Vanessa Bokr - Meinungen und Erfahrungen
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Gast67804 -
11. Februar 2019 um 09:49
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Ich glaube nicht, dass es einen kausalen Zusammenhang gibt, aber sehr wohl, dass beides ein Symptom der selben (Fehl)Entwicklung in der Hundehaltung ist.
Magst du erklären was du damit meinst? Ich will nix in deine Wörter reininterpretieren, finde den Gedanken aber (glaube ich, wenn ich dich richtig verstehe) spannend.
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Hi,
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Meiner Meinung nach ist ein ganz entscheidender Teil des Problems, dass der HH seltenst vorher auftaucht, sich wirklich ein Bild macht, sich beraten lässt, auch beratungsfähig! ist und nicht trotzdem losfährt und den Border Collie abholt, weil zweimal in der Woche Joggen ja schon sportlich ist und BCs ja auch sehr gelehrig und lieb (beliebige Rasse einfügen).
Ich kenne Hundetrainerinnen, die kostenlose(!) ausführliche Beratung vor dem Kauf anbieten. Wird aber absolut nicht nachgefragt. Dafür wird dann nach dem Kauf die zehnjährige Tochter mit dem Australian Shepherd in den Kurs geschickt, "denn es ist ja ihr Hund, den soll sie auch selbst erziehen".
Kostenlos ist die Beratung deshalb, weil diese engagierte Hundetrainerinnen sich zutiefst wünschen, so manche Katastrophe schon im Ansatz zu verhindern.
Der Zeitgeist hat sich seither sehr gewandelt. Resozialisierung für gefährliche Hunde stand früher gar nicht zur Debatte. Daß ein Hund, der Menschen ins Krankenhaus gebissen hat, trotzdem Anspruch auf Liebe und ein gutes Plätzchen hat, und man auf der Suche danach halb Deutschland durchkämmt, wäre undenkbar gewesen.
Dagmar & Cara
Ja, hab ich auch angeboten, Ladenhüter hoch zehn, die kommen praktisch immer erst wenn der Hund, der häufig genau gar nicht zum Profil passt, schon da ist. und wollen dann am liebsten auch nix an sich ändern und möglichst wenig bezahlen, ist ja ein Privileg so eine tollen Job zu haben und mit diesem großartigen Hund arbeiten zu dürfen, nicht wahr... kriegen sie es trotz aller Bemühungen nicht gebacken, ist die Trainerin doof... die Leute sind da einfach unfassbar.
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Genau das, was deine hiesigen Kolleginnen mir auch vor 10 Jahren schon erzählten.
Ich habe sie damals gefragt, wie sie es sich leisten könnten, ihre Zeit unbezahlt für einen solchen Service einzusetzen und die Antwort war: Das wird leider selten oder nie nachgefragt. Die Leute kommen nie vor dem Kauf, immer erst hinterher, wenn die Probleme sich zeigen, die sich durch eine durchdachtere Wahl leicht hätten vermeiden lassen.
Dagmar & Cara
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Ich glaube nicht, dass es einen kausalen Zusammenhang gibt, aber sehr wohl, dass beides ein Symptom der selben (Fehl)Entwicklung in der Hundehaltung ist.
Magst du erklären was du damit meinst? Ich will nix in deine Wörter reininterpretieren, finde den Gedanken aber (glaube ich, wenn ich dich richtig verstehe) spannend.
Für mich fällt beides in den Bereich, dass man die menschliche Vorstellung davon wie ein Hund zu sein hat über die Realtität, wie ein Hund nunmal ist, stellt und sich im Umgang nur noch an der Vorstellung orientiert.
Sieht man sich zB an, was bei den "gewaltfreien" Erziehern, selbst unter den gemäßigten, schon als Gewalt gilt, zB laute Stimme, körpersprachliche Einschüchterung, körperliches Bedrängen... hat man eine ganze Latte an Verhaltensweisen, die zum natürlichen Repertoire gehören. Diese Dinge von vornherein zu Brandmarken, weil man sie aus einer menschlich-moralischen Sichtweise als "böse" wertet, fällt mir mich in die selbe Kategorie wie sich einzureden, Aggression beim Hund sei nur ein Problem der Prägung und Erziehung und man könne alles in die gewünschte Richtung konditionieren (oder durch genug Liebe und Bindung lenken) und sich beim Hundekauf deshalb rein nach der Optik richten.
Beides geht an der Realität des Wesens eines Hundes vorbei.
