Wer kann noch richtig loben?

  • Ich möchte die Themenfrage für mich etwas umformulieren: nicht "wer kann noch richtig loben?" sondern "wann kann ich richtig loben?".

    Ich kann richtig, d.h. nach meinen und den Bedürfnissen meiner Bertha belohnen, wenn ich so entspannt bin, dass ich empathisch sein kann und auch wirklich die positiven Seiten und das gute Verhalten meiner Hündin wahrnehme. Bin ich mit meinen Gedanken noch auf der Arbeit oder bei andere Themen, ist mein Leckerlie, das ich verschenke, ebenso seelenlos wie ein verbales Lob. Dankenswerterweise ist meine Riesenschnauzerin nicht nachtragend und weiß, dass wir Menschen meist zu bekloppt sind, um sich am Hier und Jetzt zu erfreuen... also nimmt sie es mir nicht übel und strahlt mich auch bei einem "Stück trocken Brot" so an, als wär's das Tollste.

    Was ich sagen will: ich glaube, mein Hund spürt mein Lob am Intensivsten, wenn ich mich auch wirklich von ganzem Herzen freue oder voller Anerkennung bin für das, was sie zeigt.

    ich versuche auch immer darauf zu achten, was sie an Lob annehmen kann. Leckerlie geht fast immer, anfassen bei ernsthafter Arbeit lässt sie "über sich ergehen" ist aber kein Lob - da ist die Erregung zu hoch. Verbal ist auch ok, außer es reißt sie aus der Konzentration. ich rede auch viel Quatsch mit ihr, und je blöder die Dinge, die ich sage, desto mehr grinst sie mich an. Also: ich lerne immer noch hinzu...was das Loben betrifft.

  • Was ich sagen will: ich glaube, mein Hund spürt mein Lob am Intensivsten, wenn ich mich auch wirklich von ganzem Herzen freue oder voller Anerkennung bin für das, was sie zeigt.

    Die Erfahrung habe ich auch gemacht. Das ehrliche Freuen kann ich auch nicht vortäuschen.

    Ich denke übrigens, dass "Loben ohne zusätzliche Belohnung" gemeint ist.

  • Für mich ist "richtiges Lob" das was in der Situation für Mensch und Hund in der Situation sinnvoll ist.

    Beispiel:

    Auf dem Spaziergang haben wir keine Leckerlies dabei. Bei erfolgreichem Rückruf, oder mal nen kurzes Platz o.ä. da ist verbales Lob prima und funktioniert auch ganz ausgezeichnet. oft in Verbindung mit körperlichem Streicheln, Tätscheln o.ä.

    Auf dem Platz sind Leckerlies dabei. Denn mit Leckerlies fahren die Hunde nicht so hoch (also unsere, da gibs sicherlich tausende wo es anders ist). Nur mit Leckerlies lässt sich (in Verbindung mit Klicker) punktgenau bspw. die gerade Grundstellung bestätigen.
    Aber auch hier wird je nach Situation, besonders auch im Aufbau, verbal gelobt. Gerade bei Übungen wo "hoch fahren" gar nicht so verkehrt ist. Im Apport z.B. Ein Leckerlie fürs Aus gibs trotzdem ;)

    Hier ist verbales Lob eigentlich wertiger, auch wenn beide Hunde (und die Hündin besonders) recht verfressen sind. Aber manchmal passt es halt nicht.

  • Die Erfahrung habe ich auch gemacht. Das ehrliche Freuen kann ich auch nicht vortäuschen.
    Ich denke übrigens, dass "Loben ohne zusätzliche Belohnung" gemeint ist.

    Mein Rüde freut sich nen Ast wenn ich mich (aufrichtig) freu, ich glaube das ist für IHN die höchste Belohnung. Da hab ich richtig Glück gehabt mit ihm. :herzen1:
    Und ich freu mich wirklich wenn er was richtig macht, auch weil ich Nichts für selbstverständlich ansehe.

  • Hallo,

    schade, dass du es selbst nicht genauer veranschaulichst.
    Ich hatte ja bereits des öfteren in anderen threads gesagt, dass ich sehr darauf achte MEINE Vorstellung von dem was ICH als Belohnung, Strafe, Lob ....empfinden würde nicht auf meinen Hund zu projizieren, sondern beobachte über die Zeit, die ich mit ihm verbringe was ER als Lob, Belohnung od. auch Strafe, angenehm bzw. unangenehm empfindet ...und vor allem in welcher Stimmungslage ( also sowohl seine als auch meine) bzw. Situation er mich wie wahrnimmt (sorry, falls sich das vielleicht irgendwie schwierig anhört). Wenn er Körpersprache od. Berührungen in einer bestimmten Situation nicht zuordnen kann, sie sogar ablehnt od. aktiv meidet, dann würde ich nicht darauf kommen sie als "lobend" und nach meinem Verständnis damit auch als belohnend zu bezeichnen. Was aber nicht heißt, dass es nicht Situationen gibt in denen er regelrecht Körperkontakt sucht. Dass ich dieses Bedürfniss erkenne und dem, wenn möglich, nachkomme dürfte ihn in diesem Sinne "belohnen" (eben durch Sozialkontakt) - ob es das ist was du als Lob bezeichnen würdest? Ich weiß dann aber nicht als Lob...wofür?
    Ich hindere ihn nur extremst selten daran mit mir Sozialkontakt zu halten als Ausübung einer Strafe, weil ich das - in den meisten Fällen - als unangemessen hart erachte (ich hinderte ihn mal in einer Situation daran mit mir Kontakt aufzunehmen, weil ich innerlich so aufgeladen war, dass es für IHN besser war ihn erstmal auf Abstand zu halten, um ihm nicht einer möglichen Frustreaktion auszusetzen, die ich hinterher bereut hätte)

