Das Wesen von "Strassenhunden"
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Zitat
Was mich am meisten stört ist dieses "angeknipst sein", wenn wir angeleint in der Stadt unterwegs sind (angeknipst ist natürlich der Hund
- obwohl, ich nach kürzester Zeit dann auch, weil genervt)).
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Ich seh ja, dass andere Hunde so nicht sind.Also ich würd mal sagen, dass sehr viele Hunde, nämlich vorwiegend die, für die "Stadt" jetzt nichts Alltägliches ist, genau so sind, meine Hündin eingeschlossen. Die Leinenführigkeit ist dann auch vergessen.
Da ist halt alles so ungewohnt und aufregend und eben auch stressig.
Ich für meinen Teil muss meinen Hund nicht unbedingt mit in die Stadt nehmen, es ist mir nicht so wichtig, dass sie da gechillt ist und übe das deswegen auch nicht extra. (In Geschäften hat sie allerdings kein Problem, da kann ich sie auch ablegen und sie wartet brav.)WENN du das aber üben möchtest, dann würde ich mich an deiner Stelle mal mit ihr hinsetzen und sie einfach schauen lassen, bis sie etwas zur Ruhe kommt. Vielleicht wählst du dann auch erst mal Orte, die nicht so frequentiert sind und steigerst das dann z.B. bis zur Fußgängerzone.
(Bin mir aber, ehrlich gesagt, nicht so sicher, ob man das einem ängstlichen Hund überhaupt "antun" sollte.) - Vor einem Moment
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Hi,
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Moin,
hmh - wir leben sehr stadtnah aber doch sehr ländlich, da laufen noch Hühner über die Straße - ich gehe mit allen "neuen" Hunden zuerst einmal nur bekannte Wege, es gibt hier einige Runden, die bei mir vor der Tür beginnen und die hier auch enden.
Immer das gleiche Gelände vermittelt unsicheren oder ängstlichen Hunden Sicherheit, hier fühlen sie sich zu Hause, hier gehören sie hin und bisher haben alle, wenn sie mir abhanden gekommen sind, den Weg nach Hause gefunden und alle haben sich gefreut, als ich endlich auch mal hinterher kam. Bekanntes Gelände, was wir Menschen oft als langweilig ansehen, ist für Hunde etwas ganz anderes. Auch in bekanntem Gelände können einem Abenteuer begegnen, fliegende Tüten, plötzlich aus dem Acker hervorsprießende Heuballen, fremde Leute mit Hunden oder merkwürdige Walker, mitten im Feld stehende Maschinen, neulich erst ein abgebrochener Baum unter dem wir jetzt durchgehen müssen - alles Dinge zum Alltag üben. Je sicherer ich mit diesen Dingen umgehen, desto sicherer folgt mir mein Hund - und, es sind Momentaufnahmen zum Üben, einzelne Situationen in vertrautem Gelände, das übt sich leichter als wenn alles flasht.
Stadtwald ist Power hoch 10, da bekommen auch meine Hunde einen Riechflash, 1000de von Eindrücken, die wir nicht wahr nehmen, den Hund aber vielleicht völlig überfordern? Stadt kann stressen... Geräusche, Gerüche, Bodenbeschaffenheit, dauernd "Nein" und "Pfui", fremde Menschen, Tauben vor den Füßen, Wasser am Springbrunnen, all das, was wir kaum mehr wahr nehmen, bedeutet für einen ängstlichen Hund eine Herausforderung. Und wir nehmen mit unseren (dem Hund sehr unterlegenen Sinnen) weniger wahr als er und haben gelernt viele Geräusche einfach auszublenden - Alltagsgeräusche.
Einen "angeknipsten" Hund würde ich solchen Situationen nur gemäßigt aussetzen..... auf eine Bank setzen und mal nichts tun, ihn beobachten lassen (egal ober er steht oder sitzt oder liegt) und still bleiben. Leckerchen anbieten - sehr gestresste Hunde nehmen es nicht und weiter gehen, wenn er sich gesetzt hat - von sich aus. Passiert das gar nicht, zurück gehen - langsamer machen.....
Geschäfte vergessen? Einen ruhigen Ort aufsuchen, einen, der bekannt ist und der Sicherheit vermittelt.
