Wie viel "kämpft" ihr mit euren Terriern?

  • Versuch mal einen Neufundländer zum gehen zu bewegen, wenn er sich hinsetzt oder legt und "sagt" ich will nicht

    Mit dem Unterschied, dass ein Terrier das gleiche Ziel allein mit seiner Kreativität erreicht und nicht über das Gewicht. Viel Hund auf komprimierten Raum eben. :D

    Bei all meinen Terriern haben Schreck- oder starke Strafreize übrigens überhaupt nicht funktioniert (ganz abgesehen davon, dass es auch nicht mein Ding ist). Sie selbst versuchen ihr Ziel ja ständig über das Angebot von Alternativen zu erreichen, von denen eine ihrem Willen entspricht und die andere, nicht gewünschte, blöde Konsequenzen für den Zweibeiner hat. Auf genau diesem Kanal reagieren sie aber auch umgekehrt extrem gut und lassen sich auf Angebote ihres Menschen ein. Meiner Meinung nach brauchen sie für diese "Diskussionsfreudigkeit" die innere Überzeugung, dass die Entscheidung bei ihnen liegt (was ja mit Blick auf die eigentliche Verwendung der Hunde alles andere als unerwünscht ist) und eine große Portion Sensibilität und Einfühlungsvermögen, um überhaupt ausloten zu können, was aus Sicht ihres Gegenübers attraktiv sein könnte.
    Über Schreck- und/ oder Strafreize zu arbeiten ignoriert aber genau diese Kombination aus Sensibilität und Eigenständigkeit in der Entscheidung, die Terriern zu eigen ist, zumal "Du kriegst eins vor den Latz, wenn Du nicht spurst" aus Sicht des Terriers eben nicht die bessere Alternative ist.

    Klar habe ich meine Terrier auch schon angeranzt, ist bin kein Übermensch. Aber zuverlässige Verhaltensänderungen hat das niemals gebracht, sondern maximal einen höchst beleidigten Hund, der beim nächsten mal wieder seine Idee gegen meinen Strafreiz in die Waagschale geworfen hat.

    In dieser "Diskussionsfreudigkeit" liegt mE aber auch eine große Chance, weil sie auch sehr viel Begeisterungsfähigkeit für tolle Ideen mit sich bringt. Meine Hündin lernt unglaublich schnell und kann inzwischen sehr viel Blödsinn (Türen auf Kommando schließen, Waschmaschine einräumen, Fernbedienung bringen, Leine, Schlüssel und Schuhe bringen, Spielzeuge nach Namen bringen und wieder in eine Kiste sortieren etc.). Wenn man diesen Wesenszug akzeptiert und richtig kanalisiert, sind die kleinen Granaten erstaunliche und begeisterungsfähige Quatschköpfe.

  • verhaltenskreativ

    Ich liebe dieses Wort im Zusammenhang mit dem Terriertier! :applaus:

    Manche Dinge sind halt schon extrem - wobei die Trainerin ja meinte, mein Terrier wäre ein besonderes Exemplar. :fear: Selbst für einen Terrier...

    Und er rennt und rennt und rennt... heute morgen hab ich ihn mal machen lassen. Der läuft ohne einmal einen Blick zurück zu werfen 100m vor und rennt immer weiter... und weiter. Eigentlich tut mir mein rennender Terrier manchmal richtiggehend leid, weil er kaum noch Hund ist. Schnüffeln, Markieren - keine Zeit! :flucht:
    Ich versuche also, einem Hund beizubringen, dass Schnüffeln und Genießen toller ist als Rennen. Aber er ist da wie auf Droge. Er reagiert dann auf freundliche Ansprache nicht mal mehr, nur auf deutlich Ansagen. Nicht rennen lassen - also Leinenpflicht über Wochen - bringt auch nichts. Macht das eher noch schlimmer. Nur regelmäßiges Extrem-Austoben hilft, um den Energielevel zu senken. :pfeif:

  • Ich bin absoluter Terrierfan!

