Umgang mit Schutz- und Wachtrieb

  • Dazwischendrängeln, wenn sich z.B. zwei Leute umarmen, hat für mich nichts mit Schutztrieb zu tun, sondern mit Kontrollverhalten.
    Meine Hunde (v.a. die Hündin) haben Schutz- und Wachtrieb (bzw. ein sehr ausgeprägtes Territorialverhalten) und ich finde das nicht immer einfach zu handhaben.
    Beim Spazierengehen muss ich z.B. darauf achten, dass sich nicht einfach fremde Menschen nähern. Wird ein gewisser Abstand unterschritten (je nach Situation ein bis zwei Meter), würde meine Hündin aktiv nach vorne gehen und die Eindringlinge vertreiben.
    Ich nehme die Hündin aus solchen Situationen raus und bringe sie hinter mich. Wenn wir in belebten Gegenden sind, in denen ich Kontakt nicht vorhersehen oder entgehen kann, braucht sie einen Maulkorb.
    Auch Besuch ist bei uns Zuhause nicht so einfach.
    Familienmitglieder oder Freunde, die die Hunde gut kennen, sind kein Problem und dürfen auch in unserer Abwesenheit kommen und gehen.
    Alle anderen würden gestellt, wenn wir v.a. die Hündin nicht einschränken würden.
    Mit Leckerlis ist sie (obwohl sonst sehr verfressen) nicht bestechlich.
    Sie muss, wenn Besuch da ist, auf ihrem Platz bleiben, gegeb. an der Leine, oder wird aus dem Raum gebracht.
    Sind kleinere Kinder da, müssen die Hunde in ihrem eigenen Zimmer bleiben, da möchte ich kein Risiko eingehen.
    Meine Hündin wäre da in ihren Mitteln nicht wählerisch, sie droht sehr offensiv. Ob sie tatsächlich beißen (oder auch nur abschnappen) würde, weiß ich nicht. Ich bin aber nicht geneigt, das herauszufinden.
    Training fruchtet nur bedingt und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich niemanden als "Versuchskaninchen" missbrauchen will. Darum läuft bei uns vieles auf "Sichern" und das Vermeiden bestimmter Situationen hinaus.
    Mein Rüde ist ein bisschen anders gestrickt, er ist ein Menschenfreund, lässt sich aber z.T. von ihr anstacheln.
    Vor Einbrechern habe ich insofern Angst, als ich wüsste, dass die Hunde massiv drohen und (auf sich alleine gestellt) eventuell auch zubeißen würden. Sicherer wären die Hunde, wenn sie Fremde willkommen heißen würden. (Man möge mir verzeihen, dass die Sicherheit meiner Hunde mir wichtiger ist als die Sicherheit der Einbrecher.)
    Das ist auch einer der Gründe, warum ich nicht möchte, dass meine Hunde betreut werden. Meine Mutter zum Beispiel nimmt das Risiko nicht ernst genug. Innerhalb der Familie sind die beiden nämlich die reinsten Schmusetiere und absolut unauffällig. "Meine Maus würde doch nicht..."
    Doch, das würde sie vielleicht schon.

  • Dazwischendrängeln, wenn sich z.B. zwei Leute umarmen, hat für mich nichts mit Schutztrieb zu tun, sondern mit Kontrollverhalten.

    Mhm, ich würde da unterscheiden - je nachdem, wer sich umarmt und wie die betreffenden Leute das so finden - und wie es auf den Hund wirkt.

    Ich hatte mal einen Chef, der alle Mitarbeiterinnen mit Umarmung und Küsschen-rechts-Küsschen-links begrüßt hat. Der Typ war furchtbar, meine Körperhaltung muss mein Unwohlsein ziemlich deutlich gezeigt haben und mein Rüde hat den Kerl gehasst - wenn ich ihn gelassen hätte, hätte der sich bei jeder dieser 'Umarmungen' dazwischen geschmissen und für einen Mindestabstand von 10 Metern gesorgt.