Man hatte auch früher fehlerhafte Vorstellungen (der dauerdominate Hund, der nur auf dem Weg zu Weltherrschaft auf der Couch campierte), aber anstatt in der goldenen Mitte beim realen Wesen des Hundes innezuhalten, ist die Entwicklung in die andere Richtung gekippt.Revolutionäre Ideen zu Hundeverhalten, Kommunikation, Beziehung und cognitiven Fähigekeiten des Hundes, die aber nunmal über das Ziel (und die Realität) hinausschossen und da frisst die Revolution mMn gerade ihre Kinder.
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Das Problem ist nunmal, dass die Rolle des Hundes in der Gesellschaft sich mit dem Lauf der Zeit drastisch geändert hat.
Es gibt keinen Platz mehr für Hunde, die nicht kadavergehorsam die Rolle eines Spielzeugs einnehmen, das nach Belieben ein- und ausgeschaltet werden kann. Mit Eigenschaften, die je nach Wunsch des Besitzers bitte rein positiv zu sein haben.
Sieht man ja auch in einigen Rasseberatungsthreads sehr schön, was der Mensch denkt, wie so ein Hund dann zu sein hat.
Wenn ich in Richtung Nachfrage schaue, sieht man die Tendenz sehr deutlich - es gibt einen Markt für kleine, niedliche Rassen, die das Kindchenschema bis ins Groteske bedienen (Stichwort Qualzuchten). Es gibt einen Markt für Hunde, die völlig anspruchslos als Modeaccessoire herhalten sollen (Stichwort Instagramhunde - Boo und co). Dann gibt es einen Markt für Familienhunde, die bitte als Spielzeug für die Kinder herhalten sollen aber selbst keine Ansprüche stellen. Und es gibt einen Markt für Hundesportler und Berufshundehalte (Jäger, Diensthundeführer, Therapiehunde).
Und wenn man sich jetzt mal realistisch ansieht, welche Nischen dem Hund in der Gesellschaft zugestanden werden, ist klar, dass es immer (mehr) Hunde geben wird, die nicht hinein passen. Per se schon nicht, von ihrer Veranlagung. Und die in den grundfalschen Händen (Statussymbol) dann eben zu Kandidaten für Einrichtungen wie der HHF werden.
Spannend ist die Frage, was man dagegen tun kann.
Streng genommen kann ich mir in der Theorie nur vorstellen, dass sich die Verantwortung für den Umgang mit dem Hund verändern muss.
Praktisch nicht umsetzbar, ist mir völlig klar, aber ich wäre zB wirklich ein Freund von verpflichtenden Beratungsnachweisen vor dem Kauf für alle Familienmitglieder (Kinder eingeschlossen, solange nicht gerade ganz klein), von einer Gesetzesänderung bei der Behandlung von Beißvorfällen (der Verursacher haftet statt anteilig wegen Tiergefahr), von deurlichst (!) schärferen Auflagen für Zucht im engen und weiten Sinne.
Allgemein denke ich, dass ein nicht unbedeutender Teil der Gesellschaft es geschafft hat, dem Rest die Mündigkeit soweit abzusprechen, dass die ein Eingreifen des Staates als Kontrollinstanz zur Vermeidung weiteren Elends dringend nötig wäre
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Noch ein bischen zum Thema - Was war früher anders mit der Hundehaltung: (falls nicht erwünscht bitte sagen)
Der Unterschied zu früher ist auch, dass es eine große Anzahl an Hunderassen in Deutschland gibt, die man früher höchstens mal auf einer großen Hundeausstellung gesehen hat.
Ich bin Jahrgang 1961 und jetzt mal aus meiner Kindheit/Jugend geplaudert:
Border Collie, Aussie, Cattle Dog, Akita Inu, Husky, sämtliche ausländischen Herdenschutzhunde Rassen oder die verschiedenen Wolfshunde waren damals überhaupt nicht vorhanden in D und ich kann mich auch nicht erinnern, dass die belgischen Schäferhunde damals überhaupt Thema waren genauso wenig wie die Sokas.
Die Jagdhunde Rassen wie Vizla und Weimaraner kannte kein Mensch, falls es die schon gab (keine Ahnung).
Ich weiss auch noch genau, dass sogar meine Eltern, die als ich Kind war nicht wirklich Plan von Hunden hatten, wußten, dass z.b. Jagdterrier und Foxterrier nur was für Jäger waren.