    Jack Russel, Parson Russel, DJT und Co - genau mein Ding (neben den Spitzohren).

    Ich mag Hunde mit großem Herz und der Tendenz zu wahlweise Tobsuchtsanfall oder andere Art der kreativen (und auch durchaus mal aggressiven) Meinungsäußerung. Ich mag Hunde mit Trieb und Power.
    Ich hab das Leben mit Terriern nie als Kampf empfunden und ich habe auch nie einen erlebt, der faire aversive Methoden nicht annehmen wollte oder konnte - im Gegenteil. Die Mischung machts - der Spaß am Terrier ist es, dass die Waage gefunden wird für diesen einen Hund.

    Dass ein Terrier gerne mal testet unterschreibe ich blind. Dass er ungehorsam wird habe ich bei allen die entweder meine waren oder Pfleglinge oder aus anderen Gründen längere Zeit mit mir gewohnt und gelebt haben nicht erlebt. Doch - wartet - einer. Der war aber tatsächlich so ein osteuropäisches Straßenmodell und kam erst mit 5 Jahren nach D. Straßenhunde ticken mMn tatsächlich anders. Cool - aber anders.

  • @Juno2013:
    Wenn man Beiträge heiraten könnte, würde ich Deinem Beitrag einen Heiratsantrag machen.
    Genau so erlebe ich meinen durchgeknallten Knirps.

    Früher unansprechbar im Eigenmodus unterwegs und alleine bei neutraler Namensnennung - weg, soweit er konnte.
    Brachte ihm schnell einen neuen Namen ein, rein positiv verknüpft.

    Der war ausschließlich im Jagdmodus unterwegs, sobald sich die Türe öffnete und dann unerreichbar. Zusätzlich durch die Deprivation extrem reizempfindlich und wenn nicht Jagdmodus, dann Attacke, bei Panik Flucht.

    Seit er weiß, dass ich seine jagdlichen Fähigkeiten suuuuuuper finde und gerne mit ihm zusammen arbeite , ihn bei gemeinsamer Mäusesuche unterstütze und anfeuere, bleibt er ansprechbar, auch über große Distanzen im Hetztempo und fliegt auf Richtungsanweisung regelrecht rum, in die angewiesene Richtung.
    Damit kann er sich ausagieren und danach ist er viel mehr in der Lage und freudig dabei, auch anderweitig zu kooperieren, wenn wir zB Rehe und Hasen sehen, bei denen er früher kreischend und um sich beißend in der Leine hing.
    Und ich bleib fit - ich renne mit...hihi....
    Sogar gemeinsam in gemässigtem Tempo Spuren verfolgen, ansprechbar bleiben, klappt dann, weil er mich, anstatt auszublenden, gerne mit einbezieht.

    Ok, wenn ein Hase oder ein Reh direkt vor ihm hochschnellt, dann kippt der Schalter, aber das ist gut zu vermeiden, indem er die ja zuvor schon riecht und ich es an seinen Körpersignalen immer besser lesen kann. Und sogar in so einer Situation hats schon geklappt, mit Superpfiff auf Ersatzäkschn umzulenken, als direkt vor uns Rehe aus dem Gebüsch brachen, die unentdeckt quer über einen Wiesenhügel angelaufen gekommen waren.

    Egal was der macht: Es HAT einen wichtigen Grund und Sinn für ihn und er läßt sich trotzdem gerne davon überzeugen, dass auch andere Sachen total sinnvoll sein können. Er ist sogar regelrecht wissbegierig und heiß drauf, Alternativen zu erfahren, die ihn bereichern, statt einschränken.

    Faszinierend durch und durch..................

