Wie viel "kämpft" ihr mit euren Terriern?

  • Da hast beim letzten CumCane Seminar offensichtlich nicht aufgepasst...geht um Dopamin und nicht um Endorphine.
    Und nein, viel zu einfach gedacht..ein sekundärer Verstärker geht nicht zwangsläufig mit der Ausschüttung der Neurotransmitter/Hormone einher,die bei den ersten verknüpfenden Konditionierungen beteiligt waren. (Andersherum sind viele physiologische Prozesse auch klassisch konditionierbar..(g

    Danke - ja, da ist mir ein Fehler unterlaufen.
    Zwangsläufig schrieb ich jedoch nicht, aber vereinfacht, zu oberflächlich, aufs Clickertraining bezogen.
    Der Kern der Aussagen bleibt jedoch erhalten:
    Androhung von Strafe ist unangenehm, auch wenn sie noch nicht eintritt.
    Erwartung von Belohnung ist angenehm.

    Und jeder entscheidet für sich persönlich, ob er damit arbeiten will, einen Hund einzuschüchtern, zu erschrecken, ihm Schmerzen zuzufügen oder ihm damit zu drohen - oder belohnend darauf einwirkt, was der Hund richtig macht und unerwünschtes Verhalten nicht belohnt, sowie selbstbelohnende Folgen verhindert.

  • Und jeder entscheidet für sich persönlich, ob er damit arbeiten will, einen Hund einzuschüchtern, zu erschrecken, ihm Schmerzen zuzufügen oder ihm damit zu drohen - oder belohnend darauf einwirkt, was der Hund richtig macht und unerwünschtes Verhalten nicht belohnt, sowie selbstbelohnende Folgen verhindert.

    Wenn die Welt so schön schwarz-weiß wäre, wie Du sie hier malst... traurig wäre das.
    Meine Welt ist bunt (meistens, heute nicht... aber das ist ein anderes Thema) und mein Hund kennt beides - angenehmes Loben und unangenehme Ansagen. In einer gesunden Balance - mit viel Lob und möglichst wenig Ansage. Genauso wie meine Kinder übrigens. Ohne Gewalt natürlich. Keinem hats bisher geschadet.

  • Das ist nicht schwarz-weiß, sondern das echte, bunte Leben und alles andere als traurig.
    Im Gegenteil - Lob und Belohnung machen glücklich. Strafe nicht.
    Was man gerne überliest und missversteht ist :
    Verhalten verändern mittels gezieltem, absichtlichem Einwirken im Zuge eines zielgerichtetem Vorgehen funktioniert komplett ohne aversive Reize.

    Dass im Alltag mal unangenehme Ansagen vorkommen, als Managementmassnahme, ist zwar die Realität, weil die Umwelt unberechenbar ist und ein Lernprozess nicht von jetzt auf sofort abgeschlossen ist (ausser man betrachtet massive Verhaltenshemmung als wünschenswerten Lernprozess) - aber man hat selber doch sehr viel Einfluss darauf, was man dem Hund zumuten möchte oder nicht.

    Umso zielgerichteter ich belohnungsbasiert vorzugehen in der Lage bin - umso weniger habe ich aversive Managementmassnahmen nötig.
    Das macht unheimlich viel Spaß - dem Hund und dem Halter.
    Im richtigen Moment passend gelobt/belohnt, erübrigt sich für den Hund Fehlverhalten zu zeigen, welches für ihn immer einen Grund hat.

    Natürlich kann man zielgerichtet positive Strafen nutzen - auch damit lernt der Hund effektiv.
    Aber es ist nicht nötig um dem Hund die benötigten Infos zu geben, die ihm vermitteln, wie er sich verhalten soll.
    Dem Hund zu vermitteln, wie er sich NICHT verhalten darf, ist eine unvollständige Info, weil er dann noch nicht weiß: Was mache ich, um der Strafe zu entgehen?
    Etwas "bleiben zu lassen" ist ja noch nicht gleichzusetzen mit "etwas richtig machen".
    Wenn man aber beabsichtigt, dem Hund beizubringen, nichts zu machen, ohne konkret zu einem Verhalten aufgefordert zu werden, dann macht natürlich Hemmen über Strafe Sinn.
    Nicht jeder HH will das.

    Ich weiß, dass auch bei strafbasiertem Training gelobt und belohnt wird, weil der Hund natürlich auch hier passendes Verhalten vermittelt bekommt.

    Aber zu denken, das ist NUR mittels Strafreizen zu erreichen, ist ein Trugschluss.

  • Geht es hier eigentlich noch um Terrier oder nur noch um "Erziehungs-Philosophie"?

    Recht hat der, der mit seiner Strategie Erfolg hat, nein, damit meine ich keine Prügel, und nicht der, der Abhandlungen wie aus Lehrbüchern schreibt.

  • Deswegen würde mich vor allem von den Leuten mit Terriern die gut sozialisiert wurden und gut aufgewachsen sind, interessieren, ob ihre Terrier auch so sind, oder ob es nicht doch Fälle gibt, bei denen irgendwann mal gut war und nicht mehr diskutiert wurde?

    Für mich gehört genau das zum Wesen des Terriers. Wer diese "Diskussionsfreudigkeit" als Makel ansieht, wird mMn mit so einem Hund nicht glücklich werden.

    Mein Empfinden ist übrigens, dass diese vermeintlichen Alleingänge gar keine sind. Meine Terrier fangen dort an zu diskutieren, wo ich Lücken lasse. Sie "fragen" sehr viel mit Blicken nach, bevor sie ihr eigenes Ding durchziehen. Eine Paradesituation, in der sie verhaltenskreativ werden, ist Langweile.