Und noch einmal überlegen ob solche Orte wirklich sein müssen? Es gibt Hunde die das nicht können und denen man nichts Gutes tut, wenn man sie dazu nötigt. Sollte in Deinem Hund wirklich Herdenschutzhund sein - wird er solche Orte vermutlich nie mögen.... einfach weil solche Hunde fremde Menschen und Hunde für unnötig halten und nicht mögen - das liegt in ihrer Natur - bei Bordern ist das ähnlich, Fremde sind nicht gut. Mir hilft es einfach zu wissen, was Lou für eine Mischung ist - ich kann dann einfacher auf seine Bedürfnisse eingehen und ihn verstehen und ich kann einfacher fordern oder eben auch nicht, was er leisten kann. Oder ich lasse es bleiben.
Lucas ist ein spanischer Schäfermix, diese Hunde gehen mit den Ziegen allein in die Berge, begleiten sie und bringen die Herden wieder zurück. Keiner dieser Hunde würde jemals die Herde rauf bringen und sich in den Schatten legen und entspannen - er sichert erst mal gründlich, schaut sich um und bewertet die Situation und legt sich dann dort hin, wo er alles im Blick hat. Gehe ich mit Lou in ein Straßencafè und würde ihm "sitz" sagen - er würde es missachten.... da ich aber von seiner Rasseveranlagung weiß, lasse ich ihn schauen, so lang er mag (weil er einfach nur steht und sich umsieht, ganz ruhig) und irgendwann legt er sich hin und entspannt. Und, er legt sich so hin, das er alles im Blick hat - solange das für uns beide passt, ist alles gut. Immerhin kann er ja besser unter dem Tisch durchsehen als ich.
Früher hat mich das rappelig gemacht, wenn mein Hund nicht tat was ich wolte - früher hatte ich keinen selbstständig agierenden und entscheidenden Hund (so einen wollte ich auch nie nicht haben) - früher hatte ich einen der tat was ich wollte, aus und fertig. Aber ehrlich, Lou fordert mich täglich und ich liebe ihn.... so einen - will ich wieder, irgendwann.
Ich schreib das so ausführlich, weil ich mehr und mehr dahin kommen, dass das Wesen einen Hundes auch einen Mixes etwas ist, das man berücksichtigen muss - auf das man Rücksicht nehmen muss - sonst werden alle unglücklich.
Im Übrigen ist es so, das mein Diego (gleicher Mix) in neuem Gebiet entsetzlich von der Rolle war, ich Schweden hatte er jede Menge Flashes, Wild, Spuren - ich krieg sie alle, er hing einfach nur in der Leine.... das wurde mit jedem Tag besser und nach einigen Tagen ging es - auch hier war es ein bisschen Gewöhnung und, meist die gleichen Wege.
Je durchgedrehter mein Hund war, desto weniger hab ich von ihm gefordert und wenn nichts mehr ging.... hielt ich ihn einfach nur kurz an meiner Seite. Er kann doch nichts für seine Art und für sein Wesen. Mach es ihm ein wenig leichter.
Ach ja, andere Hunde können das doch auch - aber all die, die es nicht können und glaub mir, das sind ganz schön viele - die triffst Du auch nicht. Die bleiben nämlich zu Hause oder gehen im Dunklen raus, wenn niemand mehr unterwegs ist.

Sundri
@ Rotbuche, Dankeschön
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Sundris Beitrag zum Thema "angeknipst sein" kann ich nur unterschreiben. Und ebenso die Einstellung, dass man seinen Hund so akzeptieren muss, wie er eben ist, und das er vielleicht nicht in jeder Hinsicht ein "Bilderbuch-Hund" ohne Probleme ist (aber wo gibt es das schon wirklich, das ein Hund so gar keine Baustelle hat?). Heißt, wenn mein Hund eben z.B. Jagdtrieb hat, kann ich mich zwar immer wieder drüber ärgern, dass Freilauf nur sehr eingeschränkt und mit viel intensivem Training möglich ist, und neidisch auf den Nachbarshund schauen, der gar keinen hat. Oder eben mich mit der Situation arrangieren und üben, üben, üben
.Meine Hündin ist auch in fremdem Gebiet sehr unsicher; als wir sie bekommen haben war sie kaum bis gar nicht ansprechbar. Sie hat anfangs auch nicht auf Leckerli draußen reagiert. Aber das gibt sich alles nach und nach, und langsam sind auch fremdere Gebiete kein so großes Problem mehr. Wichtig ist mir, sie an für sie stressige Situationen behutsam und langsam heranzuführen und ihr möglichst positive Erfahrungen zu bescheren. Sprich, wenn der Hund z.B. den Stadttrubel gar nicht kennt, dann würde ich jetzt nicht gerade mitten in einer belebten Fußgängerzone einer großen Stadt laufen um das zu Üben/den Hund zu gewöhnen, sondern vielleicht in einer kleinen Stadt, wo nicht ganz so viel los ist und der Hund sich nicht ganz so verloren im neuen Territorium fühlt. Eben so, dass der Hund ein Erfolgserlebnis hat und sein Selbstbewusstsein (bei unsicheren Hunden) so gestärkt wird.