    Nachtrag: Inzwischen hat er auch genügend Resilienz entwickelt, dass er "faire, aversive Einwirkungen" auch gut wegstecken könnte - sind aber nicht nötig, weil ich keinen 100% funktionierenden, hörigen Hund draus machen will. Für den Alltagsgehorsam reichts auch ohne.

  • und ich habe auch nie einen erlebt, der faire aversive Methoden nicht annehmen wollte oder konnte

    Ich denke schon, dass sie das können. Aber meiner Erfahrung nach eben nicht so gut und nachhaltig wie auf anderem Wege. Im Gegenzug habe ich bei meinen Terriern noch nie Tobsuchtsanfälle oder (mit einer einzigen Ausnahme) aggressive Meinungsäußerung mir gegenüber erlebt. Mit Blick auf die Terrier, die ich aus meinem Umfeld kenne, kitzelt man solche Tendenzen auch am ehesten heraus, wenn man mit zu viel Druck arbeitet.

  • Ich denke schon, dass sie das können. Aber meiner Erfahrung nach eben nicht so gut und nachhaltig wie auf anderem Wege. Im Gegenzug habe ich bei meinen Terriern noch nie Tobsuchtsanfälle oder (mit einer einzigen Ausnahme) aggressive Meinungsäußerung mir gegenüber erlebt. Mit Blick auf die Terrier, die ich aus meinem Umfeld kenne, kitzelt man solche Tendenzen auch am ehesten heraus, wenn man mit zu viel Druck arbeitet.

    Du hattest schon DJT? Wenn die aufwachsen, gerade die Rüden, dann hat das nichts mit zu viel Druck zu tun.

    Ich will keine Challenge "wer kann es besser" - ich hatte aber nie ein Problem mit Nachhaltigkeit oder fehlender Kooperation. Und ich arbeite auch über positive Verstärkung - und über aversive Grenzen.

  • Aber definitiv immer wieder terrier. Wobei ich gewisse Ausnahmen mache die ich definitiv nie möchte. JRT und fox terrier. Der JTr ist mir einfach zu Wahnsinnig. Und alle foxls zu kastig im Körper und ich kenne nur aggressive Exemplare.

    ok JRT sind auch nix für mich.
    Wie du sagst oft zu abgedreht und größenwahnsinng.
    Aber Foxls aggressiv? :ka:
    Unser letzter war ein Fox und in Luke ist auch Fox mit drin und abgesehen vom Leinenpöbeln sind bzw. waren beide absolut friedlich Menschen und Hunden gegenüber.

    Aber so unterschiedlich sind die eigenen Erfahrungen das man im ersten Moment nur empört den Kopf schüttelt. :roll: :smile:

  • @ Hummel:
    Du hast Dich in Deinem Beitrag nicht ausschließlich auf DJT, sondern auf JRT, PRT, DJT und andere Rassen bezogen. Ich habe mit zwei Terriern (unterschiedliche Rassen und nicht meine beiden aktuellen) kurze Testläufe mit Trainern gehabt, die ebenfalls über eine Kombination aus positiver Verstärkung und aversive Methoden gearbeitet haben. Meine Erfahrung ist, dass es unter Einsatz von aversiven Methoden zu genau den Tobsuchtsanfällen und aggressiven Meinungsäußerungen kam, die Du beschrieben hast. Letztere liegen meiner Erfahrung nach eben nicht im Wesen des Hundes (nein, auch nicht in dem des DJT), sondern sind hausgemacht.

    Der Verzicht auf aversive Methoden (der absolut nichts mit dem Verzicht aufdas Setzen und Durchsetzen von klaren Regeln und Grenzen zu tun hat) hat mirund meinen Hunden deutlich mehr Ruhe gebracht. Überwiegend reicht es bei meinenTerriern, ihnen einfach keinen Verhandlungsspielraum zu geben, wenn ich meinZiel erreichen will. Wer sich nicht auf Verhandlungen einlässt, braucht auchkeine harte Hand, um seinen Standpunkt durchzusetzen.

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