Qualzuchten IV

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    Es ist ja schon lächerlich schwer ohne Kontakte in die Szene überhaupt raus zu finden wie man Richter wird, bzw eine Ausbildung als Richter zu machen. Da muss dann auch niemand über Nachwuchsprobleme jammern.

    Der dwzrv haut immer Mal wieder so was wie Stellenausschreibungen für die Richter Ausbildung raus.

    Steht bei denen auf der HP und auf der FB Seite.

  • Bei einem Zuchtrüden brauchst du eine "Lobby", die deinen Rüden beim Zuchthündinnenhalter empfiehlt, sonst fragt keiner diesen Rüden an, sondern greift auf die "populären" Exemplare zu.


    Etwas, was z. B. ein ehemaliger Hauptzuchtwart meines Vereines kritisiert hat: 10% der zugelassenen Zuchtrüden waren für über 50% der Nachzuchten genommen worden.

    Mit seiner Forderung, auch bei den Zuchtrüden den Einsatz pro Jahr auf eine Höchstzahl zu beschränken, ließ ihn vor Mauern rennen...

    Vereinsmeierei eben ...

    Die berüchtigten "Popular Sires", das wird von Kynologen seit Jahren kritisiert, aber solange es keine gesetzlichen Einschränkungen gibt, wird sich vermutlich nichts ändern.

    Zuchtrüden mit vielen Auszeichnungen sind leider auch sehr lukrativ für die jeweiligen Halter.

  • Je mehr ich über das Ausstellungswesen lerne, desto absurder wird es und ich frage mich, wie man sowas mitmachen kann? Und wie kann dann noch davon gesprochen werden, dass es bei der Zucht um die Verbesserung der Rasse geht? Erschließt sich mir alles nicht.

    Ausstellungen haben nur bedingt etwas mit Zucht zu tun. Klar, man braucht bei vielen Rassen eine gewisse Ausstellungs-Bewertung. Aber kein Züchter ist gezwungen, mehr als das nötigste in Sachen Ausstellung zu machen.

    Das Problem ist, dass viele Züchter & Käufer meinen, dass man mit besonders vielen Ausstellungs-Titeln besonders tolle Hunde habe. Keine Ahnung, ob sich das ändern lässt. Aber ich für meinen Teil kaufe einfach nicht bei Züchtern, die sich v.a. auf den Ausstellungszirkus fokussieren.

  • Je mehr ich über das Ausstellungswesen lerne, desto absurder wird es und ich frage mich, wie man sowas mitmachen kann? Und wie kann dann noch davon gesprochen werden, dass es bei der Zucht um die Verbesserung der Rasse geht? Erschließt sich mir alles nicht.

    Ich mache mit, weil ich es für die ZZL muss. Je nach Rasse finde ich das ganze auch unnötig.

    Bei den Jagdgebrauchshunden fand ich es bislang noch am sinnvollsten. Dort geht es zum Beispiel auch darum, ob der Haarwert passt, was ja für den praktischen Einsatz wirklich wichtig ist. Eines meiner Beispiele ist hier immer der Deutsch Kurzhaar, wo man zum Beispiel drauf achtet, dass das Fell dicht und herb sein soll. Was für einen kurzhaarigen Jagdhund schon sehr wichtig ist. Wenn ich sehe, wie sich zum Beispiel die Dobermänner im Bekanntenkreis einen abfrieren, nur, weil es mal ein bisschen kälter ist. Ne, mir ist schon lieb, dass man auf eine ordentliche Unterwolle achtet.

    Beim Lesen von Rassestandards empfinde ich vieles als sehr, sehr sinnvoll. Grade was zum Zuchtausschluss führt. Gebäudemängel, Zahnfehler, Karpfenrücken, Senkrücken, schlechte Pfoten, usw.

    Die Frage ist immer, wie sehr diese Angaben in der Praxis ignoriert werden und wie sehr das Ausstellungswesen zelebriert wird. Das was in den Shows vorne steht entspricht ja nicht zwangsläufig dem idealen Standard.

    Mit Begleithunden kenne ich mich nicht aus.

