Das Wesen von "Strassenhunden"

  • hm, aber wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist deine Hündin doch gar kein richtiger 'Straßenhund', sie hat doch selber nie auf der Straße gelebt, oder?

    Wenn sie dort wirklich gelebt und auch ihre Erfahrungen gemacht hätte, dann würde ich schon denken, das einiges damit zusammen hängt.
    Aber so ist es wohl eher das Produkt ihrer Genetik und ihrer Sozialisation.

    Ich habe hier auch ne 'Straßenhündin'. Geboren in Rumänien auf der Straße, mit wenigen Tagen eingesammelt und in Menschenhand aufgewachsen. Hat also auch quasi von klein auf in Menschenhand verbracht.
    Das einzige was sie mit deine Hündin so von den Beschreibungen her gemeinsam hat ist das verfressen sein. Wobei sie mittlerweile draußen nicht mehr ständig auf Nahrungssuche ist. Aber wenn sie was findet und ich nicht aufpasse ist die Gefahr groß, das sie es sich reinstopft.

    Aber ansonsten ist sie wirklich ganz anders. Sie liebt alle Menschen, auch Fremde. Lässt sich von jedem anfassen und liebt es zu kuscheln.
    Sie ist kein bisschen Scheu oder 'rehhaft'. War schon mit in ner Shopping Mall und lag pennend aufm Boden. :smile:

    Ich muss aber auch sagen, ich habe von dem Zeitpunkt an seitdem sie bei uns ist drauf geachtet, ihr viele neue Dinge zu zeigen, sie an neue Orte zu bringen, in unbekannte Situationen und ihr dabei immer Sicherheit und ein gutes Gefühl zu geben.
    Ich denke, das hat viel dazu beigetragen das sie heute so entspannt und umweltsicher ist.

  • Das mit dem Gentest find ich auch mittlerweile fraglich. Saß mal bei TA, der hatte ein Poster mit dem Stammbaum der Hunderassen. Da sah ich, dass Chihuahua, Aussi und auch Pyrenäensounso ganz weit oben stehen - von denen stammen wieder viele andere ab. Und bei diesen Gentests wird auch nur ein begrenzter Pool von Rassen ab geprüft....
    Das mit der Widersprüchlichkeit der Rassen in einem Hund hört sich d schon plausibler an.
    Auf jeden Fall stimmt was du sagtest den Hund so nehmen wie er ist - das entlastet und kommt dem Hund zu Gute.
    War gerade Gassi, gestärkt von den Forumsrückmeldungen und gucke es lief heut ganz gut :D
    Kann natürlich auch sein, dass Madame heut mal neun guten Tag hat - das ist nämlich noch so was. Die hat Schwankungen Holly die Waldfee :roll:
    Übrigens zum Thema Sozialisierung: ich war in der Welpen Gruppe und dann auch in der Hundeschule bis sie ca 10 Monate alt war. Sie hat mehrere feste Hunde Freunde, mit denen sie regelmäßig spielen kann und ansonsten geht sie überall mit, wo wir auch hingehen. Sogar ins Kino - ist halt nur noch Autokino angesagt seit es sie gibt. Wüsste nicht was ich da noch drauf packen soll - oder ist das nicht das was mit Sozialisierung gemeint ist?
    Hundeschule mach ich nicht mehr, weil ich keinen Spaß dran hab, meinen Hund zu zwingen auf dem nassen Rasen Sitz und Platz machen zu lassen. Sorry, wenn ich das so überspitzt sage.
    OK, und außerdem, weil es zu deprimierend ist neben dem Riesenschnauzer mit überdeulichem will to please abzukacken :ops:

