Club der (Hunde-)Altenpfleger & Altenpflegerinnen - Teil 4
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Gast41354 -
25. November 2022 um 23:18
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Wie meinst du das?
Was ist für dich "in den Vordergrund schieben", und was ist "stilles, würdiges Loslassen", und womit nimmt man dem Hund den Raum?
Ich habe echt keine Vorstellung, was du damit meinst

Mein Vater ist letztes Jahr im September gestorben. Er hatte die Diagnose Lungenkrebs und dann hatten wir alle natürlich Angst, daß er furchtbar sterben wird, ersticken zb. Und dann war alles ganz friedlich. Er hat das Essen eingestellt, am Schluß auch das Trinken. Im Hospiz hat man mich dann so um 6 Uhr morgens angerufen, daß er bald, im Laufe des Tages, sterben wird. Wir sind losgefahren, aber mein Papa ist 10 Minuten vor unserem eintreffen gestorben und auch genau in den paar Minuten, wo der Pfleger den Raum verlassen hatte.
Und das scheint öfter zu passieren, die Gründe kann man natürlich nicht fragen, der Verstorbene ist tot, aber ich glaube, das Sterben, der Übertritt, wenn die Seele den Körper verläßt, daß dieser Augenblick, diese Minuten, einfach Stille brauchen und all den Raum für den Sterbenden. Kein Stören durch nicht loslassen wollen durch Angehörige, oder in unserem Fall auch Hundebesitzer. Nicht ich bin in diesem Moment wichtig, sondern der Sterbende.
Ich habe mich damals, als ich eine sehr gestörte und sehr kranke Hündin hatte, mit einer Heilpraktikerin unterhalten und sie hat mir gesagt zum Thema einschläfern, sinngemäß: Wir müssen immer in uns horchen - sind wir diejenigen, die die Situation nicht mehr ertragen, oder ist es der Hund? Und auch umgekehrt: Können/wollen wir nicht loslassen und muten dem Tier mehr zu, als es ertragen kann.
Ich verspreche allen meinen Tieren, daß sie würdig alt werden dürfen und dazu gehört für mich auch, ab einem bestimmten Punkt, wenn Krankheit zb sehr weit fortgeschritten ist, keine lebensverlängernden oder diagnostischen Maßnahmen mehr zu unternehmen. Irgendwann ist eben einfach Schluß und jedes Leben hat das Recht, daß das akzeptiert wird. Dann gibt es nur noch Unterstützung, Schmerzmittel zum Beispiel. Und irgendwann, wenn es sein muß, eben auch die Erlösung durch den TA.
Daß manche Hundebesitzer eine Termin ausmacht fürs Einschläfern, das habe ich zum ersten Mal im DF gelesen. Also Sätze wie: Morgen werden wir unseren Hund einschläfern lassen.
Hier war das Einschläfern lassen all meiner Tiere immer "spontan", manchmal weil das letzte i-Tüpfelchen eingetroffen ist, bei meiner Ponhündin war das mitten in der Nacht der Durchbruch der Blasenwand durch Krebs, dann sofort Tierklinik und sie blieb die Nacht über dort und in der Früh bin ich hin zum Einschläfern. Dieser Abschied, noch so voller Stress für meine Hündin, hängt mir noch heute nach, wirklich drüber hinweg komme ich nicht.
Rein vom Alter her wird Chilly vor Bonnie sterben. Ich möchte es friedlich gestalten, ohne Hektik, weil man schnell in einem Notfall einen TA braucht oder die Tierrettung oder die Tierklinik. Ich könnte in einem Notfall Chilly allein gar nicht mehr transportieren, wenn er nicht selbst gehen könnte.
Meinen zweiten Pon haben wir zum Einschläfern zu zweit in einer Decke zum TA getragen, weil mein TA grad Praxis hatte und nicht kommen konnte. Diese Art zu Sterben, in der Hektik, selbst so ratlos und verzweifelt - das möchte ich für Chilly und Bonnie vermeiden.
Aber ich weiß nicht, wie ich es zum Beispiel machen soll mit Bonnie, wenn Chilly beim TA sterben würde, würde ich ihn dort lassen, aber dann kann Bonnie ihn nicht mehr sehen und das finde ich schlecht, sie hängt so an ihm

Und wenn der TA zum Einschläfern käme, dann hätte sie unglaublich Streß und würde sich total aufregen, ich würde sie also erst mal ins andere Zimmer, aber dann käme sie so gestresst in den Raum und da würde Chilly tot liegen und sie bekommt vielleicht einen Schock und vor allem würde Chilly beim Sterben ihren Stress mitbekommen.
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Hallo,
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Ich wusste nicht, dass das eine das andere ausschließt. Auch, weil auch andere mit dem Thema konfrontiert sind, aber nicht unbedingt einen Senior haben oder hier im Thread mitlesen. Aber es war nur ein Gedanke, entschuldigt bitte, ich wollte euren Austausch nicht stören.