    Sowas geht für mich schon eher in Richtung Schutztrieb: Hund glaubt, dass 'sein' Mensch in einer Notlage/Bedrohungssituation ist und will entsprechend handeln.

  • Ich vermute das meiste was hier beschrieben wird ist einfach ganz normal und hat nichts mit ausgeprägtem wach oder Schutz trieb zu tun. Eben einfach typisch Hund.

    Naja. Natürlich ist das normal für entsprechend veranlagte Rassen.

    Für andere Rassen ist es total normal neben der offenen Haustür zu liegen und freundlich zu wedeln, während man als völlig Fremder zum Briefkasten an der Haustür latscht und den auch noch anfasst. Die wuffen nicht mal, die stehen nicht auf, nichts.

    Sowas geht für mich schon eher in Richtung Schutztrieb: Hund glaubt, dass 'sein' Mensch in einer Notlage/Bedrohungssituation ist und will entsprechend handeln.

    Ist ja irgendwie so ein bißchen Erbsenzählerei mit den Begrifflichkeiten, fürchte ich.
    Geordy macht so was auch. Wenn ich z.B. mit einer fremden Person irgendwo draußen im Gespräch bin und man höflicherweise frontal zueinander steht, dass nicht unbedingt "meine Lieblingsperson" ist - dann schmeißt sich Geordy an die Beine der Person und betört die mit charmantem Gehabe. Für mich ist das Kontrolle, Distanz reinbringen. Hat so ein bißchen was von "fiddle around" nur mit Menschen. Er macht das schon nicht mehr, wenn ich die Situation entschärfe, in dem ich mich anders hinstelle.
    Aber Geordy hat ansonsten so gar nix von Schutzverhalten. Der hat früher auch auf Entfernung mal kontrolliert, aber niemals ernsthaft und mit Selbstbewußtsein dahinter, sondern immer auf die charmante Tour. Und wenn er mit der charmanten Tour nicht weiter kommt, dann versteckt er sich hinter Fin und mir.

  • Casanova hat im Vergleich zu anderen hier nur einen Hauch Schutz/Wachtrieb - aber deutlich mehr als zB. Livi.

    Bei ihm zeigt sich das so:

    Er meldet ungewöhnliche Geräusche, in erster Linie Hunde oder Menschen, die sich unterhalten. Je lauter/aggressiver die Menschen klingen, desto eher meldet er. Da macht er eine territorialen Unterschied, im Haus + Garten wird eher gemeldet als zB. in fremden Gebiet.

    Unterwegs im Dunkeln meldet er auch, wenn er jemanden entdeckt. Wenn er nicht bellt, dann hat er meist eine Bürste und guggt sich das genau an.

    => da spielt auch ein Unsicherheit mit rein, denke ich. Wird grade auch besser, er bellt nicht mehr jeden nachts auf der Straße an |) Dabei ist er aber immer eher defensiv, er geht nie nach vorne um zu bellen sondern wendet sich immer ab.

    Bei uns in der Wohnung sind Hunde interessanterweise kein Problem, Frauen auch nicht aber Männer bellt er schon mal an. Aber er lässt sich trotzdem anfassen und schnuppert auch mal, bellt dann aber weiter. Wenn er jemandem misstraut würde er denjenigen in der Wohnung auch verfolgen und kontrollieren. Er ist dann immer am brummeln (nicht knurren, so etwas kurz vor dem bellen) und man sieht ihm an, dass ihm das nicht passt und er auch überfordert damit ist. Wir händeln das entsprechend.

    Dabei hat er eine eine umfangreiche Sozialisierung genossen und nie schlechte Erfahrungen gemacht, die Skepsis kommt also nicht von sowas.

    Er würde auch mit Sicherheit nie offensiv werden. Kann ich mir 0 vorstellen. Da müsste der Gegenüber nur einmal "BUH" machen und er wäre beeindruckt.