  • mal ein Wort - oder ein paar mehr - zu den sog. "Rassetests":
    Genproben können nur jeweils mit dem verglichen werden, was im Genpool "drin" ist. Das sind die häufigen Rassen, deren Besitzer a) die Reinrassigkeit ihres Hundes überprüfen wollen oder b) in Auftrag gegebenen Genpools, wie wir sie grade bei den Windhunden aufbauen.
    Diese Ergebnisse werden dann in einen 3deminsionalen Raum "eingebaut" und miteinander verglichen. Wenn Du nun einen Hund aus Griechenland hast, müßtest Du ihn schon mit einem griechischen Genpool vergleichen lassen. Den gibt es aber wohl noch nicht in bei weitem ausreichender Größe... ein Foto Deines Hundes wäre schon mal hilfreich.
    Zum besseren Verständis:
    Ein Whippet wurde aus Versehen nicht mit dem Windhundgenpool sonder mit dem der anderen Rassen verglichen. Raus kam: eine Mischung aus Bullterrier, Rottweiler und co...... alles klar?
    Somit sind diese Rassetestangebot mit äußerster Vorsich zu genießen! Allerdings muß die Forschung ja unterstützt werden - die wird damit jedenfalls bezahlt.

  • Zitat


    Andererseits geb ich zu, dass ich sie als Welpe tendenziell eher verschont habe mit irgendwelchen potentiell über fördernden Situationen (Einkaufscenter beispielsweise).

    ich hatte mich darauf bezogen.

    Hier gabs zb keine Schonung in dem Sinne. Klar, ich habe drauf geschaut, das es sie nicht heillos überfordert, aber das ein oder andere musste einfach sein.
    Wir haben sie bekommen als sie 4 1/2 Monate alt war. Ne Woche nach ihrer Ankunft hatte ich Geburtsag. Gefeiert wurde mit Familie, etwa 30 Personen mit Kindern und allem drum und dran. Sie war mittendrin und hat sich super benommen.
    Seitdem hatten wir immer wieder Feiern mit vielen Personen, viel Trubel usw.

    Das Foto hier ist zb gestern auf nem Kindergeburtstag in völlig fremder Umgebung entstanden.

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  • Ich hab einen Straßenhund, der bis zum Alter von etwa 2 Jahren auf der Straße gelebt hat. Ein wirkliches Traumata was der mitgenommen hat ist das vom Einfangen und in die Auffangstation bringen. Ansonsten hat er die "üblichen" Ängste und Unsicherheiten, die Hunde so mitbringen, die unter "ungünstigen" Bedingungen aufwachsen.

    Unsicherheit ggü. Menschen (besonders Männer und Kinder)
    Unsicherheit ggü. alltäglichen Dingen (Treppen, Statuen, Bahn fahren, etc. pp.)

    An vielen Dingen kann man arbeiten und die "bösen" Assoziationen in gute wandeln. Schlechte Erfahrungen muss ein Hund nichtmal gemacht haben, reicht wenn er gar keine gemacht hat.

    Fressen von der Straße. Ja natürlich :D Interessant dabei, Müll. Also wirklich eingepacktes Zeug. Ohne Verpackung erkannte er nichts an Fressen. Auch ging er nie zu Menschen hin, um zu betteln. An der Selbstversorgung haben wir gearbeitet, zum Teil hat auch eine abwechslungsreiche tägliche Fütterung und adäquate Auslastung das Problem erheblich verringert.

    Ich hab nun einen (unsicheren) Vertreter, der aber extrem entspannt ist. Er hat eine hohe Frustrationstoleranz und somit eine gute Impulskontrolle. Er kann sich gut selbst beherrschen und macht das Zusammenleben extrem leicht.

    Er wurde relativ spät kastriert, da war 2,5 Jahre alt. Eben genau dann als ich ihn entdeckt hab. Bei Artgenossen ist er grundsätzlich freundlich aber nicht sehr tolerant. Er weiß was er will und was gar nicht geht. Er ist dadurch sehr gut einschätzbar. Gerade auch deswegen konnte ich ihm als er hier ankam seine neue Welt in ganz kleinen Schritten zeigen und erleben lassen. Heute ist er fast 10 und ein ganz toller Begleiter.


  • Moin,

    es gibt eben gute und weniger gute Tage, das habe ich bei all meinen Hunden erlebt. Ansonsten hört sich das bei Euch doch gut an, Hundefreunde zum Spielen - sie kann überall mit hin gehen - und ja, solche Hundeschulen mag ich auch nicht, wobei ich natürlich auch einen Hund hab, der eigenständig denkt und handelt und beim dritten Mal "sitz" taub und blind (wir arbeiten auch mit Sichtzeichen) wird - der sich aber immer, wenn wir unterwegs sind und ich es möchte, setzt. Von daher - ich finde Alltagstauglichkeit viel wichtiger als HuPla Tauglichkeit.