Ich dachte bisher, dass aus dem Threadtitel hervorgeht, dass es hier um Hunde am Lebensende geht?
Ich kann mich dieser Frage nur anschließen und ich möchte auch ehrlich bitten, einfach mal so von Userin von Usern, es dabei zu belassen.
Nicht jeder kann und möchte sich ohne entsprechende Vorwarnung mit dem Tod seiner Mitmenschen befassen. Für mich ist dieses Forum einfach ein „Safe Space“, indem es eben um die Tiere geht und bestimmte Themen des echten Lebens zwar hier und da dazugehören, aber nicht im Mittelpunkt stehen. -
Also Sätze wie: Morgen werden wir unseren Hund einschläfern lassen.
Wenn man möchte, daß der Hund zu Hause gehen kann, muss man das. (also Tage vorher einen Termin ausmachen)
Und ja, die Zeit bis dahin ist grausam - so viele letzte Male... Aber solange ich es verhindern kann, möchte ich nicht, daß eins meiner Tiere in einer Praxis stirbt.
Als Poldi zu Hause eingeschläfert wurde, war Chili in einem anderen Zimmer. In dem Moment, als er ging, hat sie gellend geschrieen. Als die Ärztin weg war, kam Chili kurz gucken und danach war es für sie in Ordnung.
Als Chili vorletztes Jahr zu Hause eingeschläfert wurde, waren die restlichen Hunde im Schlafzimmer. Sie waren still, unheimlich still... als die Ärztin ging, haben wir die Hunde zu Chili gelassen, jeder hat sich von ihr verabschiedet.
Wir haben dann alle (als Familienverband) Chili zum Krematorium gefahren.
Toffi, die von allen am längsten mit ihr gelebt hat, hat danach lange getrauert. So wie auf dem Foto lag sie tagelang, hat mit offenen Augen ins Nichts geguckt.
Der Inhalt kann nicht angezeigt werden, da du keine Berechtigung hast, diesen Inhalt zu sehen. Und irgendwann war auch diese Phase vorbei.
Was ich damit sagen möchte ist - traumatisiert hat es keinen der Hunde. Nur Toffi hat (für uns sichtbar) getrauert, alle anderen machten direkt im Alltag weiter.
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Wenn man möchte, daß der Hund zu Hause gehen kann, muss man das. (also Tage vorher einen Termin ausmachen)
aber woran machst Du das fest? Woran merkst Du, daß es in zwei Tagen ok ist, den Hund einschläfern zu lassen und aber auch nicht zu spät, so daß es dann spontan sein muß?
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Hier, ich hatte Termine. Fuer Fou und fuer Pan. Bei beiden war es zum Zeitpunkt des Anrufes so, dass ein Tag absolut vertretbar war, mehrere Tage aber nicht. Beiden ging es da wirklich nicht mehr gut, beide sollten aber mit Zeit und in Ruhe gehen (also kein Notdienst, wenn es nicht sein muss) und fuer beide war der Termin sehr zeitnah (naechster Tag). Bei beiden habe ich den Termin wieder abgesagt, weil es ihnen dann wieder besser ging (und zwar ueber Monate!)
Jetzt bei Pan hatte ich keinen Termin. Aber ich hatte Wochen vorher angerufen und gefragt, ob ich in die Notfallsprechstunde kommen kann, wenn es soweit ist. Notfallsprechstunde ist hier immer wenn man ohne Termin kommt. Einfach weil ich wissen wollte, ob es da irgendwie moeglich ist uns Zeit zu geben und ihn nicht zwischen Tuer und Angel mit Zeitdruck gehen lassen zu muessen.
Ich z.B. moechte nicht, dass eins meiner Tiere hier stirbt. Ich hab Pepper damals mit heim genommen und es war die Hoelle. Lee ist daheim gestorben, auch das war nichts, was ich nochmal moechte. Die TK schlaefert eh nicht daheim ein, aber ich wuerde es nicht aushalten, wenn mein toter Hund hier noch einige Zeit liegen wuerde. Ich war auch nicht dabei, als Fou, Kalle und Pan auf den Rollwagen kamen und aus dem Zimmer gebracht wurden. Ich kann das nicht sehen und ja, da schuetze ich mich selbst. Man darf dort aber die Hunde, die mit dem eingeschlaeferten Hund gelebt haben, nochmal zu dem Hund lassen, wenn man das moechte und die Hunde dabei hat. Am naechsten Tag ginge auch, aber da war der Hund halt schon in der Kuehlung, das will also eher niemand.
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Limetti Ich glaube, ich verstehe was du meinst, möchte aber sicherheitshalber nachfragen:
"In den Vordergrund stellen" meint also, alle möglichen Maßnahmen zum Lebensverlängern nutzen, egal ob das den Wünschen des Sterbenden entspricht oder nicht, weil man nicht loslassen kann und will?
Womit man dann dem Sterbenden die Chance auf einen in Würden und Stille (also möglichst stressfreien) Tod nimmt?