    Gerade, als er hier pitschnass saß habe ich ihn umklammert und dabei etwas Druck auf seinen Körper ausgeübt, das hat er sichtlich und spürbar genossen - (ihm macht es nichts aus, beim Spielen od. Arbeiten nass zu werden, aber in der Wohnung ist ihm dieser Zustand - trotz vorherigem Abtrocken - unangenehm). Allerdings weiß ich punktgenau WANN er dieses Annähnern als besonders angenehm empfindet. Er mag diesen leichten "Ganzkörperdruck" aber auch manchmal wenn er trocken ist und ich merke, dass es ihn schnell beruhigt (wenn ich das erkannt und situationbedingt richtig gehandelt habe empfinde ich das übrigens auch als belohnend - er gibt mir also ein gewisses, deutlich wahrnehmbares feedback ...ein "Lob" wenn du so willst ;) . Wäre übrigens auch ein schöner thread: "Wie und wann fühlt ihr euch von eurem Hund belohnt?" (mache ich vielleicht an anderer Stelle auf ;) ...od. gibts den schon? )

    Wie du es ja auch beschrieben hast, du weißt, dass du etwas "richtiges" getan hast, weil es gut angenommen wird).
    Aber gerade daraus ergibt sich meiner Meinung, dass nur der Hund vorgibt WAS genau für ihn WANN belohnend wirkt - DAS zu ignorieren und trotzdem etwas das man gerade selbst als lobend empfinden würde durchzuziehen wäre in meinen Augen mitunter eher eine Strafe.

    Und aus den meisten Antworten hier ist nach meiner Auffassung zu lesen, dass ein Lob immer in belohnender Absicht gegeben wird - anders würde es keinen Sinn machen. Egal ob es Leckerlies od. keine Leckerlies und nur ein Wort eine Handlung, Sozialkontakt od. ein anderes körperliches Signal ist das vom Hund mit ehrlicher Freude in Verbindung gebracht werden soll - es ist immer in belohnender Absicht.
    Oft belohnt aber die Reaktion darauf auch den Halter
    (Oxytocin liegt in der Luft )
    Also wie soll ein Lob funktionieren, das nicht belohnend wirken soll?


    Tschüss und viele Grüße
    Ralf

  • In einer Facebookgruppe zum Thema Trick-Dogging ist mir ein Zwergpudel aufgefallen, der unheimlich gelehrig war und die tollsten Tricks super schnell lernte. Die Halterin sagte dann, dass sie fast nur über Stimme lobt, um die Tricks beizubringen, weil der Hund sich einen Ast abfreut, wenn sie sich selbst freut. Das fand ich schon sehr beneidenswert, mein Hund guckt mich nur doof an, wenn ich Party machen würde. Ich lobe zwar auch manchmal nur verbal, aber das ist nicht hochwertig genug, dass ich dem Hund rein über Lob was beibringen könnte, damit kann ich höchstens bereits gefestigtes Verhalten mal bestätigen. Aber da merkt man schon ganz deutlich, dass meiner Hündin das nicht viel wert ist. Ich bin jedenfalls froh, dass sie so auf Futter abgeht, da ihr Lob und Spielzeug nicht viel bedeutet. Wenn sie nun auch nicht nicht verfressen wäre, wüsste ich nicht, wie ich so einem Hund etwas beibringen könnte :lol: Ich denke auch, dass ein Hund mit viel WTP eher über Stimme motivierbar ist.

  • Wenn Geld als Lob dient, gibt es auch soziale Sicherheit. Eine Gehaltserhöhung ist - ebenso wie ein nettes Wort, ein Kuchen oder ein veröffentlichter Artikel - eine Bestätigung für eine gute Leistung. Vielleicht bin ich einfach zu pragmatisch, aber für mich ist Geld durchaus eine Form des sozialen Lobs.

    Wenn jemand für das Ausfüllen eines Lottoscheins, die Annahme einer Erbschaft oder das Zocken an der Börse 30 Millionen bekommt, dann muss das ja ein ganz dickes Lob sein. :D

  • Wobei "Gehalt bekommen" für viele Menschen weniger wertvoll ist als "im Lotto zu gewinnen". Regelmäßigkeit und Voraussagbarkeit sind halt weniger wert. Eine unerwartete Gratifikation für besonders gute Leistungen im Job kann hingegen sehr anspornen :D

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