Junghund zu Besuchen = Stress

  • flying-paws das probiere ich. Wenn ich recherchiere, kommt nur „Hund hat Angst vor Menschen“ oder „Hund springt alle an“ usw. das ist aber nicht unser Problem.

    Er ist überfordert, wirkt aber total happy auf die anderen und lockt so regelrecht die Menschen an 🥲 Ich denke so haben wir uns das Problem auch herangezogen.

    Ich muss mich auch ständig wiederholen den Hund zu ignorieren, weil er einfach das Köpfchen auf ihren Schoß legt und wedelt oder hin rennt und ganz hysterisch ist. Ja Labrador, aber so extrem habe ich das bei anderen Labradoren nie wahrgenommen. Da war kurze Aufregung beim begrüßen und dann Ruhe. Auch seine Geschwister sind da alle entspannter.

    Glaub langsam können mich die Leute eh schon nicht mehr leiden 😂 weil der arme Hund liebt sie ja nur und ich böser Mensch will das nicht zulassen.

    Aber eventuell binde ich diese Personen einfach in unser Training ein 😊 dann merken sie, dass es ein Problem ist und werden sensibler dafür.

  • Wenn der Hund reizüberfordert ist, hilft Auspowern vermutlich nicht so viel - wenn der Hund körperlich müde ist, kann er ja Reize eher noch schlechter verarbeiten

    Das sehe ich auch so. Es gibt Hunde, denen das hilft und die, für die es dann noch schwieriger wird.


    Ich würde an deiner Stelle Rituale aufbauen (also bspw. eine Decke, auf der immer gewartet bzw. geruht wird), aber nichts, was eine besondere Erwartungshaltung aufbaut (also nicht das super, duper Leckerli). Und dann mit Ruhe, Geduld und Konsequenz vom Einfachen zum Schweren trainieren.

  • Tag 1: Wir haben ihn am Geschirr und Leine festgebunden. Wir waren zu keinem Zeitpunkt mehr als 2m von ihm entfernt. Wir wollten, dass er mal runter fährt und sich entspannt. Nunja es wurde gefiept, gepiept, schrill gebellt. Obwohl dort alles super ruhig war, hat er 5h gebraucht und ist dann erschöpft eingeschlafen. Wir waren insgesamt 4 Personen. Also jetzt nicht die große Aufregung. Wollte es aber diesmal durchziehen, bis er mal runterkommt. Fehler?

    Bei Tiny wirkt in so Situationen tatsächlich, hinterm Ohr Kraulen. Und wenn das in der Vergangenheit nicht mehr half, dann eine kurze Runde raus, ums Haus und dann wieder zusammen hinsetzen und weiter hinterm Ohr kraulen.
    -Aber Streicheln wirkt nicht unbedingt bei jedem Hund beruhigend. Wenn es bei einem Hund aber beruhigend wirkt, dann ist das auch genau so! und keine Bestätigung oder Belohnung für die Aufregung.
    Das merkt man dann daran, das der Körper entspannt, der Kopf abgelegt wird, der Hund wird ruhig und beginnt die Augen zu schließen.

    Wenn bei uns längere Tage Besuch da ist, ist auch das oberste Gebot "Hund Ignorieren".
    Tiny darf aber auch mit einem Spielzeug in der Schnauze zu ausgewählten Besuch hin. Also Menschen die Hunde mögen und auch öfter zu Besuch sind.
    Ich mach das auch immer etwas von der Ansprechbarkeit abhängig.
    Es gibt einfach Menschen, da werden Hunde irre und Pushen sie innerhalb von Sekunden auf 120 hoch.
    Und es gibt Menschen, die wirken "beruhigender"(Für einen Jungen Menschen Liebenden Labi sind alle Menschen spannend. Aber es gibt Menschen die haben eine weniger stressige Ausstrahlung).
    Mit solchen Menschen kann man super üben.

    Manchmal hilft es ein Kommando vorzugeben. Wie z.B Spielzeug holen. Oder absitzen lassen. Auch das wegschicken vom anderen Menschen auf Kommando haben wir immer bei Gelegenheit geübt.
    Aber auch viel belohnt, wenn sie sich gut benommen hat.
    Sie kennt auch "Ruhig bleiben" als Signal und/oder "Schlafen".