Womit dem Sterbenden kein Raum für dessen Bedürfnisse und auch Wünsche gelassen wird?
Wenn du das so meinst - ja, das unterschreibe ich voll und ganz.
Ich habe es bei einer sehr nahen Bekannten erlebt, dass deren Familie blind war gegenüber den Bedürfnissen einer Familienangehörigen. Schon drei Monate vor ihrem Tod hat sie mir in einem vertraulichen Gespräch gesagt, sie hätte keine Angst vor dem Tod, sie würde nur noch wollen das es (die ganze Qual) endlich aufhört.
Sie hat sich gegen die "Fürsorge" ihrer Familie nicht gewehrt, aus Liebe zu ihren Familienangehörigen, die sie nicht gehen lassen wollten.
Es war schrecklich ihr Siechen mit anzusehen, die ganzen qualverlängernden Maßnahmen, bis sie endlich ganz still und leise und unbemerkt verstorben ist.
Ich habe mit Engelszungen versucht, die Familie davon zu überzeugen einen Palliativarzt und ein palliatives Pflegeteam hinzu zu ziehen, und ich bin davon überzeugt, dass dieser zu einer deutlich kürzeren Zeit des Quälens beigetragen hätte.
Das wollte die Familie aber nicht, denn zum Einen meinten sie, aufgrund einer medizinischen Ausbildung eines Familienmitgliedes selber für eine angemessene Betreuung sorgen zu können, und "man hätte ja einen guten Hausarzt, der jederzeit kommt wenn man ihn braucht".
Dass ein Hausarzt nicht die Spezialisierung eines Palliativarztes hat, das palliativ ausgebildete Pflegekräfte Anzeichen sehen, die anders ausgebildetes medizinisches Personal nicht hat - das haben sie von der Hand gewiesen mit dem Argument, sie würden ihr Familienmitglied besser kennen und auch täglich sehen, und deshalb sehr wohl erkennen, was notwendig ist.
Haben sie nicht.
Ich konnte nur dabei sein, tun was ich konnte und durfte - und es war eine Qual, bei der ich mitgelitten habe.
Da ist Stück für Stück die Würde der Sterbenden verloren gegangen, und ein friedvoller Abschied von dieser Welt war ihr verwehrt.
Es war schrecklich.
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Meine drei Hunde, die ich bisher gehen lassen musste, hatten einen würdevolleren und friedlicheren Tod, durch Euthanasie, in ihrem Zuhause.
Ich gehe jetzt auch mal ne Runde Weinen ...
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Ein Podcast mit einer Frau die drei ihrer Hunde beim Sterben begleitet hat
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Wenn man möchte, daß der Hund zu Hause gehen kann, muss man das. (also Tage vorher einen Termin ausmachen)
aber woran machst Du das fest? Woran merkst Du, daß es in zwei Tagen ok ist, den Hund einschläfern zu lassen und aber auch nicht zu spät, so daß es dann spontan sein muß?
Die Hündin einer Freundin hatte schweren Krebs. Möglichkeit eins war, zu warten bis der Tumor irgendwann aufplatzt und sie dann sehr wahrscheinlich sehr schmerzhaft und blutig verenden würde.
Möglichkeit zwei war, ihr ein paar letzte schöne Tage zu geben und sie dann ganz geplant gehen zu lassen.
Maja ging es gut, sie war sehr gut versorgt mit schmerzmitteln, so dass sie sich schmerzfrei bewegen konnte. Wir waren ein letztes Mal zusammen Gassi, sie konnten in den letzten Tagen noch mal alles machen was sie geliebt hat. Und dann durfte sie gehen. Geplant zu Hause.
Vielleicht hätte sie noch ein paar Tage oder sogar Wochen gehabt... Aber das Risiko, dass der Tumor eben doch vorher aufplatzt, war einfach zu groß.
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Möglichkeit zwei war, ihr ein paar letzte schöne Tage zu geben und sie dann ganz geplant gehen zu lassen.
Das haette ich bei Kalle auch gemacht, wenn es vertretbar gewesen waere. War es nicht, aber ich finde, sowas hilft nochmal. Man weiss einfach, xyz ist das letzte Mal etc. und nimmt es vermutlich anders/bewusster wahr.
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Unser Tag lief heute sehr gemischt. Tomi hat heute früh in Absprache mit der TÄ von mir Cerenia gegen die Übelkeit bekommen und ein paar Stunden später dann noch Novalgin. Damit ging es ihm über den Tag besser. Wir waren im Garten zum Lösen und er hat ein bisschen gefressen. Abends waren wir dann in der Praxis und er hat nochmal Schmerzmittel bekommen. Wir schauen jetzt wie die nächsten Tage sind.
Heute Abend war es dann zu Hause leider wieder so ähnlich wie gestern. Er ist aufgestanden, herumgewackelt und dann hechelnd zusammen gesackt. Seit dem schläft er.
ich habe meiner TÄ noch ein Video geschickt und muss dann morgen nochmal mit ihr sprechen. - Vor einem Moment
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