Gehalten wurden dann zwar auch Hunde, die unter Jagdhunde Rassen fallen, aber eher doch gemäßigte, wie Cocker Spaniel und Setter. Statt Chi gab es vermehrt Yorkshire Terrier, weil die nicht nur praktisch klein waren (wenig Futter brauchten also geringere Kosten) sondern eben nebenbei auch im Garten und Keller die Ratten und Mäuse erwischten. Pudel gab es häufiger und durchaus nicht nur als "Oma" Hund. Beste Beispiele aus meiner Kindheit ein Bikertyp mit Lederklamotten, der immer mit seinem Zwergpudel Gassi ging und bei uns an der Trinkhalle gab es einen damals sogenannten Königspudel als Wachhund. Der hatte damals den Ruf ein gefährlicher Hund zu sein, anfassen konnte ihn niemand und trotzdem lief der frei zwischen uns Kindern auf der Straße rum.
Den ersten Herdenschutzhund, den ich traf war ein Kangal, den Leute aus dem Türkei Urlaub mitgebracht haben. Die Besitzer liefen auf unserem Hundeplatz auf und keiner dort kannte diese Rasse. Das war ca 1990
Hundeplatz hieß damals "Gebrauchshunde Vereine" also entweder Plätze, wo es um Jagdhundeausbildung ging oder eben SV (Schäferhunde) oder PSK (Schnauzer und Pinscher). Dort wurden dann für wenig Geld auch Kurse für andere Hunderassen angeboten. Das lief dann immer eigentlich in die Richtung, dass die Hunde Grundgehorsam lernten. Eigentlich Alles, was zur BH Prüfung gehört und bei den 3 Vereinen, wo ich im Laufe der Jahre damals Einblick hatte, wurde sehr viel Wert auf den Teil außerhalb des Platzes also im normalen Straßenverkehr gelegt. Diese Kurse waren immer ausgebucht von den verschiedenstens Familien mit unterschiedlichsten Hundemischungen und Rassen, egal ob Groß oder Klein.
Da wurde nicht speziell nach einer bestimmten Methode gearbeitet, sondern individuell auf den Hund geschaut. Also, wenn Hund ein Sensibelchen war, dann wäre auch damals niemand auf die Idee gekommen, den "härter" ran zunehmen, sondern dann hieß es eben, da mußt du vorsichtig sein und Geduld haben. "Härter ran nehmen" hieß auch nicht, dass Hund schlagen oder etwas in der Richtung gelehrt wurde oder allgemein üblich war. Aber man bekam als Hundehalter schon erklärt, dass man sich durchsetzen muß, gerade wenn ein großer Hund meint austesten zu müssen. Und da ging es tatsächlich eher darum, wer ist mental stärker, der Hund oder du.
In einer dieser Gruppen hat übrigens ein zehnjähriges Mädchen mit ihrem schwarzen Schäferhund den Kurs gemacht und die Prüfung als Beste abgelegt unter lauter Erwachsenen.
Bei problematischeren Fällen wurde durchaus auch Klartext geredet und nicht etwa, weil man ja gerne den "Kunden" behalten will für weitere Trainingseinheiten. Ein Beispiel: älterer Mann mit jungem Riesen Schnauzer Rüden. Der Herr war sehr engagiert, aber der Typ "Wattebausch Werfer" würde man heute wohl sagen und der Hund tanzte ihm auf der Nase rum. Hund wurde langsam erwachsen und muckte immer mehr auf, weil der Besitzer es nicht über sich brachte strenger zu sein bis hin, dass der Hund ihn knurrend und zähnefletschend an die Wand stellte. Da wurde dann ein deutliches Gespräch geführt und dem Mann nahe gelegt, den Hund in andere Hände zu geben und man für ihn selber einen leichtführigeren sensibleren Hund finden würde.
Der Hund wurde dann von seinem Erwachsenen Sohn übernommen und die wurden ein Mega Team. Der Ältere Herr selber hat dann eine Erwachsene schon erzogene Hündin bekommen. Alle waren zufrieden.
Diese Kombi wäre so ein Fall gewesen, wo es zu einem Vorfall hätte kommen können, wenn nicht vorab eingegriffen worden wäre.
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@Helfstyna Vielen Dank für die Ausführungen. Ich stimme dir komplett zu. (Merkt man btw. auch im hier im Forum.)
Junimond Rottweiler, Dobermänner und Schäferhunde (bzw. deren Mixe) gab es hier früher reichlich. Dazu auch mal griffige Jagdhunde. Die Anforderungen/Erwartungen an diese Hunde (was muss er sich alles gefallen lassen, wen muss er alles "mögen") sind nur gestiegen - gleichzeitig hat eine komplett Umkehr der Erziehungsphilosophie stattgefunden. (Das hat ja Helfstyna gerade beschrieben.)
