSH. Gut zu wissen. Was macht Frau Hexe? Genau guckt irritiert und macht einfach Nix. Wir waren so konzentriert, dass wir den Hund einfach die ganze Zeit nicht wahr genommen hatten. Frau Hexe fragt, ob sie denn bitte mal zurück dürfte, um dem Hund mal zu sagen, dass das so gar nicht geht. 🤣 durfte sie natürlich nicht, war auch ok für sie. Einmal schütteln. Weiter geht’s.

    Am Ende treffen wir wieder den Labbi. Halter lacht schon, winkt und sagt, er weicht auf die Kuhwiese aus.

    Hexe registriert dies wohlwollend. Als der Labbi dann kläffend in die Leine ging überlegt sie kurz, ob sie ihm wohl das Atmen verbieten kann. Da fällt ihr ein das ich sowas doof finde und trabt lieber doch mit mir mit.

    Bis hier hin könnte ich doch so happy und zufrieden sein, oder?

    Dann gibt es aber so Momente. Beim Sozialwalk beispielsweise. Sie war so klasse. Wirklich gut. Und plötzlich reißt sie mich quasi ohne Vorwarnung fast um und zerrt mir die Schulter.

    Oder letztens zu Hause, Erzfeind kommt um die Ecke und totale Eskalation. Normal kann ich ja immer mit ihr umdrehen und es ist gut. Aber da hat sie sogar versucht sich rückwärts aus dem Halsband zu ziehen. Und nein ich bin recht sicher die wollte nicht nur spielen.

    Ich erkenne da irgendwie kein Muster. Oder vielleicht doch. Das gefällt mir nur nicht. Ein Bruchteil von Sekunde Unaufmerksamkeit von mir und zu langsam. Ich bin echt gespannt, ob wir da mal durch kommen ohne permanente Erinnerung, dass eskalieren keine Option ist. Sie macht sich doch das Leben einfach selbst so unfassbar schwer. :crying_face:

  • Ich glaube nicht, daß reaktives Verhalten jemals komplett aufhört. Hier gab es auch schon nach Wochen ohne Eskalation einen plötzlichen Zug zur Seite, Hund hängt am Leinenende und eskaliert. Dabei war es nur eine Katze, die aber im Augenwinkel schnell und gefährlich wirkte. Es hätte auch ein Blatt sein können oder ein Babykaninchen oder ein Döner. Es ist Bettis Survival Skill. Ich konzentriere mich dann eher auf die Erfolge über die Beruhigung danach oder das Abrufen aus der Handlung.

    Wir sind auch weiter gekommen, als ich je geträumt hätte. Aber niemals wird es komplett weg sein.

    Wir wechseln demnächst wieder von Dorf zu Stadt (das machen wir 3-4x pro Jahr). Jedes Mal ist die Umstellung eine Katastrophe und wir fangen wieder klein an. Zumindest nicht mehr bei 0. Hoffe ich, kann ich natürlich noch nicht vorhersagen. Aber da muss ich auch ganz doll an meinen Erwartungen schrauben.

  • Ich glaube nicht, daß reaktives Verhalten jemals komplett aufhört. Hier gab es auch schon nach Wochen ohne Eskalation einen plötzlichen Zug zur Seite, Hund hängt am Leinenende und eskaliert. Dabei war es nur eine Katze, die aber im Augenwinkel schnell und gefährlich wirkte. Es hätte auch ein Blatt sein können oder ein Babykaninchen oder ein Döner. Es ist Bettis Survival Skill. Ich konzentriere mich dann eher auf die Erfolge über die Beruhigung danach oder das Abrufen aus der Handlung.

    Wir sind auch weiter gekommen, als ich je geträumt hätte. Aber niemals wird es komplett weg sein.

    Wir wechseln demnächst wieder von Dorf zu Stadt (das machen wir 3-4x pro Jahr). Jedes Mal ist die Umstellung eine Katastrophe und wir fangen wieder klein an. Zumindest nicht mehr bei 0. Hoffe ich, kann ich natürlich noch nicht vorhersagen. Aber da muss ich auch ganz doll an meinen Erwartungen schrauben.

    Nun mach mir aber nicht meine Hoffnung kaputt, dass sie vielleicht mit dem erwachsen werden auch ein paar Vernunftsynapsen dazu bekommt :rolling_on_the_floor_laughing:

    Ich rede mir ein, dass sie ja noch erwachsen werden muss. Da hat sie noch so 1-2 Jahre für bis ich mich von der Illusion vollständig verabschiede :rolling_on_the_floor_laughing:

  • Nun mach mir aber nicht meine Hoffnung kaputt, dass sie vielleicht mit dem erwachsen werden auch ein paar Vernunftsynapsen dazu bekommt :rolling_on_the_floor_laughing:

    Ich rede mir ein, dass sie ja noch erwachsen werden muss. Da hat sie noch so 1-2 Jahre für bis ich mich von der Illusion vollständig verabschiede :rolling_on_the_floor_laughing:

    Na gut.

    Betti war schon lange erwachsen, bevor ich sie bei mir ankam...

    Es ist halt eine Frage der Motivation dahinter. Aber auch eine Typ Sache. Manches wird nicht weggehen.

  • Die Motivation ist absolut klar. Unsicherheit.

    Das ist auch ganz spannend im Kontakt ohne Leine. Ist ihr wer nicht geheuer, steht sie unmittelbar hinter mir und lässt sich schützen. Da sind wir mit Trainern dran. Da hat sie Nachholbedarf auch in der Kommunikation. Aber da geht sie nie nach vorne.

    Ist ihr was nicht geheuer an der Leine geht die Pöbelei los. Wobei ich sagen muss, dass ist schon viel viel besser geworden.

    Sie zeigt mir an der Leine bereits viele Reize an und lässt sich anleiten und unterstützen. Nur bei Hunden eben noch nicht. Da hoffe ich wirklich, dass sie vielleicht irgendwann versteht, dass es einfach nicht nötig ist. Oder die Sicherheit findet, dass sie es gar nicht mehr als nötig erachtet.

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