    Livi hat absolut gar keinen Wach- oder Schutztrieb. Die geht auf jeden freudestrahlend zu, selbst nachts zu mehreren stark angetrunkenen, lauten Männern. Sie heißt auch jeden bei uns herzlich willkommen. Dabei ist sie allgemein ein eher unsicherer Hund.

  • ich versteh nicht so ganz, was du damit meinst?was genau ist denn typisch hund?
    ich würde behaupten jagdtrieb ist auch typisch hund, trotzdem gibts zig verschiedene ausprägungen und intensitäten :ka:

    ich kann dir das nicht mal genau beschreiben wie ich das meine, ich weiß nur nicht ob man das unbedingt als wach und Schutztrieb bezeichnen kann wenn ein Hund aufmerksam ist und Besuch meldet.
    Wahrscheinlich kommt es darauf an wie man das definiert. Ich kann's einfach gerade nicht beschreiben, vielleicht fällt mir nachher was dazu ein

  • ich kann dir das nicht mal genau beschreiben wie ich das meine, ich weiß nur nicht ob man das unbedingt als wach und Schutztrieb bezeichnen kann wenn ein Hund aufmerksam ist und Besuch meldet.Wahrscheinlich kommt es darauf an wie man das definiert. Ich kann's einfach gerade nicht beschreiben, vielleicht fällt mir nachher was dazu ein

    Für dich ist das vllt typisch Hund, aber es gibt Hunde (wie meine Livi) die absolut gar keine Ansätze von sowas zeigen. Ist sie dann ein untypischer Hund? Sowas gibts halt auch, deshalb finde ich das jetzt nichts selbstverständliches. Normal ist beides, würde ich sagen.

  • ich kann dir das nicht mal genau beschreiben wie ich das meine, ich weiß nur nicht ob man das unbedingt als wach und Schutztrieb bezeichnen kann wenn ein Hund aufmerksam ist und Besuch meldet.Wahrscheinlich kommt es darauf an wie man das definiert. Ich kann's einfach gerade nicht beschreiben, vielleicht fällt mir nachher was dazu ein

    ah...jetzt...danke.

    besuch melden würde ich auch eher beim wachen als beim schützen ansiedeln.
    ich denke schon, dass das wachen bei den meisten hunden vorhanden ist...aber eben z.b. jagdtrieb halt genauso.

  • Ich glaub, dass eine objektive Diskussion gar nicht möglich ist.
    Weil jeder definiert Schutz- und Wachtrieb einfach anders. Auch wenn anfangs die Begriffe "geklärt" wurden.

    Jeder interpretiert das Verhalten anders und sieht die Intensität anders.
    Ich kann mir zB. nicht vorstellen, dass die genannten Collies gleichermaßen wachen und schützen (würden) wie die Herder und Malis von denen die Rede war.
    Das soll keine Wertung sein, sondern einfach was anderes.

    Gleich wie es für viele ein No Go ist wenn der Hund jemanden stellt. Ich finds okay.
    Aber sowas kommt halt auch immer auf die Wohnumstände an, wenn ich die Hunde am Hof hab, und da wer ins Haus rein spaziert oder der wildfremde Futterlieferant auf einmal auftaucht hab ich kein Thema damit, wenn gestellt wird. Solang der nicht volley attackiert wird sondern die nur Alarm schlagen und den "festhalten" bis ich da bin. Die sind ja wie gesagt auch nicht im Alleingang unterwegs. Bei mir zu Hause dreh ich die Melderei auch nach 2 Beller ab, klappt auch. Die können das auch differenzieren. Hier ist zB viel mehr los als am Hof.

  • Ich hätte auch kein Thema damit, wenn Frau Fuchs Fremde im Garten/im Haus stellt und sichert oder in einer Notfallsituation draußen eingreift. Wenn ich nicht anwesend bin, darf sie Fremde fernhalten/stellen/verbellen, nur (ernsthaft) verletzen darf und soll sie niemanden, das würde sie, solange man sie oder mich nicht angreift, aber auch nicht tun.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!