    Das hinterm Ohr kraulen ist natürlich bei Tiny Individuell und klappte schon von Welpe an. Aber übers Jahr ist daraus, wahrscheinlich auch eine feste Konditionierung geworden.
    Ein Entspannungssignal zu Konditionieren ist auch kein Hexenwerk.
    Vielleicht findest du da auch Tipps zu, wenn du nach konditionierter Entspannung suchst.
    Mal im Vergleich zu deinem einfach liegen lassen und Ignorieren, was 5 Std dauerte.
    Wenn ich Tiny hinterm Ohr kraule, wenn sie angespannt wird, dauerts wenige Augenblicke, bis vielleicht 5 Minuten und sie legt ihren Kopf auf meinen Fuß und ist gechillt.

    Bsp. Mit einer immer gleichen Decke könnte man sowas aufbauen. Zuerst müsste das geübt werden, an einem Ort der deinen Hund nicht aufregt. Das kann auch Anfangs zuhause sein.
    Später geht es dann mit der Decke zum Langweiligsten Ort den du draußen kennst. Und ihr bleibt dann da, bis sich dein Hund auf seine Decke ablegt und entspannt wirkt.
    Der kann sich dann auch vorher ausgepowert haben. Es muss sich ja erst mal die Verknüpfung aufbauen Decke=Schlafen/Ruhen.
    Wichtig wäre auch, dass es immer die selbe Decke ist, die dann vom Aussehen her und ihrem Geruch mit diesen eingeübten Entspannungs Situationen abgespeichert ist beim Hund.
    Und sowas konditioniert sich auch nicht über Nacht, sondern kann bis das richtig vom Hund angenommen wird Monate dauern.

  • Er ist aktuell 7 Monate. Einfach Geduld haben oder kann man das auch irgendwie üben?

    Das wird sich sicherlich geben, ich will dir gerne Mut machen!

    Auch ich hatte mit meiner BC Hündin ein Riesenthema wenn wir zu Besuch waren oder Besuch bei uns war. Teilweise hat ihr die Reisebox geholfen, etwas runterzukommen. Deckentraining etc. haben wir damals auch alles gemacht, aber wie bei euch war es ein mässiger Erfolg wenns dann drauf ankam.

    Wir haben Besuche so gut als möglich vermieden als es am Schlimnsten war (zwischen 6&12 Monaten).

    Mit etwa 1.5 Jahren wurde es dann nach und nach besser. Jetzt, mit 3.5 Jahren, kann sie nach kurzer Aufregung am Anfang (meine Hündin liebt Menschen wirklich sehr) tiptop entspannen. Sie war dieses Jahr sogar mit bei der Familienweihnachtsfeier mit um die 20 Personen und hat mit etwas Anleitung meinerseits ohne Leine unter dem Tisch gepennt. Das hätte ich damals nie für möglich gehalten.

  • Kann sie 'bleib"? Halte ich für essentiell. Das würde ich in Zusammenhang mit einer Decke bombenfest aufbauen, dass der Hund nicht mehr in Bedrängnis kommt zu jedem hinzulaufen.

    Und natürlich die Erziehung der Menschen. :nerd_face:

  • Beim Sitter-Labbi hab ich es draußen trainiert (er wollte auch uuuuunbedibgt zu allen Menschen hin), indem er sich immer setzen musste wenn jemand ankam zu dem er wollte. Manchmal durfte er dann (nach Absprache) hin, manchmal gab es einen Keks und wir sind weitergegangen. Das hat ihn relativ schnell runtergefahren.

    Drinnen war es etwas herausfordernder, da hat es schonmal 10 Minuten gedauert bis das Halsband am Hund war (da war er so 4-5 Monate alt). Da hat nur geholfen, selber absolut ruhig zu bleiben, Ruhe auszustrahlen und dem Hund mit Körpersprache und Leckerli zu erklären, dass er grade ruhig sitzen und nicht in irgendwas reinbeißen soll (zB Leine kurz zeigen, er bewegt die Nase in die Richtung -> belohnen bevor er reingebissen hat. Das Spiel wiederholen, Leine immer näher zum Hund bringen bis sie dran ist. Nach ein paar Wochen konnte man die Leine einfach so befestigen, einen Keks geben und gut, aber er brauchte den kleinschrittigen Aufbau).