Und Lotte, bei uns ist es genauso z.B. mit der Leinenführigkeit in einer neuen Umgebung. Ich merke, wie meine Hündin eigentlich drauf achten will, aber die Konzentration völlig für andere Dinge drauf geht. Da bin ich dann auch ein bisschen nachsichtiger. Sie hatte auch eine Phase, da schien echt ALLES neu zu sein (nach 4 Monaten reiner Zwingerhaltung in Rumänien wohl auch nicht verwunderlich) - und da hat jeder aufflatternde Vogel für helle Aufregung (und Jagdtrieb) gesorgt... Es gab eine Zeit, da hat striktes bei Fuß-Laufen neue Situationen für sie erleichtert, weil sie gemerkt hat, dass ihr die Verantwortung abgenommen wird, aber manchmal funktioniert das auch gar nicht, weil sie 2m neben mir läuft, und dann Zentimeter für Zentimeter wieder weiter nach vorn läuft
Ich glaube man muss eine Balance finden zwischen dem "perfekt erzogenen" Hund, der jedes Kommando auf das erste Zeichen hin befolgt, und dem individuellen Charakter des Hundes (meine ist zum Beispiel - sowohl vom (vermuteten) Rassehintergrund als auch aufgrund der Tatsache, dass sie wohl noch in der Pubertät ist -, ab und an ziemlich resistent gegenüber dem, was ich von ihr will
). Und nicht so sehr auf die anderen, vermeintlich so wohlerzogenen Hunde schauen :) Wie gesagt, ein Hund, der liebevoll groß geworden ist und nichts "schlimmes" erlebt hat (bzw. seine Eltern, wenn wir denn von einer gewissen Vererbung von Charakter ausgehen), ist vielleicht auch leichter in solchen Situationen zu erziehen. Klar ist man dann ab und zu neidisch, aber tauschen wollen würde ich trotzdem nicht 
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Das sid viele beruhigende Worte, danke
Hab ich mir noch gar nicht überegt, dass die anderen HH einfach der Situation aus dem Weg gehen!
Allerdings muss ich noch was ergänzen. Wir wohnen mitten in der Stadt (keine Großstadt) und wenn ich morgens vor der Arbeit mit ihr gehe MUSS ich da durch in den nächsten Minipark. Ganz selten schnapp ich mir auch mal das Auto und fahr raus - zeitlich reicht das aber kaum für netto 20 Minuten laufen.
Ich steh schon um 5 auf, damit ich mit ihr noch mind. 45 Minuten raus kann, bevor ich zur Arbeit muss. Also ist es ca 6 wenn wir losgehen. Da ist eigentlich noch nicht viel los - na ja aus meiner Sicht jedenfalls. OK, Müllwagen, Strassenkehrer mit und ohne so lauten Gebläseteilen, elektrische Strassenkehrmaschinen...komischereise sind die ihr aber alle pups
Ich lauf mit ihr staight zum Park, da darf sie an der Flexi schnüffeln und machen soviel sie will, dann wieder über Umwege nach Hause. Mittags geht mein Mann mit ihr auch an der Leine und abends machen wir die große Runde über Feld, Wald, Wiese. Da darf sie frei laufen.
Will sagen: die morgendliche Runde durch die Stadt ist quasi praktisch alternativlos und angesichts der frühen Uhrzeit nicht sooo überfördernd wie sich das zunächst anhört.
Und ich dachte bisher sogar, das sei richtig, damit sie täglich an der Leine laufen muss. Dachte, dass ich irgendwann mal einen entspannten Hund an der Leine haben werde wegs Gewöhnung
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