    Nicht bei jeder Rasse ist das Ausstellungswesen maßgeblich für die Zucht.

  • Wie Bonadea schon schrieb, haben Ausstellungen schon einen Sinn, weil hier neben der rein äußerlichen Beurteilung hinsichtlich der Merkmale einer bestimmten Rasse eben auch die Möglichkeit des Austausches, aber auch die Möglichkeit für Informationen für die Öffentlichkeit besteht.

    Und es ist auch gar nicht nur eine bloß optische Beurteilung. MMn wird oft vergessen, dass es absolut nicht selbstverständlich ist, in einem Ausstellungsring inmitten fremder Hunde und mit so vielen Menschen ruhig zu bleiben und sich dabei von einer fremden Person überall anfassen zu lassen.

  • Die berüchtigten "Popular Sires", das wird von Kynologen seit Jahren kritisiert, aber solange es keine gesetzlichen Einschränkungen gibt, wird sich vermutlich nichts ändern.

    Zuchtrüden mit vielen Auszeichnungen sind leider auch sehr lukrativ für die jeweiligen Halter.

    Am Ende wird das Problem vermutlich doch nur über ein Zuchtverbot gelöst werden können, und selbst dann werden die echten Fans der Rassen sich ihre Hunde irgendwo anders holen. DAS wird man aber eh nie verhindern können.

  • Ich stelle gerne aus. Hab aber auch keine extreme Rasse.

    Ich hab sehr viel über die Rasse und den Aufbau von Hunden an meinem Rüden gelernt. Sehe dadurch vieles auch anders als ich es vielleicht sonst getan hätte. Früher fand ich zB. hübsche Gesichter toll, heute würde ich sagen das ist nett aber der Hund soll sich erst mal vernünftig bewegen können, damit er schmerzfrei alt werden kann.

    Ich stelle selbst aus (also ohne Handler) und er kommt aus einer kleinen Zucht, die nach 4 Würfen erst mal aufgehört hat - sprich, der Zuchtname sagt eigentlich fast keinem etwas. Gefärbt oder mit Shampoos gearbeitet wurde hier noch nie und das kurze Fell styled man auch nicht. Ich selbst bin normale Halterin und keine Züchterin oä.

    Trotzdem ist er Internationaler Champion (sprich: war auch im Ausland erfolgreich) und kam auch zum Zuchteinsatz. Er hat ganz klar seine Mängel, die verschiedene Richter angesprochen haben. Er hat auch einen Zahnfehler (doppelter P1) und 2 Zähne bei einem Umfall verloren (Attest vorhanden).

    Ich stelle seine Bewertungen, egal ob gut oder schlecht, auf die HP damit man es nachlesen kann (zumindest früher, jetzt in der Veteranenklasse hab ichs etwas schleifen lassen..). Dann kann man sich ein besseres Bild über seine Stärken und Schwächen machen.

    Klar macht gewinnen Spaß, störe mich aber auch nicht dran wenn es mal nicht klappt. Kann immer noch mit allen reden gegen die ich verloren habe, man sieht sich ja öfter :winking_face: Aber vor allem fotografiere ich immer alle Hunde die ich erwische weil ichs einfach spannend finde. Und ich finds auch spannend was jemand denkt, der einfach schon x Vertreter der Rasse gesehen hat. Wenn ich könnte würde ich aber allein zum fotografieren überall hinfahren :see_no_evil_monkey: Vielleicht ist das bekloppt, aber ich hab da einfach Freude dran und finde an jedem Hund was, was ich toll finde und mich begeistert.

    Klar bin ich auch mal anderer Meinung als ein Richter und richtig geärgert hab ich mich auch schon. Und manchmal ist es auch offensichtlich, dass hier nicht der Hund gewonnen hat.

    Kann aber ehrlich nicht sagen, dass ich das als Mehrheit erfahren habe. Oft wars einfach nur nett.

    Tatsächlich öfter kommt es vor, dass vor allem Neulinge mit extrem undisziplinierten Hunden antreten und sich dann wundern warum der Hund nicht vorne steht, wenn er quasi nicht mal 2sek still stehen kann oder sich nicht anfassen lässt. Aber dann schimpft man, wie blöd das alles sei und dass der andere ja nur wegen des Zuchtnamens gewonnen hat. Ok.