    Wir gehen aber regelmässig zum Spielen - und ich hab auch mal einen Mantrailing Kurs gemacht - einfach, damit wir etwas gemeinsam tun können und miteinander lernen, Lucas und ich. So eine Spielgruppe muss nur verdammt gut geführt werden und das ist leider selten der Fall. Unser Trainer scheint da eine echte Ausnahme zu sein, er ist auch immer mitten drin und hat die Gruppe im Blick, kennt jeden Hund, weiß ihn einzuordnen und erkennt schon im Ansatz, wann Eingreifen angesagt ist und wann nicht und es gibt ne Menge Regeln. Wir haben hier auch so einen "Hasen" der rennt wie nix Gutes und nur, weil alle das im Blick haben, artet es nicht in Hetzen aus, allerdings sind die Hunde auch alle etwa gleich groß..... also, kein kleiner "Hase" unter Windhunden. :roll: Und unser "Hase" rennt auch wie bescheuert, wenn ihn keiner jagt. :D

    Sozialisierung ist auch das, was in den ersten Lebenswochen bei Mama statt findet, beim Züchter - er stellt die Weichen für ein ganzes Leben (der Züchter des Welpen meiner Tochter hat eine Hündin zum Decken abgelehnt, weil sie sehr aggressiv ist und gemeint "solche Welpen will ich unter meinem Namen nicht haben!" - sie würde das weiter geben....) geht der kleine Hund durch viele Hände tut das ein übriges dazu. Und was für uns nur 2 Tage sind, ist für einen Hund eine viel längere Zeit. Man geht davon aus, dass das erste Hundelebensjahr in etwa 12 bis 15 Menschenjahren entspricht, da wird aus einem Tag ganz fix mal eine Woche - übersetzt natürlich, aber immerhin viele Erfahrungen. Ein Monat entsprich dann in etwa einem Menschenjahr - da kann viel passieren und gelernt werden.

    Ich muss meinen Hund nicht überall mit hinnehmen, Diego war in der Stadt derart gestresst - der blieb einfach lieber daheim und so war es für alle gut. Malik konnte immer überall hin mit, der fuhr Bahn, Bus, ICE, alles kein Problem,Lucas ist ähnlich.... hauptsache er kann bei mir sein. ;) Klar, Diego hätte es lernen können, aber da ich auch eher selten in Städtenunterwegs bin, war das für uns nicht nötig.

    Und, mit fremden Hunden oder gar Gruppen - muss man ja nicht spielen, dürfen andere gern von mir denken, was sie wollen, ich muss auf meinen Hund achten und nur so, wird aus uns ein gutes Team.

    Sundri

  • Also meine eine Hündin ist auch unter sehr ungünstigen Umständen gross geworden, kam auch schon mit 6 Wochen zu uns.
    Geboren wurde sie bei einem Jäger, dann mit 5 Wochen auf einem Markt verkauft, und nach 2 Tagen in die Tötung gegeben, weil man wollte den Hund dann doch nicht, dann 5 Tage Pflegestelle und dann zu uns.

    Angst vor Menschen hat sie gar nicht, eher umgekehrt.
    ¨Sie war aber auch von Anfang an überall mit dabei, weil eigentlich zu dem Zeitpunkt gar kein Hund geplant war und wir nicht alles auf einmal umwerfen konnten.

    Sie hat also nie auf der Strasse gelebt, aber einen Mülleimer kann sie trotzdem öffnen, obwohl sie wirklich überhaupt nicht verfressen ist, gibt's nix schöneres als ein bisschen im Müll zu spielen... :headbash:

    Ich weiss aber, dass man oft sagt, dass wenn die Mutterhündin sehr viel Stress hat während der Trächtigkeit sich die Stresshormone auf die Welpen mit übertragen. Hier bei uns werden gerade bei den Jägern die Hündinnen an Ketten gehalten, auch während Geburt und Trächtigkeit und werden auch weiterhin mit zur Jagd genommen. Aufgrund dessen stehen die Welpen unter totalem Stresshormon einfluss bereits im Mutterbauch, da die Mutter deiner Hündin ja scheinbar sehr schreckhaft und ängstlich ist, kann es ja vielleicht sein, das sich der Stress auf sie übertragen hat.