    Bei Besuch würde ich mich gezielt verabreden zum trainieren. Heißt, Besuch ist da, bringt sich ggf was zu lesen mit, aber deine Aufmerksamkeit ist beim Hund. Und dann erklärst du ihm kleinschrittig, was er denn tun soll (zB ruhig auf der Decke liegen).


    Der Perro war am Anfang bribing zu Hause auch ziemlich aufgeregt, ihm hat geholfen nach der Autofahrt/dem Fahrradfahren kurz reinzukommen, dann sind wir wieder raus für eine kurze Runde (5-10 Minuten) und dann wieder rein. Da konnte er sich nochmal kurz lösen, kurz schnüffeln und dann bei uns entspannen; größere Runde hab’s dann später.

  • Ohhh fühl dich Mal gedrückt ich kann das so gut nachempfinden! Meine Familie und Freunde waren auch furchtbar was das angeht, 1-2 klärende wirklich sachlich argumentativ belegte Gespräche haben Wunder gewirkt. Oder alternativ auf einen Fachartikel verweisen und darum bitten, dass das mal gelesen wird. Besonders was das Thema fiddeln angeht welches fälschlicherweise als Freude empfunden wird.


    Ruby ist immer wie eine wildgewordene Tarantel in "fremde" Wohnungen gestürmt. Wir fanden es zunächst lustig. Drama nahm seinen Lauf -> hausgemachtes Problem, eindeutig.


    Meine Erfahrung: die großen Probleme draußen haben oft ihren Ursprung in den kleinen Problemen im Zusammenleben / den eigenen 4 Wänden.


    Grenzen setzen, Konsequenz, Hausregeln.

    Wir haben massive Fortschritte gemacht. Ich labere sie nicht ständig zu, dieses typische "jetzt bleib doch endlich Mal ruhig", antatschen...

    Hat alles nur noch schlimmer gemacht.


    Körpersprache war unser Durchbruch, schau Mal nach Raumverwaltung. Klar und bestimmt sein, keine Worte. Mein Hund war wie ausgewechselt.


    Wenn wir Besuch haben hab ich sie früher immer wieder ausm Esszimmer rausgezogen, sie mir Leckerli bestochen, mit ihr geredet, sie absitzen lassen,...

    Katastrophe.

    Jetzt -> 1-2 Schritte auf sie zu (kommt auf die Sensibilität an) und sanft zurückdrängen ins andere Zimmer. Zurücknehmen sobald sie weicht (Verhalten wird bestätigt)


    Ich hab das 5 Mal machen müssen und dann war Ruhe. Und zwar dauerhaft!

    Wichtig dabei: Konsequenz. Auch wenn es 20 Anläufe braucht.


    Ziel: durch das körpersprachliche wegschicken signalisiert man dem Hund viel eher "alles gut , du musst jetzt nix regeln, geh weg" als durch Worte die eine bestimmte Erwartungshaltung fördern bei Hunden. Zumindest war das bei uns so, es gibt freilich keine Pauschalantworten.


    Geübt habe ich bei einem Bekannten in der Wohnung. Hund angeleint, vorher schon viel Leinenführigkeit geübt und gaaanz langsam die Wohnung betreten. Natürlich wird der Bekannte gebrieft dass er den Hund ABSOLUT zu ignorieren hat.

    Ruby habe ich dabei immer wieder körpersprachlich geblockt wenn sie vorbei wollte. Im Wohnzimmer angekommen hab ich mich hingesetzt und die Leine weiter bei mir behalten, wurde sie ruhig hab ich sie einfach wortlos abgeleint.


    Nachdem meine Familie gesehen hat wie stressfrei sowas ablaufen kann unterstützen sie mich richtig toll, hoffentlich wird das bei dir auch so eintreten :-) ich weiß, dass mit dem Verhalten der Menschen alles Training steht oder fällt.


    Mach es kleinschrittig, 5h sind definitiv zu viel.