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Gibt auch genügend Jagdscheininhaber, die ihren Hund, der sonst halt einfach eingeschläfert worden wäre, dann doch noch in einer entsprechenden Einrichtung unterbringen wollen. Die Möglichkeit spricht sich rum und Zack, mehr Anfragen.
Hatte es schon mehrmals hier betont, gerade bei den krasseren Fällen finde ich die Pamphlete über die schlimme schlimme moderne Hundehaltung unangebracht.
Es werden einfach insgesamt immer mehr Hunde und wie gesagt wurde, dass Hunde, die jemanden mehrere Monate stationäre beißen sorgsam gehalten und umsorgt werden, ist ein absolut neues Phänomen unserer Zeit, die solch einen Luxus erlaubt.
Hätte der Hund nicht so einen hohen Stellenwert, wie teils kritisiert wird, dann gäbe es solche Einrichtungen nicht.
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Sieht man sich zB an, was bei den "gewaltfreien" Erziehern, selbst unter den gemäßigten, schon als Gewalt gilt,
Tja - und genau diese Einteilung in gewaltfreie und gewaltanwendende Erziehung ist einfach falsch. Ich habe keine Ahnung, warum es gerade im Umgang mit Tieren so auf die Begriffe "Gewalt versus Wattebausch" fokussiert wurde - aber gerade in der "modernen Hundeerziehung" geht es nicht um Gewalt oder Wattebausch, sondern um Erkenntnisse aus den Lerntheorien, im Idealfall bezogen auf den Hund auf die neuesten Erkenntnisse hinsichtlich dessen geistiger Fähigkeiten.
Beides geht an der Realität des Wesens eines Hundes vorbei.
Das geht mitnichten am Wesen eines Hundes vorbei (ich weiß gar nicht, was das Wesen eines Hundes ist - ich kann einen Hund maximal biologisch einordenen als "Raubtier, Hundeartige, Nachfahre des Wolfes, durch jahrtausende einwirkende Domestikation trotz seiner genetischen Nähe zum Wolf zu einer nahezu eigenen Spezies geformt) welches ich maximal beschreiben kann als: Ein denkendes und fühlendes Lebewesen, mit assoziativen Fähigkeiten die es weit weniger seinen Trieben ausgeliefert sein lassen (könnten - aber das ist eine andere Diskussion...), als es seine nicht domestizierten Verwandten sind.
Es geht an der Realität vorbei - und die ist nunmal kein Ponyhof.
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Sieht man sich zB an, was bei den "gewaltfreien" Erziehern, selbst unter den gemäßigten, schon als Gewalt gilt,
Tja - und genau diese Einteilung in gewaltfreie und gewaltanwendende Erziehung ist einfach falsch. Ich habe keine Ahnung, warum es gerade im Umgang mit Tieren so auf die Begriffe "Gewalt versus Wattebausch" fokussiert wurde - aber gerade in der "modernen Hundeerziehung" geht es nicht um Gewalt oder Wattebausch, sondern um Erkenntnisse aus den Lerntheorien, im Idealfall bezogen auf den Hund auf die neuesten Erkenntnisse hinsichtlich dessen geistiger Fähigkeiten.
Beides geht an der Realität des Wesens eines Hundes vorbei.
Das geht mitnichten am Wesen eines Hundes vorbei (ich weiß gar nicht, was das Wesen eines Hundes ist - ich kann einen Hund maximal biologisch einordenen als "Raubtier, Hundeartige, Nachfahre des Wolfes, durch jahrtausende einwirkende Domestikation trotz seiner genetischen Nähe zum Wolf zu einer nahezu eigenen Spezies geformt) welches ich maximal beschreiben kann als: Ein denkendes und fühlendes Lebewesen, mit assoziativen Fähigkeiten die es weit weniger seinen Trieben ausgeliefert sein lassen (könnten - aber das ist eine andere Diskussion...), als es seine nicht domestizierten Verwandten sind.
Es geht an der Realität vorbei - und die ist nunmal kein Ponyhof.
Die Einteilung in „gewaltfrei“ und „gewaltanwendend“ wird in der Regel von Seiten der Leute forciert, die viele Dinge als Gewalt abstempeln, die eigentlich nicht gewaltsam sind und so hast du schnell zwei Lager, da auch niemand, der seinen Hund „normal“ erzieht sich vorwerfen lassen will, Gewalt an seinem Hund abzuwenden. Verständlich.
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