Vanessa Bokr - Meinungen und Erfahrungen

  • Wieviel Kontakt braucht ein Hund denn eurer Einschätzung nach für ein Leben, dass mehr als nur Verwahrung ist?

  • Vielleicht verstehe ich das falsch und es ist nicht so gemeint wie es bei mir ankommt, aber hier im Thread wird sich alle paar Seiten doch dazu geäußert dass es Plätze braucht um solche Hunde zu verwahren.

    dragonwog Ich finde jetzt stundenweise alleine bleiben oder Zwinger (wir reden hoffentlich von Haltung mit Familienanschluss) nicht vergleichbar mit Isolation. Im Tierheim/Projekt wo ein Hund ohne jeglichen Kontakt gehalten wird aufgrund Gefährlichkeit kann mir aber keiner sagen dass da jemand Zeit hat sich länger als ne Stunde täglich nur mit einem einzelnen Hund zu beschäftigen und Zeit mit ihm zu verbringen. Also ist der Hund de facto dennoch 23 Std verwahrt. Wie es ja die "Brecher" bei der HHF auch waren wo es dann hieß wegen den Auflagen vom Amt müssen die Hunde Sichtkontakt zu Artgenossen haben. Also hatten sie anfangs nichtmal das.

  • Vielleicht verstehe ich das falsch und es ist nicht so gemeint wie es bei mir ankommt, aber hier im Thread wird sich alle paar Seiten doch dazu geäußert dass es Plätze braucht um solche Hunde zu verwahren.

    Ich verstehe das so, dass damit die Hunde gemeint sind, die bei passender Sicherung Lebensqualität haben können. Nicht, dass man jedem absolut sozialuntauglichen Hund seine persönliche, abgeschottete 50qm-Miniwelt bietet.

  • Vielleicht verstehe ich das falsch und es ist nicht so gemeint wie es bei mir ankommt, aber hier im Thread wird sich alle paar Seiten doch dazu geäußert dass es Plätze braucht um solche Hunde zu verwahren.

    Ich verstehe das so, dass damit die Hunde gemeint sind, die bei passender Sicherung Lebensqualität haben können. Nicht, dass man jedem absolut sozialuntauglichen Hund seine persönliche, abgeschottete 50qm-Miniwelt bietet.

    Naja, aber darauf läuft eine langfristige Lebensqualität halt schon hin. eine Parallelwelt erschaffen die dem Hund gerecht wird, wenn er der Welt nicht (mehr) gerecht wird und nicht mehr dahin zurück zu führen ist. Hunde brauchen eine soziale Gruppe, den engen Kontakt zu Gruppenmitgliedern, das sind im Regelfall Menschen, dafür wurden und werden diese Tiere halt gezüchtet und seit Jahrhunderten so konstant selektiert wie auf nichts anderes. Das bedeutet für mich persönlich im Sinne von dauerhafter Lebensqualität, dass der Hund am Leben wenigstens eines, seines Menschen wirklich teilnehmen kann. Alles andere kann immer dazu dienen, dass zu ermöglichen.

    Man muss ja immer bedenken, dass der Hund null Einfluss auf seine Situation hat, also nicht bewusst, klar, wäre er einfach nett, wäre es einfacher. Aber es ist ja auch nicht so, dass alle netten Hunde ein Zuhause hätten.

  • Ich finde das ganze Thema recht zwiespaltig. Schon alleine die Auflagen von der Amtsseite aus... Der Hund "braucht" Sichtkontakt zu Artgenossen. Aha. Was aber, wenn den betreffenden Hund Sichtkontakt schlicht und einfach aufregt und er besser dran ist, wenn er diesen Stressoren nicht hat? Auf individuelle Aspekte wird aus dieser Richtung doch gar nicht eingegangen. Da wird teils sinnfrei eine Liste abgearbeitet. Daher stehe ich solchen Aussagen wie "sie hatten nicht einmal Sichtkontakt" skeptisch gegenüber.

    Aufgrund meiner Prägung ist für mich Euthanasie anstelle von "Verwahrung" - sofern keine gravierenden gesundheitlichen Gründe vorliegen - ebenfalls der bequeme Ausweg. Ja, das ist kein gern gesehener Vergleich aber: Einen zu 20 Jahren Haft verurteilten Menschen (durchschnittlich etwa ein Viertel eines Menschenlebens) knallt man auch keine Giftspritze rein, weil es vermeintlich humaner ist und man doch schon "alles" versucht hat.

    Selbstverständlich benötigt es dann passende Plätze und entsprechende Personen, um die Einschränkungen durch die Verwahrung so gering wie möglich zu halten und ein so normales Leben wie möglich zu kreieren. Dafür müsste aber generell ein Umdenken stattfinden. Und zwar bereits bei den Reglements für "Zucht" und Anschaffung. Denn nur so könnten die Zahlen der "auffälligen" Hunde gering gehalten werden und realistisch die Chance bestehen, dass sich die Situation verbessert.

  • Einen zu 20 Jahren Haft verurteilten Menschen (durchschnittlich etwa ein Viertel eines Menschenlebens) knallt man auch keine Giftspritze rein, weil es vermeintlich humaner ist und man doch schon "alles" versucht hat.

    Der Vergleich passt aber nicht.

    Ein Häftling sitzt nicht 20 Jahre, weil er eine Gefahr ist und nirgends anders Platz für ihn ist, sondern als Strafe für sein Handeln und mit dem Gedanken der Verhaltensmodulation durch Einsicht. Und manche Länder sehen die Tötung als adäquate Strafe für einige Verbrechen vor, also auch hier - Strafe statt Aufbewahrung und Korrektur.

    Ein Hund bei SinL oder HHF sitzt dort nicht zur Strafe und verlässt nach vorgeschriebener Zeit X die Organisation als anderer Hund. Der sitzt dort, weil er nirgends anders hin kann in dem jetzigen Zustand.

  • Der sitzt dort, weil er nirgends anders hin kann in dem jetzigen Zustand.

    Strafe und/oder Verwahrung und Resozialisierung schließen einander jedoch nicht aus. Auch beim Menschen ist es nicht allein der Straf-Aspekt, sondern unter anderem auch der Schutz anderer Menschen.

  • Die Argumente, die es gegen die Todesstrafe gibt, kommen bei Hunden einfach nicht zum Tragen. Menschen tötet man auch bei angeordneter Sicherheitsverwahrung nicht, weil:

    - Justizirrtümer nicht ausgeschlossen werden können

    - Die Todesstrafe keine abschreckende Wirkung besitzt, sondern im Gegenteil eher zu einem Anstieg an Taten führt

    - Sie gegen die Menschenrechte verstößt

    - Man einem Menschen prinzipiell die Möglichkeit zu Schuldeingeständnis, Reue und Sühne geben will.

    Ein Hund versteht ja noch nicht einmal, warum er eingesperrt ist.

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