    Meine Hündin ist da auch so ein "ich bin total gestresst" Vertreter, aber das haben wir ganz gut in den Griff bekommen, liegt aber natürlich auch immer ein bisschen an der Rasse, oder dem was da auch immer drin ist....

    Unsere andere Hündin verzieht sich auch immer, wenn Fremde kommen, ist aber halt auch ein bisschen Charakter, ich trau auch nicht jedem über den Weg der mir aus dem Waldgraben entgegenkommt.

  • Interessantes Thema =)

    Lino kam mit 4 Monaten aus Rumänien. Er ist auf der Straße geboren und war dann einige Wochen im TH bis es nach Deutschland ging.

    Er ist sehr misstrauisch Menschen gegenüber und überaus wachsam. Stadtgeräusche und Trubel können an schlechten Tagen immer noch massiv Panik verursachen (Wir arbeiten seit gut sechs Monaten an dem Thema und nehmen ihn oft mit).
    Er ist beim Gassi immer am Umgebung scannen. Ich habe noch nie einen so wachsamen Hund erlebt.
    Andere Hunden gegenüber ist er vorsichtig und schaut ganz genau wie sie auf ihn zukommen. Danach entscheidet er wie er ihnen begegnet.

    Jetzt ist die Frage woher das kommt. Bei Lino kommt nämlich dazu dass er nach Rumänien ein Jahr in sehr schlechte Haltung kam. Mit Prügel usw.
    Man kann es wohl nicht sagen. Ich habe aber jetzt schon einige Auslandshunde (vorwiegend Rumänen) getroffen mit unterschiedlichen Vorgeschichten (von im TH geboren bis richtig auf der Straße gelebt) und was mir immer auffällt ist die hohe Aufmerksamkeit und das genaue Beobachten ihres Gegenübers.

  • Zitat

    ...weil mir das Leckerchen runter fällt, Lou es anschaut und denkt "och nu is es wech"...


    ot, aber es ist einfach sooo sympathisch geschrieben!

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  • Mist, hab nen Beitrag geschrieben (bissel längers), irgendwie ist der jetzt komplett weg :muede2:

    Das Wesentliche daraus nochmal:
    Was mich am meisten stört ist dieses "angeknipst sein", wenn wir angeleint in der Stadt unterwegs sind (angeknipst ist natürlich der Hund :D - obwohl, ich nach kürzester Zeit dann auch, weil genervt)).

    Wie schon beschrieben - jedes flatternde Papier, jede Taube, jeder andere Hund in Feldstechersichtweite und natürlich alles Ekelhafte ist dann superinteressant. Ich merk sogar wie sie sich bemüht nicht zu ziehen, die Leine strafft sich aber trotzdem mal kurz oder es wird gehopst und halt fast permanent gescant :muede2:

    Dass sie dann ganz vergisst ihr Geschäft zu verrichten kommt ja noch dazu. So manches mal hat sich währenddessen bei mir ein Bedürfnis gemeldet, welches ich mir dann verdrück, damit Madame im wahrsten Sinn des Wortes mal zu Potte kommt :tropf:

    Ich seh ja, dass andere Hunde so nicht sind. Die trappen locker an der Leine, halten kurz am Grünstreifen - fertig!
    Bitte nicht falsch verstehen - wenn ich den Eindruck hätte mein Hund ist dabei entspannt und glücklich, würd ich extra noch früher aufstehen, damit wir uns durch die Stadt schnüffeln und starren und hopsen können.

    Daher meine Frage: wie beruhigt man einen "angeknipsten" Hund?

    Mit Leckerchen bei Fuß wie in der Hundeschule hilft nur symptomatisch hab ich festgestellt - die ist dann sogar noch angeheizter. Brav Fuß gelaufen, Leckerchen bekommen - gleich mal stehen bleiben und hinter sich gucken, ob man währenddessen was verpasst hat :roll:

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