    Meine Hündin weiß z.B. sehr genau, dass sie nicht hetzen darf. Wenn ich mit meinem Rüden draußen trainiere, steht sie regelmäßig ein wenig gelangweilt daneben und ist angesäuert, wenn er nicht nur arbeiten darf, sondern auch noch belohnt wird, während sie leer ausgeht.
    Sie versucht dann immer wieder, meinen Blick einzufangen und wenn ich nicht reagiere, fährt sie ihren Giraffenhals aus, peilt auf Entfernung imaginäres Wild an, zeigt völlig übertriebene "oh, da ist aber ein verdammt attraktiver Hase!"- Mimik, schaut noch ein letztes Mal zu mir und startet dann in Erwartung meines Rückrufs und einer tollen Belohnung dafür, dass sie in dieser Extremsituation abgedreht hat, durch.
    Wenn ich nicht reagiere, dreht sie übrigens auch selbstständig wieder ab, und zwar mit scharfer Bremsung, Wendung auf den Hinterpfoten und einem Blick, der volle Begeisterung über sich selbst und dafür zeigt, dass sie einen (nicht vorhandenen) Hasen für meinen (nicht vorhandenen) Pfiff hat sausen lassen. :D

    Mein Rüde steht ihr da aber in nichts nach. Er weiß z.B. sehr genau, dass er keine Socken aus dem Wäschekorb klauen darf. Letzte Woche habe ich ein sehr wichtiges Telefonat geführt, während Herr Terrier mir mit Blicken zu verstehen gab, dass er sich gerade ziemlich langweilt. Nach 5 reaktionslosen Minuten von mir stand er plötzlich mit mindestens 10 Socken im Maul im Türrahmen und hatte einen "Möffteft Du mif fangen, bevor if die Focken zerlege, oder willft Du weiter telefonieren"- Blick im Gesicht.

    Oder gestern im Garten: nach 45 min Terrier- Bespaßung wollte ich wieder ins Haus. Meine Hündin hat mir sehr deutlich gezeigt, was sie von der Idee hält, aber ich habe nicht reagiert und zum Gehen aufgerufen. Sie hat dann ganz zufällig nicht vorhandene Vogelk*cke auf der Wiese gefunden, sich reingeworfen und ist wie ein nasser Sack auf der Wiese liegen geblieben. Rufen: Fehlanzeige. Versuch, sie aufzuheben: Gemotze. Leine anlegen und mitnehmen: dann zieh mich doch wie einen nassen Sack über die Wiese, ich beweg mich nicht. :D

    Zugegeben: ich mag genau das, weil Terrier ein sehr feines Gespür dafür haben, wie sie einen Nerv bei ihrem Menschen treffen und das herauskitzeln, was sie gerade haben wollen. Ebenso reagieren meine Terrier aber sehr zuverlässig, wenn sie merken, dass es keine Lücke gibt und ich es wirklich ernst meine (z.B. Abruf in einer Gefahrensituation oder kurze Runde und zurück ins Haus/ kein Entertainment, weil es mir nicht gut geht).

    Ich kann gut verstehen, dass dieser Wesenszug viele Menschen zur Weißglut treiben würde, aber für mich gehört er untrennbar zum Terrier dazu und genau das ist der Grund dafür, dass hier immer wieder Terrier eingezogen sind und ich die kleinen Biester heiß und innig liebe. =)

  • Geht es hier eigentlich noch um Terrier oder nur noch um "Erziehungs-Philosophie"?

    Recht hat der, der mit seiner Strategie Erfolg hat, nein, damit meine ich keine Prügel, und nicht der, der Abhandlungen wie aus Lehrbüchern schreibt.

    Nein, es geht um Terrieristen - und um die persönliche Einstellung ihnen gegenüber.
    Weil sie sind, wie sie sind.


    Ein genialer Beitrag, Danke!

  • @Juno2013 genau solche Aktionen kenne ich auch. Und genau für solche Aktionen liebe ich sie.
    Ok zugegeben wenn ich gehen will und Madame dass doof findet und dann den Blumentopf von der Fensterbank schubst und den Dreck noch im Wohnzimmer verteilt finde ich das zum kotzen. Aber definitiv immer wieder terrier. Wobei ich gewisse Ausnahmen mache die ich definitiv nie möchte. JRT und fox terrier. Der JTr ist mir einfach zu Wahnsinnig. Und alle foxls zu kastig im Körper und ich kenne nur aggressive Exemplare. Ich wünsche mir ja sehnlichst einen Norwich oder norfolk :herzen1:
    An alle Halter dieser rassen gerne mal ne pn mit eurem Züchter an mich ;)

  • Oder gestern im Garten: nach 45 min Terrier- Bespaßung wollte ich wieder ins Haus. Meine Hündin hat mir sehr deutlich gezeigt, was sie von der Idee hält, aber ich habe nicht reagiert und zum Gehen aufgerufen. Sie hat dann ganz zufällig nicht vorhandene Vogelk*cke auf der Wiese gefunden, sich reingeworfen und ist wie ein nasser Sack auf der Wiese liegen geblieben. Rufen: Fehlanzeige. Versuch, sie aufzuheben: Gemotze. Leine anlegen und mitnehmen: dann zieh mich doch wie einen nassen Sack über die Wiese, ich beweg mich nicht.

    Das können aber nicht nur Terrier.

    Versuch mal einen Neufundländer zum gehen zu bewegen, wenn er sich hinsetzt oder legt und "sagt" ich will nicht ;)

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