    Und klar, wenn man einen Hund hat wie ich, der 1cm größer als der Standard ist, dann spart man sich das Geld und die Zeit wenn man weiß Richter xy ist da sehr genau. Dazu muss man gewisse Richter aber auch erst mal kennen, das wird spätestens im Ausland dann nicht so selbstverständlich.

    Und klar mache ich auch andere Dinge mit meinen Hunden, wir machen zB. Tricks und Mantrailing. Die Kleine hat gerade angefangen und findets toll.

    Ich sehe es relativ nüchtern, Ausstellungen sind nicht der heilige Grahl und sollen es auch nicht sein - es als das Übel schlecht hin darzustellen mit lauter irren Leuten ist aber auch nicht korrekt. Ausstellungen sind das, was man draus macht und von mitnimmt. Wenn man ein gesteigertes Geltungsbedürfnis hat, dann zeigt sich das auch anderswo (ggf. schon bei der Rassewahl, wir alle kennen die Klischees), genauso wie Leute halt Leute sind und manche übers Ziel hinausschießen (darf man auch verurteilen).

    Tatsächlich würde ich mir aber von vielen Richtern mehr Bewusstsein beim Thema Übertypisierung wünschen, auch wenn es mich selbst jetzt weniger betrifft. Das bereits genannte Buch Welpentest und Hundeanalyse ist super spannend und zeigt auch, worauf es eigentlich ankommen sollte. Manche Richter scheinen da betriebsblind zu werden aber auch da gibt es wirklich gute und faire. Ist halt wie mit allen Leuten, gibt solche und solche.

  • Eigentlich eine rhetorische Frage: Warum ist das so, daß Rassemerkmale immer übertriebener werden, bis der Hund dann quasi eigentlich kaputt ist? Was treibt die Menschen an, sowas zu tun?

    Bei uns läuft ein junger Corgi rum, also sagen wir so, laufen kann man das gar nicht nennen, der hat eigentlich nicht mehr wirklich vorhandene Beine und seine Brust kehrt schon jetzt den Beton. Warum züchtet man sowas, für was soll das gut sein?

    Ich kenne (die Mär?), dass der Corgi beim Kühetreiben eingesetzt wurde und seine kurzen Beine haben ihn vor Huftritten der Kühe bewahrt. Die Kühe treten aus, treffen ihn aber nicht.

    Inzwischen denke ich, dass der schaukelnde Gang, der sich aus den kurzen Beinen im Verhältnis zum großen/schweren Körper ergibt, einen Reiz auslöst. Rasseliebhaber:innen finden das total süß, auch von hinten betrachtet, seinen Wackel-Po. Auf Insta finden sich Bilder, wo der Po herzförmig frisiert ist, um diesen Effekt zu unterstreichen.

    (Sorry, wenn der Beitrag zu spät erscheint, konnte nicht die folgenden 5 S. nach diesem Post lesen auf die Schnelle.)

  • Ich sehe es relativ nüchtern, Ausstellungen sind nicht der heilige Grahl und sollen es auch nicht sein

    ich glaube, dass es auch ein wenig rasseabhängig ist.

    Bei manchen Rassen entwickelt sich - aus welchen Gründen auch immer - ein Show-Typ, der dem Verwendungszweck/einer gesunden Rasse entgegen steht.

    Wobei ein Show-Typ ansich auch noch gar nicht schlimm ist - im Gegenteil kann dieser durchaus die genetische Vielfalt erhöhen, wenn es parallel noch einen Leistungstyp gibt und auch typübergreifend gezüchtet wird -, blöd wird es halt, wenn gleichzeitig der Leistungstyp abgewertet wird. Und richtig blöd, wenn man mit dem Leistungstyp nur noch unter großen Schwierigkeiten die zur ZZL nötigen Ausstellungsbewertungen erhält, obwohl auch die Leistungshunde objektiv dem Rassestandard entsprechen.

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