    Zu der Methode mit dem Aussitzen gibt's verschiedene Meinungen... Nennt sich auch "Flooding"


    Also kurzum wäre das Ziel den Hund von seiner Verantwortung zu entbinden.


    Achja, mit dem Alter wird es natürlich besser und manchmal kickt die Genetik natürlich wieder durch.


    Alles Gute Euch!

  • Wir haben es so gemacht, wenn wir zu Besuch waren: Welpe lösen lassen draussen. Mit Welpe direkt an den Tisch gelaufen. Ruhigste Ecke ausgewählt, Decke und ein Kauknochen ausgelegt und Welpe mit sehr kurzer Leine an den Stuhl oder ans Tischbein befestigt. Leine lang genug um bequem liegen oder sitzen zu können, nicht länger. Und sonst läuft eigentlich nichts weiter für den Welpen. Jemand von uns ist immer in unmittelbarer Nähe (jemand muss ja auch den Stuhl beschweren :grinning_face_with_smiling_eyes: ). Das funktionierte sehr gut, aber vielleicht ist unsere Zappeline in dieser Hinsicht problemlos. Am Anfang wäre aber auch nur 1m Distanz zu weit weg gewesen. In einer fremden Wohnung rumlaufen lassen würde ich sie allerdings immer noch nicht, sie würde keine Ruhe finden.

  • flying-paws das probiere ich. Wenn ich recherchiere, kommt nur „Hund hat Angst vor Menschen“ oder „Hund springt alle an“ usw. das ist aber nicht unser Problem.

    Er ist überfordert, wirkt aber total happy auf die anderen und lockt so regelrecht die Menschen an 🥲 Ich denke so haben wir uns das Problem auch herangezogen.

    Ich muss mich auch ständig wiederholen den Hund zu ignorieren, weil er einfach das Köpfchen auf ihren Schoß legt und wedelt oder hin rennt und ganz hysterisch ist. Ja Labrador, aber so extrem habe ich das bei anderen Labradoren nie wahrgenommen. Da war kurze Aufregung beim begrüßen und dann Ruhe. Auch seine Geschwister sind da alle entspannter.

    Glaub langsam können mich die Leute eh schon nicht mehr leiden 😂 weil der arme Hund liebt sie ja nur und ich böser Mensch will das nicht zulassen.

    Aber eventuell binde ich diese Personen einfach in unser Training ein 😊 dann merken sie, dass es ein Problem ist und werden sensibler dafür.

    Du kannst natürlich versuchen alle Menschen zu erziehen ... wird mühsam und endet nie. Daher nutze ich diese Menschen gerne und bringe meinem Hund bei, was ihm wirklich hilft, denn dass diese "Freude" keine ist, ist Dir ja richtigerweise klar: Üb, dass Dein Hund lernt wegzugehen. Egal was ein Mensch tut und was er vorher beim Menschen gemacht hat. Über Belohnung. Jedes Andeuten von Wegdrehen und Weggehen am besten mit einem Wort, was ein Lecker ankündigt, einfangen und den Hund weg vom Menschen belohnen. Wenn Du siehst, Dein Hund hängt fest, gehst Du hin und ziehst ihn mit Futter direkt an der Schnauze raus und fütterst ihn quasi lockend von den Menschen weg, so dass die Distanz vergrößert wird. Dabei ist bei einem Welpen völlig egal wie "daneben" er sich mit dem Mensch benommen hat und, ob dieser ihn quietschend dazu animiert sich aufzuregen. Wenn Du das regelmäßig so machst, wirst Du einen Hund bekommen, der nach der Junghundezeit auch bei Menschen, die ihn anquatschen sofort rumdreht und weggeht. Parallel würde ich das mit dem ruhigen Warten auf einer Decke oder angebunden zur Ruhe kommen über Belohnung (!!!) weiterüben, damit es für den Hund einen Ruhebereich gibt. Dort ist dann tatsächlich ansprechen und anfassen für fremde Menschen auf Tod verboten.


    Bei Labbis funktionieren so Sachen wie wegdrängen, anbinden und über Frust warten bis der Hund sich beruhigt ganz, ganz schlecht oder manchmal gehen sie ins Gegenteil, so dass der Hund noch mehr hochdreht. Für diese Trainingstechniken sind sie nicht gestrickt.

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